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Pirckheimer-Blog

Mi, 20.09.2017

Anmerkung zur Anmerkung von Martin Z. Schröder

Affig? Lieber Herr Schröder, so kenne ich Sie ja gar nicht! Welche Laus ist Ihnen denn da nachts über die Leber gelaufen? Die schönsten deutschen Bücher 2017 sind also alle gräßlich? Und sehen langweilig aus? Keine Lust auf die Inhalte? Dann verpassen Sie was ...

Als kritischer Geist die Fahne der Typografie- und Buchkultur hochzuhalten, ist verdienstvoll. Allerdings frage ich mich: Waren Sie bei der Preisverleihung am 14. September im Frankfurter Museum Angewandte Kunst? Haben Sie einige der Bücher in Händen gehalten?

Wohl kaum. Zum Beispiel zeichnen sich alle Bücher der Kategorie 1 (Allgemeine Literatur) schon einmal durch wunderbare Papiere aus. Paul Auster, Tilman Rammstedt – zwei äußerst lesefreundlich gestaltete und auch lesenswerte Romane, letztgenannter dem Inhalt entsprechend differenzierter gestaltet, Grundschrift ist die robuste Franziska; wenn Sie die Anspielungen auf die 1970er Jahre auf Umschlag und Einband nicht mögen, sei’s drum (das führt allerdings direkt ins Buch hinein) – Sie verpassen eine toll erzählte, turbulente Geschichte mit einem inhaltlichen und einem gestalterischen Clou am Ende. Dann die Voltaire-Texte inklusive ausführlichem Nachwort, die im neu gegründeteten Verlag Das kulturelle Gedächtnis erschienen sind – allesamt lesenswert für vielseitig interessierte Zeitgenossen, wie übrigens auch die anderen Titel des Verlages. Der bedruckte Einband verführt geradezu zum Anfassen und Lesen.
Formate, Gestaltung, Inhalte – die Vielfalt ist enorm. Ob „Der Harburger Binnenhafen“, eine handliche Klappenbroschur für 5 Euro, oder der Bildband „Im eisigen Weiß“ mit berückenden Fotos und zurückgenommener Typo für 68 Euro – auch die preisliche Bandbreite ist groß. Ich jedenfalls bin von diesem Jahrgang begeistert.
Sie müssen den Wettbewerb nicht mögen und auch nicht die ausgezeichneten Bücher, jedoch ist mir Ihre Kritik zu pauschal und oberflächlich. Anzudeuten, dass die Einschätzung auch anders ausfallen kann, ist mir jedenfalls ein Anliegen.
Auf der Frankurter Buchmesse (Stiftung Buchkunst in Halle 4.1) können alle Buch- und Literaturliebhaber die ausgezeichneten Titel wie auch die Short- und Longlist-Titel selbst in Augenschein nehmen. Die Einladung gilt ...

(Silvia W. Werfel)

Di, 19.09.2017

Klemke illustriert Brecht

Die Bitten der Kinder

Die Häuser sollen nicht brennen.
Bomber sollt man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein.
Leben soll keine Straf sein.
Die Mütter sollen nicht weinen.
Keiner sollt töten einen.
Alle sollen was bauen.
Da kann man allen trauen.
Die Jungen sollen`s erreichen.
Die Alten desgleichen.

Bertolt Brecht (1951)

Abb. 1 zeigt die 1. Aufl. Unsere Fibel. Autorenkollektiv. - Berlin: Verlag Volk und Wissen. 1974. - 111(1) S. - 27,5 x 18,8 cm. - iOPp.
Abb. 2 dass. 2 Auflage: 1975.

Gefunden im Katalog Schönste Bücher 1974 (DDR), S. 37: Illustrationen und Ein­band: Werner Klemke. Schreibschrift: Renate Trost. Auflage: 300.000. Schrift: Gill-Grotesk (Monophoto). Pappband. 112 Seiten mit 140 Bildern.

Schönste Bücher - eine Anmerkung

Wenn man sich diese triste Sammlung eines vollkommen unkritischen sog. Fachmagazins anschaut, kann man kaum glauben, daß es eine Auswahl von Büchern ist, die wegen ihrer Schönheit prämiert wurde. Das eint diese Bücher: Sie sind angeblich die fünfundzwanzig schönsten des Jahres 2017. Abgesehen davon, daß ich keines dieser Bücher lesen will, weil sie so langweilig und nichtssagend ausschauen, so fällt mir vor allem auf, daß fast alle, nicht nur der Siegertitel mit dem Affen, irgendwie affig wirken. Das betont Handgemachte, also richtig mies und schwer leserlich gekrakelte Schriften, auch als Imitat (also eine Satzschrift, die so tut, als sei sie geschrieben) – als sei handgemachte Arbeit gesetzmäßig krumm und schief, brrr! –, das naiv Dümmliche, ebenso aber auch das Naive an sich, nämlich die serifenlose Schrift, vor allem solche, die ein bißchen auffällig gemacht wurden durch Extreme wie feinste Linien oder Verzerrungen oder willkürliche und überflüssige Verzierungen, werden besonders goutiert. Eine Sammlung von Büchern von zwei oder drei Design-Maschen. Ein bißchen Zitat, ein bißchen Retrospektive, ein bißchen Verzierungen, aber in der Anlage sind alle diese Umschläge vollkommen innovationsfrei. Werbeagenturkram. Der Durchschnitt von dem gedankenlosen Zeug, das in unseren Buchhandlungen herumliegt und den schlechten Geschmack der Buchhandelsvertreter aus den Verlagen spiegelt. »Schönste Bücher« – wenn es nicht so trübselig wäre, wäre es wenigstens ein lahmer Witz. Gräßlich. Man wird übrigens auch in keinem deutschen Feuilleton eine Kritik dazu finden, denn die Form des Buches ist dem Feuilleton ebenso schnurzpiepe wie den sog. Fachmedien. Es ist deshalb in dieser Hinsicht inkompetent. Auch gräßlich. Es lebe das Antiquariat. Aber auch die Kleinverlage, die sich an dem affigen Wettbewerb nicht beteiligen (er kostet Gebühr) und wirklich gute Bücher machen, sie leben hoch!

(Martin Z. Schröder)

Mo, 18.09.2017

Pirckheimer gibt Grafik-Sammlung an Museum nach Pasewalk

Die am Sonntag eröffnete Sonderschau "DDR-Grafik-Sammlung" zeigt bis zum 19. November anhand von etwa 40 Arbeiten einen Ausschnitt der facettenreichen Sammlung eines ungenannt bleiben wollenden Pirckheimers. "Damit soll die Diskussion um den Umgang mit Kunstgrafik aus der DDR-Zeit neu belebt werden", wie die Museumsleiterin Anke Holstein ausführte. Die DDR gilt als „Land der Grafik“. Das Medium Grafik wurde vielseitig gefördert und konnte sich experimentierfreudig entwickeln – nicht nur systemkonform. Die Ausstellung zeigt inhaltlich und künstlerisch die Bandbreite des grafischen Schaffens und ein Spektrum von Kunstschaffenden der DDR, die in diesem Spannungsfeld zwischen staatlicher Kulturpolitik und individuellen künstlerischen Ansichten agierten.

Aus Anlass der Ausstellungseröffnung sagte der 82-jährige Berliner Pirckheimer zu, seine Sammlung aus ca. 700 Blättern dem Museum zu übergeben. Das Museum mit der Paul-Holz-Gedenkstätte erhält dadurch Werke namhafter und auch international anerkannter Künstler aus den Jahren von 1961 bis Mitte der 1980er Jahre, darunter Bernhard Heisig, Werner Tübke, Otte Niemeyer-Holstein, Dieter Goltzsche, Joachim Jahn und Klaus Magnus.

Ausstellung: 17. September -19. November.2017

Museum der Stadt Pasewalk

Tag des offenen Ateliers in der Kunstmühle

Der Internetauftritt der Neuhauser Kunstmühle ist inzwischen soweit gediehen, dass nicht nur die Werkstatt, sondern auch die Druckgrafiken, Künstlerbücher und das Glas so gut es eben über das Netz geht dargestellt werden.

Am 14. Oktober von 14.00 bis 18.00 und am 15. Oktober von 10.00 - 12.00 und von 14.00 - 18.00 ist die Werkstatt der Neuhauser Kunstmühle im Rahmen der niederösterreichischen Tage der offenen Ateliers geöffnet. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Kunstwerke zeigt.

Die Druckgrafik war noch vor nicht allzu langer Zeit eine hochangesehene Kunst. Dass das Interesse in den letzten Jahren ein wenig nachgelassen hat, ist wohl eher eine Frage der vorherrschcnden Mode. Warum wir diese wichtige Kunstform beachten und fördern sollten, versuchen folgende Stichworte zur Druckgrafik anzudeuten.

(Elisabeth und Nikolaus Topic - Matutin)

Wer ist das schönste Buch im Land?

[ ... ] 727 Titel wurden zum Wettbewerb der »25 schönsten deutschen Bücher 2017« eingereicht, der im Juli entschieden wurde. Aus diesen Preisträgern wiederum wurde jetzt der »Preis der Stiftung Buchkunst« vergeben, der das schönste deutsche Buch auszeichnet.

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung fiel auf den Bildband »A.R. Penck. Rites de passage«, der von dem Pariser Grafikdesigner SpMillot gestaltet wurde. Damit gewann im zweiten Jahr in Folge ein Buch, das im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, erschien. [ ... ]

(Sabine Danek in page)

... weiterlesen auf page-online

Josef Hegenbarth, Weihung der Glocke, Aquarell und Leimfarbe, um 1922 (Ausschnitt)

Wem die Glocke schlägt - Das Lied von der Glocke

Mitte Oktober eröffnet Wem die Glocke schlägt - Das Lied von der Glocke. Gesungen von Friedrich Schiller (1799) | Gezeichnet von Josef Hegenbarth (1922) | Gezeigt von der Hegenbarth Sammlung Berlin (2017).

Die 33 reich gestalteten Blätter mit Illustrationen zu Schillers Gedicht werden erstmalig vollständig ausgestellt, begleitet von einem Band mit dem Gedichttext und allen Abbildungen. Sie präsentiert erstmals vollständig Josef Hegenbarths Folge der farbstarken, expressiven Aquarelle und Rötelzeichnungen von 1922.

Kinder und Familien werden zur beliebten Kindervernissage am Sonntag, 15. Oktober, 12- 14 Uhr eingeladen. Am Mittwoch, 8. November, 19 Uhr, wird Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Deutschen Schiller-Gesellschaft Marbach, unter dem Motto Wie klingt die Glocke heute? mit der Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Katja Schöppe-Carstensen über Rezeption und Aktualität dieses Klassikers der deutschen Literatur sprechen.

Vernissage 11. Oktober, 19 Uhr
Ausstellung: 11. Oktober 2017 - 27. Januar 2018

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin

So, 17.09.2017

Das Kapital, illustriert von Klaus Waschk, Faber & Faber 2007

150 Jahre „Das Kapital“

„Das Kapital“ von Karl Marx ist ein Klassiker der politischen Ideengeschichte und das bekannteste Wirtschaftsbuch in deutscher Sprache. Der erste Band der „Kritik der politischen Ökonomie“, so der Untertitel, erschien 1867 in Hamburg, im Verlag von Otto Meissner. Dauerte es damals ganze vier Jahre, bis die ersten 1.000 Exemplare verkauft waren, so zählt das Werk heute neben der Bibel zu den auflagenstärksten Büchern der Welt – und gewiss zu den einflussreichsten und umstrittensten.

Das Museum der Arbeit nimmt das 150-jährige Jubiläum der Erstveröffentlichung in Hamburg zum Anlass einer spannenden und kontroversen Ausstellung zur Geschichte und Aktualität von Karl Marx‘ „Das Kapital“. Sie spannt einen Bogen von der Zeit der Entstehung des Werks im 19. Jahrhundert über die widersprüchliche Rezeption im 20. Jahrhundert bis zu heutigen Fragen der Produktion und Verteilung von Reichtum und Armut. Ziel der Ausstellung ist es, zum Nachdenken über Aktualität und Grenzen dieses umkämpften Klassikers anzuregen – und zwar weder dogmatisch noch akademisch, sondern assoziativ und partizipativ.

Ausstellung: 6. September 2017 - 4. März 2018

Museum der Arbeit
Wiesendamm 3 · 22305 Hamburg

So, 10.09.2017

Mit kindlichem Witz auf der Spur von Kuschelkatz und Raubtierschmatz

»In der Nacht / erwacht die Katz, / geht aus dem Haus, / fängt eine Maus …«, so beginnt das neue Buch der Edition M & M. Hört sich nach Katzengeschichte an. So ist es. Eine kurze. 35 Zeilen. Reicht das für eine Geschichte, für ein Buch? Auf jeden Fall. Großzügig ausgelegt, verstecken sich in den 35 Zeilen sogar acht Mini-Geschichten. Ein Satz, eine Geschichte.
Mit diesem »Werk« verlässt die EM & M ihren bisher proklamierten Programm-Rahmen. Diesmal nichts aus der Nobelpreiskiste, nichts von einer renommierten literarischen Persönlichkeit, sondern diesmal beginnt alles mit ein paar handschriftlichen Zeilen der elfjährigen Schülerin Paloma, die in ihrem kreativem Eifer zum Geschriebenen auch gleich kleine Bleistiftzeichnungen verfertigt hatte. Beides gefiel mir.
Der Text – zum Schmunzeln. Locker, kindlich unbefangen nach der Methode »Reim dich oder ich fress dich« zusammengebastelt, dazu eine Pointe, deren verbale Drastik die Geschichte paukenschlagartig beendet. Nix von süßlicher Kuschelkatzen-Schmusetier-Geschichte. Ein erster Gedanke: Aus dem Material lässt sich etwas machen! Ich begann mit den Zeichnungen zu experimentieren: extreme Vergrößerungen, Ausschnitte, Holzschnitte entstanden. Das Buchkonzept: Rückkehr zum Einfachen, zum Elementaren – Handsatz, Werkdruckpapier, nichts Buntes, Blockbuch-Broschur. Eine gut erhaltene 48-p-Berthold-Bodoni kam zum Einsatz, die seit Jahren unbeachtet in ihrem Steckschriftkasten als Schrift-Dornröschen dahindämmerte. Für den Schutzumschlag konnte ich auf Plakatschriften zurückgreifen, die ein Setzerkollege am Ende der Bleisatzära vor dem Container gerettet hatte. Das Schleipen-Werkdruck erschien mir bestens geeignet für so ein Buch: säurefrei und alterungsbeständig, angenehme Optik und Haptik, auch in »Bläulichweiß« noch ein warmer cremefarbener Ton, die Oberfläche nicht geglättet, matt. Ideal für den Druck von Schrift und Holzschnitten.
Bis auf den Umschlag wurden Text und Holzschnitte von mir auf einer Korrex-Andruckpresse gedruckt. Die buchbinderische Verarbeitung oblag der Buchbinderei Christian Zwang in Hamburg.

(Jürgen Meyer Jurkowski)

Paloma Meyer
In der Nacht erwacht die Katz …

2017. Mit sechs Holzschnitten (Format 30 x 21 cm) nach Zeichnungen von Paloma Meyer, geschnitten von Jürgen Meyer Jurkowski. Blockbuch mit 14 Seiten, Broschur mit Schutzumschlag. Buchformat: 32 x 23 cm. Gestaltung, Handsatz, Druck der Innenseiten (Text/Holzschnitte) und Herstellung: Jürgen Meyer Jurkowski, Hamburg. Auflage: 20 Exemplare, im Impressum nummeriert (1/20 – 20/20) und von den »Buchmachern« signiert. Satz /Schriften: Handsatz aus der 48 Punkt Bodoni Berthold normal und diversen undefinierbaren Holzschriften. Druck des Schutzumschlages: Klaus Raasch, Hamburg. Papier: Innenteil: Schleipen Werkdruck, 120 g/m2, 2-faches Volumen; Einband: Fotokarton, schwarz, 280 g/m2; Vor- und Nachsatz: Bugra-Bütten, schwarz, 130 g/m2. Bindearbeiten: Buchbinderei Christian Zwang, Hamburg.
Euro 160,–

Sa, 09.09.2017

Die Kugel - Bilder einer Ausstellung

Vorr Kurzem konnte hier eine Rezension des Pirckheimers Jörg-Heiko Bruns einer Ausstellung mit dem Titel "Die Kugel - Bruno Beye - Max Dungert – Günther Vogler und die Künstler der Magdeburger Kugel" mit Stücken aus der Sammlung Gruber vorgestellt werden, siehe hier.

Heute lieferte Gerd Gruber noch einige interessante Abbildungen, siehe hier

Do, 07.09.2017

Der Kalender 2017 - 12 Sternzeichen-Holzschnitte von 12 Künstler*innen aus Halle zieren den Kalender für das Jahr 2017. Auf einer Doppelseite pro Woche bietet das Kalendarium im Schulheftformat viel Platz für Notizen. Der Umschlag aus nachtblauem Karton wurde in der Buchdruckwerkstatt des b.a.c.H. mit einem silbernen Sternen-Linolschnitt bedruckt. Die Auflage ist limitiert auf 200 Exemplare. Die zwölf Holzschnitte sind außerdem in einer Auflage von je zwölf Exemplaren im Format 30 x 24 cm als farbige originalgrafische Drucke auf Büttenpapier erhältlich und konnten direkt bei den Künstlern erworben werden.

bacH-Kalender 2018

Das book art center Halle, kurz bacH, ist eine offene Plattform für Künstler und Gestalter, die dem Medium Buch zugewandt sind. Ausgangspunkt ist eine achtköpfige Ateliergemeinschaft in Halle an der Saale, in der digitale und analoge Gestaltung zusammentreffen. Unter diesem Dach versammeln sich Grafikdesign, von Fotografie, originalgrafische Drucktechniken sowie Buch- und Einbandkunst, darunter die Buchkünstlerinnen Annegret Frauenlob, Rita Lass, Friederile von Hellermann, Claudia Richter und Petra Reichenbach.
Buchkunst ist für bacH das Zusammenspiel von Text und Bild und die Verschmelzung einzelner Gestaltungselemente zu einem Ganzen. Mit dem Netzwerk bacH wird zahlreichen Buchkünstlern in Halle ein Gesicht gegeben und der Austausch in künstlerischen und praktischen Fragen angeregt.

Einmal im Jahr entsteht hier der bacH-Taschenkalender als gemeinsames Projekt, der von der Buchkünstlerin Petra Reichenbach vom b.a.c.H. book art center Halle anläßlich der Büchermesse DRESDEN (ER)LESEN auf Schloss Albrechtsberg am 10. September 2017 von 10 bis 18 Uhr allen Bücherliebhabern neben weiteren Grafiken und Künstlerbüchern präsentiert wird.

Unbezeichneter Holzschnitt aus Die Kugel, Heft 2, Januar/Februar 1920
Bruno Beye, Café du Dome, Lithografie, 1926 / um 1960

DIE KUGEL

Bruno Beye- Max Dungert – Günther Vogler
und die Künstler der Magdeburger Kugel
Avantgarde in Mitteldeutschland um 1920

Eine Ausstellung der Cranachstiftung Wittenberg

Mitten im Luther-Getü(h)mmel der Stadt Wittenberg hat die Cranachstiftung unter Führung von Dr. Marlies Schmidt eine Ausstellung eröffnet, die außer den Rufen nach Veränderung aber auch gar nichts mit Martin Luther zu tun hat. Der in Wittenberg ansässige Sammler und Pirckheimer-Freund Dr. Gerd Gruber  hat in jahrelanger, fast kriminalistischer Forschungsarbeit neue Erkenntnisse und Dokumente über die Künstler der legendären Magdeburger Künstlervereinigung für neue Kunst und Dichtung DIE KUGEL, zu Tage gefördert. Alle in der kleinen Ausstellung gezeigten Grafiken und Dokumente stammen ausschließlich aus der Sammlung Dr. Gerd Gruber, die vom Land Sachsen-Anhalt in die Liste des national wertvollen Kulturgutes aufgenommen wurde.
Die Künstler der KUGEL traten seit der Gründung 1919 in Wort und Bild für eine Veränderung der Welt nach dem katastrophalen Ersten Weltkrieg ein und galten als eher linksgerichtet. Sie gaben, es erschienen nur zwei Hefte, die gleichnamige Zeitschrift mit Dichtung und Grafik heraus. Danach folgte eine „Nachgruppe“ mit dem Titel „Wir aber“. Erich Weinert als Mitglied und Johannes R. Becher als Gast waren für den literarischen Teil der Gruppe die bekanntesten Künstler. Die berühmte NOVEMBERGRUPPE in Berlin sah in der Kugel auch so etwas wie eine Ortsgruppe in Magdeburg.
Die Wittenberger Ausstellung, die 2018 auch im Magdeburger Literaturhaus gezeigt wird, konzentriert sich vor allem auf die Protagonisten Bruno Beye, Max Dungert und Günther Vogler. Während von Beye (1895–1976) (er war 1973 noch Gast des Pirckheimer-Jahrestreffens in Magdeburg und steuerte zur Grafik-Mappe Magdeburger Künstler für die Pirckheimer noch ein Selbstporträt bei) etwas mehr bekannt ist und auch Publikationen über ihn vorliegen, sieht das bei Max Dungert (1896–1945) und Günther Vogler (1895–1945) schon wesentlich magerer aus. Das konnte nun verändert werden, denn die Cranach-Stiftung gab einen 68-seitigen Katalog mit neuesten Erkenntnissen der Gruberschen Forschung heraus, so zum Tod von Max Dungert und Günther Vogler 1945, den Innenraumgestaltungen Dungerts für die Architekten Rosenthal und Gellhorn, das in der Nazihaft geschriebene Tagebuch Voglers und vieles andere mehr.
So schnell DIE KUGEL als maßstabsetzende Künstlergruppe in der Provinz aufblühte, so kurz war auch ihre Existenz. Nachdem die drei wichtigsten Künstler Magdeburg verlassen und nach Berlin und später ins Sauerland gingen, schleppte sich die Arbeit der Kugel auf Sparflamme bis 1923 hin. Trotz der kurzen Lebensdauer gehört die KUGEL zu den wichtigsten Impulsgebern in der Kunst nach 1918.

(Jörg-Heiko Bruns)

Zur Ausstellung erschie ein Katalog. 68 Seiten (A4-Format), Preis 10 Euro, zu beziehen über die Cranach-Stiftung Wittenberg.

Einige Bilder der Ausstellung können hier betrachtet werden, die Abb. wurden zur Verfügung gestellt von Gerd Gruber.

Ausstellung: 26. August - 15. Oktober 2017

Cranach-Stiftung Wittenberg
Markt 4 | 06886 Lutherstadt Wittenberg

Mi, 06.09.2017

Heinz Hellmis. Schrift und Buchkunst als Lebenswerk

Die Herausgeberinnen Linde Kauert und Dr. Brigitte Hammer stellen inmitten der Ausstellung ›Lose und gebundene Kunst der Edition ZWIEFACH‹ das Buch ›Heinz Hellmis. Schrift und Buchkunst als Lebenswerk‹ vor.

2007 gründete Heinz Hellmis (1935-2014) zusammen mit Linde Kauert die Edition ZWIEFACH. Drei Jahre nach seinem Tod wird jetzt das Buch ›Heinz Hellmis. Schrift und Buchkunst als Lebenswerk‹ veröffentlicht. Schon mit 16 Jahren stand der spätere Buchgestalter im Ruf eines Wunderkindes bezüglich seiner Fähigkeiten im Schriftenschreiben. Er hat mit geschriebenen und gezeichneten Alphabeten, gezeichneten und handgeschriebenen Vorlagen für Buchtitel, kalligrafischen- und typografischen Arbeiten ein vielseitiges und umfangreiches Lebenswerk geschaffen, das in diesem Gedenkbuch dargestellt wird. Es basiert weitgehend auf den Entwürfen, die Heinz Hellmis noch eigenständig entwickelt hatte und ist somit das letzte Buch in der Reihe der ›Kiebitzbücher‹ der Edition ZWIEFACH.Es enthält ca. 240 Abbildungen und Texte von Roland Berger, Gotthard Erler, Elmar Faber, Brigitte Hammer, Jürgen Jahn, Linde Kauert, Elke und Lothar Lang, Kuno Lomas, Katharina Pieper, Richard Pietraß, Ursula Popp, Günther H.W. Preuße, Astrid Priebst-Tröger, Wolfgang Rasch, Klaus Schirrmeister, Marlies Schnaibel, Eckehart SchumacherGebler, Eva Strittmatter, Hans Ticha, Silvia Werfel, Hans-Jürgen Willuhn, Carsten Wurm.

Das Buch kann hier bestellt werden.

Ausstellung: 1. September - 26. Oktober 2017
Buchvorstellung: 27. September 2017, 17.00 Uhr

Bezirkszentralbibliothek ›Mark Twain‹ | Artothek Marzahner Promenade 52-54 | 12679 Berlin (im Freizeitforum Marzahn)

entwerter/oder, Nr. 33, Berlin 1989
Numeralien

John Gerard, Uwe Warnke – neben-, mit-, füreinander

PAPIER, BUCH, ZEITSCHRIFT

Unter diesem Thema wird eine Ausstellung in Offenbach stehen.

Uwe Warnke, Autor, und Verleger, 1956 in der DDR geboren, gibt ab 1982 in Berlin im Untergrund die Künstlerzeitschrift „entwerter/oder“ heraus. Die Zeitschrift entstand in einem Biotop von Kreativen, die gegen staatliche Repressalien und geistige Einengung aufbegehrten. 1990 gründete er den Uwe Warnke-Verlag, der 1991 mit dem V.O.Stomps-Preis ausgezeichnet wurde. In intensiver Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ottfried Zielke, Gerhild Ebel und John Gerard entstehen Bücher in kleinen Auflagen oder als Unikat, die oftmals serielle Texte des Autors Uwe Warnke zum Inhalt haben. Warnke gehört als homo politicus zu den Künstlern, die regen Anteil an politischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Prozessen nehmen und diese stets kritisch hinterfragen.

Papier ist das Medium von John Gerard (*1955). Der gebürtige Amerikaner lebt und arbeitet seit Mitte der achtziger Jahre in Deutschland. Seine handgeschöpften Papiere mit ihren farbigen Aufschöpfungen oder Einsprengungen sind nicht mehr bloße Beschreib- oder Bedruckstoffe, sondern geben seinen Büchern ihre künstlerische Ausdrucksform. Gerards Papiere spüren Inhalten nach und loten die Texte seiner Bücher aus. Neben freien Arbeiten umfasst Gerards Œuvre zahlreiche Künstlerbücher, oftmals auch in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, so mit Fritz Best, Bodo Korsig und Ottfried Zielke.

Nachdem sich Uwe Warnke und John Gerard 1991 auf der Minipressenmesse in Mainz kennengelernt hatten, entstand ihr erstes gemeinsames Buch „Numeralien“, seitdem entstanden etliche gemeinsame Bücher. Beide Künstler sind Netzwerker und Kommunikatoren innerhalb der heterogenen Buchkunstszene. Augenscheinlich wird ihr Zusammenspiel auch auf der Frankfurter Buchmesse, wo sie seit mehr als 20 Jahren einen Doppelstand betreiben: zwei denkbar unterschiedlich in Ihrem Wirken ausgerichtete Antreiber der Szene finden sich zusammen; der eine aus den USA stammend, seit seinem Studium in Bonn in der Kunstgeschichte fast ebenso vertieft wie in seine Papierkunst; der andere in Ostberlin verlegerisch aktiv, um die Gesellschaftsverhältnisse vor wie nach der Wende kritisch zu beleuchten. Dieser Mix der politisch-territorialen Verankerung wird umspielt von Gerards frühzeitigem Arbeiten in der Künstler-Werkstatt Bethanien, Berlin, und der gezielten Orientierung Warnkes in den Westen, Deutschland wie die USA, um seinen Aktionsradius zu erweitern. Die Ausstellung zeigt einen Überblick über das langjährige Buchschaffen beider Künstler. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaftsarbeiten, zu sehen sind jedoch auch Werke, die unabhängig voneinander entstanden sind.

Ausstellung: 16. September - 5. November 2017

Klingspor Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Di, 05.09.2017

Zwei Texte von Heiko Michael Hartmann

Der Pirckheimer Michael Ley kann eine Neuerscheinung vorstellen, den Titel NEMESIS DIVINA ODER DER WOLKENTAXONOM mit einem Text von Heiko Michael Hartmann mit 2 eingebundenen Originalgraphiken von miley. Einer Vorzugsausgabe wird eine farbige Radierung beiliegen, eine Homage an Joseph Beuys "zeige deine Wunden" und das "Braunkreuz". Das Titelbild, eine Kombiation aus analoger und digitaler Zeichnung ist ach als Originalholzschnitt erhältlich.

Ein in gleicher Ausstattung erscheinende Titel von Heiko Michael Hartmann DRINNEN, DRAUSSEN enthält Farbholzschnitte von Udo Würtenberger.

Bibliophile Broschur | 36 Seiten inkl. Umschlag | Fadenheftung | 120 g Römerturm Werkdruck

Normalausgabe No. 1 - 30, 18 € | Vorzugsausgabe No. I -  XX, 40 € | beide Titel im Pappschuber 36 € / 80 €