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Bernd-Ingo Friedrich

Pirckheimer-Blog

Bernd-Ingo Friedrich

Mo, 18.03.2019

Mona Höke vor zwei Arbeiten zu Ingeborg Bachmann. Hoyerswerda 2019. © Bernd-Ingo Friedrich

Mona Höke in Hoyerswerda

Mona Hökes Kunst lebt von dem urkindlichen Verlangen nach Stift und Farbe …“ (Jörg Sperling). Die Cottbuserin hat – außer Katalogen – leider noch kein „richtiges“ Buch gemacht. Sie könnte aber. Wie die winzigen Sprachblätter von Carlfriedrich Claus die Vergrößerung gut vertragen, wären Mona Hökes Arbeiten auf Leinwand und Papier auch prädestiniert für die Verkleinerung zur Buchillustration. Oder -bebilderung. Denn seit vielen Jahren experimentiert Mona Höke mit Schrift, Zeichen und kalligraphischen Elementen. Ihre großformatigen und dennoch grazilen Arbeiten lassen sich partiell lesen wie Palimpseste. Mona Hökes Palette reicht dabei von Schwarz-Weiß über Schwarz-Weiß-Rot bis verhalten farbig. Für jeden etwas. Literarisch von Ingeborg Bachmanns Lyrik oder wortmächtigen Zeit- und Raumgenossen wie Hans Scheuerecker (ihrem langjährigen Mentor, vorgestellt in „Hans Scheuereckers Bücher“ von Bernd-Ingo Friedrich im Heft 211 der Marginalien), Kai-Uwe Kohlschmidt und Steve Sabor oder den auswärtigen Seelenverwandten Elke Erb, Johannes Jansen, Bert Papenfuß, Kai Grehn und Kiev Stringl inspirierte Werke sind derzeit in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik zu sehen. Zu den ausgestellten Arbeiten auf Papier gehört die von Mona Höke im künstlerischen Dialog mit den oben Genannten erarbeitete Grafik-Lyrik-Mappe „die gunst der woge ist gischt“, bestehend aus 18 Siebdrucken im Format 50 mal 70 Zentimeter, die Thomas „Trümmel“ Lehmann (vgl. ebenfalls Marginalien 211) besorgte. Sie setzen sich in einem „bibliophilen Kopf“ von selbst zu einem Buch zusammen. Japanische Fadenheftung …

(Bernd-Ingo Friedrich.)

Kunstraum XII: Mona Höke (Cottbus): 16.März - 6.Mai 2019

Kulturfabrik Hoyerswerda

Do, 14.03.2019

Hokkei, Stillleben: Ukifune, Abbn. © MKG Hamburg

Surimono?

Surimono (japanisch „Drucksachen“) stellen eine besondere Form des japanischen Farbholzschnitts dar. Der Begriff bezeichnet Grußkarten mit kurzen Dichtungen wie Haiku oder Kyoka, die von Einzelpersonen, Dichtervereinigungen, Unternehmen wie Restaurants oder Theatern in Auftrag gegeben und zu verschiedenen Anlässen an Freunde und Bekannte verschenkt wurden. Im Unterschied zu den handelsüblichen Farbholzschnitten waren Surimono nicht für den Verkauf bestimmt. Produziert wurden sie über einen Zeitraum von annähernd 150 Jahren zwischen 1730 und 1880.

Die Formate der Drucke reichen von kleinen Blättern mit den Maßen 6 x 8 cm bis hin zu Großformaten mit den Abmessungen 36 x 58 cm. Viele der heute noch erhaltenen Surimono wurden in aufwendigen und kostenintensiven Druckverfahren hergestellt, die auch Prägungen, Gold- und Silbereffekte einschließen konnten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie bei Sammlern japanischer Farbholzschnitte aus Europa und den USA zu begehrten Objekten, seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden sie auch in Japan hoch geschätzt. (Nach: Wikipedia.)

Zu den Künstlern, die sich dieser intimen Graphik widmeten, gehörten beispielsweise Katsushika Hokusai (1760–1849), dessen Einfluß auf europäische Künstler wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Egon Schiele und Gustav Klimt allgemein bekannt ist; sein Schüler Totoya Hokkei (1780–1850), oder der hier mit einem „in seiner graphischen Gestaltung und seinen Farbkontrasten besonders exquisiten Blatt“ vorgestellte Hokuga Yamadera, von dem man wohl nur weiß, daß er um 1830 bis 1853 tätig war.

Mit dem dreibändigen, im OSTASIEN Verlag in Gossenberg erschienenen Katalog Warten auf das Neujahrslicht werden alle bis einschließlich 2006 in den Bestand des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKGH) gekommenen Surimono vorgelegt. Er führt dem Leser jedes der 173 Einzelblätter und ein Album der Sammlung mit farbigen Abbildungen sowie Übersetzungen und Interpretationen der Gedichte in deutscher und japanischer Sprache vor Augen, erklärt die angewandten Drucktechniken und bettet die Surimono in ihren kulturellen Hintergrund ein. Detailaufnahmen bieten Einblicke in bemerkenswerte Techniken und Arbeitsweisen.

Ein ausführliches Glossar, in dem für das Verständnis der Graphiken und Gedichte wichtige Begriffe aus der japanischen Geschichte, dem Theater, der Fauna und Flora oder anderen Bereichen erläutert werden; Verzeichnisse der Surimono-Künstler und ihrer Siegel; der Dichter sowie der Dichterclubs, in deren Auftrag viele der Surimono entstanden, und deren Marken und Embleme runden die Darstellung ab.

Die Katalogbände werden auf der entsprechenden, informativ verlinkten Webseite des OSTASIEN Verlags in Text und 17 Bildern anschaulich vor- und dargestellt. Hervorhebenswert ist die Rezension in den Hamburger China-Notizen.

Der in dieser Ausführlichkeit und opulenten Bebilderung seinesgleichen suchende Katalog dürfte nicht nur die Liebhaber von Japonica, sondern auch Bibliophile begeistern, die sich dem Sammeln von Gelegenheitsgraphik verschrieben haben.

(Bernd-Ingo Friedrich)

Warten auf das Neujahrslicht. Japanische Grußblätter (Surimono) aus dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Herausgegeben von Ursula Lienert, Hannelore Dreves und Mizuki Wildenhahn. Gossenberg: OSTASIEN Verlag 2011. (Deutsche Ostasienstudien 5.)

Sa, 09.03.2019

Heinrich Stieglitz, ein Denkmal

Bernd-Ingo Friedrich veröffentlichte jetzt bei Arnshaugk, Neustadt den zweiten Teil seiner Forschung zu Heinrich Stieglitz.

Heinrich Stieglitz (1801-1849) gehört zu den Persönlichkeiten, deren Bild sich durch interessengeleitete Wahrnehmung, Deutung und Bewertung schon zu Lebzeiten weitgehend verfestigt hat. Ein solches auf verschlungenen Pfaden tradiertes und durch die Macht steter Wiederholung erstarrtes Bild infrage zu stellen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben biographischer Forschung, wie sie sich der Pirckheimer Bernd-Ingo Friedrich bereits zu Gottlob Leopold Immanuel Schefer (1784–1862) und Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) verschrieb.

Der zweite Band des Denkmals für Heinrich Stieglitz ist seinem Werk gewidmet.
In einem ersten Teil werden „Der Dichter Heinrich Stieglitz“, seine Bilder des Orients und die im vierten Band derselben enthaltene Tragikomödie „China“ in Beziehung zur Gesamtheit der deutsch-orientalischen Dichtung des 19. Jahrhunderts gesetzt. Ein Verzeichnis der Publikationen und nachgelassenen Produktionen runden die Bestandsaufnahme ab. Dem Anhang „Heinrich Stieglitz als Texter“ folgt eine ausführlich kommentierte Bibliographie der Vertonungen seiner Gedichte. Der zweite Teil besteht aus rund 90 „Nachklängen“, also „einer kritischen Sichtung und Neubewertung überlieferter Interpretationen und bekannter Quellen“, sowie einer kurzen Zusammenfassung. Ein dritter Teil enthält die Register für beide Bände der Monographie.

Eine Rezension on U.E.G. Schrock erschien in Marginalien, # 229, S. 96f

Friedrich, Bernd-Ingo: Heinrich Stieglitz, ein Denkmal.
Erster Teil: Biographie und Exkurse. Arnshaugk Verlag 2018. ISBN 3-944064-88-7. 58,– €
Zweiter Teil: Anhänge, Nachklänge und Register. Arnshaugk Verlag 2019. ISBN 3-944064-89-5. 58,– €

So, 13.01.2019

Eine kleine Kostbarkeit aus China

Die Verlagsphilosophie des in Gossenberg in Oberfranken ansässigen OSTASIEN Verlags „besteht darin, Bücher herauszubringen, die wissenschaftlich fundiert und daher für Spezialisten von Wert, zugleich aber auch für einen allgemeineren Leserkreis von Interesse sind.“ Eine der zehn Reihen, mit denen die promovierten Sinologen und Verleger Martin Hanke und Dorothee Schaab-Hanke diesem Anspruch gerecht zu werden versuchen, ist die Reihe mit dem programmatischen Titel „Phoenixfeder“ (RPF). Man macht nicht viel falsch, wenn man sie eine bibliophile Reihe nennt, denn mit ihr widmen sich die Verleger trotz bescheidener Mittel auf hohem wissenschaftlichem und ästhetischem Niveau der Veröffentlichung von kulturhistorischen Schätzen aus über 3000 Jahren ostasiatischer Schriftgeschichte und der Gegenwart.

Das vorjüngste, 44. Kind der „RPF“ trägt den Namen Fünfzehn Schnüre Käsch. Eine Novelle aus der Ming-Zeit; nacherzählt von Wang Zhaoqi (geboren 1936), mit Illustrationen von He Youzhi (1922–2016), aus dem Chinesischen übertragen von Jessica Aicher unter Mitarbeit von Rupprecht Mayer. (Weitere Angaben kann die Verlagswebseite vermitteln.) Das Aparte an dieser Ausgabe ist ihre Erscheinungsform, denn die kommentierte, nur 9,2 x 12,5 cm große Übersetzung erschien „im Bundle mit dem [gleich großen] chinesischen Original“.

Das selten gewordene, von den Verlegern auf Umwegen in kleiner Stückzahl erworbene Heft war 1979 im Shanghaier Kunstverlag des Volkes erschienen. Die Verlagsangabe „mit Illustrationen“ ist allerdings etwas irreführend, weil es sich bei den 142 ganzseitigen Zeichnungen um eine Art Comic mit Untertiteln handelt. – Mehr sei hier, an dieser Stelle, über die 159 Jahre vor Schillers Kriminalbericht „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ für eine Anthologie mit dem beziehungsreichen Titel „Sentenzen zur Aufrüttlung der Welt“ niedergeschriebene Kriminalerzählung nicht vorweggenommen. Die beiden (inhaltlich) gewichtigen Bände kosten ja nur 14,80 Euro …

(Bernd-Ingo Friedrich)

So, 30.12.2018

Historische Briefbeschwerer

Die Sammlungen der Pirckheimer sind vielfältig und nicht immer auf Bücher und Graphiken beschränkt. Im Fall von Bernd-Ingo Friedrich umfasst sie auch Briefbeschwerer. Daraus entstand nun das zur Leipziger Buchmesse 2019 erscheinende Buch "Historische Briefbeschwerer - Paperweights aus Brandenburg und Sachsen", in dem erstmalig der Zusammenhang zwischen der Industrialisierung der Lausitz und dem Aufkommen einer Volkskunst thematisiert wird, die bislang noch keine Würdigung erfahren hat. Ein grundlegender Text führt unterhaltsam in das Thema ein, fast 900 farbige Abbildungen machen es zu einer Augenweide.

Verlag Gunter Oettel
21 x 27 cm, Hardcover, ca. 300 Seiten, Farbabbildungen, ca. 24,00 €
ISBN 978-3-944560-49-6

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So, 12.11.2017

Leopold Schefer, um 1860

Einige Dichter, die Marginalien und andere „Organe“

Ich habe im Lauf der Jahre in den Marginalien (seit 2003) und anderswo etliche Artikel veröffentlicht, die zu meinen Bemühungen gehören, Leopold Schefer, Heinrich Stieglitz, Max Waldau und andere zu Unrecht vergessene Dichter in die Literaturgeschichte des Biedermeier zurückzuholen. Sie ergänzen zum Teil die in der Wikipedia unter „Bernd-Ingo Friedrich“ aufgeführten Publikationen, zum Teil auch einander. Mich bekümmert, daß sie so weit verstreut erschienen sind (in den Marginalien z. B. nur das, was sich „bibliophilengerecht“ verarbeiten ließ) und kaum wahrgenommen werden. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf einige interessante Artikel aufmerksam machen, die (leider) nicht in die Marginalien paßten.

(Bernd-Ingo Friedrich)

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Sa, 11.11.2017

„Strömungen II“, 1978 Radierung, 150 x 200 mm Umschlaggestaltung für Margaret Atwood, Strömung, Leipzig 1979
„Erscheinungen“, 2000 Farbradierung, 122 x 196 mm Beilage in: Heft 30 der Reihe 24 x 34. Blätter zu Literatur und Grafik Hrsg. Leipziger Bibliophilen-Abend, Leipzig 2000

Der Zauberer von Dittersdorf: Thomas Ranft

Thomas Ranft wurde 1945 geboren. Damit gehört er ganz und gar der Nachkriegsgeneration an, was einschließt, daß der Vater im Krieg geblieben war. Rechnet man die ersten Jahre der Kindheit als Inkubationsphase ab, ist der wesentliche Teil seiner Biographie auch vollumfänglich die eines DDR-Bürgers. Das Aufwachsen in einer nahezu idyllischen Umgebung, die Zugehörigkeit zur anthroposophisch ausgerichteten „Christengemeinschaft“ Weimars und die Tätigkeit seiner Mutter als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Goethe-Haus am Frauenplan prägten seinen Intellekt und seine Weltanschauung. Eine Schule, sagt Ranft, habe er eigentlich nicht gebraucht. Sechs Jahre Lehre und Arbeit als Landschaftsgärtner in Weimar und Markkleeberg und ein vierjähriges Intermezzo am Arbeitertheater in Böhlen erbrachten einen Grundstock an Lebenserfahrung. Die anschließenden Jahre des Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst 1967 bis 72 in Leipzig erwiesen sich als der biographische Volltreffer, und auch die Übersiedlung nach Karl-Marx-Stadt sollte sich als Glücksfall erweisen.

„Am Anfang war die Tat.“ Diesem Goethe-Wort folgend, besetzten die jungen Künstler von Karl-Marx-Stadt energisch den fast noch jungfräulichen Kunstraum der Industriestadt, das heißt: Sie nutzten ihre Chance. Die Anfänge wurden von der Suche nach Gleichgesinnten, unter anderem zu diesem Zweck veranstalteten Plenairs (+ Dokumentationen, auf die ihre Macher besonders stolz zu sein scheinen) sowie organisatorischen Aktivitäten beherrscht. Thomas Ranft wurde zum (Pro-) Motor der Bewegung; Initiator und Mitbegründer der Künstlergruppe „Clara Mosch“ und ihrer gleichnamigen Galerie, Vorstandsmitglied der „Galerie oben“ und später, nach der Wende, Initiator des Vereins „Kunst für Chemnitz e.V.“ Die Inbesitznahme und die mit einem gesellschaftlichen Großereignis für Chemnitz verbundene Bestandssicherung des „Heck-Art“-Hauses wären eine eigene Darstellung wert. Künstlerisch wurde Ranft ein Spiritus rector für Osmar Osten, Steffen Volmer, Klaus Hähner-Springmühl, E. Wolfgang Hartzsch, Wolfram A. Scheffler und den „Hilfs-Mosch“ Klaus Süß. (Vgl. Marginalien 222, S. 4.)

„Ich habe mich in der DDR immer frei gefühlt.“ Die wichtigste Episode im Leben Ranfts und der mit ihm eng verbundenen Künstler Carlfriedrich Claus, Dagmar Ranft-Schinke, Michael Morgner und Gregor-Torsten Schade (kurzzeitig Schade-Adelsberg, heute Kozik) hieß „Clara Mosch“. Der Untergang der von Beginn an weit über Karl-Marx-Stadt hinaus einflußreichen Gruppe war für die Staatsorgane der DDR bald eine fest beschlossene und aufwendig durchgeführte Sache. Um „CFC“ kümmerte man sich nicht. Morgner wurde protegiert, Kozik klandestin als Stasi-Spitzel – der er nie war – denunziert; Ranft sollte als Künstler ignoriert und menschlich korrumpiert werden. Seine Bibliographie in Verstecktes Spiel listet demzufolge, allerdings in einer Auswahl, bis 1989 nur fünf Kataloge auf und ganze dreimal „Weiterführende Literatur“ (Lothar Lang, Wolfgang Hütt, Karin Thomas).

(Bernd-Ingo Friedrich, Auszug aus einem bislang unveröffentlichten Artikel)

Do, 24.08.2017

Heinrich Stieglitz um 1840

Ein „Denkmal“ für den Dichter Heinrich Stieglitz

Von unserem Pirckheimer-Freund Bernd-Ingo Friedrich erscheint voraussichtlich zur Herbstmesse 2017 ein zweibändiges „Denkmal“ für den Dichter Heinrich Stieglitz (Arolsen 1801 – 1849 Venedig).

- Das Erscheinen der Bücher mußte in den Februar 2018 verschoben werden. -

Als die 28jährige Charlotte Stieglitz sich den Dolch, den sie elf Jahre zuvor ihrem Verlobten Heinrich Stieglitz geschenkt hatte, ins Herz senkte, tat sie das in der Absicht, den inzwischen zu ihrem Mann gewordenen, kranken Dichter „durch einen furchtbaren Schmerz, einen ungeheuren Schreck“ von einem vermeintlichen „Wahnsinn“ zu heilen. Damit hatte sie zwar, aus heutiger Sicht, instinktiv das Richtige getan, doch sie hatte nicht mit der kalkulierten Niedertracht gerechnet, die sich ihrer Tat bemächtigen sollte. Tatsächlich führte diese im Weiteren dazu, daß Heinrich in einer einzigartigen, bis heute andauernden Rufmordkampagne sowohl literarisch als auch menschlich vernichtet wurde. Die Biographie Heinrich Stieglitz, ein Denkmal entstand im Ergebnis von über fünf Jahren akribischer Recherche vor allem zur Ehrenrettung des zu Unrecht verfemten Dichters. In einem zweiten Teil werden sein Werk und dessen überwiegend positive Rezeption durch die Zeitgenossen betrachtet. Nicht zuletzt widmet sich die Monographie ausführlich dem allein (und nicht nur!) im Falle Stieglitz nun schon fast 200 Jahre währenden Totalversagen der Literaturwissenschaft.

Acht Exkurse, überschrieben: „Zur Hygiene in Berlin“, „Die Medizin im Biedermeier“, „Vorbilder, Förderer und Freunde“, „Friedrich Wilken und seine Bibliothekare“, „Noch etwas vom Gelde“, „Vom Werden der Bilder des Orients“, „Heinrich Heine, Voß & Co.“, „Das Junge Deutschland“ und „Einiges über den Selbstmord“, weiten die erste (!) präzise recherchierte und daher so umfangreiche Biographie zu einem eindrucksvollen Panorama der Berliner Zustände in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Die Anhänge „Der Dichter Heinrich Stieglitz“, „Die deutsch-orientalische Dichtung“, „Heinrich Stieglitz‘ Bilder des Orients“ und „Heinrich Stieglitz‘ China“ erschließen Stieglitz‘ Hauptwerk, die vierbändigen Bilder des Orients, aus unvoreingenommener Sicht.

Die Kapitel „Heinrich Stieglitz als Texter“ und ein Verzeichnis der „Vertonungen von Gedichten“ widmen sich dem speziellen und besonders erstaunlichen Aspekt der Rezeption zahlreicher Stieglitzscher Dichtungen durch die Musiker.

  • Heinrich Stieglitz, ein Denkmal. Erster Teil: Biographie und Exkurse. Neustadt an der Orla: Arnshaugk Verlag 2018. 540 Seiten mit 4 Abb. Pp. 8°. 58,00 Euro. ISBN 3-944064-88-7.
  • Heinrich Stieglitz, ein Denkmal. Zweiter Teil: Anhänge, Nachklänge und Register. Neustadt an der Orla: Arnshaugk Verlag 2019. 434 Seiten mit 5 Abb. Pp. 8°. 58,00 Euro. ISBN 3-944064-89-5.

Eine Studie Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas ..., die während der Arbeit an dieser Monographie entstand, wurde bereits im Dezember 2016 veröffentlicht. In ihr geht es vor allem um die Überbewertung von Goethes „chinesischen“ Dichtungen im Gegensatz zur völligen Abwertung von Heinrich Stieglitz‘ Tragikomödie „China“ im vierten Band der Bilder des Orients.

Di, 13.12.2016

Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas ...

Bernd-Ingo Friedrich hat sich mit den Sichtweisen von vier sehr verschiedenen Autoren auf die Literatur und Geschichte Chinas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befasst. Seine Studie wird am 20. Dezember als Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas in der Literatur des Biedermeier erscheinen. 
 
Sie wurde inspiriert durch die Arbeit des Autors an einer Biographie von Heinrich Stieglitz (1801–1849), deren Erscheinen für den Herbst 2017 vorgesehen ist.
Friedrich bespricht Stieglitz’ umfangreiche Tragikomödie „China“ in dessen Sammlung Bilder des Orients und stellt sie achtzehn „chinesischen“ Gedichten Johann Wolfgang von Goethes gegenüber, welche mit dem Werk von Stieglitz – nach Ansicht des Autors widersinniger weise – gern verglichen werden.
Zu Wort kommt auch der Muskauer Dichter und Komponist Leopold Schefer (1784–1862) und dessen gemeinhin wenig bekannte Novelle „China’s Erretter“.
Indem der Autor die Werke dieser „Außenseiter“ genauer beleuchtet und sie den sowieso Berühmten, allen voran Goethe, gegenüberstellt, kommt Friedrich zu ungewöhnlichen und für Interessierte an der deutschen Chinaliteratur des 19. Jahrhunderts faszinierend neuen Einsichten und Gewichtungen.
 
Bernd-Ingo Friedrich: Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas in der Literatur des Biedermeier. Gossenberg: OSTASIEN Verlag 2016. (Reihe Gelbe Erde 12.) Paperback, 20,5 x 14,0 cm, 143 Seiten mit 14 SW-Abbildungen, € 19,80. ISBN: 978-3-946114-35-2.

Sa, 27.08.2016

Di, 26.07.2016

Gerenot Richter

Der eine oder andere Pirckheimer erinnert sich gewiß noch an die „Burgk-Tüten“, die Lothar Lang als damaliger Burgk-Herr in den 1980er Jahren herauszugeben begann. Als Burgk-Tüte No. 2 erschien 1981 – eigentlich keine Tüte – ein kleines, postkartengroßes Album mit fünf zauberhaften Burgk-Miniaturen von Professor Gerenot Richter.
Gerenot Richter- Gleichnis 3 Eustachius, 1987
Am 5. Dezember 2016 jährt sich der Geburtstag von Gerenot Richter zum 90. Mal und am 5. Januar war sein 25. Todestag. Anlässlich dieser Jahrestage wird eine von Angehörigen und Freunden geförderte Ausstellungsreihe in Berlin und Umgebung einen weit gefassten Überblick über das graphische Oeuvre Richters bieten. Als Katalog zu diesen Ausstellungen soll ein illustriertes Werkverzeichnis (Druckgraphik & Handzeichnungen) erscheinen.
Einen Überblick über die unter dem übergreifenden Titel „Gerenot Richter – Werkschau in 6 Kapiteln“ zeitversetzt bis zum 28. April 2017 (zuletzt: „Die Miniaturen“) in Berlin, Templin, Fürstenberg und Gransee-Dannenwalde vorgesehenen Ausstellungen bietet die im Aufbau befindliche Webseite, welcher auch der obige Text zwischen den Tüttelchen entnommen ist.
Auf Schloß Burgk wird weiter im Geiste Lothar Langs gearbeitet. Sabine Schemmrich, die Leiterin des Burgk-Museums, hatte noch unter Langs Leitung dort zu arbeiten begonnen. Die Quantität der Exlibris-Sammlung des damaligen Pirckheimer-Kabinetts hat sich verdreifacht; die Ausstellungs- und Veranstaltungstätigkeit zur Buchkunst und Bibliophilie wird, so gut es unter den gegebenen Umständen eben gehen will, aufrechterhalten. Auf dem Schloß lasten (jetzt, im Juni 2016) noch erhebliche Restitutionsansprüche, die zusätzliche, kräftezehrende Arbeit mit sich bringen. Auch die Bausubstanz bereitet immer wieder große Sorgen. Doch es gibt auch großartige Lichtblicke. Vor wenigen Wochen wurde bei einem Wanddurchbruch originale Bausubstanz mit Bemalung aus dem 15. Jahrhundert entdeckt.
(Bernd-Ingo Friedrich)

è Museum Schloss Burgk
07907 Burgk/Saale

Fr, 22.07.2016

Früchte aus dem Gartenhain von Schiras

Eine Vorschau auf die Marginalien 222

In Heft 3/2016 der Marginalien wird u.a. Bernd-Ingo Friedrich über deutsch-orientalische Bücher berichten:
... Dass der Orient, insbesondere Persien und Arabien, Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Sehnsuchtsort deutscher Dichter (und Maler) werden konnte, ist heute, angesichts der nicht enden wollenden Bilderflut von Menschen, die aus verwüsteten Städten flüchten, kaum noch nachvollziehbar. Und doch ...In einem mehrseitigen Artikel werden die Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall und Friedrich von Bodenstedt, sowie der Muskauer Dichter und Komponist Leopold Schefer mit ihren einschlägigen bibliophilen Publikationen vorgestellt. Abschließend stellt Friedrich fest: „Die orientalischen Formen haben ihren Reiz bis heute nicht verloren. ‚120 Sonette und acht Ghaselen‘ lautet zum Beispiel der Untertitel des ‚Weltgedichts‘ O zartes Blau des Nebels überm Stau von Ernst-Jürgen Dreyer (Hamburg-Ottensen 2007). Ein editorisch und typographisch vollkommen unbedarftes, jedoch mit farbigen erotischen Illustrationen üppig ausgestattetes Buch kommt aus einer Druckerei, aus der man so etwas kaum erwarten würde: Fifty Poems of Chemsed Din Mohammed Hafiz, viersprachig„ ‚published by Ali Akbar – Elmi. Teheran Iran‘ “.

Di, 24.11.2015

Marginalien 219

Heute wurde das letzte Heft der Marginalien für 2015 ausgeliefert. Für Mitglieder liegt dem Heft der Holzschnitt Legende (1974) von Klaus Rosenspieß bei, Robert Wolf liefert dazu den Artikel Wider den Zeitgeist zur Bilderwelt dieses Künstlers. Matthias Haberzettl berichtet über seine Begegnungen mit Eduard Prüssen und Ferdinand Puhe schreibt über Peter Zitzmann und die schPeZi Presse mit dem 2. Teil einer Bibliografie. Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Dichter und Ethnologen Heinrich Stieglitz (Bernd-Ingo Friedrich), dem Antiquar Martin Breslauer (Thomas Reinecke) oder dem Pirckheimer Marc Berger (Marlies Schnaibel). Die Typographische Beilage widmet sich unter dem Titel Im Büchersaal der Bibliothek im Gedicht, gestaltet und gesetzt in der Fleischmann-Antiqua von Matthias Gubig.

Mi, 17.09.2014

MARGINALIEN 215

Das Heft 3/2014 der MARGINALIEN wurde vom Verlag ausgeliefert und kann den teilnehmenden Pirckheimern zum Jahrestreffen übergeben werden, für nicht teilnehmende Mitglieder wird das Heft am 22.9. in die Post gehen.
Es enthält u.a. Beiträge über den Bibliothekar
Paul Raabe, über die Freundschaft von Herbert Tucholski und Lothar Lang, einen Beitrag unter dem Titel Adler & Pax von Karl-Georg Hirsch und Manfred Jendryschik, Li Portenlänger schildert das Erleben der Lithographie-Werkstadt Eichstädt, Hendrik Liersch berichtet über Victor Otto Stomps und die Erenmiten-Presse, es gibt Hinweise auf Otto Erich Hartleben und Carsten Wurm berichtet über Menschen, Orte, Wegmarken in der Edition A.B. Fischer. Als typographische Beilage sind einige Epigramme aus Der Halkonier von Otto Erich Hartleben, erschienen bei S. Fischer 1904, neu gesetzt in der Walbaum 11/15 Punkt, in das Heft eingebunden.

Sa, 02.08.2014

Ein Stolperstein für David Salomon

Auf den am 6.5.2014 auf Initiative von Bernd-Ingo Friedrich und der Pirckheimer-Gesellschaft verlegte Stolperstein für David Salomon wird jetzt auch auf berlin.de aufgeführt.Der Antiquar und Autographenhändler David Salomon wurde am 30. November 1866 in Nakel (Kreis Wirsitz in der Provinz Posen/Poznan; heute Naklo/Polen), geboren. Am 10.1. oder 10.6.1912 ist er „aus dem Judentum ausgetreten“.
1937 und 1938 wurden Autographen aus David Salomons Besitz auf Versteigerungen des Auktionshauses J. A. Stargardt in Berlin angeboten. Am 28.10.1937 waren es 27 Briefe von 21 Personen mit einem Taxwert von 402 RM und am 3.2.1938 noch einmal 343 Briefe von 213 Personen mit einem Taxwert von 4 401 RM, insgesamt also 370 Briefe von 234 Personen im Schätzwert von 4 803 Reichsmark. Es handelte sich dabei um ein offenbar eilig, noch vor dem Erlass der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ am 12.11.1938, welche die Schließung aller jüdischen Geschäfte bis Jahresende zum Inhalt hatte, zusammengestelltes Sortiment mit berühmten Namen. Autographen aus dem Besitz David Salomons, erkennbar an gelben Briefumschlägen mit seiner Handschrift, tauchen gelegentlich noch im Handel auf, darunter auch Stücke aus der Sammlung des Germanisten Dr. Rudolf Wolkan, die Salomon 1931 geschlossen angeboten hatte.
David Salomon ist an einem unbekannten Datum vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert worden. Eine nachträglich ausgefertigte Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen vom 30. Januar 1992 nennt als Todesdatum von David Salomon den 18. Februar 1943, er war 76 Jahre alt.
Der Journalist und Pazifist Berthold Jacob (eigentlich: Berthold Jacob Salomon, 1898–1944), bekannt geworden durch seine Veröffentlichungen über die Pläne der deutschen Reichswehr zur heimlichen Aufrüstung unter des Umgehung des Versailler Vertrags, war ein Sohn aus der ersten Ehe David Salomons
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(Bernd-Ingo Friedrich)