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Deutsche Nationalbibliothek

Pirckheimer-Blog

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So, 10.03.2019

Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf?

Blicke in den Nachlass

Obwohl selbst nie am Bauhaus tätig gewesen, gilt der in Leipzig geborene Typograf, Plakatdesigner und Buchgestalter Jan Tschichold (1902–1974) als einer der wichtigsten Vertreter der funktionalen Typografie. Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in seiner neuen Wechselausstellung die Meilensteine seines typografischen Lebenswerkes.

Der 176 Kisten umfassende Nachlass Tschicholds gewährt Einblick in alle Schaffensperioden und Meilensteine seiner typografischen Arbeit: Beginnend mit den ersten Skizzenbüchern des 16-Jährigen über zahlreichen Schriftentwürfe, Studien zu Buchcovern und Arbeiten im Umfeld der „Neuen Typographie“ bis hin zu seinen pädagogischen Schriften und den Arbeiten für die gestalterischen Gesamtauftritte großer Unternehmen. Anhand einer Auswahl von ca. 200 Objekten führt die Ausstellung durch die Biografie dieses Jahrhunderttypografen, dessen Leben von zahlreichen, auch exilbedingten Brüchen und Neuanfängen geprägt ist. Dieses „Zick-Zack“ durch das Jahrhundert der Typografie bettet Tschicholds berühmte Arbeiten aus den 1920er-Jahren in den Kontext seines Gesamtwerkes. Dass die „Neue Typographie“ im Umfeld des Bauhauses, die Tschicholds Ruhm begründet hat, dabei nur eine Facette des Werkes darstellt, wirft auch ein neues Licht auf 100 Jahre Rezeption des Bauhauses.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, knapp 400 Seiten, Wallstein Verlag, 24,00 Euro.

Ausstellungseröffnung: 18. März 2019, 19:30 Uhr
Ausstellung: 19. März - 8. September 2019

Deutsches Buch- und Schriftmuseums / Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
in Kooperation mit der Universität Erfurt

Di, 22.01.2019

Fotomontage: Jindřich Štyrský

Zirkus in der Druckerei. Tschechische Avantgarde

Die 1920er-Jahre waren auch in der jungen Tschechoslowakischen Republik von einer internationalen Aufbruchstimmung geprägt, die Künstlerinnen und Künstler und Architektinnen und Architekten ebenso inspirierte wie Verlegerinnen und Verleger. Gemeinsam wirkten sie daran, künstlerisch anspruchsvolle ‚Bücher für alle Sinne‘ zu schaffen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Der Zirkus diente ihnen neben Film und Varieté als wichtige Inspirationsquelle. Die originellen Einfälle beschränkten sich nicht auf den Umschlag, sondern dehnten sich über die Titelseiten auf den Satz, die Typografie, das Impressum und auf stets neu gestaltete Verlagszeichen aus.

Die Umsetzung der Bücher stellte für die Druckereien eine große Herausforderung dar: „Ich hätte [dem tschechischen Künstler und Publizisten Karel Teige] gewünscht, die Herstellung des Buches ... gesehen zu haben. Er hätte in der Druckerei von Obzina einen Zirkus gesehen wie kaum einen anderen auf der Welt. Der Setzer lief von Setzkasten zu Setzkasten durch die ganze Setzerei, um den Anweisungen des Anstifters nachzukommen. Und bei den Obzinas gibt es Setzkästen!“ (Arthur Novák, tschechischer Kritiker, Bibliophile).

Gegliedert nach künstlerischen Techniken und Formaten, die für die Umschlaggestaltung gewählt wurden – von Linolschnitten über Bildgedichte und rein typografischen Lösungen bis hin zu Fotos bzw. Fotomontagen – zeigt die Ausstellung künstlerisch anspruchsvoll gestaltete Gebrauchsbücher und Zeitschriften, die die Ideen der Avantgarde in einer ganz eigenen Mischung aus lokalen Traditionen und europäischem Weitblick zeigen.

Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, anlässlich des Tschechischen Kulturjahrs 2019, in Kooperation mit dem Museum der Tschechischen Literatur Prag und dem Gastland Tschechien – Kulturministerium der Tschechischen Republik, Mährische Landesbibliothek und Leipziger Buchmesse.

Eröffnung: 5. Februar 2019, 19:30 Uhr.
Kabinettausstellung: 6. Februar - 11. August 2019

Tresor des Deutschen Buch- und Schriftmuseums
Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig

So, 15.10.2017

Reclam braucht keine Reklame

UNIVERSAL. RECLAMS JAHRHUNDERTIDEE – LEIPZIG 1867 bis 1990

Reclams Universal-Bibliothek (RUB) – 1867 in Leipzig aus der Taufe gehoben – steht als Herzstück des Reclam-Verlages für den modernen Gedanken der »Literaturversorgung für alle«. Der niedrige Preis bei hoher Auflage erlaubte seit nun eineinhalb Jahrhunderten eine maximale Verbreitung von Texten. Zum 150. Jahrestag der Gründung widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Idee von Anton Philipp Reclam eine Kabinettausstellung.

Ausgehend vom »Klassikerjahr« 1867 wird anhand ausgewählter Exponate aus der Leipziger Produktion – zumeist aus der Sammlung von  Dr. habil. Hans-Jochen Marquardt, Halle (Saale) – der Blick auf Buchgestaltung, technische Herstellung und Werbemethoden, aber auch auf die Themen Feldbücherei oder die RUB in der DDR gerichtet.

Ausstellung: 27. Oktober 2017 - 3. Juni 2018

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Di, 22.08.2017

Grafik: Kay Bachmann

BILDFABRIKEN. INFOGRAFIK 1920–1945. FRITZ KAHN, OTTO NEURATH ET AL.

In einer Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums wird Infographik aus der Zeit von 1920 bis 1945 gezeigt.

Bereits vor 100 Jahren wurde in Typografie, Wissenschaft und Grafik an einer bildbasierten »Sprache« gearbeitet, die sich die universelle Verständigung durch Bilder zunutze machte. »Worte trennen, Bilder vereinen«, so das Motto der neuen Bildsprache von Otto Neurath, einem der Vordenker der populären Infografik.

Die Ausstellung thematisiert die Neuentdeckung und Profilierung des Bildes als Informationsund Kommunikationsquelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die beiden Bildkonzepte des Hallenser Mediziners Fritz Kahn und des Wiener Wissenschaftstheoretikers Otto Neurath. Dabei greift die Schau auf in der Deutschen Nationalbibliothek aufbewahrte Publikationen zurück, zeigt aber auch unikale Bestände aus US-amerikanischen und britischen Archiven.

Dank der Unterstützung durch die Gesellschaft für das Buch e.V. erscheint zur Ausstellung eine zweisprachige Publikation bei Spector Books.

8. September 2017 bis 7. Januar 2018 | Ausstellungseröffnung: 7. September, 19 Uhr

Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

So, 07.05.2017

Brausepulver im Nachtgeschirr

Einer Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek widmet sich »100 Jahren Humor in deutschen Zeitschriften«.
Scherenschnitt (Ausschnitt) von Alwin Freund-Beliani, 1920
Das 20. Jahrhundert ist als das Jahrhundert der Kriege und verbrecherischen Regime in die Geschichte eingegangen. Eine Ära des Lachens? Zumindest sind Humor, Satire und Nonsens seit mehr als 100 Jahren überall und für jeden verfügbar. Die Zeitschrift spielte als »Medium der Moderne« dabei eine zentrale Rolle: Unterhaltung wurde für jeden erschwinglich. Billige Blättchen witzelten über das, was die Gesellschaft bewegte. In scheinbar harmlosem Gewand verhandelten sie Themen wie Klasse und Geschlecht, Ethnie, Macht, Feindschaft und Gemeinschaft. Humoristen und Satiriker sprachen auch unangenehme Wahrheiten aus, sie schütteten das »Brausepulver ins Nachtgeschirr«. Ob harmloser Humor oder scharfe Satire, frivole Zoten oder alberner Nonsens: Auch die jeweils populäre Form des Komischen spricht Bände.

Ausstellung: 21. Mai - 30. September 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 11.04.2017

Lesen als Grundlage unseres Wohlstandes

Im Rahmen der Konferenz »Der Buch- und Informationsmarkt in Deutschland 1990 bis 2015« der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek wird Jakob Hein einen Vortrag zum Thema »Lesen als Grundlage unseres materiellen und immateriellen Wohlstandes« halten.
Abb. auf der Einladung: In der Hängematte, Kunstwart-Bildkarte Nr. 208 von Ernst Kreidolf, München, um 1916, © VG Bildkunst
Jahrtausenden sind Lesen und Schreiben die entscheidenden Träger der gesellschaftlichen Verantwortung, erworbenes Wissen von Generation zu Generation weiterzugeben. Kinder erwerben zuerst die mündliche Sprache, und haben sie so viel Glück, wie ihnen zu wünschen ist, fangen ihre Eltern bald mit dem Vorlesen an. Über mehrere Stufen erlernen Kinder später zunächst selbst das Lesen und dann die gebildeten Worte gleich beim Lesen zu verstehen und zu begreifen. Doch ist es die höchste Stufe der Lesekompetenz, auf die es ankommt: lesend zu lernen, Worte in ihrem Kontext neu zu erschließen und neue Worte durch ihren Kontext zu verstehen. Das Gehirn tritt beim Lesen in Dialog mit dem Text, kann eigenes, bereits vorhandenes Wissen mit seinen Thesen vergleichen und so eigene Assoziationsketten weiterentwickeln.
Dr. Jakob Hein wurde 1971 in Leipzig geboren. Er ist der Sohn von Christoph Hein und lebt als Schriftsteller und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit seiner Familie in Berlin.

Konferenz: 27. / 28. April 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 28.02.2017

Geschichte(n) in Bildern

Vom Einblattdruck bis zur Graphic Novel

Martin Luther © Lpz. Städtische Bibliotheken
Anhand zahlreicher Exponate wird verdeutlicht, welches handwerkliche Geschick nötig ist, um Texte und Abbildungen auf Papier zu bringen. Historische Druckwerke und aktuelle Graphic Novels zeigen wie unterschiedlich Geschichte vermittelt werden kann. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek, der Leipziger Stadtbibliothek und des Museums für Druckkunst. Die Ausstellung wird von Susanne Metz, Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken, Dr. Susanne Richter, Direktorin des Museums für Druckkunst und Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek eröffnet.

Eröffnung: 9. März 2017, 18 Uhr
10. März bis 10. Juni 2017

Mi, 30.11.2016

Sensation – Propaganda – Widerstand

500 Jahre Flugblatt: von Luther bis heute

Ohne das Medium des Flugblatts hätten die reformatorischen Gedanken Martin Luthers niemals das Echo gefunden, das Luther zu einem der wichtigsten Protagonisten der Neuzeit gemacht hat. Das durch den Druck mit beweglichen Lettern möglich gewordene Massenmedium Flugblatt sorgte im 16. Jahrhundert für die Berichterstattung über aktuelle Themen und stellte eine bis dahin nicht gekannte Öffentlichkeit her. Die Ausstellung, die sich – ausgehend vom Lutherjahr 1517 – der Geschichte des Flugblatts bis in die heutige Zeit widmet, fragt nach der gesellschaftlichen Wirkmächtigkeit von Flugblättern und holt das Publikum dort ab, wo es heute steht: Auch die Zeit der digitalen Netze kennt den »Blätterwald«.
Die Ausstellung wird mit dem Vortrag »Flugschrift im Flugschutt« von Uwe Warnke eröffnet.

Ausstellung: 9. Dezember 2016 - 23. Juli 2017

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Sa, 29.10.2016

Leibnix –Das Universalgenie im Mosaik

Anlässlich des 300. Todestages von Gottfried Wilhelm Leibniz zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum zu diesem Universalgenie eine Kabinett-Ausstellung.
Der Mathematiker, Philosoph und Historiker Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) war in allen Wissenschaften seiner Zeit bewandert, sein Motto war „theoria cum praxi“ – die Wissenschaft müsse angewendet werden. Lebenslang beschäftigte er sich mit dem Bau von Rechenmaschinen und legte mit seiner „Dyadik“, dem Binärcode, den Grundstein für die rechnergestützte Informationstechnologie des 20. Jahrhunderts.
Leibniz und die Abrafaxe © MOSAIK – Die Abrafaxe 2016
Im Mittelpunkt der Schau steht das älteste und auflagenstärkste deutsche Comic-Magazin „mosaik“. Von 2009 bis 2011 hatte Leibniz darin als Comic-Figur eine Fülle von Abenteuern im barocken Europa zu bestehen – begleitet von den Abrafaxen Abrax, Brabax und Califax, jugendlichen Fantasiegestalten aus der Gegenwart. Anhand von 40 Originalzeichnungen zu den „mosaik“-Comics aus dem Archiv des Verlags Mosaik – Steinchen für Steinchen (Berlin) wird nicht nur das Wirken des Gelehrten anschaulich nacherzählt, sondern zudem der Entstehungsprozess eines Comic-Heftes erfahrbar gemacht – vom Manuskript über erste Skizzen bis zur fertigen Zeichnung.
In der Ausstellung sind repräsentative Beispiele für die Bedeutung von Leibniz im heutigen Alltag zu sehen, z. B. Ausdrucke digitaler Comics, Leibniz-Alltagsgegenstände und Leibniz-Merchandisingartikel sowie die Zeitschrift „Leibniz-Feldpost“ aus dem Ersten Weltkrieg. Nicht fehlen darf das legendäre Fußball-Länderspiel der Philosophen zwischen Deutschland und Griechenland der Gruppe Monty Python, bei dem Leibniz im deutschen Tor steht.
Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Georg Ruppelt, Autor, Herausgeber und ehemaliger Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
Zur Ausstellung erscheint das Begleitbuch „Abenteuer Wissenschaft – Die Abrafaxe unterwegs mit Gottfried Wilhelm Leibniz“ mit einem Essay von Georg Ruppelt, 176 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 9,95 €, ISBN 978-3-86462-143-7.

Vernissage: 13.11.2016 11:00 Uhr
Ausstellung: 14. November 2016 - 2. April 2017

Tresor des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der DNB
Museumsfoyer

Do, 03.03.2016

Verlage im "Dritten Reich"

1932 erschienen über 33.000 Neuerscheinungen in Deutschland - mehr Publikationen als jemals zuvor. Die drei Verlage Edition Peters, Breitkopf & Härtel und Schott in Mainz beherrschten 60 Prozent des Musikalienmarktes weltweit. Die Gleichschaltungsgesetze der Nationalsozialisten 1933 bedeuteten das abrupte Ende dieser Blüte. Bei Kriegsausbruch gab es nur noch zehn Verlage, die keinerlei nationalsozialistisches Schrifttum verlegt hatten. Klaus G. Saur, Herausgeber des Sammelbandes "Verlage im 'Dritten Reich'" (Klostermann Verlag), zeichnet das Verlagssterben faktenreich und anschaulich nach.
Abbildung des Buches "Der letzte Appell"
Begleitend zum Vortrag zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine Auswahl an Verlagspublikationen jener Zeit. Ob "Mein Kampf" in der Geschenkausgabe von 1938, die auf der Weltausstellung in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde, oder die billigen wie ertragreichen Massenauflagen der braunen Propagandaschriften, ob die Flut an Büchern für die Front oder die unter Lebensgefahr hergestellten und vertriebenen Tarnschriften - diese Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind unter den Rahmenbedingungen der nationalsozialistischen Diktatur entstanden. Während die einen Verlage die wirtschaftlichen Nutznießer der Ideologie waren und Millionengewinne mit ihren Drucken erzielten, bedeute das Verlagen für die anderen Gefahr an Leib und Seele.

Vortrag: 15. März 2016, 19:30 Uhr
Ausstellung: 16. März - Oktober 2016


Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Bahnriss?! Papier | Kultur

Als „Bahnriss“ wird bei der maschinellen Papierherstellung oder bei Druckmaschinen der Störfall des ungewollten Zerreißens der Papierbahn bezeichnet. Die Metapher weist auf den möglichen Abriss der Kultur des bedruckten Papiers zugunsten der Computertechnik im beginnenden 21. Jahrhundert hin. Andrerseits wächst die Herstellung von Verpackungs- und Hygienepapierprodukten, nicht zuletzt wegen des sich ausbreitenden Internetversandhandels. Die Ausstellung illustriert die Geschichte der Papierproduktion sowie die Auswirkungen von Papierprodukten auf die menschliche Kultur. So werden zum Beispiel neben einem detaillierten Modell einer Papiermühle, einem steinernen Stampftrog, Schöpfsieben und Egoutteuren auch Papierkleidung aus Japan und juristische Dokumente zur Regelung des Hadernsammelns gezeigt – eine insgesamt sehenswerte Ausstellung mit einer Reihe interessanter Exponate.
Foto: Ninon Suckow
Literatur: Schmidt, Frieder: „Bahnriss?! Papier | Kultur“. Eine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum. In: Dialog mit Bibliotheken 28 (2016) H. 1 S. 42-47.
(Thomas Klaus Jacob)

Ausstellung: 19. Februar - 2. Oktober 2016

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Museumsfoyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 02.02.2016

Bahnriss?! Papier | Kultur

Seitdem italienische Papiermacher im l3. Jahrhundert Verfahren entwickelt hatten, mit denen aus alten Lumpen in großen Mengen schönes, großformatiges und weißes Papier hergestellt werden konnte, setzte jene »Epoche des Papiers« (Lothar Müller) ein, die zu einer beispiellosen kulturellen Entfaltung führte. Die weiße Kunst der Papiermacher und die schwarze Kunst der Buchdrucker schienen für immer gleichsam füreinander bestimmt.
Wenn im Maschinensaal der Papierfabrik der Ruf »Bahnriss!« erschallt, wissen die Papiermacher, was Sache ist - ein technischer Störfall ist eingetreten, die Produktion muss neu in Gang gebracht werden. Doch heute droht ein ganz anderer Riss - die über Jahrhunderte sich geradezu symbiotisch entwickelnde enge Bindung von Papier und Kultur ist im Zeitalter der Apps, die auf Smartphones oder Tablets angezeigt werden, sehr brüchig geworden.
Die neue Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek geht dem Allerweltsstoff Papier auf die Spur, schaut zurück in die Vergangenheit, wagt einen Blick in die Zukunft und stellt traditionellen Verknüpfung von Papier und Kultur dar.

Ausstellungseröffnung: 18. Februar 2016, 19:30

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Museumsfoyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Sa, 22.03.2014

Genius im Weltenbrand

Postkarte, Walter Tiemann 1914
© Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Unter dieser Überschrift findet sich am 21. März ein Feuilleton von Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen über "Die vergessene Sensation: Leipzig erinnert mit einer großartigen Schau an die gescheiterte Weltausstellung des Druckgewerbes, die vor hundert Jahren am Kriegsausbruch scheiterte." Platthaus erinnert daran, "Wie die als völkerverbindend gedachte Bugra, die von ihrem Präsidenten Ludwig Volkmann mit der Bemerkung eröffnet worden war, in Zukunft werde Druckerschwärze statt Pulverdampf die Welt regieren, zum Opfer des Krieges wurde ..."
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Ausstellung: 12. März bis 24. August 2014

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Mi, 05.03.2014

Bugra 1914

Postkarte, Walter Tiemann 1914
© Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Eine Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums nimmt die nach 100 Jahren nachweisbaren Bestände des Museums zur Bugra in den Blick. In sieben Kapiteln ordnet sie die Internationale Ausstellung nicht nur in die Tradition der Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, sondern auch in einen weiten kultur- und technikhistorischen Kontext ein. Die Ausstellung lenkt die Aufmerksamkeit auf einzelne Abteilungen und Themenhäuser der Bugra – allen voran die Halle der Kultur, deren Konzeption der Leipziger Querdenker der Historikerzunft Karl Lamprecht verantwortet. Ob der Nachbau eines »Chinesischen Gelehrtenhauses« oder die Ausstellung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, ob frühe Schriftsysteme, moderne Drucktechniken oder die Papierverarbeitung – die Ausstellung vereint eine Vielzahl von Themen rund um Schrift und Buch. Zu ihren Themen gehören auch die am Anfang des 20. Jahrhunderts noch junge Kunstgattung Plakat und die Werbestrategien der Bugra, deren Wappentier der auf dem Greifen reitende Jüngling ist (Abb.).
Die Ausstellung zur Bugra zeigt, dass Sammeln immer Stückwerk ist und der Ordnung und Rekonstruktion bedarf. Das Ergebnis ist ein Puzzle mit Leerstellen: Nicht die fertige Erzählung steht im Fokus, sondern die Analyse Japanische Werbemarke mit dem Motiv Walter Tiemanns und Präsentation dessen, was die Zeitläufte daraus gemacht haben. Anlässlich der Ausstellung konnten dank der Unterstützung durch das Ostasiatische Institut der Universität Leipzig die sinitischen Bestände mit Bugra-Provenienz erstmals vollständig erschlossen werden.
Zum Ausstellungsthema veröffentlicht die Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst unter dem Titel »Die Welt in Leipzig. Bugra – Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914« ein reich bebildertes Lesebuch, das die Bugra erstmals als Ganzes und aus dem Blickwinkel ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Fragestellungen beleuchtet.

Ausstellung: 12. März bis 24. August 2014

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Mi, 30.10.2013

Illustrierte Idylle?

Die Gartenlaube: Gesichter eines Massenblattes
 
Erster illustrierter Heftumschlag der Gartenlaube,
genutzt von 1860 bis 1883. © Martin Kelter Verlag
Als der Leipziger Verleger Ernst Keil vor 160 Jahren sein „neues Blättchen… für’s Haus und für die Familie, … für Groß und Klein, für Jeden …“ ankündigte, war kaum damit zu rechnen, welchen Erfolg und welche Bedeutung Die Gartenlaube erzielen würde. Wer vermutet schon, dass sie den Grundstein zur Entwicklung der modernen Boulevardmagazine im Hochglanzstil legte? Über die Bilderwelt der Gartenlaube, die in der deutschen Pressegeschichte einen besonderen Platz einnimmt, spürt die Kabinettausstellung den Herstellungstechniken und verschiedenen Gesichtern des Massenblattes nach.
Gemeinsam mit dem Pfennig-Magazin und der Illustrirten Zeitung gehörte Die Gartenlaube zu den Medien, die mit ihren schwarz-weißen Holzstichbildern den Beginn der illustrierten Massenpresse im 19. Jahrhundert einläuteten. Als „Illustrirtes Familienblatt“ verkörperte sie einen neuen Medientypus, wurde zum auflagenstärksten, wirkmächtigsten und oft imitierten Blatt. Als Wissenssammlung, Ratgeber und Unterhalter fand die Zeitschrift in vielen Bücherschränken einen Platz. Mit ihren inhaltlichen und ästhetischen Gesichtern spiegelt sie den Zeitgeist und Geschmack eines breiten Leserpublikums wider, gilt als reiche Quelle der Kulturgeschichte, steht aber zugleich als Synonym für eine idyllische und rührselige Bilder- und Romanwelt.
Kalikoeinband mit Prägedruck, 1884
Foto: Bertram Kober
Der mehrfache Wechsel der Verleger, die sich ändernden Leserinteressen und die wachsende Konkurrenz am Zeitschriftenmarkt unterwarfen Die Gartenlaube einem starken inhaltlichen und ästhetischen Wandel. Ernst Keils geniales Programm zielte gemäß seiner liberalen Gesinnung auf „geistige Ertüchtigung“, Aufklärung und Unterhaltung des Bürgertums. Mit Beiträgen aus Naturwissenschaft, Medizin und Technik, Berichten aus Geschichte, Militär, Volkskunde und Kultur, flankiert von Gedichten, Erzählungen und Fortsetzungsromanen (u. a. von Eugenie Marlitt, der Bestsellerautorin des 19. Jahrhunderts) sowie „verzierenden und erklärenden Abbildungen von anerkannten Künstlern“ traf er den Geschmack einer wachsenden Abonnentenschar.
Jubiläumseinband zur Gartenlaube, 1902
Foto: Bertram Kober
Nach dem Verkauf des Verlages 1883 an die Gebrüder Kröner in Stuttgart übernahm Adolf Kröner die Redaktion der Gartenlaube in Leipzig. Bewährte Themen blieben im Programm, wurden aber nach seiner national-konservativen Gesinnung neu ausgerichtet: Dienst fürs Vaterland, Wohltätigkeit, Hygiene, Wirtschafts- und Rechtsfragen, Erfolgsmeldungen aus Deutschlands Industrie u. ä. bestimmten den Tenor, der Unterhaltungsaspekt wurde betont und der Bildanteil wuchs. Unter August Scherl, der Die Gartenlaube 1904 in seinen Berliner Verlagskonzern integrierte, fand die Umwandlung vom Familienblatt zur modernen Illustrierten ihren Abschluss. Gefällige Unterhaltung, Beilagen wie Die Welt der Frau und Werbung bestimmten das Profil.
Der Verkauf des August Scherl Verlages 1916 an den Hugenberg-Konzern läutete das Ende der Zeitschrift ein: Bildberichte über die politische Lage, über Persönlichkeiten, Staatsfeierlichkeiten und Kriegsereignisse, Soldatentransporte und Lazarette nebst Bildern aus der Filmwelt, banalen Ratgeberbeiträgen, trivialen Fortsetzungsromanen und einem sich verselbständigenden Beilagen- und Werbeteil machten Die Gartenlaube zu einer Zeitschrift unter vielen, die ab 1933 von der nationalsozialistischen Propaganda instrumentalisiert wurde. Nach der Umbenennung 1938 erschien Die neue Gartenlaube noch bis 1944.

Eröffnung: 7. November 2013, 19:00, Museumsfoyer
Ausstellung: 8. November 2013 bis 11. Mai 2014

Deutschen Buch- und Schriftmuseum
Tresor der Deutschen Nationalbibliothek
Leipzig