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Ulrike Stoltz

Pirckheimer-Blog

Ulrike Stoltz

Fr, 03.05.2019

Theophil Zwang mit einem seiner angefertigten Puzzles, welches nur an Freunde verschenkt wurde, Foto © Michael Eschmann

Theophil Zwang (1924 - 2019)

Der Bucheinbandkünstler Theophil Zwang, geboren am 12.Oktober 1924 in Dresden, ist in der Nacht zum 24. April 2019 in seinem Wohnort Ober-Roden/Rödermark verstorben.

Als Fachlehrer (Bucheinband und Papierverarbeitung) wirkte er in den Jahren 1960 - 1987 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Seine kreativen Einbandgestaltungen belegen, dass Bücher zwei untrennbare Seelen besitzen: Inhalt und Form. Hier setzte er maßgebliche Akzente und darf deshalb als „Meister der Einbandkunst“ ganz im Sinne der modernen Bibliophilie bezeichnet werden. Heute bekannte Buchkünstlerinnen, wie Anja Harms, Uta Schneider, Doris Preußner, Ines von Ketelhodt oder Ulrike Stoltz gehörten zum Kreis der Schülerinnen. Die eigene Einbandsammlung vermachte er dem Klingspor-Museum in Offenbach. Hier wurde bereits am 1. Oktober 2015 mit einer Sonderausstellung an sein berufliches Können erinnert. Ein ausführliches Porträt erschien von Ute Maria Etzold mit dem Titel „Der Buchbinder Theophil Zwang und Die Gurke“ in den Marginalien 217 (2015/1).

(Michael Eschmann) 
       
      
 

Mo, 01.04.2019

Foto © Constanze Kreiser

Super-Illu

Unter diesem fand am 28. März 2019 in den Räumen der Hegenbarth Sammlung Berlin eine Diskussion statt, die inmitten einer Ausstellung schwarzweisser pixelähnlichen Grafiken von Corinne Laroche - Point(s) de Hasard - (Keine) Punkte des Zufalls - aus der Reihe ‚Überflogenes Weiss‘ plaziert waren. Etwa 50 Zuhörer und 6 Diskutanten versuchten die Grenzen zwischen Bild, Text und Bebilderung zu finden. In dem Wort illustrare stecke auch mostrare (= zeigen) und genau dieses Hinweisende eines Bildes wäre der Illustration zu zuordnen, wenn sie sich nicht als Kunst darstellt. Demgegenüber beschreibt sich Kunst auch in ihrem größeren Freiheitsgrad Ihrer Lesbarkeit. Die Grenzen sind fließend und je nach Bilderschatz möglicherweise auch individuell verschieden.

Vorangegangen war dieser mündlichen Auseinandersetzung eine schriftliche Stellungnahmen aller Beteiligten zum Thema Illustration. Die vierteljährlich erscheinende Zeitung «z.B. / zum Beispiel / zum Buch» #18--21 des Künstlerduos <usus>, Ulrike Stoltz, einer Typographin und Uta Schneider, einer Künstlerin mit Schwerpunkt Zeichnung, bot hierfür den Rahmen. 

Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums Offenbach, hatte gesprächshalber auf die Unschärfe der Begrifflichkeit hingewiesen «… man müsste doch einmal den Begriff der Illustration neu denken …» und trat in der Diskussion vehement für eine Qualität der Illustration trotz ihrer Abhängigkeit als angewandte Kunst ein. Kommunizieren funktioniert für ihn immer in Ergänzung von mindestens zwei Medien, mit dem Ziel, etwas ‚Lebensinhaltliches‘ zu übergeben.

Ulrike Stoltz spielte mit der These, dass Illustration mit dem Prozess der Vervielfältigung zu tun haben könnte und deshalb als Begriff erst im 19. Jhd. entstand. Allerdings ist das 19. Jhd. ohnehin die Zeit der Ausdifferenzierungen, auch der Berufe, so wurde z.B. aus dem Baumeister für alle Bauaufgaben eine Gruppe von Fachleuten.

Illumination wäre laut Grimm‘schen Wörterbuch der Vorläuferbegriff von Illustration und hat eine starke spirituelle Komponente, die der Hausherr Christopher Breu (Typograph) mit dem christlichen Farbkodex mittelalterlicher Druck- und Handschriften belegte: (papier-)weiß wie die geschundene Haut des Leibs Christi, rot wie Blut, schwarz die Nägel am Kreuz. Er erinnert an die typische frühkindliche Bildverbundenheit, die vor dem Lesenkönnen als Leseersatz und Gedächtnisstütze dient. Damals waren Bilder zudem etwas Seltenes und damit von höherer Eindringlichkeit.

Matthew Tyson, (Buch-)Künstler, Drucker in 2. Generation und Herausgeber, in England und Frankreich lebend, spürte der Sprache nach. All den Inhalten, die in ihr versteckt sind, der Kraft, die sie im Bezeichnen entwickelt. Der englische Begriff ‚Image‘ ist viel offener und umfassender als das deutsche Wort Illustration. Seine eigene künstlerische Suche gilt der Reduktion, die sowohl Sprache wie auch Bild zu mehr Eindeutigkeit verhelfen soll. Wie das Bild kann auch die Sprache Mehrfachbedeutungen und damit Unklarheiten aufweisen, die das Erkennen ihres eigentlichen Inhalts verstellt. Er betrachtet sich als Künstler, nicht als Illustrator.

Juliane Wenzl, freiberufliche Illustratorin und Dozentin, ging als Beirat im Berufsverband Illustratoren Organisation pragmatisch an das Thema heran: Auftrag und Nutzungsrechte beschreiben für sie eine komplett andere Situation als die des individuellen Antriebs eines Künstlers, etwas von seinem inneren Denken, Empfinden, Sehen zu veräußerlichen. Entsprechend wäre das Ergebnis auch anders zu bewerten.

Im Nachgespräch auf den Gängen ging es mit Uta Schneider allgemein um Übersetzungsprozesse von Sinneseindrücken: in Sprache, in Bilder oder in andere Handlungen. Etel Adnans Künstlerbuch ‚Arabische Apokalypse‘ über den libanesischen Bürgerkrieg, das sie in mehreren Sprachen unterschiedlich bildlich abfasste, ist ein wunderbares Beispiel vom Zusammenspiel aller Komponenten des Gestaltens. Kontextualisierung als ein Mittel, den Begriff Illustration zu begreifen: von allen beteiligten Künstlern gab es eigene Arbeiten im Anschluss zu betrachten. Das Gehörte ließ sich so in einen weiteren Zusammenhang einordnen.

Matthew Tysons über Jahre scheiternde Versuche, asiatische Kalligraphieprinzipien auf lateinische Buchstabenschriften zu übertragen, gehöre ebenso zu dieser Suche nach Zusammenhängen wie das sprachliche Fehlen von Tatbeständen, das Hanneke van der Hoeven beschrieb: ein so unklarer Begriff wie (Körper-)kreislauf existiere im Holländischen nicht, dort beschriebe man die einzelnen Vorkommnisse und sei damit viel genauer.

(Constanze Kreiser)

Mi, 20.03.2019

© ‹usus›

… Super-Illu: Und wenn man Illustration sagt, erstarren alle!

Schau an! Ein Gespräch über Illustration

Was ist eigentlich Illustration: ein Bild zum Text? als: Begleitung? Fortsetzung? Anregung? Bestätigung? Widerspruch? Der Stellenwert von Illustration ist nicht unumstritten. Wie lässt er sich fassen, beschreiben, denken?

Ein Gespräch über Illustration. Initiiert von Uta Schneider und Ulrike Stoltz (Offenbach/ Berlin)
mit Juliane Wenzl, Illustratorin (Leipzig)
Matthew Tyson, Künstler (Crest, Frankreich)
Dr. Stefan Soltek, Kunsthistoriker (Klingspor-Museum Offenbach)
Christopher Breu, Typograf (Hegenbarth Sammlung Berlin)

Seit 2014 publiziert das Künstlerinnen-Duo ‹usus›: Uta Schneider und Ulrike Stoltz die Künstlerzeitung «z.B. / zum Beispiel / zum Buch». Pro Jahr erscheinen vier Nummern mit den verschiedendensten Perspektiven auf den Themenbereich (Künstler-)Buch. Ganz kompakt auf vier Seiten findet sich jeweils ein Essay auf deutsch und auf englisch sowie ein eigenständiger Bildbeitrag. Der gesamte fünfte Jahrgang (2018) ist der Illustration gewidmet.

Anlass dazu war eine nebenbei geäußerte Bemerkung von Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums Offenbach: «… man müsste doch einmal den Begriff der Illustration neu denken …». Folgerichtig baten ihn die Herausgeberinnen, sogleich damit anzufangen. Für die drei weiteren Ausgaben luden sie ein:

Juliane Wenzl, freiberufliche Illustratorin und engagiertes Mitglied der Illustratoren Organisation IO (von 2008 bis 2014 im Vorstand, seit 2015 im politischen Beirat) argumentiert aus der Perspektive der Illustrations-Praxis.
Matthew Tyson, Künstler mit den Arbeitsschwerpunkten Buch, Malerei, Installation und Druck, der auch als «Meister der Druckkunst» bezeichnet wird und die Edition ‹imprints› betreibt, erweitert die Perspektive über den deutschen Sprachraum hinaus nach England (woher er stammt) und Frankreich (wo er lebt).
Und schließlich Christopher Breu, der als Leiter der Hegenbarth Sammlung ganz nah an einem der wichtigsten Illustratoren des 20. Jahrhunderts ist und als Buchgestalter seinen eigenen Blick auf die Praxis beisteuert.
Uta Schneider und Ulrike Stoltz begleiteten jeden dieser Texte mit einem eigenständigen typografischen Bild - oder sollte man sagen: Illustration?

Die Autoren und die Autorin kennen sich untereinander bisher nicht persönlich - dies allein ein ausreichender Grund für diese Gesprächsrunde, in der die jeweiligen Positionen kurz vorgestellt und im gemeinsamen Gespräch - gerade auch mit dem Publikum - fortgesetzt und erweitert werden.

28. März 2019, 19 - 21 Uhr
(um Anmeldung bei der Hegenbarth Sammlung wird gebeten)

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin