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Pirckheimer-Blog

Fr, 03.05.2019

Bewegung ist da

Eine gemeinsame Ausstellung im Klingspor Museum und im Haus der Stadtgeschichte widmet sich unter dem Thema "Gestern im Heute mit Blick auf Offenbach" dem Jugendstil.

Die Zeit um 1900 ging mit einem Epochenwandel einher: der den Lebensrhythmus der Menschen in den Metropolen vehement beschleunigte Das führte zum Jugendstil als Reformbewegung. Die Absicht Kunst als Durchdringung des Lebens zu begreifen, manifestiert sich in Architektur, Design, Buch- und Schriftgestaltung. Die beiden städtischen Museen in Offenbach unterstreichen die aktuellen die Bedeutung des Themas „Jugendstil“ in der Stadt und werfen dabei ein Schlaglicht auf einen Ort, der sich im kunstgeschichtlichen Kanon bisher wenig mit dem Jugendstil in Zusammenhang bringen ließ. Das Klingspor Museum zeigt hochrangige Buch- und Schriftkunst des Jugendstils aus der eigenen Sammlung: Klangvolle Namen der Kunstgeschichte wie Koloman Moser, Gustav Klimt, Aubrey Beardsley, Heinrich Vogeler, Henry van de Velde und Oskar Kokoschka sind hier vertreten. Die Exponate verdeutlichen auch nationale Unterschiede eines internationalen Stils: schmeichelnde organische Formen des deutschen Jugendstils stehen geometrischen Ornamenten der Wiener Secession gegenüber und Aubrey Beardsleys Illustrationen, deren strenge schwarzweiß kontrastierende Flächen von der japanischen Holzschnittkunst beeinflusst sind, repräsentieren den englischen Jugendstil. Relativ unbekannt dürfte die Tatsache sein, dass Offenbach zu einem wichtigen Ort des Jugendstils wurde. Von hier ging die Initiative  zu einer Erneuerung der Druckschrift aus. Es war Karl Klingspor der diese maßgeblichen Impulse setzte: seine Schriften von Otto Eckmann und Peter Behrens wurden stilbildend. Neben den Schriftproben, die nicht nur die Schriften selbst zeigen, sondern mit ihren sorgfältig gestalteten Anwendungsbeispielen zu wichtigen typografischen Zeugnissen der Epoche werden, zeigt die Ausstellung  auch Originale der Schriftzeichnungen von Eckmann und Behrens.

Wie sich der Jugendstil im Alltag der Offenbacher Bevölkerung bemerkbar machte, thematisiert die Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte.Sowohl im häuslichen Bereich, als auch im öffentlichen Raum und in den Betrieben der Industriestadt, hielt der Jugendstil Einzug.  So veranschaulichen Haushaltsgegenstände, Werbeplakate, Anzeigen und Reklamemarken eindrucksvoll, den Siegeszug des Jugendstils.

Der Jugendstil mit seinem schwelgerischen Formenreichtum war eine relative kurzzeitige Erscheinung, die Idee jedoch, den Alltag durch gute Gestaltung zu verbessern, hat nichts an Aktualität verloren.

Eröffnung: Mittwoch, 12. Juni, 19 Uhr im Haus der Stadtgeschichte
Ausstellung: 13. Juni - 1. September 2019

Klingspor Museum
63065 Offenbach, Herrnstr. 80
Haus der Stadtgeschichte
ebenda, Herrnstr. 61

 

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