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Pirckheimer-Blog

So, 25.07.2021

Gotthilf Kurz – ein schwäbischer Buchkünstler

Im Dettinger Rathaus findet im Oktober eine Verkaufsausstellung mit Werken von Gotthilf Kurz statt. Der Buchbinder, Buchkünstler und Graphiker gilt als einer der Großen in seinem Metier in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gotthilf Kurz wurde 1923 in Nürtingen-Reudern geboren, lebte nach dem Krieg 20 Jahre in Dettingen und verstarb im Jahre 2010 in München, er lebte dort seit seiner Berufung an die Akademie für das graphische Gewerbe als Leiter der Meisterklasse für Buchbinderei. Die Witwe von Gotthilf Kurz hat der Württembergischen
Landesbibliothek Stuttgart einen bedeutenden Bestand von 521 Handeinbänden mit allen denkbaren Bezugsarten von Leder bis Plexiglas übergeben.

Gotthilf Kurz war nicht nur Buchbinder, sondern er betrachtete das Thema Buch als eine Einheit von Schrift, Layout, Druckbogen und Einband. Die Beherrschung der handwerklichen Technik in Einklang mit der künstlerischen Auseinander- und Umsetzung führten zu einzigartigen Werken der Bucheinbandkunst. Als Meister im Umgang mit Papier erwies sich Gotthilf Kurz auch, wenn es darum ging, Kassetten für Bücher oder Bilder zu gestalten.

In den späteren Jahren hat Gotthilf Kurz zur Aquarellmalerei gefunden und seine Liebe zur Landschaft seiner Heimat entdeckt.

Ausstellung: 2. - 31. Oktober 2021

Rathaus der Gemeinde Dettingen unter Teck

Sa, 24.07.2021

Heinz Kiwitz, Lesefrüchte

Durch Veröffentlichungen in den „Marginalien“ dürfte so manchem Pirckheimer Heinz Kiwitz ein Begriff sein und deshalb unser Hinweis auf eine wichtige Publikation über den Künstler, die anlässlich der aktuellen Ausstellung im Museum St. Laurentius, Duisburg-Rheinhausen, erschien.

Der Ausstellungskatalog „Lesefrüchte – Holzschnitte zur Literatur. Heinz Kiwitz 1910-1938“ enthält zahlreiche Abbildungen und einen sehr lesenswerten Text von Dr. Burkhard Biella, in dem er neben einem biographischen Abriss ausführlich und detailliert auf die Holzschnitte eingeht, die Kiwitz zu 15 literarischen Werken schuf. Dem Autor gelang es, neben biographischen Fakten auch Graphiken von Kiwitz zu entdecken und im Katalog zu veröffentlichen, die bisher unbekannt waren, wie die Linolschnitte zu Oscar Wildes „Dorian Gray“ oder einen Holzschnitt in der Sammlung unseres Pirckheimers Dr. Gerd Gruber.

Der Katalog (184 Seiten, 187 Abbildungen, ISBN 978-3-948281-03-8) ist über das Museum oder über den Buchhandel zu beziehen; Preis 13 Euro plus Versandkosten.

Ausstellung: 4. Juli 2021 - 6. März 2022

Museum St. Laurentius
Martinistr. 7, Duisburg

Fr, 23.07.2021

BB exklusiv für Pirckheimer

Kurt Idrizović von der Buchhandlung am Obstmarkt, Augsburg, bietet Mitgliedern den im Buchhandel vergriffenen Titel "Begegnungen mit Brecht" vom Lehmstedt Verlag, Lpz. 2009, 399 S., gestaltet von Mathias Bertram, zum Sonderpreis von 5 Euro (zzgl. Versand) an.

"Alle, die Bertolt Brecht kannten, waren von ihm beeindruckt: von seiner Freude an der Begegnung und am Gespräch, von seinem Wissensdurst und seiner Fürsorglichkeit, von der Lust an der Provokation und am Konflikt oder von dem manchmal rätselhaften Wechsel zwischen Auftritt und Rückzug, Präsenz und Tarnung, Souveränität und Scheu. Aus der Fülle der Zeugnisse hat der Herausgeber 58 Berichte von Kollegen, Freunden, Widersachern, Mitarbeitern und Schülern ausgewählt, die ein lebendiges Bild eines Jahrhundertautors zeichnen, der wie kaum ein anderer aus der Kommunikation heraus gelebt und gearbeitet hat. Neben einer Reihe wiederzuentdeckender Texte bekannter Autoren finden sich unbekannte, erstmals ins Deutsche übersetzte sowie eigens für diesen Band geschriebene Erinnerungen an Bertolt Brecht." (aus dem Klappentext)

Der Autor, Erdmut Wizisla (geb. 1958, Promotion 1994) leitet das Bertolt-Brecht-Archiv und das Walter Benjamin Archiv, beide Akademie der Künste, Berlin, und publizierte zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Benjamin, Brecht, Uwe Johnson und anderen.

Bestellung an Buchhandlung am Obstmarkt

Do, 22.07.2021

KLANGBAD ECHO FESTIVAL

Im Rahmen des Klangbad Echo Festivals in der Alten Papierfabrik Scheer bieten die Ateliers von Bernhard  Maier und Eckhard Froeschlin, Musik, Literatur und Kunst.

Am Samstag, 31.7. sind die Ateliers ab 13 Uhr geöffnet. Auf der Bühne davor gibt es abwechselnd Musik und Lesungen, letztere durch Gabriele Loges und Markolf Hoffmann

Zur Matinee am Sonntagmorgen 11 Uhr liest Georg Loges aus dem Künstlerbuch LASST UNS LACHEND ESEL BOHREN! mit Texten des schwäbischen Aufklärers, Dichters und eingekerkerten Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart. Das Buch ist im letzten Jahr entstanden, mit Druckgraphik von Ena Lindenbaur und Eckhard Froeschlin. Im Anschluss an die Lesung stellt der Künstler das Buch vor und erzählt zur gemeinschaftlichen Arbeit an den Radierungen und zum Textdruck vom Bleihandsatz. Die Ateliers bleiben am Nachmittag geöffnet, während auf dem Fabrikgelände der Festivalbetrieb weitergeht.

Weitere Informationen und Kartenverkauf für das Festival: Webseite des Vereins Ateliers im Alten Schlachthof Sigmaringen.

30. Juli - 1.August 2021

EDITION SCHWARZE SEITE
Alte Papierfabrik, Fabrikstr. 32-40, 72516 Scheer/Donau

Mi, 21.07.2021

Harald Kugler, Foto: privat

Bücherkisten,

in Gestalt von Schränken, Telefonzellen oder anderweitig überdachten Behältnissen, verbreiten sich auf angenehme Weise für die Freunde/innen der Bücher als einen Ort, wo man ohne Zwang und Beeinflussung eine Leidenschaft unterstützt und durch Unbekannt gefördert bekommt. Stets kostenfrei und ohne Verpflichtungen können hier Leseratten oder Bibliophile ihren Neigungen nachgehen. Was andere an Lesestoff nicht mehr benötigen, findet in den Bücherkisten Platz zum Auswählen, Stöbern aber auch Entdecken, wenn sich plötzlich die Erstausgabe eines Werkes findet, dass man schon lange für seine Sammlung gesucht hat oder man ein Buch entdeckt, dass selbst in Antiquariaten vergriffen ist. Diese neue Form der Öffentlichkeit im Umgang mit Büchern ist ein erfreulicher Beweis dafür, dass es unter den Menschen doch etwas gibt, dass von einer uneigennützigen Form der Bereicherung gekennzeichnet ist und eine Gemeinschaftlichkeit charakterisiert, die dem Leben eine soziale Form verleiht. Eine Form, deren Gesetzlichkeit, wenn man überhaupt davon sprechen kann, auf Freiwilligkeit ohne irgendwelche Besitzansprüche beruht, ganz so, wie man sich ein Leben auf diesem Erdenrund erträumen würde. Man stelle sich vor, es gäbe kein privates Eigentum, weder an Produktionsmitteln, noch an Grund und Boden oder Menschen. Für uns Heutige unvorstellbar, weil unsere Altvordern dem Nachbarn, in Wald und Flur, Platz zum Leben streitig gemacht hatten und beizeiten um die Aufteilung der Welt bemüht waren. Doch lassen wir Geschichte Ergebnis sein, die Leseratten und Büchersammler waren schon immer ein eigenes und manchmal seltsames Völkchen, die mit ihrer Leidenschaft eigene Gesetze schufen. Und so bleibt auch die Bücherkiste eine gesellschaftliche Rarität, über die wir uns freuen, dass sie durch ihre Vielfalt unser Leben bereichert.

(Harald Kugler)

Di, 20.07.2021

Tschüss, Denis Scheck

Literatur für "Rauch und Feuer" ist mehr als ein medialer Fehlgriff in meinem Land, lieber Frank Hertweck vom SWR. Das ist keine Ironie, das ist einfach nur schäbig!
Und Christa Wolf in einer Liste mit dem böhmischen Gefreiten ist dumm und unverzeihlich, Herr Scheck. Dumm und unverzeihlich!

(Interview mit Hertweck zum Nachlesen)

"Schecks Antikanon heißt das ... Format des TV-Starkritikers ..., in dem er die, seiner Meinung nach schlechtesten Bücher der Weltliteratur bespricht. Christa Wolfs Kassandra war eines der ersten Opfer auf seinem Altar, das sodann dem Feuer übergeben wurde."
(Charlotte Szász, in Der Freitag)
Wenn ich im Artikel in Der Freitag Zitate von Scheck lese: „Wolfs Prosa schmeckt nach Soljanka“ (redet er eventuell von Markus Wolfs Troika?) und er davon spricht, in „Kassandra“, der verzweifelten Mahnerin, den „Ton der Besserwisserei und der moralischen Überlegenheit“ gefunden zu haben, frage ich mich, ob er das Buch überhaupt gelesen hat.

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So, 18.07.2021

lks.: E. Hartwig TABLE II, 06/2017, 2-Farbplatten-Aquatinta und Strichatzung, 9,5 x 29,8 cm, R. Mucke ”Roter Schrein“, Aquarell, 29 x 20 cm, 2017

Rahel Mucke & Eberhard Hartwig

In der Klostergalerie Zehdenick wird im August eine Ausstellung mit Malerei, Druckgrafik und Zeichnungen von Rahel Mucke und Eberhard Hartwig eröffnet. Musik: Andreas Brunnen, Solo Gitarre.

Eberhard Hartwig und Rahel Mucke verbindet seit vielen Jahren eine Arbeitsfreundschaft. Diese Freundschaft fand ihren Ursprung im Druckgraphik-Atelier von Eberhard Hartwig. Während sein Hauptarbeitsgebiet die Druckgraphik ist, konzentriert sich Rahel Mucke neben den druckgraphischen Techniken auf Aquarell und Zeichnung. Eberhard Hartwig ist aber auch in der Malerei und der Handzeichnung unterwegs. So unterschiedlich beider Stile auch sind, so haben sich doch beide immer für die Arbeit des jeweils anderen interessiert. In dieser Ausstellung, zeigen sie sich vereint mit ihren Bildern. Zwei unterschiedliche Stimmen, die etwas über unseren Alltag und über die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu sagen haben.

Im Rahmen der Ausstellung wird es im Oktober eine Lesung von Rahel Mucke geben: Gedichte – Literatur im Gespräch.

Eröffnung: 8. August 2021, 16 Uhr, Begrüßung: Jörg Zieprig, Galerist Klosterscheune Zehdenick
Ausstellung: 8. August - 10. Oktober 2021
Lesung: 9. Oktober 2021, 16 - 18 Uhr

Klostergalerie Zehdenick
Am Kloster, 16792 Zehdenick

Sa, 17.07.2021

Thomas J. Richter

Grafikeditionen erfreuen sich wieder immer größerer Beliebtheit, wie z.B. die Edition Pirckheimer (siehe Marginalien #239, 2020/4).

In der jW-Kunstedition, herausgegeben vom Pirckheimer Andreas Wessel, erschien jetzt das 7. Blatt, diesmal von Thomas J. Richter, sozusagen dem jW-Hauskünstler.

Im Handdruck auf einer Andruckpresse aus den 60ern in einer Auflage von 250 Exemplaren auf cremefarbene Munken Pure, 300 g/m2 stark, gedruckt von Harald Weller, den man in Berlin gern in einem Atemzug mit Hendrik Liersch von der Corvinus Presse und dem Tiefdrucker Dieter Béla nennt.

Dieses Blatt aus dem Jahr 2012 der Richterschen Liebespaare wurde hiermit erstmals publiziert und bislang noch nicht in einer Auflage gedruckt. Der Holzschnitt "Paar am Strand" ist ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.

Bisher erschienen in der jW-Kunstedition

  • Marc Gröszer, »ohne Titel«, 2019
  • Ronald Paris, »Charons Boote«, 2019 (das Motiv taucht auch in der Merseburger Sitte-Ausstellung als Guache auf, siehe Katalog S. 110)
  • Heike Ruschmeyer, »Köln 9. Juni 2004«, 2020
  • Alex Weise, »Kleidsam durch die Krise«, 2020
  • Anna Franziska Schwarzbach, »Fred und Karl in Paris«, 2020
  • Harald Kretzschmar, »Die Bewegten«, 2021

Fr, 16.07.2021

Klaus Wilfert in der Galerie der Berliner Graphikpresse, Foto: ad

Galeriegespräch mit Klaus Wilfert

Klaus Wilfert, der in seinem Atelier für künstlerischen Handpressendruck in Berlin von 1978 bis 1998 neben Lithographie in Schwarz-Weiß als einer der wenigen auch Farblithographie druckte, stellte sich gestern in der Galerie der Berliner Graphikpresse den Fragen der Gesprächsteilnehmer zu den technischen Herausforderungen dieser speziellen Technik und sprach über seine langjährige Zusammenarbeit mit den Künstlern, u.a. mit Max Uhlig, Dieter Goltzsche, Nuria Quevedo, Ronald Paris, Wolfgang Leber, Rolf LindemannHeinrich Tessmer und Harald Metzkes. (siehe hier)
Die Farblithographien entstanden jeweils gemeinsam mit dem Künstler im Atelier aus 5 bis 7, im Extremfall auch 8 Platten, jede aufgrund des gewünschten Formats häufig um 70 kg schwer, mit jeder Platte wurden 1 oder mitunter 2 Farben gedruckt, die dann in ihrer Gesamtheit das gewünschten Farbbild ergaben. Ein spaßiges Detail: Da die Blätter dazu "genadelt" wurden, enthalten die Steindrucke Löcher, die auch schon mal als Mangel am Zustand gekennzeichnet wurden ...

Aufgrund der bekannten Beschränkungen konnten sich nur 15 Personen aus erster Hand über die Finessen und Besonderheiten der Erstellung farbiger Lithographien informieren, innerhalb der laufenden Ausstellung "Meisterdrucke der Lithographie / Werkstattarchiv Klaus Wilfert" wird es jedoch im August ein weiteres Gespräch mit dem Meisterdrucker geben - Anmeldung ist aufgrund der eingeschränkten Platzwahl erforderlich.

Ausstellung: 8. Juni - 13. August 2021
2. Galeriegespräch: 5. August 2021, 18:30 Uhr

Galerie der Berliner Graphikpresse
Silvio-Meier-Str. 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

Do, 15.07.2021

Ruth Wolf-Rehfeld: Unbestimmte Summe, 1987, Typewriting, Foto: Zentrum für Kunstpublikationen, Weserburg Museum für moderne Kunst Bremen

Gerhard-Altenbourg-Preis 2021 für Ruth Wolf-Rehfeldt

Altenbourg-Preisträgerin 2021 ist Ruth Wolf-Rehfeldt. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigte sie sich mit Malereien, Pastellbildern und Zeichnungen. Bekannt geworden ist sie jedoch durch ihre sogenannten „Typewritings“, kleinformatige Werke, die sie seit den 1970er Jahren auf der Schreibmaschine erstellte. Die „Schreibmaschinenkunst“ Wolf-Rehfeldts umfasst beispielsweise konkrete Poesie, Grafikdesign und Konzeptkunst. Bei den Werken handelt es sich um Hybride aus Sprache, Symbolen und visueller Form. Damit entwickelte Ruth Wolf-Rehfeldt eine auffällig autonome künstlerische Position in der DDR. Mit ihren Werken verknüpft sie ein ungewohntes visuelles Erlebnis mit einer ganz eigenen Poetik, bestehend aus losen Buchstaben, Schlagworten und ikonischen Wendungen. Im Spätwerk nehmen abstrakte Kompositionen, linguistische Beschilderungen und die Sprache als Form und Materie einen immer größeren Raum ein.
Zusammen mit ihrem Mann Robert Rehfeldt wurde die Künstlerin Teil eines weitläufigen Netzwerkes. Intensiv pflegte sie den Austausch mit anderen Kunstschaffenden - auch auf internationaler Ebene.
Nach dem Tod ihres Mannes und dem Fall der Berliner Mauer hat Wolf-Rehfeldt ihre künstlerische Arbeit bewusst beendet.

Die umfassende Retrospektive des Lindenau-Museums vereint Werke aus mehreren deutschen Museen. Neben der ungewöhnlichen Bildsprache werden auch die verschiedenen Schaffensphasen abgebildet, die sich zwischen DADA und visueller Poesie bewegen.

Ausstellung: 19. September - 14. November 2021

Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg

Mi, 14.07.2021

Quelle: Facebook

Gutenberg-Jahrbuch 2021

Das neue Gutenberg-Jahrbuch ist da und mit ihm viele spannende Aufsätze über die Buch- und Druckforschung zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert. Einige der Mitglieder der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz haben es bereits erhalten und für alle anderen gibt es nun einen kleinen Einblick:

Ab Seite 49 im Gutenberg-Jahrbuch 2021 diskutiert Farley P. Katz den Druck des 1460er Catholicons und geht dabei insbesondere auf die Slug-Theorie von Paul Needham ein. Das Catholicon gilt als eines der Mysterien der Druckgeschichte, da es vermutlich zu drei verschiedenen Zeiten, auf drei verschiedenen Papieren und mit drei verschiedenen Pressen gedruckt wurde, es jedoch im Satz kaum Unterschiede aufweist. Wie aber ist das möglich, wenn zur Zeit der ersten Auflage um 1460 mit einzelnen Lettern gedruckt wurde, die nach dem Druck wieder in ihren Setzkasten sortiert wurden? Paul Needham stellte dazu 1982 eine umstrittene Theorie auf: das Catholicon wurde nicht mit einzelnen Lettern, sondern mit zweizeiligen festen Einheiten gedruckt, die anschließend aufbewahrt und für weitere Auflagen wiederverwendet wurden. Farley P. Katz erläutert in seinem Beitrag diese Theorie und erklärt, warum sie so umstritten ist.

(Quelle: Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V. | Facebook)

Di, 13.07.2021

"Bildschirmfoto" von Peter Arlt

100. GEBURTSTAG VON WILLI SITTE (3)

Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete in der Sendung mdr um 11 am 12. Juli über die Ausstellung zu Ehren des Künstlers Willi Sitte in Merseburg - "ein Kraftakt für den Förderverein. Denn die Willi-Sitte-Stiftung ist insolvent."
Hier geht es zum Gespräch mit dem Pirckheimer und Kurator der Ausstellung Prof. Peter Arlt.

Und im ND schreibt Hendrik Lasch über unter dem Titel Merseburger Küchenrunde über diese Ausstellung.

Mo, 12.07.2021

Ausriss Die Rheinpfalz, 5.7.2021

Eisenblaue Bäume

"»Das ist eine bibliophile Angelegenheit«, erldärt der Ludwigshafener Künstler Günther Wilhelm, als er in seinem Atelier in der Hartmannstraße vier neue Bücher präsentiert. [...]
Jedes Buch enthält jeweils einen Leporello, zum Blättern oder Auseinanderfalten, vielmehr aber noch zur eingehenden Betrachtung. Vom jüdischen Friedhof in der Südwestpfalz, dem Mannheimer Altrhein, der Burgruine Nanstein oder bizarr miteinander verwachsenen Bäumen, die Wilhelm fotografiert und in Cyanotypien festgehalten hat.
Die blauen Farbtöne des auch als
»Eisenblaudruck« bekannten altertümlichen Verfahrens setzen die sorgsam ausgewählten Motive in ein faszinierend fremdartiges Licht und verleihen eine fast geheimnisvolle Anmutung. Der Beilenkrappen und die Silberpappel rund um die Mannheimer Reißinsel und den Waldpark vermitteln den Eindruck eines just vorübergezogenen Unwetters. Die alten Grabmäler auf dem Judenfriedhof der kleinen Gemeinde Busenberg sehen aus wie zur „blauen Stunde", in der Dämmerung oder gar zur Nacht aufgenommen. [...]
Das »Bollwerk Nanstein - Der Untergang«, so der Titel des vierten Bandes, sieht in Wilhelms Edition altertümlicher als in Wirklichkeit aus. zugleich wirken diese Aufnahmen irgendwie authentischer, so als führte die alte Drucktechnik näher an die bewegte Vergangenheit der Burg über Landstuhl heran. [...]
Nur jeweils neun kostspielige Exemplare existieren von jedem Band. Jedes ein Unikat, zumal identische Cyanotypien sich nicht herstellen lassen. [...] Der Hemshöfer Künstler bedient sich gerne, ja, leidenschaftlich, solcher sogenannten Edeldruckverfahren und alternativer Prozesse aus den Pioniertagen der »Photographie«, die längst schon ins Abseits geraten und lange schon von der Digitalfotografie verdrängt worden sind. [...]

(Stefan Otto, Die Rheinpfalz)

So, 11.07.2021

Eine Vision trägt einen Menschen durchs ganze Leben

... ist ein Interview von Peter Michel mit dem Pirckheimer Peter Arlt in der heutigen junge Welt-Wochenendausgabe überschrieben. Das Gespräch der beiden Kunstwissenschaftler trägt den Untertitel »Über 100 Jahre Willi Sitte, die Wahrheitsfunktion der Kunst, neue Zeiten für Ikarus und eine Hommage an den Realismus« und fand aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung »Merseburger Sprüche und Sprünge« in der Merseburger Sitte-Galerie für realistische Kunst statt.

Peter Michel beginnt das Interview mit der Feststellung: "[Die Ausstellung] ... wurde von Ihnen langfristig und mit hohem Anspruch kuratiert, 160 Werke von 83 Künstlern werden dort bis zum 9. Januar 2022 zu sehen sein. Ab 3. Oktober 2021 zeigt das Kunst­museum Moritzburg in Halle (Saale) eine große Retrospektive aus dem Lebenswerk Willi Sittes. Beide Ausstellungen laufen dann parallel." und fragt Peter Arlt dann »Was hat Sie bewogen, der Ausstellung einen solchen Titel zu geben?
"Die erste Zauberformel der »Merseburger Zaubersprüche« heißt im Neuhochdeutschen: »Entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden!« Auf die realistischen Künstler übertragen, bedeutet das, den Gängelbändern des Kunsthandels und der Kunstpolitik zu entkommen und mit dem Robert-Musil-Harald-Metzkes-Spruch »Der Realismus ist wie das Gras, das, niedergetreten wieder aufsteht« die Kraft der Visualität zu finden, im eigenen Sinn und Stil zu entfalten und der Realismusgemeinschaft beizufügen."

Es folgt eine Einblick in die Realismustheorie mit dem Fokus auf das Schaffen von Willi Sitte und gut 80 weiteren DDR-Künstlern, deren Beitrag zum Realismus mit der Ausstellung gewürdigt wird.

junge Welt, 10. / 11. Juli 2021, Nr. 157

Sa, 10.07.2021

Siegfried Gwosdz, soulfullness, Farbholzschnitt von 5 Platten. Bild 30 x 42 cm, Bütten 42 x 59,5 cm, Auflage 40 Exemplare, signiert und nummeriert

Siegfried Gwosdz – Endlich Holzschnitt!

"Als einer, der sich auch nach dem Abitur und mithin 13 Jahren Kunstunterricht noch gewundert hat, wie es einem Rembrandt gelingen konnte, mittels eines Radiergummis all die filigranen Bilder zu schaffen, die in den Deutsch-Lesebüchern abgebildet waren, frage ich oft Künstler, wie sie denn zur Druckgrafik gekommen sind. Eine der schönsten Geschichten ist die von Siegfried Gwosdz: Er war schon als Jugendlicher als talentierter Zeichner bekannt, und eines Tages kam eine Freundin mit einer Radierung zu ihm und bat ihn, diese abzuzeichnen. Verblüfft stellte er fest, dass sich so feine, kräftige Linien mit dem Zeichenstift nicht zuwege bringen ließen.
Also besorgte er sich ein Lehrbuch zu druckgrafischen Techniken, das von einem Mitglied der Druckerdynastie Kätelhön verfasst worden war, und begann eigenständig, sich die Technik der Radierung anzueignen. Was sich so leicht anhört, ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden: Es braucht eine Druckpresse, denn da bei der Radierung gefeuchtetes Büttenpapier die Farbe aus den Vertiefungen der Kupferplatte saugen soll, ist erheblicher Druck nötig, den kann man nicht mit einer Handwalze oder einem Falzbein erzeugen. Und wenn man nicht nur Kaltnadelradierungen herstellen will, braucht es Eisenchlorid zum Ätzen der Kupferplatte. Eisenchlorid, das ist – Salzsäure! …
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(Wolfgang Grätz in 238. Frankfurter Grafikbrief)

Ausstelling: 17. Juli - 2. September 2021

Frankfurter Büchergilde & Galerie
An der Staufenmauer 9