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»Sola Scriptura«

Realkatalog, Katalogeinträge Lutherschriften | © Ninon Suckow
Realkatalog, Katalogeinträge Lutherschriften | © Ninon Suckow
Realkatalog, Luthersammlung Bd. 1 | © Ninon Suckow
Realkatalog, Luthersammlung Bd. 1 | © Ninon Suckow
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Vortrag

Die Luther-Sammlung der Staatsbibliothek

Die Berlin-Brandenburger Pirckheimer trafen sich im Mai zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Räumen der Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden. Unter dem Motto »Sola scriptura – allein durch die Schrift« stellte Andreas Wittenberg, Referatsleiter in der Abteilung Historische Drucke die Luther-Sammlung der Staatsbibliothek vor. Erstmalig traf man sich im neuen Konferenzsaal 4, der in dem Bereich des Hauses liegt, der nach umfangreichen Baumaßnahmen nun schrittweise für die Mitarbeiter und nach und nach auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird.

Über die Sammlung von Lutherdrucken, die in der Berliner Bibliothek im Laufe von Jahrhunderten aufgebaut wurde, zu sprechen – so Andreas Wittenberg – bedeute immer, dass Freude und Leid sehr dicht beieinander liegen. Es sei eine Geschichte von glücklichen Erwerbungen und schmerzhaften Verlusten.

Begonnen hat diese Geschichte schon zu Zeiten des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Die Privatbibliotheken der brandenburgischen Kurfürsten waren 1661 der Gründungsbestand der »Churfürstlichen Bibliothek zu Cöln an der Spree« und enthielten bereits eine kleine Büchersammlung, die aus dem Nachlass von Martin Luther stammte. Diese Bücher waren nach Luthers Tod in den Besitz seines Sohnes Paul gekommen. Dessen Söhne verkauften die Bücher des Großvaters und den medizinischen Nachlass ihres Vaters – Paul Luther war unter anderem kurfürstlich-brandenburgischer Leibarzt – für 1.600 Taler an den Administrator des Erzbistums Magdeburg und späteren Kurfürsten von Brandenburg Joachim Friedrich. Im Laufe der Zeit kamen weitere Lutherdrucke in die Bibliothek, die ab 1701 »Königliche Bibliothek« hieß.

Bibliothek des Freiherrn Karl Hartwig Gregor von Meusebach

Entscheidende Bedeutung für den weiteren Aufbau der Sammlung wurde die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert mehrere große Privatbibliotheken erworben werden konnten. Die zweifellos wichtigste davon war die Bibliothek des Freiherrn Karl Hartwig Gregor von Meusebach. Dieser opferte für den Aufbau seiner Bibliothek sein gesamtes Vermögen, so dass nach seinem Tod die Witwe gezwungen war, diese zu verkaufen. Meusebachs Interesse galt vor allem der deutschen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Er sammelte zeitgenössische Quellen, historische Einblattdrucke, Flugschriften und natürlich auch Drucke zur Reformation. Nach schwierigen Verhandlungen konnten die 36.000 Bände für die Bibliothek übernommen werden.

Lutherdrucke werden eigenständige Sondersammlung

Als man 1841 damit begann, der Gesamtbestand der Bibliothek neu zu katalogisieren und neu aufzustellen war die Anzahl der zu Luthers Lebenszeit erschienenen Einzel- und Gesamtausgaben so stark angestiegen, dass man sich dazu entschloss, dem Rechnung zu tragen. Im Fach Theologie des »großen Realkatalogs« wurde die Signaturen-Gruppe »Luth.« eingerichtet und die Ausgaben dort chronologisch verzeichnet. Die bisher über den Gesamtbestand verteilten Lutherdrucke bildeten fortan eine eigenständige Sondersammlung.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch die Lutherdrucke ausgelagert und wir müssen davon ausgehen, dass diese einmalige Sammlung in den Wirren der letzten Kriegswochen vollständig vernichtet wurde. Einzig der Plakatdruck der 95 Thesen war nicht ausgelagert worden und entging so dem Schicksal der übrigen Drucke. Alle zeitgenössischen Lutherdrucke, die heute im Bestand der Staatsbibliothek vorhanden sind, sind Nachkriegserwerbungen. Im OPAC der Stabi sind wieder mehr als 900 verzeichnet. Daneben ist auch in der großen Portrait-Sammlung der Bibliothek reichhaltiges Material zu Luther und seinen Zeitgenossen zu finden.

Auch wenn die Spitzenstücke wegen der nochmaligen Präsentation der Ausstellung »Bibel, Thesen, Propaganda« aus Anlass des Kirchentages nicht gezeigt werden konnten, präsentierte Andreas Wittenberg eine erstaunliche Auswahl. Der Bogen spannte sich von den eigentlichen Reformationsschriften bis hin zu zu Luthers Auseinandersetzungen mit anderen religiösen Bewegungen und mit dem Bauernkrieg. Den Abschluss bildeten die Bibeldrucke, darunter das berühmte »Septembertestament« und das nicht weniger berühmte »Dezembertestament« mit den Holzschnitten aus der Cranach-Werkstatt.

Ninon Suckow

Diese Veranstaltung war
Donnerstag, 18. Mai 2017 - 19:00
Mit: 
Andreas Wittenberg
Staatsbibliothek, Haus Unter den Linden
Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde
10117 Berlin

Die Abteilung Historische Drucke bewahrt in ihren Sammlungen seltene und kostbare historische Druckschriften für künftige Generationen.
Mit rund 265 000 Bänden handelt es sich hierbei um die umfangreichsten Sammlungen dieser Art in einer deutschen Bibliothek. Darüber hinaus ist die Abteilung für die Erwerbung und Erschließung der zwischen 1501 und 1912 erschienenen historischen Druckschriften verantwortlich.
Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

Zuständige Regionalgruppe: 
Berlin-Brandenburg