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Neuerscheinung

Pirckheimer-Blog

Neuerscheinung

Fr, 13.09.2019

Buchbinden im japanischen Stil

Das 2019 im Schweizer Haupt-Verlag erschienene Buch "Buchbinden im japanischen Stil" bietet mehr, als der Titel verspricht, denn es vermittelt anhand von ideenreichen Vorschlägen und konkreten Anleitungen, die das Buchbinden genauso berücksichtigen wie Aufbau und Form des Buches in Japan, die Einbandgestaltung und auch das verwendete Papier generell ein Gefühl für das Buch dieses Inselstaates als Kulturgut.

Die Autorin Petra Paffenholz, die an der Werkkunsthochschule Köln studierte und u.a. als Dozentin für Kunst- und Kreativitätsprojekte an Schulen tätig ist, legt damit mit ihrer „Anleitung und Inspiration für dekorative Einbände und Bindungen“, so der Untertitel, ein Buch vor, welches nicht nur die Lust am Buch und der japanischen Kultur weckt, sondern inspiriert, sich intensiver mit dem japanischen Bücherhandwerk zu beschäftigen. Das kann man dann auch im dritten Teil des Buches, der treffend mit „Inspiration Japanreise“ betitelt ist und an Orte führt, in denen das Büchermachen und das Umfeld des Buches auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblickt.

Mein Resümee: Das Buch ist durchaus geeignet, nicht nur erste Schritte zu einem selbst gefertigten Buch zu unternehmen, sondern erlaubt auch mit seiner Vielzahl gut reproduzierter Abbildungen, sich einen Eindruck von japanische Buchkultur zu verschaffen.

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Paffenholz: Buchbinden im japanischen Stil
Haupt Verlag, 2019
224 Seiten, gebunden, 23,5 x 26 cm
ISBN 978-3-258-60211-0
34 EUR / 39 SFR

Mo, 02.09.2019

Foto © Friedenauer Presse

250. Geburtstag von Alexander von Humboldt

Am 14. September ist der 250. Jahrestag von Alexander von Humboldts Geburt. Aus diesem Anlass findet ab heute in der Humboldt-Bibliothek in Berlin eine Ausstellung mit einer Auswahl der Tierzeichungen Alexander von Humboldts statt. 

Seekühe, Kraterfische, Jaguare - von seiner großen Südamerikareise brachte Alexander von Humboldt Aufzeichnungen über Tiere mit, von denen man in Europa bis dahin kaum gehört hatte. Seine anschaulichen Beschreibungen und realitätsgetreuen Illustrationen brachten den Zeitgenossen die Neue Welt näher, die für die meisten unerreichbar war. Die Tiertexte waren ein Meilenstein für die Zoologie - und ein exotisches Vernügen für das breite Publikum.
Die Forschungsergebnisse, die Alexander von Humboldt von seiner großen Amerikareise in den Jahren von 1799 bis 1804 mitbrachte, revolutionierten das damalige Wissen und den Blick der Alten auf die Neue Welt. Seine Texte über die exotischen Tiere, die zuvor kein Europäer gesehen, geschweige denn beschrieben hatte, waren ein Meilenstein für die Zoologie und wurden auch in Zeitungen für ein großes Publikum nachgedruckt. Nachdem sie lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, bietet vorliegende Band mit einer Auswahl von sechszehn Tiertexten- und zeichnungen einen Einblick in Alexander von Humboldts Tierleben und illustriert das Wissenschaftsideal des großen Naturforschers.

Nach Humboldts Tod trat seine zoologische Arbeit hinter anderen Aspekten seines Werks zurück, die Tiere gerieten in Vergessenheit. »Tierleben«, erschienen in der Friedenauer Presse, ermöglicht zum ersten Mal seit Alexander von Humboldts Zeiten wieder einen umfassenden Blick auf sie.

Ausstellung: 2. September - 26. Oktober 2019

Humboldt-Bibliothek
Berlin-Reinickendorf 

Alexander von Humboldt - Tierleben
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Sarah Bärtschi
Friedenauer Presse, Berlin 2019
184 S. / Gebunden
ISBN 978-3-932109-90-4
24,00 €

Sa, 24.08.2019

George Grosz, Rudolf Omansen und ein Huhn, Büchergilde Gutenberg 2019

George Grosz – Das Huhn im Kopf

Verfemung, Trauma und Entschädigung

Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin präsentiert in Zusammenarbeit mit der Büchergilde Gutenberg eine besondere künstlerische Trouvaille: die letzte Illustrationsfolge von George Grosz (1893–1959).
Die Geschichtensammlung von Rudolf Omansen mit den Grosz-Illustrationen wurde in diesem Jahr erstmalig von der Büchergilde Gutenberg veröffentlicht.

Als einer der ersten Künstler wurde George Grosz bereits im März 1933 von den Nationalsozialisten ausgebürgert. Obwohl er in den USA hochgeschätzt wurde, litt der Künstler sehr unter der Verfemung seines Werkes in der Heimat. Ende der 1950er Jahre entschloss sich der gesundheitlich schwer angeschlagene Grosz zur Rückkehr nach Berlin.
Im Rahmen der sogenannten „Wiedergutmachungspolitik“ der jungen Bundesrepublik wurde Grosz an seinem Lebensende für die Verunglimpfung seines Werks während des „Dritten Reiches“ finanziell entschädigt. Maßgeblichen Anteil hieran hatte der Mediziner Rudolf Omansen, der das entscheidende Gutachten über die körperlichen und seelischen Folgeschäden des Künstlers verfasste.
Bald verband Grosz und Omansen eine enge Freundschaft, die in der schöpferischen Zusammenarbeit um die Geschichte eines imaginierten Huhns mündete, das einen renommierten Professor in den Wahnsinn treibt: eine Parabel auf psychologische Traumata, unter denen Grosz nach der Ächtung und Teilzerstörung seines Werks durch die Nationalsozialisten selbst litt.

Ausstellung: 26. August - 27. Oktober 2019

Lesung: 10. Oktober 2019, 19 Uhr

George Grosz, Rudolf Omansen und ein Huhn. Wie es zur letzten Illustrationsfolge von George Grosz kam.
Hg. v. Juerg Judin und Pay Matthis Karstens. Mit einem Essay von Ralph Jentsch;
leinengebundenes Hardcover, 76 Seiten; Büchergilde Gutenberg 2019

Mi, 21.08.2019

Starker Wind über der bleichen Stadt

Catharine J. Nicely, Verlegerin der PalmArtPress stellt in einer Buchpremiere Jakob van Hoddis »Starker Wind über der bleichen Stadt – Strong Wind Over the Pale City« vor.

Jakob van Hoddis zählt zu den Begründern des literarischen Expressionismus. Sein Achtzeiler »Weltende« bildete einen Meilenstein für Generationen nachfolgender Dichter und Dichterinnen. 1887 als Hans Davidsohn in Berlin geboren, wurde er nach einer literarisch produktiven Phase ab 1914 zum Patienten psychiatrischer Anstalten und 1942 nach Osteuropa deportiert und ermordet. Erstmals und mit Hilfe seiner engagierten Erben erscheinen seine Gedichte nun in einer schönen zweisprachigen Ausgabe auch auf Englisch.

Mit der Herausgeberin Irene Stratenwerth, den Übersetzern Mitch Cohen und Gregory Divers sowie der Vertreterin der Erbengemeinschaft Michal Beller (Tel Aviv) spricht Sonja Longolius, eine der beiden Leiterinnen des Literaturhauses.

26. September 2019, 19:30 Uhr, Tickets

Literaturhaus Berlin
Fasanenstr. 23, 10719 Berlin-Charlottenburg

Do, 01.08.2019

Gesa Elsner freut sich über das aufwendig gestaltete Buch, in dem Kunstdrucker Hendrik Liersch ihre Texte verwendet hat. Foto © Mirko Bartels

Der Dichterin Lohn ist ein Künstlerbuch

"Gesa Elsners Texte sind in einem aufwendig gestalteten Werk erschienen 

Tiefsinnige Gedichte über Beziehungen und Gefühle, dazu Frauenbilder im Linolschnitt, alles auf feinem englischen Papier und in einer Kassette: Das neue Buch „Eva“ mit acht Texten der Neustädter Dichterin Gesa Elsner und elf Drucken von Steffen Büchner kann sich sehen lassen. Erschienen ist es beim Kleinstverlag Corvinus Presse [...] Die·Auflage liegt bei 22 nummerierten und handsignierten Exempleren, die je 300 Euro kosten. 

Kunstdrucker Hendrik Liersch sei mit der Idee auf sie zugekommen, berichtet Elsner. Zuvor hatte sie.mit dem Dresdner Büchner über Facebook Texte und Bilder ausgetauscht, "Ich hatte das Gefühl, unsere Sachen passen euetnander", sagt sie. Das ging offenbar auch dem Drucker so, und er überraschte beide Beteiligte mit seiner fdee ... "Jetzt, wo.ich es in der Hand habe, fühle ich mich glücklich und geehrt", saqt Elsner lächelnd. Zusätzlich zur teuren, gebunden Ausgabe hat Liersch noch eine broschierte Volksausgabe gedruckt, in der zu den Texten als einzige Abbildung das linolqeschnittene Porträt Elsners zu finden ist. "regenatem" heißt das Werk nach einem ihrer Gedichte. 0b das latein ist? Das hebe auch ihre Tochter schon mal gefragt, sagt Elsner schmunzelnd. Nein, gemeint ist der Atem bei Regen, in dichteriIhier Freiheit eben klein geschrieben. [...]"

(Kathrin Götze, Hannoversche Allgemeine, 1.8.2019, S. 2)

siehe auch: Eva (Pirckheimer-Blog, 14.7.2019)

Mi, 31.07.2019

Der Verlust

Ein letztes Mal (sic!) hat sich Harald Kugler aufgerafft und die Bücherweisen nunmehr mit dem 12. Heft komplett gemacht. Es sei unweigerlich sein letztes Heft der Einbogendrucke, die sich nunmehr auf 24 ergänzen, meint der Autor, welches damit seine Vorliebe, über Bücher und deren Liebhaberei zu schreiben, beenden wird.

"Einmal nur hatte sich Martin entgegen seines Vorsatzes, niemals Bücher zu verleihen, dazu überreden lassen, ein Exemplar aus seiner Bibliothek aus dem Haus und in die Leseobhut seines guten Freundes Wieland zu geben. [...] Klein von Format führte das Lederbändchen „Der Einzige und sein Eigentum“ von Max Stirner, obgleich von berufenem Inhalt, ein eher bescheidenes Bücherleben in der Bibliothek des Bibliophilen Martin. Aber wie es mit abwesenden Dingen gelegentlich so geschieht, sucht man ihre Gegenwart just in den unpassendsten Augenblicken wie solchen, wenn man einen Hinweis in einem anderen Buch findet oder auf zufälligen Wegen einer zu vertiefenden Recherche über ein bestimmtes Werk bedarf. In solch einem Moment stieß Martin genau auf jene Lücke in seiner Bibliothek, wo das gesuchte Buch bislang auf diesen Augenblick geharrt hatte. Aber siehe da, eine Lücke klaffte wie zum Hohn zwischen den Bänden und versetzte Martin in eine trübselige Laune. Das Befinden, das sich in dieser Situation in der Seele von Martin einstellte, glich jenem Zustand, ..." (Seite 6f)

So erzählt "Der Verlust" von den Qualen, die ein Bibliophiler durch den Verlust eines Buches erleidet, was ihn aber letztendlich auf eine überraschende Weise gesundet.

Harald Kugler - Der Verlust (Einbogendruck # 24), Eigenverlag Pirna 2019
1. Ausgabe (30 nummerierte Expl.)
Druck: epubli GmbH Berlin, 18 Seiten, Preis 4 €

So, 14.07.2019

Eva

Vom Pirckheimer stebü erschien ein Künstlerbuch mit elf signierten Linolschnitten und acht Gedichten von Gesa Elsner auf 24 Seiten im Buchdruck bei Hendrik Liersch in der Corvinus Presse. Die Handbindung und Box übernahm wie gewohnt Stefan Cseh. Das Buch enthält in der Kassette ein signiertes Lesezeichen mit einem zusätzlichen Linolschnitt von stebü.

Weitere Informationen und Bestellung: Corvinus Presse.

Mo, 01.07.2019

Neues aus der Edition Einstein

Zum 30jähriger Geburtstag der Edition Einstein von Hans Witte, der am 1. September in der hauseigenen Galerie gefeiert wird, erscheint eine Festschrift, die zum ersten Mal eine komplette Bibliographie der bis dahin erschienenen 32 Ausgaben der Reihe "Das andere Kinderbuch" enthält.
Zuvor wird noch der 32. Band dieser Reihe erscheinen. Dabei handelt es sich um ein Panoptikum von 21 Varianten der Struwwelpeter-Figur mit dem Titel "Das Struwwelpeter-Panoptikum" und dem Innentitel "Ein Panoptikum neuester Struwwelpeter - erdacht und zu Papier gebracht von Hans Witte". Die Collagen, die mit einem Sechszeiler versehen sind, basieren auf der klassischen Struwwelpeter-Figur, bei der Haare und Fingernägel variiert wurden.
Die Vorzugsausgabe enthält eine zusätzliche beigelegte Figur.

Der Anlass für die Neuerscheinung ist allerdings nicht das Jubiläum der Edition Einstein, sondern die in Vorbereitung befindliche große Struwwelpeter-Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen - an dieser Ausstellung ist Hans Witte mit einer größeren Zahl historischer Struwwelpeter-Bilderbücher aus seiner Sammlung, zwei früher erschienene Ausgaben (Das andere Kinderbuch Bd. 11 und Bd. 23) und etlichen zusätzlichen Materialien (Skizzen, Entwürfe, Andrucke usw.) beteiligt.
Neben dem "Panoptikum" erscheint zudieser Ausstellung ein auf der Handpresse gedrucktes Plakat.

Festakt der Edition Einstein: 1. September 2019
Ausstellung: 22. September 2019 - 12. Januar 2020

Edition Einstein
Galerie für Buchdruckkunst
Deitlevsen 1, 31860 Emmerthal - Deitlevsen

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen

Di, 07.05.2019

Er kann es nicht lassen ...

... und das ist gut so. 

Mehrfach hörte man von Harald Kugler, er würde seine Leidenschaft zu schreiben aufgeben, folgerichtig hieß das Heft 22 seiner Einbogendrucke "Das letzte Heft".

Aber wie das mit Vorsätzen so ist, man hält sie selten ein. Ein Glücksfall, wenn man das Heft 23 der Einbogendrucke von Harald Kugler mit dem Titel " Die Parallelwelt" in den Händen hält. Für mich der bisher beste Text aus der Feder des Pirckheimers und Autors, dessen Themen sich zumeist an Bibliophilem und an Klassikern der Belletristik reiben. So auch in der "Parallelwelt", die laut Klappentext offenbart, "was sich hinter den Büchern der Bibliothek eines Bibliophilen abspielt", die aber tatsächlich einen Blick in die Seele eines Liebhabers und Sammlers des Gedruckten erlauben.

Mit 32 Textseiten ist die Erzählung wie geschaffen zum Lesen in der Straßen- oder S-Bahn, wer das  tut, wird das Heft mit Sicherheit auf der Rückfahrt wieder zur Hand nehmen und ein weiteres mal genießen.

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Harald Kugler: Die Parallelwelt, Eine Erzählung aus der Welt der Bücher
(Reihe: Einbogendrucke #23), Pirna April 2019
36 Seiten, Klammerheftung

Mo, 22.04.2019

Titelzeichnung Pēteris Līdaka

Mit der Pistole auf der Brust: Daniel Defoe verteidigt sich

Als »äußerst plumpes Erzeugnis des unphilosophischsten Kopfes der Welt« beschrieb Charles Gildon (1665-1724) Daniel Defoes Jahrhundertwerk Robinson Crusoe, dessen Erscheinen sich am 25. April 2019 zum dreihundertsten Mal jährt.

Mit seinem Dramolett »Gegen Defoe - Robinson Crusoe und Freitag stellen ihren Autor zur Rede« bringt Gildon die zeitgenösische Kritik humorvoll und drastisch auf den Punkt: Der neue Erfolgsautor sei, politisch wie religiös, ein Wendehals, er drehe sein Fähnchen nach dem Wind und bediene das niedere Genre des Romans.

Sprachrohr sind Robinson Crusoe und Freitag selbst. Defoe habe sie zu Geschöpfen gemacht, die »im Widerspruch stehen zum gesunden Menschenverstand und zersetzend sind für Religion und Moral«, werfen sie ihrem Erschaffer vor. Und sie decken Ungereimtheiten auf:
»Du lässt mich enorm fleißig sein und zugleich enorm träge«, beschwert sich Crusoe und Freitag wettert: »du mich großen Dummkopf gemacht, mit viel Widerspruch: Nach ein oder zwei Monaten bisschen gut Englisch sprechen können und zwölf Jahre später nicht besser.«

Lange in Vergessenheit geraten, erscheint dieser unterhaltsame Text hier zum ersten Mal auf Deutsch - aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort von Rolf Schönlau. Das Büchlein wurde von Tom Mrazauskas gestalte.

(Friederike Jacob)

Friedenauer Presse, Berlin 2019
fadengeheftete Broschur, 24 Seiten, 12,00 €
ISBN 978-3-932109-92-8

Bestellmöglickeit

Sa, 09.03.2019

Heinrich Stieglitz, ein Denkmal

Bernd-Ingo Friedrich veröffentlichte jetzt bei Arnshaugk, Neustadt den zweiten Teil seiner Forschung zu Heinrich Stieglitz.

Heinrich Stieglitz (1801-1849) gehört zu den Persönlichkeiten, deren Bild sich durch interessengeleitete Wahrnehmung, Deutung und Bewertung schon zu Lebzeiten weitgehend verfestigt hat. Ein solches auf verschlungenen Pfaden tradiertes und durch die Macht steter Wiederholung erstarrtes Bild infrage zu stellen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben biographischer Forschung, wie sie sich der Pirckheimer Bernd-Ingo Friedrich bereits zu Gottlob Leopold Immanuel Schefer (1784–1862) und Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) verschrieb.

Der zweite Band des Denkmals für Heinrich Stieglitz ist seinem Werk gewidmet.
In einem ersten Teil werden „Der Dichter Heinrich Stieglitz“, seine Bilder des Orients und die im vierten Band derselben enthaltene Tragikomödie „China“ in Beziehung zur Gesamtheit der deutsch-orientalischen Dichtung des 19. Jahrhunderts gesetzt. Ein Verzeichnis der Publikationen und nachgelassenen Produktionen runden die Bestandsaufnahme ab. Dem Anhang „Heinrich Stieglitz als Texter“ folgt eine ausführlich kommentierte Bibliographie der Vertonungen seiner Gedichte. Der zweite Teil besteht aus rund 90 „Nachklängen“, also „einer kritischen Sichtung und Neubewertung überlieferter Interpretationen und bekannter Quellen“, sowie einer kurzen Zusammenfassung. Ein dritter Teil enthält die Register für beide Bände der Monographie.

Eine Rezension on U.E.G. Schrock erschien in Marginalien, # 229, S. 96f

Friedrich, Bernd-Ingo: Heinrich Stieglitz, ein Denkmal.
Erster Teil: Biographie und Exkurse. Arnshaugk Verlag 2018. ISBN 3-944064-88-7. 58,– €
Zweiter Teil: Anhänge, Nachklänge und Register. Arnshaugk Verlag 2019. ISBN 3-944064-89-5. 58,– €

So, 30.12.2018

Historische Briefbeschwerer

Die Sammlungen der Pirckheimer sind vielfältig und nicht immer auf Bücher und Graphiken beschränkt. Im Fall von Bernd-Ingo Friedrich umfasst sie auch Briefbeschwerer. Daraus entstand nun das zur Leipziger Buchmesse 2019 erscheinende Buch "Historische Briefbeschwerer - Paperweights aus Brandenburg und Sachsen", in dem erstmalig der Zusammenhang zwischen der Industrialisierung der Lausitz und dem Aufkommen einer Volkskunst thematisiert wird, die bislang noch keine Würdigung erfahren hat. Ein grundlegender Text führt unterhaltsam in das Thema ein, fast 900 farbige Abbildungen machen es zu einer Augenweide.

Verlag Gunter Oettel
21 x 27 cm, Hardcover, ca. 300 Seiten, Farbabbildungen, ca. 24,00 €
ISBN 978-3-944560-49-6

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Fr, 14.12.2018

Umschlaggestaltung für den BBA, © Edition Schwarzdruck

Jahresgabe des BBA

Heute ist der Tag der Affen. Und just am heutigen Tag lese ich in einer Rezension Über die Zucht und Pflege des Affen: "... Nur das wollen wir bemerken, daß Jedermann, der sich bisher einen Zeisig, Mops, Laubfrosch oder Ameisenlöwen gehalten hat, nach Lesung dieses Büchleins zu dem viel leichter zu erziehenden und viel mehr Unterhaltung gewährenden Affen übergehen wird." Der Rezensent ergänzt: "Für alle Herren, welche die Flasche lieben, eine Festgabe, die ihnen Thränen der Rührung in die Augen zaubern wird", wozu der Hrsg. des Büchleins anmerkt, dass hier "... in camouflierender Weise auch die Folgen der Alkoholintoxikation (veisalgia) [gemeint seien], die heutzutage gemeinhin mit dem Wort ´Kater`bezeichnet werden."

Gefunden habe ich diese in der von Ulrich Goerdten herausgegebenen Jahresgabe des BBA Bücher, die die Welt noch braucht. Anzeigen und Rezensionen des Kladderadatsch von 1872 bis 1907. Damit setzt diese Sammlung die Reihe fiktiver Bibliographien fort, die seit der frühen Neuzeit Sammler und Buchkundler erfreut haben. "Zwei Register, Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis und ein informatives Nachwort geben dem Buch jene Seriosität, auf die seine künftigen Leser Anspruch zu erheben sich berechtigt fühlen dürfen." (Umschlagtext)

Das Buch, von Marc Berger gestaltet, gesetzt und verlegt und im Schaltungsdienst Lange gedruckt und gebunden, wurde in einer Teilauflage von 70 Exemplaren mit einem entsprechenden Eindruck und eigenem Umschlagtitel für den BBA herausgegeben, der Großteil der Auflage kann jedoch über den Buchhandel auf den Gabentisch eines jeden Bücherfreundes gelangen.

Bücher, die die Welt noch braucht
Anzeigen und Rezensionen des Kladderadatsch von 1872 bis 1907

zusammengetragen, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Goerdten

Edition Schwarzdruck 2018, 160 Seiten
ISBN: 978-3935194952

Mo, 10.12.2018

Tagebücher 1978 - 1989

Die Tagebücher von Harald Kugler, so betont er, werden das letzte Buch aus seiner Feder sein. Angefangen im 27. Lebensjahr beschreiben sie sein Leben in einem anderen Land und behandeln eine Zeit, lange bevor er Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft wurde. Petra Liermann sagt im Vorwort zu diesem Buch: "Ein sehr zu empfehlendes Buch, in dem sich nicht nur Autoren wiederfinden werden, sondern das gerade in der heutigen Zeit die Unterschiede erklären kann, die immer noch eine scheinbar unüberwindbare Grenze zwischen Ost und West ziehen."
Leider fand sich kein Verlag für diese Publikation, ein bedauernswerter Umstand, denn sie ermöglicht einen selbstbewussten, teils recht intimen, aber auch politisch aufgeschlossenen Einblick in das Alltagsleben und das Denken eines untergegangenen Landes.

Harald Kugler - Wie einer wird, was er ist. Tagebücher 1978 - 1989
Privatdruck 2018
brosch., 382 Seiten, 7 teils farbige Abb.
 

Do, 29.11.2018

Futura. Die Schrift Ein Streifzug durch die Zeitgeschichte

Die Geschichte einer Druckschrift mag nur etwas für schrullige Designfreaks sein, ist sie doch etwas so Alltägliches. Wer denkt schon beim Anblick eines U-Bahn-Schildes an kulturelle Zeitenwende, Demokratisierung des Alltags und Universalismus?

Alles begann mit dem erbitterten Streit zwischen traditionellen Schriftgestaltern, denen Fraktur, Schnörkel und »künstlerischer Ausdruck« wichtig waren, und konstruktivistischen Neuerern, die eine funktionale, für das schnelle erfassende Lesen geeignete Schrift für die Massen forderten. Ab 1924 entwickelte der Buchgestalter, Illustrator und Gründer einer Schule für angewandte Kunst, Paul Renner aus klassischen lateinischen Formen eine Schrift, die 1927 in der Frankfurter Bauer’schen Gießerei als Druckletter das Licht der Welt erblickte und rasant Verbreitung fand: in Schriften zu Architektur und Stadtentwicklung, auf Reklamen, Theaterprogrammen, im Zeitungsdruck - und auf U-Bahn-Schildern.

Der Werbegrafiker und Merz-Dichter Kurt Schwitters entwarf Vordrucke für Behörden- und Wirtschaftskorrespondenz, gleichzeitig Bilder und Ornamentgedichte aus der neuen Schrift. Die Lufthansa druckte damit ihre ersten Flugpläne. Der überreich bebilderte und sorgfältig gestaltete Band widmet sich nicht nur der Schrift und ihrer Anwendung, sondern vor allem auch dem politischen und ökonomischen Umfeld, in dem sie selbst zum Politikum wurde.

Die Naziideologen spalteten sich in ein modernes und antimodernes Lager. Die Antimodernisten scheiterten mit ihrer »artgerechten« Frakturschrift, weil u. a. ihre Verordnungen in den okkupierten Gebieten für die dortige Bevölkerung nicht lesbar waren. Ab 1938 wechselte man von der nun als »Schwabacher Judenschrift« verunglimpften Fraktur zu den modernen Schriften und bediente sich bei dem als »Kulturbolschewisten« verschrienen Paul Renner.

Breiten Raum nimmt die internationale Verbreitung ein, die Wirkung in Kunst, Kultur und Reklame. Von Prag, Wien und Paris bis in die Vereinigten Staaten revolutionierte die Futura die Alltagsästhetik. Louis Vuitton bewarb damit seine Modenschauen, das Magazin »Vanity Fair« wurde ganz in der Futura gesetzt. Stanley Kubrik verwandte sie für den berühmten Vorspann zu »Odyssee 2000« und die NASA für ihre Mondplakette.

(msp in neues deutschland, 24.11.2018)

Petra Eisele, Annette Ludwig, Isabel Naegele: Futura. Die Schrift. Verlag Hermann Schmidt 2018, 520 S., geb., 50 €.