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Ernst Falk

Pirckheimer-Blog

Ernst Falk

Sa, 14.12.2019

Marginalien # 235 (für Mitglieder mit einem von 4 Motiven des Siebdruck von OttoGrafic) auf dem vorweihnachtlichen Gabentisch

Marginalien Heft 235

Einige Themen der gerade ausgeliederten Marginalien # 235 drehen sich

" ... um den Ausbruch aus der Konvention. Michael Faber erzählt anhand der Illustrationen verschiedener Ausgaben von den wechselnden Interpretationen des Maulhelden Tartarin von Tarascon, der so gern mehr sein wollte, als er war. Hans-Jürgen Rehfeld wirft ein Schlaglicht auf Andreas Musculus, den wortgewaltigen Moralprediger der Reformation, für den auffällig gleich nicht gottgefällig bedeutete, dessen auflagenstarken Bücher wider den Teuffel, ob in Gestalt von Pluderhosen oder Spielsucht, ihn aber zu einem der auffälligsten Buchautoren einer ganzen Epoche machten. V. Gheeta und Maren Poppe beleuchten die bis heute wirkende Erzählmacht sowjetischer Kinderbücher in Indien, die propagandistisch intendiert ganz gegenteilig gelesen wurden: als Beispiel unabhängigen Verlegertums jenseits jeden Hegemonialanspruchs. Ernst Falk stellt uns den Kunstanstifter-Verlag vor, der die Bandbreite visueller Sprachen in seinen Bilderbüchern für Kinder wie Erwachsene erst aus einer Garage heraus nun als veritabler Leuchtturm zeitgenössischer Illustration verbreitet. Jürgen Bönig analysiert die einzelkämpferische Buchkunst der Kleinstedition M & M von Jürgen Meyer Jurkowski, während Uwe B. Glatz eine Einzelkämpferin des Geistes in Erinnerung ruft: Lou Andreas-Salomé, umworben von Nietzsche, gefördert von Freud, gelesen von Rickert. Wolfgang Schmitz erinnert an den kürzlich verstorbenen Grafiker und Pressendrucker Eduard Prüssen, dem lange Jahre einzigen Stadtgrafiker Bergisch Gladbachs. Und ich leg ihnen die Siebdruckbücher von OttoGraphic ans Herz, einem deutschen Einmann-Unternehmen aus England, das durch Faltung und Furor aus dem Raster fällt – und Standards ganz wortwörtlich verschiebt."

(Till Schröder)

Fr, 14.10.2016

Jiri Salamoun

Illustration aus der tschechischen
Ausgabe von Tolkiens 'Der kleine Hobit''
Obwohl dieser schon über ein Jahr alt und nicht ohne Umstände zu erhalten ist, will ich einen Ausstellungskatalog vorstellen. Das Art Museum Olomouc (Olmütz) hat zum 80. Geburtstag des großen tschechischen Grafikers Jiri Salamoun eine Art Retrospektive veranstaltet.
Der dazu erschienene Katalog enthält ein Feuerwerk von Ideen, die alle auf J. S. zurückgehen. Seien es Buchillustrationen, Umschlaggestaltungen, Film- oder Theaterplakate, Filme - kein Genre hat er ausgelassen; und alle sind umfassend abgebildet. Seine Ausbildung begann J. S. am Institut für Buchkunst in Leipzig, dort hat er auch 1958/59 seine ersten Arbeiten und seine Diplomarbeit vorgelegt. Leider ist die große Mehrheit seiner Werke, und dazu zählen Illustrationen zu den Autoren der Weltliteratur (Dickens, Poe, Sterne, Cooper, Tolkien um nur einige zu nennen), nur in tschechischer Sprache erschienen. Auf deutsch sind antiquarisch die meist im Eulenspiegel Verlag erschienenen Bändchen erhältlich.
Was ist über seine Illustrationen zu schreiben? Alles, was für die Prager Schule (gabs so etwas?) gilt: Skuril bis zum Umfallen, wenn farbig, dann sieht die Pop Art daneben blass aus, weil sie zu sehr an die Warenwelt behaftet ist, wohingegen hier Witz und Esprit die Klingen wechseln. Gerne wüsste ich, wie viele unserer bekannten Illustratoren auf die Einfälle und den Stil von Jiri Salamoun zurückgehen. Man mag seinen so anti-klassischen Stil ablehnen, wer sich aber auf die unbändige Bildkraft dieses Punks unter den Illustratoren einlässt, wird ihm für immer verfallen.
(Ernst Falk)

Jan Rous (Hrsg.): Jiri Salamoun or Imaginable Views of the World (= engl. Ausgabe), Baobab 2015, ISBN 97880751501103, für um die 50 € zu beziehen bei artmap.