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Pirckheimer-Blog

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Mi, 30.10.2013

Illustrierte Idylle?

Die Gartenlaube: Gesichter eines Massenblattes
 
Erster illustrierter Heftumschlag der Gartenlaube,
genutzt von 1860 bis 1883. © Martin Kelter Verlag
Als der Leipziger Verleger Ernst Keil vor 160 Jahren sein „neues Blättchen… für’s Haus und für die Familie, … für Groß und Klein, für Jeden …“ ankündigte, war kaum damit zu rechnen, welchen Erfolg und welche Bedeutung Die Gartenlaube erzielen würde. Wer vermutet schon, dass sie den Grundstein zur Entwicklung der modernen Boulevardmagazine im Hochglanzstil legte? Über die Bilderwelt der Gartenlaube, die in der deutschen Pressegeschichte einen besonderen Platz einnimmt, spürt die Kabinettausstellung den Herstellungstechniken und verschiedenen Gesichtern des Massenblattes nach.
Gemeinsam mit dem Pfennig-Magazin und der Illustrirten Zeitung gehörte Die Gartenlaube zu den Medien, die mit ihren schwarz-weißen Holzstichbildern den Beginn der illustrierten Massenpresse im 19. Jahrhundert einläuteten. Als „Illustrirtes Familienblatt“ verkörperte sie einen neuen Medientypus, wurde zum auflagenstärksten, wirkmächtigsten und oft imitierten Blatt. Als Wissenssammlung, Ratgeber und Unterhalter fand die Zeitschrift in vielen Bücherschränken einen Platz. Mit ihren inhaltlichen und ästhetischen Gesichtern spiegelt sie den Zeitgeist und Geschmack eines breiten Leserpublikums wider, gilt als reiche Quelle der Kulturgeschichte, steht aber zugleich als Synonym für eine idyllische und rührselige Bilder- und Romanwelt.
Kalikoeinband mit Prägedruck, 1884
Foto: Bertram Kober
Der mehrfache Wechsel der Verleger, die sich ändernden Leserinteressen und die wachsende Konkurrenz am Zeitschriftenmarkt unterwarfen Die Gartenlaube einem starken inhaltlichen und ästhetischen Wandel. Ernst Keils geniales Programm zielte gemäß seiner liberalen Gesinnung auf „geistige Ertüchtigung“, Aufklärung und Unterhaltung des Bürgertums. Mit Beiträgen aus Naturwissenschaft, Medizin und Technik, Berichten aus Geschichte, Militär, Volkskunde und Kultur, flankiert von Gedichten, Erzählungen und Fortsetzungsromanen (u. a. von Eugenie Marlitt, der Bestsellerautorin des 19. Jahrhunderts) sowie „verzierenden und erklärenden Abbildungen von anerkannten Künstlern“ traf er den Geschmack einer wachsenden Abonnentenschar.
Jubiläumseinband zur Gartenlaube, 1902
Foto: Bertram Kober
Nach dem Verkauf des Verlages 1883 an die Gebrüder Kröner in Stuttgart übernahm Adolf Kröner die Redaktion der Gartenlaube in Leipzig. Bewährte Themen blieben im Programm, wurden aber nach seiner national-konservativen Gesinnung neu ausgerichtet: Dienst fürs Vaterland, Wohltätigkeit, Hygiene, Wirtschafts- und Rechtsfragen, Erfolgsmeldungen aus Deutschlands Industrie u. ä. bestimmten den Tenor, der Unterhaltungsaspekt wurde betont und der Bildanteil wuchs. Unter August Scherl, der Die Gartenlaube 1904 in seinen Berliner Verlagskonzern integrierte, fand die Umwandlung vom Familienblatt zur modernen Illustrierten ihren Abschluss. Gefällige Unterhaltung, Beilagen wie Die Welt der Frau und Werbung bestimmten das Profil.
Der Verkauf des August Scherl Verlages 1916 an den Hugenberg-Konzern läutete das Ende der Zeitschrift ein: Bildberichte über die politische Lage, über Persönlichkeiten, Staatsfeierlichkeiten und Kriegsereignisse, Soldatentransporte und Lazarette nebst Bildern aus der Filmwelt, banalen Ratgeberbeiträgen, trivialen Fortsetzungsromanen und einem sich verselbständigenden Beilagen- und Werbeteil machten Die Gartenlaube zu einer Zeitschrift unter vielen, die ab 1933 von der nationalsozialistischen Propaganda instrumentalisiert wurde. Nach der Umbenennung 1938 erschien Die neue Gartenlaube noch bis 1944.

Eröffnung: 7. November 2013, 19:00, Museumsfoyer
Ausstellung: 8. November 2013 bis 11. Mai 2014

Deutschen Buch- und Schriftmuseum
Tresor der Deutschen Nationalbibliothek
Leipzig

So, 11.11.2012

Antiquaria-Preis 2013

Unser Mitglied, das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig erhält den mit 8.000 Euro dotierten Ludwigsburger Antiquaria-Preis 2013 für die neue Dauerausstellung "Zeichen – Bücher – Netze. Von der Keilschrift zum Binärcode".
 

 
Zur Begründung für die Auszeichnung heißt es: "Im Frühjahr 2012 wurde das 1884 gegründete Deutsche Buch- und Schriftmuseum im neuen Erweiterungsbau in Leip­zig in einer völlig neu konzipierten Form – unter der Leitung von Stephanie Jacobs und ihrem Team – eröffnet. Der klug durchdachte Parcours von den Keilschriften bis zu den digitalen Techniken spricht Laien ebenso wie Fachleute an und hat begeisterte Reaktionen und hohe Besucherzahlen ausgelöst. In gelungener Balance werden ästhetisch herausragende wie unscheinbare, aber besonders aussagekräftige Stücke präsentiert. Informative Beschriftungen, unterstützt durch audiovisuelle Stationen machen den Besuch zu einem Erlebnis."
Die Preisverleihung findet im Rahmen der 27. Antiquariatsmesse Ludwigsburg am 24. Januar 2013 in der Musikhalle Ludwigsburg statt.

Di, 11.01.2011

Japanisches Buchdesign der Gegenwart

Die Ausstellung zeigt in Kooperation mit dem Printing Museum Tokyo und dem Japanischen Kulturinstitut Köln (The Japan Foundation) herausragende Beispiele moderner japanischer Buchkunst. Rund 100 Bücher geben Einblick in Typografie, Illustration und Buchbindetechnik und präsentieren fernöstliche Besonderheiten in der Kunst des Buchdrucks.

Am 24. Januar 1861 unterzeichneten das damalige Preußen und Japan in Edo (heute Tokyo) einen Freundschafts- und Handelsvertrag, der sich 2011 zum 150. Mal jährt. Rund um dieses Jubiläum finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen an verschiedenen Orten in beiden Ländern statt. Leipzig ist seit jeher ein wichtiger Ort deutsch-japanischer Beziehungen. Der 1932 an der Universität Leipzig eingerichtete Lehrstuhl für Japanologie sowie die hiesige Buchmesse bilden wichtige Schnittstellen für den kulturellen Austausch zwischen Japan und Deutschland.

Eröffnung: 11. Februar 2011, 18 Uhr
Ausstellung: 13. Februar bis 27. März 2011
Jeden Sonntag, 12 Uhr, finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt (mit freundlicher Unterstützung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft).

è Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38

04229 Leipzig

Mi, 06.10.2010

Festschrift des Deutschen Buch- und Schriftmuseums

Aus Anlaß seines 125. Geburtstags hat das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig die Bücherfreunde mit einem wahren Kompendium des Buches beschenkt: Zeichen, Bücher, Wissensnetze. 125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek. Hrsg. von Stephanie Jacobs. Göttingen: Wallstein , 2009. 392 S., Gr.-8°. Pp. 19,90 Euro. ISBN 978-3-8353-0583-0.
Die Autoren singen darin ein Loblied auf das Buch und werfen einen Blick auf die Historie des Buches sowie die Zukunft des heute vielfach in Frage gestellten Mediums. Die Art der Betrachtungen zum Buch- und Bibliothekswesen ist höchst unterschiedlich, sie reicht vom Essay über die wissenschaftliche Untersuchung bis hin zu Grußadressen und in einem Fall sogar zum Gedicht. Diese Vielgestaltigkeit ergibt sich aus der beruflich breit gefächerten Herkunft der Autoren. Sie reicht vom Schriftsteller Günter Kunert über den Erzähler und Medienwissenschaftler Umberto Eco, den Comic-Zeichner Volker Reiche, den Kulturpolitiker Hans Joachim Otto MdB, Historiker Prof. Dr. Ulrich Raulff, Buchwissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Wittmann, Bibliothekar Lothar Poethe, Antiquar Wilhelm Hohmann und den Verleger Elmar Faber bis zu den Buchgestaltern Axel Bertram und Uta Schneider. Und damit ist nur eine kleine Auswahl der illustren Zahl der Autoren genannt, die erzählen, wie sie zum Buch fanden, das Buchmuseum erlebten oder was sie am Buch fasziniert. Die Vielgestaltigkeit des Herangehens an das Thema macht den Reiz des Buches aus. Allen gemeinsam sind die Überzeugung vom Wert des Buches und der Glaube an seine Zukunft in Zeiten digitaler Kommunikation und papierloser Bewahrung.
Die Gestaltung des fadengeheften und ordentlich gebundenen Buches wird dem Anspruch einer Festschrift eines Buchmuseums durchaus gerecht. Angenehme Pausen beim Studium des Buches findet der Leser durch umfangreiche Farbtafeln mit Darstellungen interessanter Exponate aus den Sammlungen des Museums, die zusätzlich zu den Abbildungen im Text zwischen den Artikeln eingebunden sind. Etwas problematisch ist die experimentelle Gestaltung des Satzspiegels: Die Beiträge sind im Flattersatz rechtsbündig gestaltet, die Seitenzahlen stehen oben, das Schriftbild ist weit nach unten auf der Seite gestellt und die Angaben zum Seiteninhalt befinden sich am Fuß. So hat man beim Aufschlagen des Buches immer der Eindruck, das Buch verkehrtherum zu halten.
(Abel Doering)

Vorabdruck aus è MARGINALIEN 200

Fr, 04.09.2009

125 Jahre DBSM

125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum

Die Deutsche Nationalbibliothek hat Anlass zum Feiern: Ihr Museum – das Deutsche Buch- und Schriftmuseum – feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag!
1884 als »Deutsches Buchgewerbe-Museum« gegründet zählt es zu den ältesten und nach Umfang und Qualität der Bestände weltweit bedeutendsten Sammlungen auf dem Gebiet der Buchkultur. Es ist Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft.

Begehen Sie gemeinsam mit Kollegen und Mitarbeitern, mit Freunden, Gönnern und Kulturinteressierten das Jubiläum und halten Sie Rückschau auf die spannende und wechselvolle Geschichte des Museums. Werfen Sie einen Blick in eine reizvolle Zukunft: Im Laufe des nächsten Jahres wird sich das Museum im 4. Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek mit neuem Lesesaal, erweiterten Magazinen, einer neu konzipierten Dauerausstellung und moderner Infrastruktur präsentieren.
Im Rahmen der Veranstaltung wird eine aus diesem Anlass erscheinende Festschrift (s.u.) vorgestellt und mit musikalischer Umrahmung und einem Imbiss gefeiert.

öffentliche Jubiläumsveranstaltung
125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum
24. September 2009 um 19 Uhr

è Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1
04103 Leipzig