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Neuerscheinung

Pirckheimer-Blog

Neuerscheinung

Di, 17.04.2018

Arno Mohr - Werkverzeichnis Druckgrafik

Zur Finissage der Arno-Mohr-Ausstellung in der jW-Ladengalerie am 22. Juni wird Andreas Wessel die Manuskriptfassung eines lang überfälligen Werkverzeichnises der Druckgrafik dieses Künstlers vorstellen. Es dokumentiert mehr als 800 Grafiken und bietet damit erstmals die Möglichkeit, Entwicklungen von Gestaltungsmitteln und -techniken, Motiven und Themen über fünf Dekaden nachzuvollziehen.

Arno Mohr (1910–2001) gehörte zu den prägenden Figuren der ostdeutschen Nachkriegskunst. In einem Plakat zum 1. Mai 1946 gelang dem bis dahin völlig unbekannten Künstler, der gerade aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, die Empfindungen seiner Zeitgenossen kongenial auszudrücken. Als Maler schuf er 1949 in Kollektivarbeit mit René Graetz und Horst Strempel das legendäre Wandbild »Metallurgie Hennigsdorf«, das bald darauf den ideologischen und ästhetischen Kämpfen der Zeit zum Opfer fiel. Als Professor an der von ihm mitbegründeten Kunsthochschule Berlin-Weißensee lehrte Mohr Generationen von Kunststudenten denken und sehen. Die größte Wirkung, ja sogar Popularität, erlangte er jedoch zweifellos als Grafiker.
Die Verbindung von Handwerk und Kunst in der druckgrafischen Praxis boten ihm ein ideales Arbeits- und Lehrgebiet, das er als »selbstdruckender« Künstler, Werkstattleiter und Lehrer ausfüllte. Die Druckgrafik bildete den Schwerpunkt von Mohrs künstlerischer Arbeit.

Andreas Wessel: Arno Mohr. Werkverzeichnis der Druckgrafik
Lukas Verlag, Berlin 2018
210 x 280 mm, Festeinband, ca. 350 Seiten, ca. 800 Schwarzweißabbildungen und 50 farbige Reproduktionen
ISBN 978-3-86732-284-3
Preis 40,– €

So, 08.04.2018

Rolf Schneider in der „Erfurter Herbstlese“ im Frühjahr

Eine Wiener Kunsthistorikerin tritt in Berlin ein unerwartetes Erbe an und infiziert sich mit dem Virus „Ost-Deutschland“ ...
Der Berlinier Stilist Rolf Schneider liest in Erfurt.

Die Presse urteilt: „Wie in einer Waage wird das zwanzigste Jahrhundert gewogen. (...) Einmal mehr erweist sich Rolf Schneider als einfühlsamer Erzähler und Porträtist, dessen Figuren man nicht so schnell vergisst. Jenseits jeglicher Effekthascherei repräsentiert seine tiefwurzelnde Sprache unbeirrt zugleich eine ganze Kultur.
Rolf Schneider ist einer der letzten großen deutschen Erzähler.“
(Torsten Unger, MDR)

Lesung: 8. Mai 2018, 19.30 Uhr

Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt,

Rolf Schneider. Ebereschenfeuer. Roman
Edition Ornament
224 S. 22,90 €

Fr, 06.04.2018

Zornige Gedichte von Wilhelm Bartsch

"Zornigen Gedichte" von Wilhelm Bartsch hat in Halle und Sondershausen Premiere. Ein frech-gekonnter Rundumschlag gegen den Zeitgeist. Mit Seumes Knotenstock und der Schützenhilfe illustrer Geister von Walther von der Vogelweide über Luther bis zu Brecht und Joyce teilt der Hallenser Autor kräftig aus – gegen Deutschtümler und Wichtigtuer aller Art, illustriert mit Farbzeichnungen von Gerd Mackensen.

Tags darauf wird eine Ausstellung mit Bildern von Daniel Koch und Lesung mit Wilhelm Bartsch eröffnet. Das ist dann die Premiere der Vorzugsausgabe mit einer kolorierten Radierung von Mackensen.

Lesung: 6. April 2018, 19 Uhr
Literaturhaus Halle im Kunstforum der Saalesparkasse, Bernburger Straße 8, 06108 Halle (Saale)
Vernissage: 7. April 2018, 17 Uhr
Kunsthaus unter den Linden, Margaretenstr. 22a, 99706 Sondershausen,

Wilhelm Bartsch. Gotische Knoten. Gedichte
mit Farbzeichnungen von Gerd Mackensen,
Edition Ornament
144 S., 24,90 €

Fr, 30.03.2018

Urte von Maltzahn-Lietz
Nadine Respondek

Die Gedanken sind frei

Wechselgesang deutsch – englisch mit Grafiken von augen:falter

»augen:falter« ist ein Zusammenschluß der 8 Buchkünstlerinnen Katja Zwirnmann, Petra Schuppenhauer, Franziska Neubert, Nadine Respondek-Tschersich, Inka Grebner, Urte von Maltzahn-Lietz, Julia Penndorf und Gerlinde Meyer. Gemeinsam ist ihnen das Arbeiten mit den originalgrafischen Techniken. Sie vereint auch die Liebe zum Medium Buch und sie arbeiten alle gegenständlich. In ihren Grafiken sind zeichnerische und malerische Stile zu finden, mit mal mehr, mal weniger starker Farbigkeit. Die Vielseitigkeit in unserer Gruppe spiegelt sich in der Bandbreite der unterschiedlichen Techniken von Original-Offset (Filme werden mit der Hand gezeichnet und so gibt es kein Druckraster), (Farb-)Holzschnitt, über Acrylstich wider.

Die Aussage des Liedes »Die Gedanken sind frei« ist zeitlos, augen:falter stimmen mit ihren Grafiken in den Wechselgesang ein. Die Holz- und Linolschnitte wurden auf einer Kniehebelpresse gedruckt und der Text im Bleisatz gesetzt. Jedem Buch ist ein unikates Fundstück beigegeben.

Format: 18,5 x 24,5 cm, 40 Seiten,
Japanische Bindung mit Schuber
Auflage: 100 Exemplare und
XII römisch nummerierte Künstlerbelege

95 Euro

Di, 13.03.2018

Abb. © Büchergilde Buchhandlung & Galerie Wolfgang Grätz

Eine neue Frans Masereel-Vorzugsausgabe

Wolfgang Grätz macht in seinem, soeben erschienenen 216. Frankfurter Grafikbrief  auf eine interessante Neuerscheinung aufmerksam:

Eine neue Frans Masereel-Vorzugsausgabe
Die rührige, in Saarbrücken (wo Masereel nach dem 2. Weltkrieg eine Professur hatte) ansässige Frans-Masereel-Stiftung hat eine neue Ausgabe des aus 100 Holzschnitten bestehenden Werks „Die Stadt“ initiiert – eine gute Idee, denn das Buch ist aktuell wie bei seinem ersten Erscheinen 1925. Masereel ist ja der eigentliche Erfinder der Graphic Novel, in seinen seit Anfang des 20. Jahr-hunderts erschienenen Holzschnittbüchern erweist er sich als kritischer Chronist seiner Zeit wie als Romancier in Bildgeschichten. Dass er „nebenher“ hunderte Bücher mit Holzschnitten illustrierte, hat ihm einen Ehrenplatz im Buchkunst-Olymp eingetragen.

Weitere Thremen des 216. Frankfurter Grafikbriefs sind 

  • Der Original-Farbholzschnitt - 400 Jahre Ebbe, jetzt die Explosion! (Ausstellung 14. Februar - 29. März 2018, Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt am Main)

  • Früh übt sich! Katrin Stangl bietet Originalgrafik für die Jüngsten

  • Ein weiterer Totentanz

  • Matthias Roloff bearbeitet auch Borchert

Alltagsgeschichten von stebü

Zwischen 2017 und  2018 schuf Steffen Büchner / stebü eine Serie von Linolschnitten, in welchen er Texte aus dem Neuen Testament durch Darstellungen des aktuellen Zeitgeschehens interpretiert.

37 dieser Blätter hat er jetzt unter dem Titel Alltaggsgeschichten als Buch herausgegeben.

Entstanden ist eine sehenswerte und vor allem tiefgründige Zuordnung jahrtausendalter humanistischer Gedanken mit Bildern der heutigen, noch immer nicht so menschlichen Realität, eine Gegenüberstellung von Bibelwort und Graphik, die mehr erfordert, als lediglich ästhetischen Genuss. Diese Konfrontation provoziert Auseinandersetzung mit der Frage: wie verwirklichen wir unser Menschsein?

Die Linoldrucke aus Alltagsgeschichten können auf steingedanken.de betrachtet werden, das Buch kann über E-Mail beim Künstlers bestellt werden.

So, 25.02.2018

Schweipolt Viol

Gemeinsam mit Christian Ewald Katzengraben-Presse setzten und druckten die Lettertypen sein neues Buch "Schweipolt" auf dem Heidelberger Cylinder. Für das Buch fotografierte Christian Ewald Eisflächen, die Bilddaten wurden in ein in ein Linienraster umgewandelt. Die Vorzugsausgabe enthält ein Faksimile des Kolophons aus "Octoechos" des Schweipolt Viol, gedruckt 1491 in Krakau. Dafür wude Lagerpapier aus dem Offizin der Lettertypen verwendeten, welches hier seit mindestens 30 Jahren schlummerte.
Format des Buches: 23,0 x 17,5 cm, 32 Seiten, japanische Blockbindung, in einer bedruckten und genähten Papier-Tüte. Einmalige Auflage von 999 Exemplaren in zweifarbigem Buchhochdruck, nummeriert, signiert und mit genähtem Faden (VERSTEHT SICH!) im Impressum.

Christian Ewald beschreibt das Buch so: Die neueste Edition der Katzengraben-Presse, gedruckt bei den Lettertypen, hat es in sich: Gusel Jachina (Guzel Yakhina), 2015 mit dem wichtigsten russischen Literatur-Preis ausgezeichnet, erzählt mit dramatischer Wucht das Glück einer schicksalhaften Entdeckung ... und ihres unwiederbringlichen Verlustes in einem Atemzug!

Mi, 14.02.2018

Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches

Der Autor Bernhard Jensen und der Verleger Thedel von Wallmoden stellen das Buch »Ein Kanon der jüdischen Renaissance. Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches« vor.

Die jüdische Renaissance entwickelte seit der Jahrhundertwende ein kulturelles Selbstbewusstsein jenseits von Religion und Assimilation. Als Ausläufer dieser vom Zionismus inspirierten Bewegung gründete sich 1924 die Soncino-Gesellschaft, um die Impulse der deutschen Buchkunstbewegung auf die jüdische Buchkultur zu übertragen. Sie integrierte orthodoxe, liberale und zionistische Juden und gehörte mit 650 Mitgliedern schon bald zu den großen bibliophilen Vereinen der Weimarer Republik. Bis zu ihrer Auflösung 1937 hatte sie von der hebräischen Bibel bis zur modernen Literatur über hundert Publikationen aus allen Gebieten der jüdischen Geschichte und Kultur herausgegeben.
Bernhard Jensen fragt nach den Motiven dieser Textauswahl. Die erste Monografie über die Soncino-Gesellschaft gibt einen Überblick über sämtliche Publikationen, analysiert exemplarische Titel und begreift sie als Kanon einer Epoche, die zugleich das Ende des deutschen Judentums bedeutete. Vera Bendt beleuchtet zudem die Überlieferung und den bibliophilen Charakter der Sammlung Soncino-Gesellschaft im Jüdischen Museum Berlin, die 2016 digitalisiert wurde und online zugänglich ist.

22.02.2018, 18.30 Uhr

Jüdisches Museum Berlin, Auditorium
Buchpräsentation mit dem Autor Bernhard Jensen und dem Verleger Thedel von Wallmoden

Bernhard Jensen: Ein Kanon der jüdischen Renaissance. Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches
Wallstein Verlag
228 S., 20 z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-3154-9
€ 29,00

Mo, 05.02.2018

Neue Einbogendrucke

Die Abonnenten der Einbogendrucke des Pirckheimers Harald Kugler konnten sich heute über zwei neue Hefte der Erzälungen aus der Welt der Bücher in ihrem Briefkasten freuen. Ausgeliefert wurden 

# 15 - Gutenbergensis
# 17 - Ein alter Antiquar erzählt

Alle bisher erschienenen Hefte können, sofern vorhanden, über die Seite Harald Kugler zum Preis von 4 € bestellt werden.

So, 28.01.2018

crossbreeding Hybriden-Verlag

Im Van Abbemuseum Eindhoven wird in einer Woche eine Ausstellung mit Künstlerbüchern aus dem Hybriden-Verlag des Pirckheimers Hartmut Andryczuk mit Werken von Rea Nikonova, Serge Segay, Boris Konstriktor, Valeska Gert, An Paenhuysen, Wolfgang Müller, Die tödliche Doris, Hartmut Geerken, Jaap Blonk, Anselm Ruest, Mynona/ Friedlaender, Michael Lentz, Velimir Chlebnikow, Ulrich Woelk, Herman de Vries und vielen anderen eröffnet.
Zur Ausstellung erscheint 

Crossbreeding. Hybriden-Verlag
LS  Collection Van Abbemuseum
(in Kooperation mit dem Hybriden-Verlag)

Künstlerbuch und Katalog (deutsch/englisch) mit Texten von Serge Stommels & Albert Lemmens (LS Collection Van Abbemuseum), Hybridisierung; Michael Lailach (Berliner Kunstbibliothek), Die Odenwald-Odyssee von Hartmut Andryczuk; Stefan Soltek (Klingspor-Museum Offenbach), Notizen und Herman Moens (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Mynonas Diarium 1944/1945.
Mit einer Liste aller im Hybriden-Verlag erschienenen Titel (Stand 2017).
100 Seiten mit 25 farbigen Abbildungen sowie 10 Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk (Kleine Nietzsche-Lektion auf Russisch oder: Der Wille zur Macht ist im Arsch).

Limited edition of 50 copies, signed and numbered
ISBN: 978 90 79393 21 3
550 €

Eröffnung: 4. Februar um 15 Uhr,
Einführung: Serge Stommels, Performance: Jaap Blonk
Ausstellung 6. Februar – 4. Mai 2018

Van Abbemuseum
Bilderdijklaan 10, Eindhoven

Di, 23.01.2018

Ein alter Antiquar erzählt

... Doch noch immer hielt sich mein Freund mit Vorkehrungen zu seinem Bericht auf, stopfte sich ein Pfeifchen und füllte zwei Gläser mit funkenrotem Wein, was der Situation etwas feierlich Romantisches und zugleich Einmaliges verlieh.
Dann schließlich rückte er sich wie ein Märchenerzähler in seinem Sessel zurecht und begann.
„Es war spät geworden, als ich noch bei Recherchen zu meinem neuesten Katalog saß. Ich hatte die Tür zu meinem Laden schon vor Stunden verriegelt, war noch einmal wegen der Suche nach einem Buch in den Laden hinübergegangen, als ich plötzlich einen brenzligen Geruch in meinem Arbeitszimmer vernahm. Der Raum wurde nur von meiner Stehlampe erhellt, sodass ich nicht gleich bemerkte, was sich in einer Ecke des Raumes verändert hatte. Erst ein leises Räuspern, das mir wie ein Blitz in die Glieder fuhr, ließ mich meinen Lampenschirm in die Ecke des Raumes drehen. ... "

Dieser kleine Ausschnitt soll die Lust des Lesens für den in Kürze in einer Auflage von 30 Exemplaren erscheinenden 17. Einbogendruck des Pirckheimers Harald Kugler wecken! Das Heft kann, wie das bereits erschienene Heft 15 (Gutenbergensis) und vorangegangene Drucke zum Subskriptionspreis von 4 € beim Autor bestellt werden.

Sa, 20.01.2018

Neues von einem neuen Mitglied

Die Pirckheimer-Gesellschaft hat seit heute ein neues Mitglied: Helmut Schulze (offizin parvus) und ebenfalls seit heute finden sich auf der Seite der Edition vier Neuerscheinungen in der Rubrik Künstlerbücher/Unikate. Das aktuellste Werk ist "Marie O´Kennedy / Helmut Schulze, OHNE WORTE".

Das Buch „Inventare de ma chambre“ von O´Kennedy, 1887 erschienen, nimmt das Thema „Zimmerreisen“ auf (siehe auch Xavier de Meister „Die Reise um mein Zimmer“ und „Die nächtliche Reise um mein Zimmer“).
Maries minutiöser Beschreibung ihres Zimmers und der damit verbundenen Absicht, hinter der sichtbaren Welt der Erscheinungen eine unbekannte Welt zu erkunden, wurde die gegenwärtige Erfahrungs- und Erlebniswelt des Buchkünstlers gegenübergestellt.
Die Seiten des Buches wurden zusammengeklebt oder übermalt, so dass der Text nicht mehr lesbar ist und nur noch einzelne Illustrationen zu sehen sind. Diese wurden durch eingeklebte Zeichnungen und Bilder ergänzt.
Der Originaleinband – rotes Leder mit echten Bünden und goldenen Zier- sowie Schriftprägungen – wurde mit schwarzer, roter und weißer Acrylfarbe bemalt.

Besucher der artbook.berlin haben die offizin parvus dort kennengelernt - die offizin parvus lernte dort die Pirckheimer kennen und schätzen.

Mi, 10.01.2018

Wem die Glocke schlägt

Zum Abschluss der Ausstellung "Wem die Glocke schlägt" mit der vollständigen Folge von Josef Hegenbarths großformatigen, expressiven Illustrationen von 1922 zu Friedrich Schillers Ballade "Das Lied von der Glocke" von 1799, wird die druckfrische Publikation dazu vorgestellt. Um 16 Uhr sind die Gäste eingeladen, den Klassiker der deutschen Dichtkunst gemeinsam vorzutragen, dessen Auswendiglernen Generationen von Schülern in der Vergangenheit piesackte oder mit Stolz erfüllte und heute aus dem Lehrplan verschwunden ist.

Lesung: 27. Januar 2018

Herr Hegenbarth
Nürnberger Straße 49, 10789 Berlin

Anmeldungen zur Lesung unter: 030 23 60 99 99 oder E-Mail
Eintritt frei

Virginia Woolf A HAUNTED HOUSE Ein verwunschenes Haus, edition offizin parvus 2017, Gestaltung: Monika Rohrmus

Neu in der edition offizin parvus

In der edition offizin parvus sind drei neue Bücher erschienen, das von Monika Rohrmus gestaltete Buch A Hauntet House | Ein verwunschenes Haus von Virginia Woolf und die beiden, von Helmut Schulze gestalteten, Titel: Franz Schubert Die schöne Müllerin und Winterreise nach Gedichten von Wilhelm Müller.
Alle Titel haben eine Auflage von 30 nummerierten und signierten Exemplaren, weiter Angaben finden sich auf der Homepage der offizin parvus.

Di, 02.01.2018

Harald Kretzschmar, Abb. aus »Stets erlebe ich das Falsche«, Quintus-Verlag 2017

Viele Beulen am Helm

[ ...] In seinem neuen Buch sagt der inzwischen 86jährige Harald Kretzschmar, [...] tatsächlich alles anders, als es dem Mainstream genehm ist, und bringt es so auch mit dem Filzstift aufs Papier. »Stets erlebe ich das Falsche. Der alternative Künstlerreport« ist der Titel. [...]
Kaum ein Karikaturist war und ist so eng mit den Entwicklungen seines Faches im Osten Deutschlands verbunden. Kretzschmar war nicht nur Lieferant frischer Einfälle, sondern vor allem Förderer neuer Talente; meist nahm er sich selbst zurück. Die Grundfrage, ob nach der »Wende« auch für den Bereich der Karikatur eine »Neubewertung« notwendig sei, wird im Buch eindeutig verneint. Bis in die Gegenwart dominieren Vorurteile, Unwissenheit, Verblendung und Ignoranz gegenüber Künstlern aus der DDR. Dass die Karikaturisten mit kritisch-politischem und künstlerischem Anspruch arbeiteten, also selbstverständlich auch Künstler waren (und sind, soweit sie noch leben), dass sie sich oft gegen Widerstände durchzusetzen hatten und dennoch bei ihrer Haltung blieben, spielt heute keine Rolle mehr. Das geistige Klima, das die Jahre nach 1989 prägte, in manchen Fällen zu blindem Hass gesteigert, ist noch nicht überwunden. Kretzschmars Karikaturen fand man auch auf dem Müll des ausgeräumten Kulturhauses Potsdam-Babelsberg. »Vereinigen durch Ausgrenzen, wie geht das?« fragt er. Und schreibt dagegen an, verbeißt sich nicht, bleibt bei den Tatsachen: »Wie vieles habe ich anders erlebt, als heute … publi­zierte Erlebnisberichte suggerieren wollen.«
[...] Das Buch vermittelt eine Sicht von innen auf die nationale und internationale Karikaturistenszene und andere Kunstbereiche. Kretzschmar erlebte in sieben Jahrzehnten das Richtige, das heute als falsch verdammt wird. »Gibt es in unserer Erinnerungskultur nur blankgeputzte positive oder trübe verfinsterte negative Biografien?« fragt er an einer Stelle: »Dürfen sie vielgestaltig widersprüchlich sein?« Und konstatiert später: »Ich habe viele Beulen am Helm, und nicht alle stammen vom Klassenfeind.« [...]
Kretzschmar ist ein Insider par excellence. Neben seinem Zeichentisch steht heute noch die Staffelei von George Grosz und Carl Stutzkopf. Sein Buch kann der historischen Wahrheit auf die Sprünge helfen.
(Peter Michel, Junge Welt, 2. Januar 2018, S. 11)

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