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Marginalien

Pirckheimer-Blog

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Fr, 13.03.2020

Marginalien #236

Mitglieder haben in diesen Tagen die neuen MARGINALIEN in ihrem Briefkasten und können einen zweifarbigen Holzschnitt der verlorenen Form von Volker Pfüller, gedruckt von Thomas Siemon  im atelier carpe plumbum, Leipzig, ihrer Sammlung von Originalgraphiken beifügen.

Aber auch Nichtmitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft, die diese Zeitschrift im Abonnement beziehen und die Marginalien damit ohne Graphik bekommen, werden begeistert sein vom aktuellen Heft: "Die Marginalien spannen in dieser Ausgabe den Bogen weit. Als  Auftakt einer neuen Rubrik – Berühmte Bücher – erklärt uns Wolfgang Schmitz, warum das Neue Gebetbuch Kaiser Maximilians an der  Schwelle des Umbruchs im Jahr 1513 ähnliche Fragen wie heute zu  beantworten suchte: Wie verbindet man alte und neue Technologien? Helmut Kronthaler stellt uns einen Pionier des »grafischen  Romans« vor, den Amerikaner Lynd Ward. Angeregt von Masereel und Nückel schuf er während des Art Dèco beeindruckende  Holzschnitt-Romane ohne Worte, die in Zeiten der Graphic Novel wiederentdeckt werden. Michael Töteberg schlägt ein kurzes  Kapitel in der Geschichte des Rowohlt-Verlags auf, als der seine  Rotationsdruck-Romane  auch  aus  der  Berliner  Friedrichstraße  der frühen DDR in die Welt trug. Klaus Raasch fragt sich, warum  Künstler der letzten 40 Jahre den Buchdruck dem Flachdruck beim  Büchermachen so lange vorgezogen haben, obwohl letzterer weniger materialintensiv herzustellen sei. Wir erinnern an Gerhard  Kurt Müller, Mitbegründer der Leipziger Schule, der nebenbei  als Anreger die beinahe verlorenen Drucktechniken des Holz- und  Kupferstichs  in  die  nächste  Künstlergeneration  trug. Wolfgang  Grätz  berichtet  von  den  Talenten  des  diesjährigen  Grafiknachwuchspreises der Leipziger Buchmesse, und in unserer Reihe ABC der Druckkunst gewährt uns das atelier carpe plumbum Einblick in  seine Werkstatt ..."
(Till Schröder)

Übrigens: dem Heft lag ein Flyer zur BuchDruckKunst bei, der inzwischen seine Berechtigung verloren hat. Klaus Raasch musste am 14. März mitteilen: "Die Messe fällt leider aus! Durch den Beschluß des Hamburger Senats am Freitag, den 13. März, stellen ab dem 14. März alle staatlichen Kultureinrichtungen ihren Betrieb ein."

Fr, 21.02.2020

Moritz Götze, Der letzte Zentaur oder Der Kampf mit dem Alphabet, Siebdruck 2018

Moritz Götze in der Leipzig

Die Leipziger Galerie Irrgang präsentiert in einer Ausstellung unter dem Titel „Was war, was ist“ Arbeiten des Hallenser Malers, Grafikers und Objektkünstlers Moritz Götze, allen Pirckheimern sicher nicht erst durch die originalgraphische Beilage zu den Marginalien #230 (siehe nebenstehende Abb.) bekannt.
Neben farbenfrohen Öl- und Emaillemalereien werden Installationen sowie die Originalentwürfe zu seinem Keramikfries im Leipziger Geschäftshaus Specks Hof zu sehen sein.

Anlässlich der Eröffnung spricht Friedhelm Haak.

Vernissage: 6. März 2020 um 19.30 Uhr
Ausstellung: 6. März - 18. April 2020

Galerie Irrgang Leipzig
Dittrichring 6, 04109 Leipzig

Sa, 14.12.2019

Marginalien # 235 (für Mitglieder mit einem von 4 Motiven des Siebdruck von OttoGrafic) auf dem vorweihnachtlichen Gabentisch

Marginalien Heft 235

Einige Themen der gerade ausgeliederten Marginalien # 235 drehen sich

" ... um den Ausbruch aus der Konvention. Michael Faber erzählt anhand der Illustrationen verschiedener Ausgaben von den wechselnden Interpretationen des Maulhelden Tartarin von Tarascon, der so gern mehr sein wollte, als er war. Hans-Jürgen Rehfeld wirft ein Schlaglicht auf Andreas Musculus, den wortgewaltigen Moralprediger der Reformation, für den auffällig gleich nicht gottgefällig bedeutete, dessen auflagenstarken Bücher wider den Teuffel, ob in Gestalt von Pluderhosen oder Spielsucht, ihn aber zu einem der auffälligsten Buchautoren einer ganzen Epoche machten. V. Gheeta und Maren Poppe beleuchten die bis heute wirkende Erzählmacht sowjetischer Kinderbücher in Indien, die propagandistisch intendiert ganz gegenteilig gelesen wurden: als Beispiel unabhängigen Verlegertums jenseits jeden Hegemonialanspruchs. Ernst Falk stellt uns den Kunstanstifter-Verlag vor, der die Bandbreite visueller Sprachen in seinen Bilderbüchern für Kinder wie Erwachsene erst aus einer Garage heraus nun als veritabler Leuchtturm zeitgenössischer Illustration verbreitet. Jürgen Bönig analysiert die einzelkämpferische Buchkunst der Kleinstedition M & M von Jürgen Meyer Jurkowski, während Uwe B. Glatz eine Einzelkämpferin des Geistes in Erinnerung ruft: Lou Andreas-Salomé, umworben von Nietzsche, gefördert von Freud, gelesen von Rickert. Wolfgang Schmitz erinnert an den kürzlich verstorbenen Grafiker und Pressendrucker Eduard Prüssen, dem lange Jahre einzigen Stadtgrafiker Bergisch Gladbachs. Und ich leg ihnen die Siebdruckbücher von OttoGraphic ans Herz, einem deutschen Einmann-Unternehmen aus England, das durch Faltung und Furor aus dem Raster fällt – und Standards ganz wortwörtlich verschiebt."

(Till Schröder)

Do, 12.09.2019

Fotos aus dem Facebook-Profil von Hanne Knickmann

Marginalien 234

Das Heft 234 der Marginalien wurde dieser Tage ausgeliefert, Teilnehmer am Jahrestreffen in Mainz hatten es bereits am 6. September in den Händen.

Wieder rundum gelungen, wie der Redaktion um Till Schröder von vielen Seiten bestätigt wird. Zu den ansprechendsten Inhalten gehört für mich die Graphische Beilage, eines von 3 Motiven eines Holschnitt von Frank Eißner, die wie gewohnt von Matthias Gubig gestaltete Typografische Beilage "Julius Zeitler - Der Buchkünstler und der Verlagspropagandist", sowie Gedanken von Silvia Werfel zum Thema "Letterpress" (Leseprobe). Und, nicht zu vergessen, der Auftaktbeitrag des ABC der Druckkunst von Thomas Glöß zum "Hochdruck".

Aber, darauf verweist das Editorial, diese Marginalien-Ausgabe ist "unverhofft eine Erkundung der Beharrlichkeit in verschiedenste Ecken der Buchwelt" und sicher findet jeder dort "Nischen seiner Wahl".

... zum Inhalt der Marginalien 234

Fr, 14.06.2019

Elke Rehder, Schachnovelle, Holzschnitt

Anm. zu den Marginalien #231

Prof. Thore Graepel, University of London, bezieht sich in seinem Vortrag The human pursuit of artificial intelligence auf die Schachnovelle von Stefan Zweig und präsentiert dazu Holzschnitte der Pirckheimerin Elke Rehder, von der eine von zwei Graphiken mit dem Titel "An die Nachgeborenen" den MARGINALIEN #231 beilag.

siehe min. 7:53 ff

Marginalien # 233

Heute im Briefkasten: >Marginalien..., 233. Heft, beigelegt eine Ankündigung mit Bestellschein der Edition Pirckheimer und ein Blatt mit Abbildungen der graphischen Beilagen der letzten Jahre (beides wurde zur Leipziger Buchmesse vorgestellt, siehe hier), sowie Hinweise auf die Ausstellung Politische Literatur & unpolitische Kunst und die Neuerscheinung Stefan Zweigs Bibliotheken.

Das Inhaltsverzeichnis und Leseproben mit Informativen und Interessantem aus der Welt der Bibliophilie im aktuellen Marginalien-Heftes finden sich hier, deshalb bedarf es an dieser Stelle hierzu keiner weiteren Worte.

Gestattet sei jedoch ein Hinweis auf das graphische Highlight (exklusiv für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft): eines von zwei Motiven des dreifarbiger Holzschnitts "Geschmack chinois" von Sven Märkisch, vom Künstler im Druckladen der Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie "Sonnensegel" gedruckt. 
Und als typografische Beilage enthält das Heft, auch in der Ausgabe für Nichtmitglieder, von Jürgen Engler ausgewählte und erläuterte und von Matthias Gubig gestaltete und kommentierte ANAGRAMMGEDICHTE.

Di, 14.05.2019

Holzschnitt auf dem Titelblatt: Ulrich Tarlatt - am weltenbaum

30 Jahre COMMON SENSE

30 Jahre Künstlerbuch Almanach COMMON SENSE 1989-2018

1987 gründeten der Lyriker Jörg Kowalski aus Halle und der Maler/Grafiker Ulrich Tarlatt aus Bernburg die edition augenweide. Bis heute sind 50 Künstlerbücher erschienen. Das Literaturhaus Halle zeigt einen Querschnitt aus den Arbeiten – Grafiken, Gedichte, Texte, Fotografien und visuelle Poesie.

Bereits 1996 konnte der Pirckheimer Reinhard Grüner schreiben:

"Eine der wohl bekanntesten Unternehmungen der Edition Augenweide ist der alljährlich zum Jahresende erscheinende Künstlerbuchalmanach Common Sense. In den bislang sieben publizierten Bänden tummeln sich die wichtigsten Vertreter der literarisch-künstlerischen Avantgarde der Gegenwart, die von Tarlatt und Kowalski persönlich dazu eingeladen werden, sich mit einem Text oder eineroriginalgraphischen Arbeit zu beteiligen. [...] Die imposante Vielfalt der Almanache macht diese Reihe zu einem Kompendium junger Literatur und Kunst in Deutschland."

(Katalog anlässlich der Ausstellung "Ulrich Tarlatt: hortus animae" vom 15. Juni bis 8. September 1996 im Museum Schloss Burgk, S. 99)

Und Till Schröder ergänzte 23 Jahre später:

Die Liste der nahezu 500 Beiträger über die Jahrzehnte liest sich wie ein Who is Who der deutschen Kunst- und Literaturszene: von Hartmut Andryczuk bis Klaus Zylla, von Volker Braun bis Herta Müller, von Manfred Butzmann bis Eugen Gomringer, von Durs Grünbein bis Friederike Mayröcker, von Robert Menasse bis Christoph Niemann, von Klaus Staeck bis Urs Widmer.

(Marginalien ..., Heft 232, S. 116)

siehe auch 30 Jahre COMMON SENSE

Vernissage: 18. Mai 2019, 18 Uhr
Ausstellung: 18. Mai - 30. Juni 2019

Literaturhaus Halle
Bernburger Straße 8, 06108 Halle (Saale)

Fr, 03.05.2019

Theophil Zwang mit einem seiner angefertigten Puzzles, welches nur an Freunde verschenkt wurde, Foto © Michael Eschmann

Theophil Zwang (1924 - 2019)

Der Bucheinbandkünstler Theophil Zwang, geboren am 12.Oktober 1924 in Dresden, ist in der Nacht zum 24. April 2019 in seinem Wohnort Ober-Roden/Rödermark verstorben.

Als Fachlehrer (Bucheinband und Papierverarbeitung) wirkte er in den Jahren 1960 - 1987 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Seine kreativen Einbandgestaltungen belegen, dass Bücher zwei untrennbare Seelen besitzen: Inhalt und Form. Hier setzte er maßgebliche Akzente und darf deshalb als „Meister der Einbandkunst“ ganz im Sinne der modernen Bibliophilie bezeichnet werden. Heute bekannte Buchkünstlerinnen, wie Anja Harms, Uta Schneider, Doris Preußner, Ines von Ketelhodt oder Ulrike Stoltz gehörten zum Kreis der Schülerinnen. Die eigene Einbandsammlung vermachte er dem Klingspor-Museum in Offenbach. Hier wurde bereits am 1. Oktober 2015 mit einer Sonderausstellung an sein berufliches Können erinnert. Ein ausführliches Porträt erschien von Ute Maria Etzold mit dem Titel „Der Buchbinder Theophil Zwang und Die Gurke“ in den Marginalien 217 (2015/1).

(Michael Eschmann) 
       
      
 

Do, 11.04.2019

Würde, Stempel-, Moosgummidruck, Holzschnitt, 2016

Hinter verschlossenen Lidern

Der Name Andrea Lange ist vielen Pirckheimern vertraut. Nicht zuletzt seit Dr. Peter Labuhn über die Reihe LyrikHefte in den Marginalien (Heft 228) geschrieben hat. Diese Reihe wird seit 2005 gemeinsam von Bettina Haller und Andrea Lange in der Sonnenberg-Presse ediert.

Nächste Woche wird eine Ausstellung mit Grafiken von Andrea Lange in Magdeburg eröffnet. Dazu laden die Magdeburger Bibliophilen in das Literaturhaus ein. Zu sehen sind unter dem Titel „Hinter verschlossenen Lidern“ Drucke, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind: Holzschnitte, Farbholzschnitte, Radierungen und Kombinationen wie Holzschnitt und Radierung oder Holzschnitt mit Stempel-, Papp- und Materialdruck.
(Sigrid und Ralf Wege)

Vernissage: 17. April 2019, 19 Uhr, Andrea Lange wird anwesend sein.

Literaturhaus Magdeburg, Thiemstraße 7

Fr, 15.03.2019

Kay Voigtmann - Lederdämon, Siebdruck 2019, Beilage zu Marginalien # 232

Freikarten für die Leipziger Buchmesse

Das richtige Lösungswort für unser Gewinnspiel wurde von allen Teilnehmern genannt. Die Originalgraphik, die alle Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft mit dem ebenfalls kostenlosen Heft der Marginalien erhielten, wurde für die Nummer 232 von Kay Voigtmann gestaltet.

Eine Tageskarte haben u.a. gewonnen:
Gabriele A., Markranstädt
Nora D., Berlin
Lena H., Weimar
Udo H., Berlin
Sabine K., Leipzig
Sabine M., Altenburg
Christian S., Neumünster
Michael Sch., Saalfelder Höhe
Ralf W., Magdeburg
Sigrid W., Magdeburg
Die Gewinner erhalten ihren Code zum Freischalten der Tageskarte per E-Mail.

Selbstverständlich würden wir uns über einen Besuch der Gewinner an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse freuen, Halle 3, Stand E 519.

Sa, 09.03.2019

Heinrich Stieglitz, ein Denkmal

Bernd-Ingo Friedrich veröffentlichte jetzt bei Arnshaugk, Neustadt den zweiten Teil seiner Forschung zu Heinrich Stieglitz.

Heinrich Stieglitz (1801-1849) gehört zu den Persönlichkeiten, deren Bild sich durch interessengeleitete Wahrnehmung, Deutung und Bewertung schon zu Lebzeiten weitgehend verfestigt hat. Ein solches auf verschlungenen Pfaden tradiertes und durch die Macht steter Wiederholung erstarrtes Bild infrage zu stellen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben biographischer Forschung, wie sie sich der Pirckheimer Bernd-Ingo Friedrich bereits zu Gottlob Leopold Immanuel Schefer (1784–1862) und Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) verschrieb.

Der zweite Band des Denkmals für Heinrich Stieglitz ist seinem Werk gewidmet.
In einem ersten Teil werden „Der Dichter Heinrich Stieglitz“, seine Bilder des Orients und die im vierten Band derselben enthaltene Tragikomödie „China“ in Beziehung zur Gesamtheit der deutsch-orientalischen Dichtung des 19. Jahrhunderts gesetzt. Ein Verzeichnis der Publikationen und nachgelassenen Produktionen runden die Bestandsaufnahme ab. Dem Anhang „Heinrich Stieglitz als Texter“ folgt eine ausführlich kommentierte Bibliographie der Vertonungen seiner Gedichte. Der zweite Teil besteht aus rund 90 „Nachklängen“, also „einer kritischen Sichtung und Neubewertung überlieferter Interpretationen und bekannter Quellen“, sowie einer kurzen Zusammenfassung. Ein dritter Teil enthält die Register für beide Bände der Monographie.

Eine Rezension on U.E.G. Schrock erschien in Marginalien, # 229, S. 96f

Friedrich, Bernd-Ingo: Heinrich Stieglitz, ein Denkmal.
Erster Teil: Biographie und Exkurse. Arnshaugk Verlag 2018. ISBN 3-944064-88-7. 58,– €
Zweiter Teil: Anhänge, Nachklänge und Register. Arnshaugk Verlag 2019. ISBN 3-944064-89-5. 58,– €

So, 24.02.2019

Edition Pirckheimer und die Marginalien

Am 21. März 2019 | 16:00 – 16:30 Uhr werden auf der Leipziger Buchmesse die Marginalien vorgestellt.

Seit drei Jahren erscheint die traditionsreiche Zeitschrift, die 1956 gegründet wurde, im kleinen Thüringer quartus-Verlag. Durch Gewinnung neuer Autoren und Künstler gelang es, wieder an beste Zeiten anzuknüpfen. Das Papier wurde verändert, gefragte Grafiker wie Strawalde, Klaus Süß, Moritz Götze und Susanne Theumer lieferten originale Beilagen und die Redaktion wurde verjüngt. 2019 beginnt mit der Herausgabe einer „Edition Pirckheimer“: einer Sammlung von Originalgrafik in A3. Zwei Blätter sollen pro Jahr erscheinen, das erste stammt von Baldwin Zettl, dem Altmeister des Kupferstichs. Erleben Sie den Künstler im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft, Dr. Ralph Aepler und dem neuen Chefredakteur Till Schröder, moderiert von Jens-F. Dwars. Anschließend Signierstunde am Stand der Pirckheimer-Gesellschaft.

Leseinsel Sachbuch + Buchkunst, Halle 3, Stand B600

Mo, 07.01.2019

Eine Besprechung ...

... der Marginalien im Feuilleton des Mironde Verlages (Inh.Birgit und Dr. Andreas Eichler und des Freundeskreis Gerd Hofmann:

Die Pirckheimer-Gesellschaft e.V. gibt die Zeitschrift »Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie« heraus. Eben erschien Heft 4/218 (Heft 231).
Im Vorab-Wort benennt Till Schröder Anzeichen für den wachsenden Bedeutungsverlust von Büchern, zieht sich aber auf eine Art von Selbsttröstung zurück: »Alte Medien werden von den neuen nie vollständig verdrängt … Die Marginalien suchen daher lieber in den Nischen von Gegenwart und Vergangenheit nach Best Practic, wie es die Managementkurse so gerne predigen.« (S. 3)
Es folgen 13 Artikel, ein Debattenbeitrag, drei Rezensionen und Nachrichten aus der Pirckheimer Gesellschaft.
Besonders beeindruckte uns der Beitrag des promovierten Historikers Christoph Links über das Schicksal von Kinderbuchverlagen in der DDR (S. 27ff). In vorbildlich nüchterner Weise schildert Links die oft dramatischen Geschichten ausgewählter Verlage. Der Jurist und Buchhändler Paul Zahl erhielt am 12. Dezember 1946 die Lizenz der Besatzungsmacht zur Gründung des Peter-Paul-Verlages in der Feldberger Bahnhofstraße 1a. Die Bücher des Verlages waren in der geistigen Nachkriegssituation begehrt. Dem Amt für Literatur und Verlagswesen, schwebte dem Anschein nach aber eine Verstaatlichung der Verlage vor. Man verweigerte dem Peter-Paul-Verlag 1951 die Neulizenzierung. Paul Zahl fühlte sich bedroht und verließ mit seiner Familie 1953 die DDR. Doch er konnte in der Bundesrepublik nie wieder Fuß fassen. In der DDR ging der zurückgelassene Verlag 1955 in die Liquidation.
Der Verlagsbuchhändler und das KPD-Mitglied Alfred Holz erhielt am 28. August 1946, dem Geburtstag Goethes, innerhalb einer Verlagsgemeinschaft eine Lizenz der SMAD. Die Geschäftstätigkeit des Verlages wurde immer wieder durch fehlende Papierzuteilungen behindert. So konnten keine effizienten Auflagengrößen erreicht werden. Daraus ergaben sich finanzielle Engpässe, die durch zusätzliche Kreditaufnahmen und Rechnungsstundungen der Druckerei abgfangen werden mussten. Die Hauptverwaltung Verlagswesen bot Alfred Holz eine staatliche Beteiligung an, doch dieser wollte seinen Verlag vollständig in Staatseigentum überführen. Nach einer schweren Erkrankung stimmte Holz 1961 der Überführung seines Verlages als Imprint in den SED-eigenen Kinderbuchverlag zu.
Der Verlag Ernst Wunderlich wurde 1876 in Leipzig gegründet. Der Enkel des Verlagsgründers Hans Wunderlich, erhielt 1947 eine Verlagslizenz in Leipzig. 1948 ging Hans Wunderlich aber nach Worms und gründerte dort eine Verlagsbuchhandlung. 1955 erfolgte die Trennung der beiden Firmenteile. 1957 wurde der Leipziger Wunderlich-Verlag in Prisma-Verlag umbenannt. Der Kinder- und Jugendbuchbereich wurde aufgegeben. Kulturgeschichte prägte das Verlagsprofil. 1984 verkauften die Inhaber den Verlag an den LDPD-Buchverlag »Der Morgen«. Dort wurde der Prisma-Verlag bis 1991 als Imprint weitergeführt.
1933 gründeten Karlfriedrich Knabe und seine Ehefrau Helene Knabe die Weimarer Druck- und Verlagsanstalt mit Druckerei, Buchbinderei, Buchhandlung und Antiquariat. Im Jahre 1947 erhielten der Verlag eine Lizenz der Besatzungsmacht. 1948 wandelten Karlfriedrich Knabe und sein Sohn Gerhard das Unternehmen in eine OHG um und änderte den Namen in »Gebr. Knabe Verlag«. Von da an wurden vor allem Kinderbücher verlegt. Bei der Neulizenzierung wurde die Lizenz ausschließlich auf Gerhard Knabe vergeben, jedoch einer Erweiterung des Verlagsspektrums (Jugendliteratur, Romane, Erzählungen, historische Biographien) zugestimmt. 1972 wurde die Druckerei verstaatlicht. 1983 lief die Verlags-Lizenz aus. Der Verlag wurde 1984 abgewickelt. Mit dem 1. Januar 1985 ging das Verlagsvermögen an den Postreiter-Verlag in Halle über. In der Folge der Wiedervereinigung ging 2002 der Postreiter-Verlag in den Besitz des Beltz-Verlage in Weinheim über. Im Jahre 2006 gründete der Urenkel des Verlagsgründers Steffen Knabe den Verlag unter dem Namen »Gebr. Knabe« in Weimar neu.
1903 gründete Rudolf Arnold seinen Verlag in Leipzig. 1948 erhielt sein Erbe Viktor Emanuel Johannes Arnold eine Lizenz der SMAD als Jugendbuchverlag. Mit der Neulizenzierzung 1951 musste sich der Verlag auf Kindernbücher spezialisieren. Zunächst erschienen vier bis fünf Titel im Jahr, Anfang der 1960er Jahre10–15 und in den 1970er Jahren 20–25 Titel. Nach dem altersbedingten Ausscheiden des Lizenzinhabers wurde der Verlag ab 1. Januar 1989 als eine Art Imprint dem SED-eigenen Urania Verlag Leipzig angegliedert. Beim Verkauf der Urania-Gruppe durch die Treuhand-Anstalt hatte die Dornier-Gruppe kein Interess am Arnold Verlag. Dieser stellte Ende 1990 seine Produktion ein. 1994 wurde er aus dem Handelsregister gelöscht. Das Archiv des Arnold Verlages gelangte mit dem Urania-Bestand zur Dornier-Gruppe.
Vielleicht erscheint dem einen oder anderen Leser diese Beschreibung der Verlagsschicksale zu aufwändig? Aber Christoph Links macht sich die Mühe, um auf die Besonderheit jedes einzelnen Verlagsschicksales aufmerksam zu machen. Jeder Verlag hatte eine etwas andere Geschichte. Gerade um die Besonderheiten geht es in der historischen Forschung, nicht um Durchschnittsvergleiche.

Ein Porträt der Buchillustratorin Gertrud Zucker aus der Feder von Elke Lang (S. 38ff) liest sich sehr interessant. Die junge Frau nahm 1954 ein Studium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee auf. Besonders beeindruckt war sie von Professor Werner Klemke, der ihr eine völlig neue Sehweise vermittelte: »Wir sollten nicht nur die bildliche Darstellung im Auge haben, sondern mit der Grafik die Typografie und die Seitengestaltung mitdenken.« Ausführlich wird in Abbildungen und Erläuterungen das Lebenswerk von Getrud Zucker vorgestellt.

Klaus Walther, ein promovierter Germanist, Autor, Journalist, Lektor, Herausgeber, Verleger und Buchhändler, plaudert im hinteren Teil des Heftes (S. 103ff) über seine 62jährige Suche nach einem Holzschnitt des Straßburger Münsters. Eigentlich gab es vier Auflagen zu je 1000 Exemplaren, die im Leipziger Insel-Verlag erschienen. Doch der Schnitt war sehr begehrt und selten zu erstehen. 1933 hatte Rudolf Koch die Zeichnung gefertigt, Fritz Kredel und Lisa Hampe schnitten diese in Holz. Die vierte Auflage des Holzschnittes erschien 1954 in Leipzig.
Der Student Klaus Walther sah ein letztes Exemplar im Leipziger Antiquariat Engewald, schreckte aber zunächst vor dem Preis zurück. Als er sich besonnen hatte, war es bereits zu spät. Der Schriftsteller und Lektor Eberhard Panitz hatte es erworben und wollte es nicht abgeben. (Dem Anschein nach war der Schnitt für Panitz so wichtig, dass er ihn sogar in der, nach seinem Buch verfilmten Geschichte »Die sieben Affären der Dona Juanita« in einer Rolle »mitspielten« ließ.)
Wir wissen, dass es Klaus Walther versteht Geschichten zu erzählen. Diese Geschichte hat etwas Sinnbildliches: der Autor nimmt uns mit auf sein nahezu lebenslanges Suchen.

(Johannes Eichenthal)

So, 09.12.2018

Marginalien # 231

Das 231. Heft der Marginalien wurde ausgeliefert. Das Inhaltsverzeichnis und einige Leseproben finden sich hier.

Die typografische Beilage sind, wie gewohnt von Matthias Gubig gestaltet, Aphorismen von Jürgen Große unter dem Titel "Diesseits der Presse".

Das Heft enthält (nur für Mitglieder) wieder eine graphische Beilage, diesmal einen von zwei Holzschnitten von Elke Rehder "An die Nachgeborenen", durch die Künstlerin in Barsbüttel bei Hamburg auf gelbem Karton gedruckt.

Neben verschiedenen Hinweisen auf bibliophile Neuerscheinungen und die BuchDruckKunst in Hamburg liegt der Sendung für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft auch des Programm der Berlin-Brandenburger Regionalgruppe, sowie die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag 2019 bei.

Mi, 25.07.2018

Moritz Götze, Der letzte Zentaur oder Der Kampf mit dem Alphabet, Siebdruck 2018

Moritz Götze

Für alle, denen das Schwerpunktthema Albert Kapr, eines von vielen, im nächsten Heft der Marginalien noch nicht genug ist, hier ein weiterer Grund, sich auf das Heft 230 zu freuen. Exklusiv für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft (also nicht für Abonnenten ohne Mitgliedschaft) wird den Marginalien ein Siebdruck von Moritz Götze beiliegen: Der letzte Zentaur oder Der Kampf mit dem Alphabet (600 Exemplare), fünffarbig gedruckt von Hartmut Tauer, Markkleeberg.

Übrigens, wer sich jetzt noch entschließt, den Pirckheimern rückwirkend zum Jahresbeginn beizutreten, erhält selbstverstandlich die Hefte und alle bereits im Jahr erschienenen Graphiken nachgeliefert. Näheres unter Mitgliedschaft.