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Willibald Pirckheimer

Willibald Pirckheimer wurde am 5. Dezember 1470 in Eichstätt geboren. Er war der letzte männliche Vertreter einer Patrizierfamilie, die seit fünf Generationen in Nürnberg zu Hause war. Zu den Traditionen der Pirckheimers gehörten nicht nur kaufmännische Erfolge, landesweites Ansehen als Juristen und Diplomaten, frühhumanistisches Bildungsstreben und bibliophile Leistungen.

Für die Reichhaltigkeit und Kostbarkeit der Pirckheimer-Bibliothek sprach die Bewunderung der Zeitgenossen. Sie galt unter Kennern als eine Zierde Deutschlands. Als 1484 die ersten 33 Bücher humanistischen Inhalts in die Nürnberger Stadtbibliothek gelangten, existierte bereits der Grundstock der von Pirckheimers Familie geschaffenen einmaligen Büchersammlung. Die europäische Ausbreitung des Buchdrucks hat den Aufbau der Pirckheimer-Bibliothek weiter beschleunigt. Willibald Pirckheimer erwarb aus dem Nachlaß von Regiomontanus einen bedeutenden naturwissenschaftlichen Beistand.

Ferner nutzte er seine weitreichenden Verbindungen, um sich von überallher, ohne Rücksicht auf die Kosten, die neuesten Drucke zu beschaffen. Wurden Ende des 15. Jahrhunderts für eine Vergil-Handschrift etwa 100 Gulden bezahlt, so wurden 25 Jahre später für den Druck noch 12 Gulden verlangt. 1504 konnte sich Pirckheimer rühmen, alle griechischen Werke zu besitzen, die in Italien gedruckt worden waren.

Seine Bibliothek stand allen offen, während andere ihre erworbenen Handschriften engstirnig verbargen, machte es ihm ein Vergnügen, geeignete Herausgeber für seine Schriften zu gewinnen. Ende des 15.Jahrhunderts gab es insgesamt erst 600 deutschgedruckte Werke. Noch 1518 überwogen die lateinsprachigen gegenüber den deutschen Ausgaben um das Neunfache.

Auszug aus: Dr. Wolfgang Schiel: »Willibald Pirckheimer – Humanist, Militärhistoriker und Memoirenautor«, Militärverlag der DDR 1988