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Pirckheimer-Blog

Mo, 24.05.2021

Russel Maret, Interstices & Intersections or, An Autodidact Comprehens a Cube, © Russel Naret

BORN IN THE USA

Zu den exquisiten Leihgaben der Herzog August Bibliothek an der aktuellen, leider geschlossenen Ausstellung BORN IN THE USA des Klingspor-Museums in Offenbach gehört das Buch des Amerikaners Russel Maret.
Es inszeniert die Betrachtungen des antiken Wissenschaftlers Euklid zu Abständen und Zwischenräumen im physikalischen Raum - ein Sachverhalt, das der Gestaltung von Schrift und Buchkunst ja durchaus geläufig ist. Anhäufung und Ausbreitung, Gedränge und geometrisch gefügte Weite - immer aufs Neue sind es Gegensätze, die ein Phänomen umso deutlicher hervortreten lasen.

Trübes Grau gegen abwechslungsreiche Farbe, das steht auch für die Herausforderungen, die uns das Leben mit Abstand, mit viel Zwischenraum dieser Tage bietet.
Die grüne Schrift möchte Hoffnung machen auf Zuversicht und auf Nähe, auf mehr Begegnung in naher Zeit. Bitte behalten Sie, behaltet Ihr alle unser Mitglied, das Klingspor Museum als Ziel dieser Hoffnung im Herzen und im Auge.

(Stefan Soltek)

Klingspor Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

So, 23.05.2021

Ausriss aus junge Welt vom 22./23./24. Mai, Screenshot von www.neues-deutschland.de vom 21.Mai, Ausriss aus "Der Freitag" vom 20. Mai und "Berliner Zeitung" vom 19. Mai 2021

Nichts hat sich erledigt

Mit diesem Titel von Michael Hameter ist einer der vielen Artikel überschrieben, mit denen der Pirckheimer Harald Kretzschmar zu seinem heutigen 90. Geburtstag gewürdigt wird. Ein anderer Artikel in neues deutschland zum langjährigen Zeichners dieser Zeitung bis zur »­Verjüngung« im letzten Jahr, diesmal von Hans-Dieter Schütt, titelt: "Er trifft, aber erledigt nicht". Schütt begründet das: "Dieser Künstler schaut nicht herab, sondern hin, nicht von oben, sondern eher von der Seite, die ihm niemals bloß Bilderbuch- oder Kehrseite ist. Heimlich schauen, ohne zu stören? Respekt nennt man das. Sezieren, ohne ins Fleisch zu schneiden. [...] Kretzschmars Witz trifft, aber erledigt nicht."

"Harald Kretzschmar, der sich seit 1955 zu den freien Mitarbeitern der Satirezeitschrift Eulenspiegel rechnen durfte und bis 1991 zum festen Stamm der Zeichner dort gehörte, bleibt beim Wikipedia-Eintrag vom Eulenspiegel unerwähnt." konstatiert Michael Hameter in Der Freitag (20. Mai 2021) resignierend, gleichzeitig mit der Feststellung, mit seinem Artikel Harald Kretzschmar als einen "der prominentesten, profiliertesten, potentesten Porträtkarikaturisten Deutschlands" zu würdigen. Er schreibt: "Die DDR war nur ein Teil seines Lebens, gut, sie war der Mittelteil. Es bleiben 30 Jahre bis heute mit Stapeln von Karikaturen und literarischen Porträts in einer Handvoll Bücher."
Für Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung, 19. Mai) ist für den "Mienen- und Posen-Leser", den Eulenspiegel-Karikaturisten, Graphiker und Feuilletonisten Harald Kretzschmar auch erwähnenswert, dass er als einstiger Leiter der Sektion Karikatur im VBK der DDR Mitbegründer des Satiricum Greiz war, "zu DDR-Zeiten eine mutige Instanz der stillen kulturellen Auflehnung" - Kretzschmar selbst sieht diese Auflehnung vielleicht etwas differenzierter: In Der Freitag wird die Würdigung seiner Person mit dem Aufmacher angekündigt: "Harald Kretzschmar kennt sich mit Zensur aus" (S. 17) um ihn dann zu zitieren: er nennt Zensur eine "Irrtumsvokabel" (S. 19).
Harald Kretzschmar stellt klar: "Karikieren heißt Charakterisieren! Viele denken: Karikieren habe etwas mit Verzerren zu tun. Je größer die Nase, je besser das Porträt." Er sieht sich im Spiegel eines Kollegen, wenn er über den berühmten E. O. Plauen schreibt: „Erstens geht es um das skizzenhafte Aufspüren von Wesentlichem mittels Strich und Linie und zweitens um das abstrahierende Auf-den-Punkt-Bringen."
Hameter schreibt weiter: Harald Kretzschmar "hat über die, die seinen Weg gekreuzt haben, Bücher gemacht. Jetzt kam ihm zugute, dass er seit den 70er Jahren seine Karikaturen selbst mit Unterschriften versehen hatte: kleine Porträts. Anfangs zehn Zeilen. langsam entwickelten sich daraus literarische Porträts. In Buchform lauten ihre Titel: »Wem die Nase passt« (2001), »Paradies der Begegnungen« (2010), »Mimen und Mienen« (2011), »Treff der Originale« (2016) und zuletzt [der allen Pirckheimern als Jahresgabe bekannte Titel] »Stets erlebe ich das Falsche« (2017). Der Pirckheimer Andreas Wessel bemerkt dazu in der gestrigen Wochenendausgabe der Zeitung junge Welt: "Harald Kretzschmar [hat uns] mit seinem »alternativen Künstlerreport« [...], in dessen Biographien sich immer auch sein eigenes Künstlerleben spiegelt, vielleicht ein paar Körnchen der Wahrheit geschenkt, welche öffentlich besoldete Geschichtsdeuter so mühsam zu verdecken bemüht sind. Wer nachzudenken (oder auch einfach nur zu denken) bereit ist, findet hier eine heiter-ernste und unbedingt ehrliche Selbstbefragung über die Möglichkeiten und Grenzen von Kunst und Künstlern im Wandel der Gesellschaft." Hameter ergänzt: "Zum genauen Strich setzt er das präzise Wort. Er hat mit seinen »nachgerufenen Hinterherbemerkungen« etwas Großartiges geschaffen: ein Archiv der Originale. Für Originale besitzt er einen Nerv. Ist er doch selbst eines."

Schließen wir uns den Wünschen von Hans-Dieter Schütt an unser Mitglied an: "Harald, herzlichen Glückwunsch! Kraft! Für weitere Übertreibungen - in Richtung der Wahrheit."

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Sa, 22.05.2021

Carlfriedrich Claus / Lothar Lang - Der Briefwechsel 

Bei Faber & Faber erscheint im September 2021 der von Elke Lang herausgegebene Briefwechsel zwischen 1966 und 1990 von Carlfriedrich Claus und Lothar Lang, eine Auswahl der Korrespondenz zweier »ungleicher Brüder«, die viel über die Kunstrezeption und die Schwierigkeiten der Vermittlung von Kunst in der DDR zum Ausdruck bringt.

Carlfriedrich Claus (1930 - 1998) war ein avantgardistischer Künstler auf den Gebieten der Schriftgrafk, der Visuellen und konkreten Poesie. Er schuf ein umfangreiches Werk. Sein Nachlass steht unter Kulturschutz. Claus beginnt sich schon früh für andere Sprachen zu interessieren. Seit 1951 entstehen erste Gedichte. Er nennt seine Gedichte Klanggebilde. Es entstehen »Phasenmodelle«, »Letternfelder« und »Sprachblätter«. 1977 gründet er zusammen u. a. mit Michael Morgner und Thomas Ranft die Produzentengalerie Clara Mosch in Karl-Marx-Stadt.
Er begriff sich zeitlebens als Kommunist, dennoch wurde er von der Staatssicherheit der DDR überwacht. Er blieb in seinen Gedanken und Handlungen frei und widersetzte sich jeglichen Ideologien. Sein Werk ist transmedial. Obgleich viele seiner Werke sehr grafisch aussehen, hat er sich selbst stets als Literat begriffen.

Lothar Lang (1928 – 2013), der viele Jahre im Vorstand der Pirckheimer-Gesellschaft mitgearbeitet hat und als Chefredakteur maßgeblich daran beteiligt war, dass die MARGINALIEN zur heute wichtigsten bibliophilen Zeitschrift Deutschlands wurden, war Kunsthistoriker, Kurator und Kunstkritiker. Er förderte so unterschiedliche Künstler wie etwa Gerhard Altenbourg, Harald Metzkes, Wieland Förster und eben Carlfriedrich Claus. Von bleibender Bedeutung war die Herausgabe von 20 Grafikmappen der Kabinett-Presse von 1965 bis 1974.
Auskunft über sein Denken und Wirken gibt er in seinem Erinnerungsband Ein Leben für die Kunst, Faber & Faber, 2009, welches in einer Teilauflage mit einer beigelegten Graphik von Andreas Dress als Jahresgabe 2009 an die Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft ausgereicht wurde.

Carlfriedrich Claus / Lothar Lang - Der Briefwechsel
herausgegeben von Elke Lang und mit einem Essay von Brigitta Milde
Faber & Faber, Leipzig (September) 2021
mit Abbildungen, ca. 192 S., 16,5 x 23,5 cm, Hardcover
ca. 30 €
ISBN 978-3-86730-220-3

Fr, 21.05.2021

Helm Zirkelbach, Die Krähe - Winterreise, 1999/2000, Radierung

Oh Captain, My Captain

Helm Zirkelbach und Eckhard Froeschlin präsentieren in einer Ausstellung „Oh Captain, My Captain“ in Bad Sulgau, betitelt nach dem berühmten Gedicht von 1865 des von den Künstlern geschätzten Dichters, Malers und Musikers Walt Whitmans, in dem er die Ermordung Abraham Lincolns betrauert, eine Hommage an die aufklärerische Kraft der Kunst und zeigen, dass die jahrhundertealte Technik der Radierung noch längst nicht an ihrem Ende angekommen ist.

Helm Zirkelbach ist mit einem großen Block aus seinen Whitman-Radierungen vertreten, mit einem Zyklus zu Chopin Préludes, der Winterreise und der Serie „Ein ewig Hugärtle“.
Von Eckard Froschlin gibt es Radierungen zu Nicodemus Frischlin, zu Brechts Anachronistischem Zug, die Mappen „Künstler“, „Zehn Dichter" und „Überfahrt - Passage“ und natürlich einige der lebensgroßen Figurenporträts zu sehen.

Zu Veranstaltungen wie Künstlergespräche und Finissage, sowie zu zwei Sonder-Editionen zur Ausstellung kommen noch gesonderte Informationen.

Eröffnung: 22. Mai 2021
Ausstellung: (21. März), verlängert bis Ende Juli 2021

Städtische Galerie Fähre
Altes Kloster Bad Saulgau
Hauptstr. 102/1 88348 Bad Saulgau

Do, 20.05.2021

Abb. © Hartmut Andryczuk

Planetenschreiber 3

Im Hybriden-Verlag, Berlin, erschien die dritte Folge des Planetenschreibers von Ulrich Woelk (diesmal auf dem Neptunmond Triton mit Zeichnungen von Hartmut Andryczuk).

"Ich selbst kann zwar nicht Skifahren, aber vielleicht würde ich die Gelegenheit nutzen und auf Triton ein paar Anfängerstunden nehmen. Da die Gravitation dort weniger als ein Zehntel der irdischen beträgt, kann man, wie ich gehört habe, schon nach wenigen Tagen steilste Pisten hinunterfahren – ein Grund für die enorme Beliebtheit des Low-g-Skiings. Während auf der Erde nur Wahnsinnige fast senkrechte Hänge und Felsabbrüche hinabfahren, kriegt das auf Triton oder dem mondänen Saturnmond Enceladus (0,01g – das absolute Rentnerparadies) nahezu jeder mittelmäßige Skifahrer oder Snowboarder hin. Skiflugweiten von einem Kilometer – auf Enceladus sogar bis zu zehn! – sind keine Seltenheit, und beim Rodeln sind Schrauben und Loopings in den Eisbahnen Standard.

Aber die Hauptattraktion sind natürlich schon seit Jahren die Sky-Jets, diese skibobähnlichen Düsenfahrzeuge, mit denen es bei der geringen Triton-Gravitation möglich ist, mehr als hundert Meter über die Oberfläche aufzusteigen und sich von dort die spektakulären Ausbrüche der Kryogeysire und -vulkane anzusehen oder beim Überfliegen der Nacht-Tag-Grenze den berühmten Sonnenaufgang über den Stickstoffgletschern der äquatorialen Gebirgsketten zu bestaunen. Meine Vorbehalte gegenüber dem Sky-riding, das mag sein, entspringen vielleicht einer typischen irdischen Spaßskepsis, weil ich dabei nur an die nervigen Jet-Skis an den Luxusstränden der Schickmicki-Urlaubshochburgen in Sierra Leone, Gabun oder der Elfenbeinküste denke."

30 Expl, signiert und mummeriert,
600 €

Mi, 19.05.2021

Finis Exlibris? Jahresrückblick 2020

"JAHRESRÜCKBLICK 2020. WAR ES EIN RÜCKSCHLAG? FINIS EXLIBRIS?

War das Jahr 2020 für unsere Exlibrisgemeinde ein verlorenes Jahr? Andreas Raub versuchte mit einer Tuschzeichnung das das Jahr 2020 beherrschende Thema in seiner CHORONIK 2020 mit einer gewissen deutschen Ironie darzustellen. Wie aus einem Science-Fictionfilm entlehnt, schwebt ein riesiges schwarzes Ungetüm mit vielen Köpfen und Krallen über dem CHORONIK. Eine Kralle zieht eine rote Linie über den Kalender. Um das Buch herum laufen menschliche Gestalten, die ihre Gedanken in Sprechblasen zum Ausdruck bringen. Kommentare und Kritiken kann sich nur ein Künstler leisten. Selbst Donald Trump wird offenbar hier sein letztes gezeichnetes Denkmal gesetzt. Wie wird dieser Angriff aus dem Nichts wohl ausgehen? Im Science-Fictionfilm siegt menschlicher Geist und Mut.
Wird es menschlichen Geist und Mut gelingen, diese unsichtbare und als enorme Größe nur erahnbare Gefahr zu bannen?
Die Covid-19-Pandemie beherrschte und bedrohte unser Alltagsleben. Seit fast einem Jahr ist unser Leben unerwarteten Maßnahmen und Regelungen der Regierungen ausgesetzt gewesen. Berufstätige standen und stehen noch immer plötzlich vor dem Nichts. Eine grausame Tatsache für Kulturschaffende, die plötzlich ohne Einkommen dastanden und noch dastehen.

[...]
Abschließend kann ich versichern, dass wir doch unter den schwierigen Umständen, unsere Arbeit für die Österreichische Exlibris-Gesellschaft (ÖEG) erfolgreich fortsetzen konnten. Wir müssen uns nicht fragen „quo vadis exlibris?“
Wir Freunde und Liebhaber des Exlibris, Sammler, Forscher und Künstler bestimmen den Weg. Es gibt für uns keinen Pessimismus. Wir haben das „finis exlibris“ mit vereinten Kräften abwenden können.
"

(Tillfried Cernajsek, Vorsitzender der ÖEG im Editorial der Mitteilungen der ÖEG Heft 1/2021)

... gesamten Artikel lesen

Di, 18.05.2021

© Österreichische Nationalbibliothek

DAS BESONDERE OBJEKT

Im Rahmen der Reihe "Das besondere Objekt" zeigt die Österreichische Nationalbibliothek ein Blatt aus der Papyrussammlung: Artemisia, eine in Memphis lebende Griechin des 4. vorchristlichen Jahrhunderts, klagt in dem Papyrus über den Vater ihrer verstorbenen Tochter. Dieser hatte dem Mädchen ein Grab verweigert und dadurch ihr jenseitiges Leben in Gefahr gebracht. Zur Strafe ruft Artemisia ein ägyptisches Gottesgericht an: Die Götter sollen auch dem Vater sein Grab verwehren und ihn und sein Vermögen schädigen. Der außergewöhnliche Text enthält Elemente eines Fluches, verzichtet aber auf jede Magie, er ähnelt dadurch einer gerichtlichen Klage. Artemisia richtet ihr Schreiben jedoch nicht an ein irdisches Gericht, denn die Tat des Vaters war nicht rechtswidrig. Umso eindringlicher fällt ihre Klage an das Göttertribunal aus.

Am 1. Juni 2021 um 18 Uhr findet ein Expertengespräch statt, in welchem Dr. Claudia Kreuzsaler dabei die interessante Geschichte des Objektes präsentiert; einen Vorgeschmack auf den Vortrag bietet das kurze Video.

Österreichische Nationalbibliothek
Josefsplatz 1, 1015 Wien

Mo, 17.05.2021

Vereinskarte Nr. 13

Die 13. Vereinskarte des Vereins für die schwarze Kunst, die allen Mitgliedern zugeht, wurde gestaltet, gesetzt und gedruckt von Wolfgang Vogel in Ludwigshafen a. Rh. an der FAG 40 Andruckpresse in der Druckwerkstadt Slowtype als Hommage an ›die‹ Garamond*. Verwendet wurden die Schriften Garamond mager 48 Pkt., 9 Pkt. mager und halbfett, sowie 24 Pkt. mager kursiv.

*Mit ›Garamond‹ bezeichnet man eine Gruppe von Schriften der französischen Renaissance-Antiqua. Sie wird seit dem 16. Jahrhundert verwendet und ist heute der Klassiker unter den Leseschriften.

Sa, 15.05.2021

Hans Grundig - »Zwischen Karneval und Aschermittwoch«, Autobiographie, Dietz Verlag 1957 (1. Aufl.)

Tiere und Menschen

Die Dresdener Galerie Mitte beherbergt derzeit eine für den 1. April bis 22. Mai 2021 aus Anlass des 120. Geburtstages von Hans Grundig vorbereitete Exposition mit Radierungen seines Zyklus »Tiere und Menschen«. Eine Eröffnung dieser Ausstellung konnte coronabedingt bisher nicht stattfinden.

"Die Arbeit an diesen Blättern hatte der Künstler bereits 1933 nach dem Kauf einer Tiefdruckpresse begonnen und 1938 beendet. Es sind eindringliche, expressive Werke, welche die Nazibarbarei und den Widerstand dagegen auf einzigartige Weise nacherlebbar machen und die bisher noch nicht in angemessener Weise rezipiert und ­gewürdigt wurden. Hans Grundig bedient sich darin teilweise einer eigenwilligen Tiersymbolik; in anderen Radierungen wird er sehr direkt und arbeitet – wie er in seiner Autobiographie schrieb – »mit gezielten Hieben, die den Menschheitsmördern galten«. Auch in dieser Ausstellung sind teilweise Werkpaare zu sehen, in denen sich Hans und Lea Grundig in jeweils persönlicher Bildsprache zu bestimmten Themen äußern, z. B. »Gefangen«, »Haussuchung«, »Flucht«, »Absturz«. [...]
Am 19. Februar 1901 wurde er in Dresden in einer Malerfamilie geboren. Er besuchte die Volksschule, begann eine Lehre als Dekorationsmaler und arbeitete eine Zeitlang in einem Kamerawerk. Ab 1920 studierte er zunächst an der Dresdener Kunstgewerbeakademie und schließlich an der damaligen Königlichen Akademie der Künste Dresden. Dort suchte er die Bekanntschaft mit Otto Dix, später auch mit Otto Griebel und anderen. Im Jahr 1926 trat er in die KPD ein und lernte die Kunststudentin Lea Langer kennen, die er zwei Jahre danach heiratete. 1929 gründete er gemeinsam mit gleichgesinnten Künstlern die Dresdener Assoziation revolutionärer bildender Künstler (Asso). Als 1933 die Faschisten im Lichthof des Dresdener Rathauses die diffamierende Ausstellung »Siegelbilder des Verfalls in der Kunst« zeigten, wurden auch einige Gemälde Hans Grundigs an den Pranger gestellt. Das Triptychon »Das Tausendjährige Reich«, eines seiner bedeutendsten Werke, das die Apokalypse des untergehenden Dresden vorausahnte, entstand bereits in der Illegalität; 1936 war er aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen worden und hatte damit Berufsverbot. Es folgten mehrere Verhaftungen gemeinsam mit Lea Grundig. In der groß angelegten Münchener Ausstellung »Entartete Kunst« war ein Werk von ihm zu sehen. 1940 kam er in das KZ Sachsenhausen [...] und 1944 in die Strafdivision Dirlewanger ­eingezogen. Am 25. Dezember 1944 trat er bei einem Fronteinsatz bei Budapest zur Roten Armee über. Er besuchte 1945 eine Antifaschule bei Moskau und kehrte am 3. Januar 1946 nach Dresden zurück. [...]
Hans Grundig hatte am 17. ­April 1947 als neuer Rektor die Dresdener Akademie der Bildenden Künste wiedereröffnet und als Professor eine Malklasse übernommen. [...] Noch in seinem Todesjahr 1958 erlebte er die Eröffnung der ersten großen Ausstellung des eigenen und des Gesamtwerkes seiner Frau Lea im Dresdener Albertinum und die Auszeichnung mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der ­Künste. Am 11. September starb er im Alter von 57 Jahren an den Folgen einer schweren Tuberkuloseerkrankung, die ihn in der KZ-Haft befallen hatte [...] Der Nationalpreis für das künstlerische Gesamtwerk wurde ihm noch 1958 posthum verliehen. [...]
In seiner Inaugurationsrede erinnerte der Maler und Graphiker Hubertus Giebe 1987 an profilgebende Lehrer der Dresdener Kunsthochschule, an Otto Dix, Oskar Kokoschka, Eugen Hoffmann und – nicht zuletzt – Hans Grundig. Er bezeichnete sie als Fixsterne am Himmel der deutschen klassischen Moderne, als Vertreter einer Avantgarde, die in Europa und darüber hinaus angenommen wurde. Und er riet den Studenten, die Leistungsfähigkeit solcher Persönlichkeiten, ihre einmalige Begabung unter jeweils unwiederholbaren Konstellationen zu erfassen, daraus zu lernen, aber letztlich nichts nachzuahmen, sondern das Eigene, Anspruchsvolle zu finden. Sieht man heute – 34 Jahre nach dieser Rede – Diplomausstellungen an dieser Hochschule, sucht man den Geist jener Vorbilder meist vergebens. Er wurde seit den »Wende«-Jahren gründlich ausgetrieben.[...]"

(Peter Michel in junge Welt, 15.05.2021, zum Artikel)

Zur Ausstellung erschien ein Katalog zum Preis von 15 €.

Galerie Mitte
Striesener Straße 49, 01307 Dresden

Fr, 14.05.2021

Blick in die Ausstellung mit den Heftumschlägen des "Magazin" von Werner Klemke und den E.T.A. Hoffmannschen "Kater Murr" von Wolfgang Würfel, Foto: Agnes Kunze

Diese Katze ist die Sonne selbst

Eine neue Sonderausstellung „Diese Katze ist die Sonne selbst – Am Anfang gegenseitiger Begegnung“ wurde im Winckelmann-Museum eröffnet und ist, wie derzeit leider Vieles, nur virtuell zu besuchen.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz.

In dieser Katzenausstellung sind neben dem „Magazinkater“ von Werner Klemke auch Wolfgang Würfels „Kater Murr“ vertreten, sowie Katzenbilder von Rainer Ehrt und Manfred Bofinger .

Willibald Pirckheimer - Descripto Germaniae

Eine Sammlung sehr seltener geografischer und topografischer Beschreibungen von Deutschland und den Niederlanden aus dem 16. Jahrhundert in der Erstausgabe von 1585 wird noch 11 Tage auf catawiki angeboten: Willibald Pirckheimers "Descriptio Germaniae utriusque tam Superioris quam Inferioris".

Die Ausgabe enthält "Descriptio Germaniae" von Willibald Pirckeimer, "Germania Inferioris Historia" und "Brevis narratio de origine et sedibus priscorum Francorum" von Gerhard Geldenhauer, weiterhin "De Turgris et Eburonibus aliisque Inferioris Germaniae" von Hubert Thomas und schließlich noch Notizen von Pirckheimer zu Mittelamerika und der Insel Hispaniola.

Moderne Pappbindung. Goldtitel auf einem Etikett.
Typografische Marke auf der Titelseite eingraviert.
Größe: 15x10 cm, S. 144

Do, 13.05.2021

Der Berliner Dichter und Billard-Freund Gerd Adloff (Foto: Hendrik Liersch)

GEDICHTE FÜR DIE STAMMKNEIPE

"[...] der Lyriker Gerd Adloff (68) und der Verleger Hendrik Liersch (59) [...] treffen sich normalerweise einmal wöchentlich mit Freunden in der 1913 eröffneten Kneipe „Metzer Eck“ in Berlin-Prenzlauer Berg zum Billardspielen. Manche heben ein Bier dazu, Adloff trinkt stets nur Tee. Unter anderem das lässt er in einem 2018 verfassten, schönen Gedicht wissen, das mit einem 40 Jahre älteren Text auf das „Metzer Eck“ in einer gleichnamigen Sonderedition der Corvinus Presse erschienen ist: 100 nummerierte, vom Dichter wie vom Verleger signierte Exemplare für jeweils fünf Euro. Das Geld soll dem Wirtshaus zugute kommen. [...]"

(Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 4. Mai 2021)

Gerd Adloff: „Metzer Eck“, Gedichte
Corvinus Presse Berlin 2021
5 Euro

Mi, 12.05.2021

Einzeichnung von Arno Mohr für seinen Nachbarn, den Pirckheimer Wolfram Körner

Arno Mohr zum 111. Geburtstag

Die diesjährige Sonderauktion der Galerie der Berliner Graphikpresse ist zum einen dem graphischen Schaffen des Berliner Alt-Meisters Arno Mohr gewidmet, dessen 111. Geburtstag im Sommer bevorsteht. Es sind sehr gute und bekannte Blätter aus der privaten Sammlung Arendt im Angebot, darunter zahlreiche Klassiker aus der Folge „Mein Lebenslauf".
Im zweiten Teil geht es um einen spannenden Teil der ostdeutschen Kunstgeschichte: die originalgraphischen Künstlerplakate. Diese sind neben ihrer Eigenschaft als wertvolle, teils unikate Graphiken gesuchte Zeitdokumente. Verschiedenste künstlerische Handschriften und graphische Techniken im Tief-, Flach- und Hochdruck kommen hier zusammen, der zeitliche Rahmen reicht von den 60ern bis in die Wendezeit der frühen 90er Jahre. Zahlreiche unikate Blätter sind im Auktionsangebot, ob von Ursula Strozynski, Ellen Fuhr oder Dagmar Ranft-Schinke. Ein besonderes Exponat sind die zehn Ausstellungsplakate zu den X. Weltfestspielen 1973, mit Blättern von Wolfgang Mattheuer, Arno Mohr und Manfred Butzmann, von allen Künstlern handsigniert.

Der komplette Katalog und alle Informationen sind auf derHomepage der Galerie erreichbar.

Ausstellung: 12. Mai - 18. Juni 2021, nur mit Termin und aktueller Negativtest oder Impfbescheinigung
Auktion: 19. Juni 2021, 11 Uhr, nur per Fern- oder Telefongebot sowie online

Galerie der Berliner Graphikpresse
Silvio-Meier-Str, 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

Di, 11.05.2021

Goldene, silberne und bronzene Nägel sind die Auszeichnungen, die im ADC-Wettbewerb für kreative Leistungen verliehen werden. | © ADC/Instagram

BRONZE-NAGEL FÜR DIE „MARGINALIEN“

Die »Marginalien – Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie« wurde im diesjährigen Wettbewerb des Art Directors Club für Deutschland (ADC) mit einem Bronze-Nagel in der Kategorie »Editorial: Magazin/Jahrgang« ausgezeichnet. Insgesamt wurden in dieser Kategorie drei Bronze-Nägel vergeben. Die beiden anderen Preisträger sind die Design-Zeitschrift »form« und das Magazin der Wochenzeitung »ZEIT«.

Die »Marginalien« werden von der Pirckheimer-Gesellschaft herausgegeben und beleuchten die unterschiedlichsten Bereiche der Buchkunst und Bibliophilie aus Geschichte und Gegenwart. Sie erscheinen viermal im Jahr. Jedem Heft ist eine typografische Beilage eingebunden. Diese enthält – mitunter selten publizierte – Texte in anspruchsvoller typografischer und drucktechnischer Gestaltung. Einer Teilauflage liegt eine Originalgrafik verschiedenster Techniken bei.

Chefredakteur ist der Journalist und Autor Till Schröder. Die Gestaltung der Zeitschrift liegt in den Händen von Prof. Matthias Gubig, Buchgestalter, Grafiker und Herausgeber eigener Pressendrucke.

»Wunderbar, dass in der großen bunten Medienwelt unsere bescheiden vorgetragenen ›Randbemerkungen‹ ob ihrer inhaltlichen und gestalterischen Qualität bemerkt und ausgezeichnet werden. Danke auch für die ideenreiche, konsequente, geduldige und freundliche Zusammenarbeit mit Till Schröder«, sagt Matthias Gubig.
Auch Till Schröder freut die Anerkennung durch die Jury: »Angesichts der hohen Qualität der anderen Einreicher freut unsere kleine Redaktion der ADC-Preis sehr. Zeigt er doch, dass, wenn relevante Inhalte durch gestalterische Konsequenz an Schärfe gewinnen – egal ob Indie oder Mainstream – sie auch ihr Publikum finden. Ich danke allen Autorinnen und Autoren für den pointierten Blick auf solche Themen buchkünstlerischer Relevanz von damals wie heute. Und Matthias Gubig im besonderen, der allem feintypografierend das markante Gesicht gibt.«

Mo, 10.05.2021

Angebot der Pirckheimer-Gesellschaft im Katalog "Buchkunst und Originalgrafik", S. 40f

Katalog der Leipziger Antiquariatsmesse

Auch wenn in diesem Jahr die Leipziger Antiquariatsmesse stattfinden kann, hat der Veranstalter Detlef Thursch zu dieser ausfallenden Messe einen Katalog erstellt, in dem 44 Antiquare mehr als 600 seltene Bücher, Graphiken und Autographen zum Verkauf anbieten.
Ein Novum ist ein ebenfalls erstellter Katalog, an dem sich 20 Buchkünstler, Graphiker, und Freunde des Bibliophilen beteiligen, die sonst bei der realen Buchmesse in Leipzig im Umfeld der Antiquariatsmesse platziert waren, diese präsentieren in einem zweiten Katalog ihre neuesten verlegerischen Erzeugnisse.

Die gedruckten Kataloge, in einem Heft gebunden, können per Email bei der Pirckheimer-Gesellschaft angefordert werden.
Der digitale "Katalog zur 27. Leipziger Antiquariatsmesse" kann, reicher bebildert als der gedruckte Katalog, mit einer ausführlichen Suchmöglichkeit hier oder als PDF aufgerufen werden, der Katalog "Buchkunst und Originalgrafik" steht hier als PDF zur Verfügung.