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Deutsche Nationalbibliothek

Pirckheimer-Blog

Deutsche Nationalbibliothek

Sa, 26.10.2019

FREIHEIT - KUNST - GEMEINSCHAFT

Bauhaus-Ideen als Fragen an die Gegenwart

Das Bauhaus interessierte sich nicht nur für Grundfarben, rechte Winkel und weiße Wände, sondern auch für Gesellschaftsmodelle, politische Utopien und soziale Reformen. In einer Tagung zum Abschluss des Bauhaus-Jubiläumsjahres in Sachsen fragen wir, was uns das Bauhaus für unsere eigene politische Gegenwart heute noch zu sagen hat. 

Wenn sich Mitte November 2019 zahlreiche Museen, Galerien, Bibliotheken, Theater und Kunsthäuser in Deutschland in Hunderten von Veranstaltungen und Publikationen der Geschichte und dem »Erbe« des längst mythisch überhöhten Bauhauses mal bewundernd, mal kritisch angenähert haben, stellen wir nochmals andere Fragen an das Bauhaus: 

Das Bauhaus war politisch höchst unterschiedlich aufgeladen und wurde von seinen Gegnern zumeist mit politischen Argumenten bekämpft. Das geriet im Jubiläumsjahr nur sehr selten in den Blick. Damit verblasste eine basale Intention der historischen Kunstschule und ihrer Nachfolge-Institutionen: Galt es doch, die Freiheit und die Individualität von Künstlern und Kunstschülern radikal zu entfalten, um am Ende zu »neuer Gemeinschaft« zu finden. 

Wie verstehen wir die Botschaften, Experimente, ideale und Hoffnungen der historischen Bauhäusler-Generationen heute? 

Wo bleibt das »Erbe« der avantgardistischen Kunstschule in unserer eigenen ästhetischen Praxis? Welche politischen Utopien der Zwischenkriegszeit sind verblasst - oder regen uns zum Weiterdenken an? 

Tagung: 14./15. November 2019

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Di, 01.10.2019

© Deutsche Nationalbibliothek

Schmutz und Schund. Die Weimarer Republik

So lautet das Thema einer Kabinettausstellung der DNB Leipzig.

Die Weimarer Republik steht für eine Befreiung von Politik, Kultur und Gesellschaft in den Goldenen Zwanzigern. Aber eine konservative Kulturströmung hielt Heimat und Nation, Harmonie und Sittlichkeit hoch. Der Kampf um Schmutz und Schund in der Weimarer Republik ist der Kernpunkt dieser Auseinandersetzungen.

Hinter den hehren Worten der Gesetzes-Befürworter versteckte sich ein Kampf um die moralische Deutungshoheit auf kulturellem Gebiet: Bürgerliche Eliten wollten auch weiterhin bestimmen, wer was lesen darf. Umgekehrt zeigen die Urteile, dass in den billigen Heftehen durchaus emanzipative Botschaften steckten. Die Schilderung starker Frauenrollen erregte die Prüfstellen, viele Abenteuerhelden erschienen ihnen als undeutsch, Verbrecher, die ohne Reue ihr Treiben schilderten, wirkten aufrührerisch. 

Eröffnung: 10. Oktober 2019, Begrüßung: Michael Fernau, Direktor der DNB Leipzig,  Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Einführung: Jun.-Prof. Dr. Patrick Merziger, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, Musik: Christoph Schenker, Cello
Ausstellung: 11. Oktober 2019 - 26. Januar 2020

Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

 

Fr, 17.05.2019

Das Grundgesetz, Ill. Markus Lüpertz, 2012

70 Jahre Grundgesetz

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig erinnert am 23. Mai an die Geburtsstunde des Grundgesetzes, eine der wichtigsten Publikationen des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland.

Das Deutsche Buch- und Scvhriftmuseum nimmt In einer Veranstaltung, das Grundgesetz und dessen ganz unterschiedliche historische Erscheinungsweisen in den Blick. Zugleich wird auch aktuelle Fragen an den Text gestellt. Denn vier Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft legten die Mütter und Väter des Grundgesetzes Ende der 1940er-Jahre besonderes Augenmerk auf die Begrenzung der Staatsmacht: »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«. Das war ein Befreiungsschlag, der die unterschiedlichen Verfassungstraditionen in Deutschland – von der Paulskirche bis zur Weimarer Verfassung – berücksichtigte.

Was bedeutet das heute? Zu einzelnen Artikeln des Grundgesetzes werden die Veranstaltungsteilnehmer mit einem Juristen des Bundesverfassungsgerichtes Karlsruhe ins Gespräch kommen und es wird eine kleine Auswahl der unzähligen, auch außergewöhnlichen und skurrilen Ausgaben des Grundgesetzes aus den Beständen der DNB vorgestellt.

23. Mai 2019, 17 Uhr

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Museumsfoyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

So, 10.03.2019

Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf?

Blicke in den Nachlass

Obwohl selbst nie am Bauhaus tätig gewesen, gilt der in Leipzig geborene Typograf, Plakatdesigner und Buchgestalter Jan Tschichold (1902–1974) als einer der wichtigsten Vertreter der funktionalen Typografie. Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in seiner neuen Wechselausstellung die Meilensteine seines typografischen Lebenswerkes.

Der 176 Kisten umfassende Nachlass Tschicholds gewährt Einblick in alle Schaffensperioden und Meilensteine seiner typografischen Arbeit: Beginnend mit den ersten Skizzenbüchern des 16-Jährigen über zahlreichen Schriftentwürfe, Studien zu Buchcovern und Arbeiten im Umfeld der „Neuen Typographie“ bis hin zu seinen pädagogischen Schriften und den Arbeiten für die gestalterischen Gesamtauftritte großer Unternehmen. Anhand einer Auswahl von ca. 200 Objekten führt die Ausstellung durch die Biografie dieses Jahrhunderttypografen, dessen Leben von zahlreichen, auch exilbedingten Brüchen und Neuanfängen geprägt ist. Dieses „Zick-Zack“ durch das Jahrhundert der Typografie bettet Tschicholds berühmte Arbeiten aus den 1920er-Jahren in den Kontext seines Gesamtwerkes. Dass die „Neue Typographie“ im Umfeld des Bauhauses, die Tschicholds Ruhm begründet hat, dabei nur eine Facette des Werkes darstellt, wirft auch ein neues Licht auf 100 Jahre Rezeption des Bauhauses.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, knapp 400 Seiten, Wallstein Verlag, 24,00 Euro.

Ausstellungseröffnung: 18. März 2019, 19:30 Uhr
Ausstellung: 19. März - 8. September 2019

Deutsches Buch- und Schriftmuseums / Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
in Kooperation mit der Universität Erfurt

Di, 22.01.2019

Fotomontage: Jindřich Štyrský

Zirkus in der Druckerei. Tschechische Avantgarde

Die 1920er-Jahre waren auch in der jungen Tschechoslowakischen Republik von einer internationalen Aufbruchstimmung geprägt, die Künstlerinnen und Künstler und Architektinnen und Architekten ebenso inspirierte wie Verlegerinnen und Verleger. Gemeinsam wirkten sie daran, künstlerisch anspruchsvolle ‚Bücher für alle Sinne‘ zu schaffen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Der Zirkus diente ihnen neben Film und Varieté als wichtige Inspirationsquelle. Die originellen Einfälle beschränkten sich nicht auf den Umschlag, sondern dehnten sich über die Titelseiten auf den Satz, die Typografie, das Impressum und auf stets neu gestaltete Verlagszeichen aus.

Die Umsetzung der Bücher stellte für die Druckereien eine große Herausforderung dar: „Ich hätte [dem tschechischen Künstler und Publizisten Karel Teige] gewünscht, die Herstellung des Buches ... gesehen zu haben. Er hätte in der Druckerei von Obzina einen Zirkus gesehen wie kaum einen anderen auf der Welt. Der Setzer lief von Setzkasten zu Setzkasten durch die ganze Setzerei, um den Anweisungen des Anstifters nachzukommen. Und bei den Obzinas gibt es Setzkästen!“ (Arthur Novák, tschechischer Kritiker, Bibliophile).

Gegliedert nach künstlerischen Techniken und Formaten, die für die Umschlaggestaltung gewählt wurden – von Linolschnitten über Bildgedichte und rein typografischen Lösungen bis hin zu Fotos bzw. Fotomontagen – zeigt die Ausstellung künstlerisch anspruchsvoll gestaltete Gebrauchsbücher und Zeitschriften, die die Ideen der Avantgarde in einer ganz eigenen Mischung aus lokalen Traditionen und europäischem Weitblick zeigen.

Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, anlässlich des Tschechischen Kulturjahrs 2019, in Kooperation mit dem Museum der Tschechischen Literatur Prag und dem Gastland Tschechien – Kulturministerium der Tschechischen Republik, Mährische Landesbibliothek und Leipziger Buchmesse.

Eröffnung: 5. Februar 2019, 19:30 Uhr.
Kabinettausstellung: 6. Februar - 11. August 2019

Tresor des Deutschen Buch- und Schriftmuseums
Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig

So, 15.10.2017

Reclam braucht keine Reklame

UNIVERSAL. RECLAMS JAHRHUNDERTIDEE – LEIPZIG 1867 bis 1990

Reclams Universal-Bibliothek (RUB) – 1867 in Leipzig aus der Taufe gehoben – steht als Herzstück des Reclam-Verlages für den modernen Gedanken der »Literaturversorgung für alle«. Der niedrige Preis bei hoher Auflage erlaubte seit nun eineinhalb Jahrhunderten eine maximale Verbreitung von Texten. Zum 150. Jahrestag der Gründung widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Idee von Anton Philipp Reclam eine Kabinettausstellung.

Ausgehend vom »Klassikerjahr« 1867 wird anhand ausgewählter Exponate aus der Leipziger Produktion – zumeist aus der Sammlung von  Dr. habil. Hans-Jochen Marquardt, Halle (Saale) – der Blick auf Buchgestaltung, technische Herstellung und Werbemethoden, aber auch auf die Themen Feldbücherei oder die RUB in der DDR gerichtet.

Ausstellung: 27. Oktober 2017 - 3. Juni 2018

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Di, 22.08.2017

Grafik: Kay Bachmann

BILDFABRIKEN. INFOGRAFIK 1920–1945. FRITZ KAHN, OTTO NEURATH ET AL.

In einer Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums wird Infographik aus der Zeit von 1920 bis 1945 gezeigt.

Bereits vor 100 Jahren wurde in Typografie, Wissenschaft und Grafik an einer bildbasierten »Sprache« gearbeitet, die sich die universelle Verständigung durch Bilder zunutze machte. »Worte trennen, Bilder vereinen«, so das Motto der neuen Bildsprache von Otto Neurath, einem der Vordenker der populären Infografik.

Die Ausstellung thematisiert die Neuentdeckung und Profilierung des Bildes als Informationsund Kommunikationsquelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die beiden Bildkonzepte des Hallenser Mediziners Fritz Kahn und des Wiener Wissenschaftstheoretikers Otto Neurath. Dabei greift die Schau auf in der Deutschen Nationalbibliothek aufbewahrte Publikationen zurück, zeigt aber auch unikale Bestände aus US-amerikanischen und britischen Archiven.

Dank der Unterstützung durch die Gesellschaft für das Buch e.V. erscheint zur Ausstellung eine zweisprachige Publikation bei Spector Books.

8. September 2017 bis 7. Januar 2018 | Ausstellungseröffnung: 7. September, 19 Uhr

Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

So, 07.05.2017

Brausepulver im Nachtgeschirr

Einer Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek widmet sich »100 Jahren Humor in deutschen Zeitschriften«.
Scherenschnitt (Ausschnitt) von Alwin Freund-Beliani, 1920
Das 20. Jahrhundert ist als das Jahrhundert der Kriege und verbrecherischen Regime in die Geschichte eingegangen. Eine Ära des Lachens? Zumindest sind Humor, Satire und Nonsens seit mehr als 100 Jahren überall und für jeden verfügbar. Die Zeitschrift spielte als »Medium der Moderne« dabei eine zentrale Rolle: Unterhaltung wurde für jeden erschwinglich. Billige Blättchen witzelten über das, was die Gesellschaft bewegte. In scheinbar harmlosem Gewand verhandelten sie Themen wie Klasse und Geschlecht, Ethnie, Macht, Feindschaft und Gemeinschaft. Humoristen und Satiriker sprachen auch unangenehme Wahrheiten aus, sie schütteten das »Brausepulver ins Nachtgeschirr«. Ob harmloser Humor oder scharfe Satire, frivole Zoten oder alberner Nonsens: Auch die jeweils populäre Form des Komischen spricht Bände.

Ausstellung: 21. Mai - 30. September 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 11.04.2017

Lesen als Grundlage unseres Wohlstandes

Im Rahmen der Konferenz »Der Buch- und Informationsmarkt in Deutschland 1990 bis 2015« der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek wird Jakob Hein einen Vortrag zum Thema »Lesen als Grundlage unseres materiellen und immateriellen Wohlstandes« halten.
Abb. auf der Einladung: In der Hängematte, Kunstwart-Bildkarte Nr. 208 von Ernst Kreidolf, München, um 1916, © VG Bildkunst
Jahrtausenden sind Lesen und Schreiben die entscheidenden Träger der gesellschaftlichen Verantwortung, erworbenes Wissen von Generation zu Generation weiterzugeben. Kinder erwerben zuerst die mündliche Sprache, und haben sie so viel Glück, wie ihnen zu wünschen ist, fangen ihre Eltern bald mit dem Vorlesen an. Über mehrere Stufen erlernen Kinder später zunächst selbst das Lesen und dann die gebildeten Worte gleich beim Lesen zu verstehen und zu begreifen. Doch ist es die höchste Stufe der Lesekompetenz, auf die es ankommt: lesend zu lernen, Worte in ihrem Kontext neu zu erschließen und neue Worte durch ihren Kontext zu verstehen. Das Gehirn tritt beim Lesen in Dialog mit dem Text, kann eigenes, bereits vorhandenes Wissen mit seinen Thesen vergleichen und so eigene Assoziationsketten weiterentwickeln.
Dr. Jakob Hein wurde 1971 in Leipzig geboren. Er ist der Sohn von Christoph Hein und lebt als Schriftsteller und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit seiner Familie in Berlin.

Konferenz: 27. / 28. April 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 28.02.2017

Geschichte(n) in Bildern

Vom Einblattdruck bis zur Graphic Novel

Martin Luther © Lpz. Städtische Bibliotheken
Anhand zahlreicher Exponate wird verdeutlicht, welches handwerkliche Geschick nötig ist, um Texte und Abbildungen auf Papier zu bringen. Historische Druckwerke und aktuelle Graphic Novels zeigen wie unterschiedlich Geschichte vermittelt werden kann. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek, der Leipziger Stadtbibliothek und des Museums für Druckkunst. Die Ausstellung wird von Susanne Metz, Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken, Dr. Susanne Richter, Direktorin des Museums für Druckkunst und Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek eröffnet.

Eröffnung: 9. März 2017, 18 Uhr
10. März bis 10. Juni 2017

Mi, 30.11.2016

Sensation – Propaganda – Widerstand

500 Jahre Flugblatt: von Luther bis heute

Ohne das Medium des Flugblatts hätten die reformatorischen Gedanken Martin Luthers niemals das Echo gefunden, das Luther zu einem der wichtigsten Protagonisten der Neuzeit gemacht hat. Das durch den Druck mit beweglichen Lettern möglich gewordene Massenmedium Flugblatt sorgte im 16. Jahrhundert für die Berichterstattung über aktuelle Themen und stellte eine bis dahin nicht gekannte Öffentlichkeit her. Die Ausstellung, die sich – ausgehend vom Lutherjahr 1517 – der Geschichte des Flugblatts bis in die heutige Zeit widmet, fragt nach der gesellschaftlichen Wirkmächtigkeit von Flugblättern und holt das Publikum dort ab, wo es heute steht: Auch die Zeit der digitalen Netze kennt den »Blätterwald«.
Die Ausstellung wird mit dem Vortrag »Flugschrift im Flugschutt« von Uwe Warnke eröffnet.

Ausstellung: 9. Dezember 2016 - 23. Juli 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Sa, 29.10.2016

Leibnix –Das Universalgenie im Mosaik

Anlässlich des 300. Todestages von Gottfried Wilhelm Leibniz zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum zu diesem Universalgenie eine Kabinett-Ausstellung.
Der Mathematiker, Philosoph und Historiker Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) war in allen Wissenschaften seiner Zeit bewandert, sein Motto war „theoria cum praxi“ – die Wissenschaft müsse angewendet werden. Lebenslang beschäftigte er sich mit dem Bau von Rechenmaschinen und legte mit seiner „Dyadik“, dem Binärcode, den Grundstein für die rechnergestützte Informationstechnologie des 20. Jahrhunderts.
Leibniz und die Abrafaxe © MOSAIK – Die Abrafaxe 2016
Im Mittelpunkt der Schau steht das älteste und auflagenstärkste deutsche Comic-Magazin „mosaik“. Von 2009 bis 2011 hatte Leibniz darin als Comic-Figur eine Fülle von Abenteuern im barocken Europa zu bestehen – begleitet von den Abrafaxen Abrax, Brabax und Califax, jugendlichen Fantasiegestalten aus der Gegenwart. Anhand von 40 Originalzeichnungen zu den „mosaik“-Comics aus dem Archiv des Verlags Mosaik – Steinchen für Steinchen (Berlin) wird nicht nur das Wirken des Gelehrten anschaulich nacherzählt, sondern zudem der Entstehungsprozess eines Comic-Heftes erfahrbar gemacht – vom Manuskript über erste Skizzen bis zur fertigen Zeichnung.
In der Ausstellung sind repräsentative Beispiele für die Bedeutung von Leibniz im heutigen Alltag zu sehen, z. B. Ausdrucke digitaler Comics, Leibniz-Alltagsgegenstände und Leibniz-Merchandisingartikel sowie die Zeitschrift „Leibniz-Feldpost“ aus dem Ersten Weltkrieg. Nicht fehlen darf das legendäre Fußball-Länderspiel der Philosophen zwischen Deutschland und Griechenland der Gruppe Monty Python, bei dem Leibniz im deutschen Tor steht.
Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Georg Ruppelt, Autor, Herausgeber und ehemaliger Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
Zur Ausstellung erscheint das Begleitbuch „Abenteuer Wissenschaft – Die Abrafaxe unterwegs mit Gottfried Wilhelm Leibniz“ mit einem Essay von Georg Ruppelt, 176 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 9,95 €, ISBN 978-3-86462-143-7.

Vernissage: 13.11.2016 11:00 Uhr
Ausstellung: 14. November 2016 - 2. April 2017

Tresor des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der DNB
Museumsfoyer

Do, 03.03.2016

Verlage im "Dritten Reich"

1932 erschienen über 33.000 Neuerscheinungen in Deutschland - mehr Publikationen als jemals zuvor. Die drei Verlage Edition Peters, Breitkopf & Härtel und Schott in Mainz beherrschten 60 Prozent des Musikalienmarktes weltweit. Die Gleichschaltungsgesetze der Nationalsozialisten 1933 bedeuteten das abrupte Ende dieser Blüte. Bei Kriegsausbruch gab es nur noch zehn Verlage, die keinerlei nationalsozialistisches Schrifttum verlegt hatten. Klaus G. Saur, Herausgeber des Sammelbandes "Verlage im 'Dritten Reich'" (Klostermann Verlag), zeichnet das Verlagssterben faktenreich und anschaulich nach.
Abbildung des Buches "Der letzte Appell"
Begleitend zum Vortrag zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine Auswahl an Verlagspublikationen jener Zeit. Ob "Mein Kampf" in der Geschenkausgabe von 1938, die auf der Weltausstellung in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde, oder die billigen wie ertragreichen Massenauflagen der braunen Propagandaschriften, ob die Flut an Büchern für die Front oder die unter Lebensgefahr hergestellten und vertriebenen Tarnschriften - diese Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind unter den Rahmenbedingungen der nationalsozialistischen Diktatur entstanden. Während die einen Verlage die wirtschaftlichen Nutznießer der Ideologie waren und Millionengewinne mit ihren Drucken erzielten, bedeute das Verlagen für die anderen Gefahr an Leib und Seele.

Vortrag: 15. März 2016, 19:30 Uhr
Ausstellung: 16. März - Oktober 2016


Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Bahnriss?! Papier | Kultur

Als „Bahnriss“ wird bei der maschinellen Papierherstellung oder bei Druckmaschinen der Störfall des ungewollten Zerreißens der Papierbahn bezeichnet. Die Metapher weist auf den möglichen Abriss der Kultur des bedruckten Papiers zugunsten der Computertechnik im beginnenden 21. Jahrhundert hin. Andrerseits wächst die Herstellung von Verpackungs- und Hygienepapierprodukten, nicht zuletzt wegen des sich ausbreitenden Internetversandhandels. Die Ausstellung illustriert die Geschichte der Papierproduktion sowie die Auswirkungen von Papierprodukten auf die menschliche Kultur. So werden zum Beispiel neben einem detaillierten Modell einer Papiermühle, einem steinernen Stampftrog, Schöpfsieben und Egoutteuren auch Papierkleidung aus Japan und juristische Dokumente zur Regelung des Hadernsammelns gezeigt – eine insgesamt sehenswerte Ausstellung mit einer Reihe interessanter Exponate.
Foto: Ninon Suckow
Literatur: Schmidt, Frieder: „Bahnriss?! Papier | Kultur“. Eine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum. In: Dialog mit Bibliotheken 28 (2016) H. 1 S. 42-47.
(Thomas Klaus Jacob)

Ausstellung: 19. Februar - 2. Oktober 2016

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Museumsfoyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 02.02.2016

Bahnriss?! Papier | Kultur

Seitdem italienische Papiermacher im l3. Jahrhundert Verfahren entwickelt hatten, mit denen aus alten Lumpen in großen Mengen schönes, großformatiges und weißes Papier hergestellt werden konnte, setzte jene »Epoche des Papiers« (Lothar Müller) ein, die zu einer beispiellosen kulturellen Entfaltung führte. Die weiße Kunst der Papiermacher und die schwarze Kunst der Buchdrucker schienen für immer gleichsam füreinander bestimmt.
Wenn im Maschinensaal der Papierfabrik der Ruf »Bahnriss!« erschallt, wissen die Papiermacher, was Sache ist - ein technischer Störfall ist eingetreten, die Produktion muss neu in Gang gebracht werden. Doch heute droht ein ganz anderer Riss - die über Jahrhunderte sich geradezu symbiotisch entwickelnde enge Bindung von Papier und Kultur ist im Zeitalter der Apps, die auf Smartphones oder Tablets angezeigt werden, sehr brüchig geworden.
Die neue Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek geht dem Allerweltsstoff Papier auf die Spur, schaut zurück in die Vergangenheit, wagt einen Blick in die Zukunft und stellt traditionellen Verknüpfung von Papier und Kultur dar.

Ausstellungseröffnung: 18. Februar 2016, 19:30

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Museumsfoyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig