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Ulrich Goerdten

Pirckheimer-Blog

Ulrich Goerdten

Fr, 16.09.2016

Arno Schmidt »Eine Bildbiographie«

Es ist ein seltene Ereignis, dass ein Buch schon weit vor seinem Erscheinungstermin fertig ist: die Bildbiographie Arno Schmidt habe ich schon ausgiebig in Hermann Wiedenroths Antiquariat beschnuppern können. Jetzt gibt es dazu auch dieses sehenswertes Filmchen.
(Ulrich Goerdten)

Mi, 08.06.2016

Der Sammler auf Reisen: Venedig

Beim Anblick dieser Bücher, die an einem venezianischen Kanal auf den sonnenwarmen Steinen lagen, fragten wir uns, ob sie zum Verkauf, zum Tausch oder einfach zum Wegnehmen dort ausgebreitet waren. Es waren keine Preise angegeben und niemand war zugegen, der Auskunft hätte geben können. Es waren Bücher zur italienischen Architekturgeschichte, Schulbücher, Unterhaltungs- und Gebrauchsliteratur, auch Comics waren darunter. Im ratlosen Weiterschlendern beschlossen wir schließlich zu vermuten, dass jemand seine feucht gewordenen Bücher dort in der Sonne zum Trocknen ausgelegt haben müsse, denn die Bücher sahen aus, als hätten sie einen Regenschauer abbekommen oder als wären sie aus einem feuchten Keller ans Licht gezogen worden.
(Ulrich Goerdten)

So, 05.06.2016

dada ist 100

Die Eremitage Gransee des Pirckheimers Marc Berger fasste heute kaum das Publikum, welches zur Eröffnung der Ausstellung dada ist 100 | Typografie, Letterpress & Grafik, gekommen war, die erste einer Ausstellungsreihe, die in weiteren Städten Deutschlands und Westeuropa gezeigt werden wird. Anwesend waren viele der 61 Aussteller, wie corn.elius brändle (edition wasser im Turm), Fred Lautsch (Edition Mückenschwein) und Birgit Reichert (Sonnenberg-Presse), sowie Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft wie Roland Berger und Ulrich Goerdten. Herrliches Wetter, eine mit viel Applaus aufgenommene Rezitation an der Tuba von Georg Schwark und einführenden Worte von Marc Berger, Gedankenaustausch bei Kuchen und Wein, kurzum ein gelungener Start der Wanderausstellung, die vorerst bis 31. Juli in Gransee zu sehen sein wird, später in Stralsund, Halle, Frauenfeld in der Schweiz, Reimlingen, Horn und Hamburg ...
Eine kleine Fotostrecke kann durch Klick auf die Abb. aufgerufen werden, weitere Fotos finden sich auf Facebook.
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Mi, 25.05.2016

kleiner Bargfelder Frühling 2016

An diesem Wochenende findet wieder ein kleiner Bargfelder Frühling statt, eine Ehrung für Arno Schmidt und Gelegenheit, sich intensiv mit seinem Werk und neuesten Forschungsergebnissen über diese außergewöhnlichen Autor zu beschäftigen.
Arno Schmidt-Ausstellung der FU Berlin 2014
Nach der Eröffnung einer Kabinettausstellung mit Materialien und Dokumenten des Bargfelder Boten, Lieferung 1 - 400 die "ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte Arno Schmidts und zugleich eine kleine Hommage an den langjährigen Herausgeber des Boten, Jörg Drews (1938–2009)" ist, wird am Freitag Abend der Pirckheimer Hermann Wiedenroth seine Lesereihe über Tiermotive in der Weltliteratur, die mit Huhn, Kranich und Rind begann, mit dem Wolf fortsetzen.
Am Sonnabend wird Dominik Riedo, von 2007 bis 2009 Kulturminister der Schweiz, von und über Wolf von Niebelschütz lesen, einen Dichter, der auch von Arno Schmidt geschätzt wurde. Ein Klavierkonzert (Jan-Christoph Homann) und ein Lesekonzert mit Britta Rex (Gesang), Bernd Rauschenbach, Vorstand der Arno Schmidt Stiftung (Stimme) und Erwin Kühn (Jazz-Gitarre), letzteres behandelt den Der Unfug, der sich ›Liebe‹ nennt, wird am Sonnabend auf dem Programm stehen.
Am letzten Tag wird Friedhelm Rathjen aus seiner Brachialübersetzung des ›Huckleberry Finn‹ aus mehr als vierzig übrigen deutschen Fassungen lesen und zeigen, daß dieser Roman kein niedliches Jugendbuch ist, sondern eine bitterböse schwarze Satire, was Arno Schmidt reizte, sich daraus mancherlei auszuborgen. Der Abschluss ist der Fährfrau und Genie-Assistentin Alice Schmidt gewidmet - Susanne Fischer liest aus ihren Briefen und Tagebüchern.

27. - 29. Mai 2016

Programm als pdf
Im Pirckheimer-Blog folgt in Kürze ein ausführlicher Bericht von Ulrich Goerdten

Mi, 30.03.2016

Das Buch als Symbol

Ulrich Goerdten, Foto: Ralf Parkner
Am Dienstag kam der Berliner Bibliophilen Abend im Haus am Lützowplatz zu seinem monatlichen Treffen zusammen.
Nach vorangegangener Mitgliederversammlung, in der Dr. Jens Ziegler als Vorsitzender bestätigt wurde, hielt Ulrich Goerdten einen Vortrag über "Das Buch als Symbol". Er stellte verschiedene Symboltheorien von Ernst Cassirer bis Sigmund Freud vor, mit Zitaten von Goethe bis Benjamin, wobei besonders die psychoanalytische Symboltheorie berührt wurde.
Auch über Sammler mit ihren Sammlungen wurde gesprochen, mit dem Buch als Gegenstand kleptomanischer Gelüste und Fetisch, ein Thema, auf welches Ulrich Goerdten auch schon im Pirckheimer-Blog eingegangen ist, siehe hier.
Trotz ausgefallenem Beamer war der Vortrag auch so anschaulich geraten. Unter den Gästen des Abends war auch Ralf Parkner, der in seinem Profil auf Facebook einige Fotos einstellte.
(nach einer fb-Information von Ralf Parkner)

So, 07.02.2016

Johannes Trojan - Ein Buchautomat

Das Konzept des Automatenbuchs stammt nicht von Reclam, wie im vorigen Post angeführt - Ulrich Goerdten fand in der Nationalzeitung von 1891 einen Hinweis von Johannes Trojan über einem Buchautomaten, mit welchem bereits die „Zehnpfennig-Bibliothek“ vertrieben wurde:
"Ein Kind hatte, wie mir erzählt wurde, auf einer Schulpartie in Hakenfelde bei Spandau aus einem Automaten gegen den üblichen Einwurf von zehn Pfennigen ein Büchlein gezogen, das Liebesgeschichten enthalten sollte. Die Sache interessirte mich. Ich hatte noch nie gehört, daß der Automat überhaupt Literatur ausscheidet; außerdem erschien es mir wünschenswerth, zu erfahren, welcher Art von Literatur der Inhalt jenes Büchleins wohl angehöre. Daher versuchte ich, es mir zu verschaffen und das gelang mir. Das kleine Buch ist Nr. 5 der „Zehnpfennig-Bibliothek“, welche im automatischen Alleinvertrieb der Aktiengesellschaft für automatischen Verkauf sich befindet. Es führt den Titel „Aus Bädern und Sommerfrischen“ und enthält fünf Humoresken, welche von E. Wengraf, Kapff-Essenther, L. Ungar, O. Justinus und Bertha Katscher verfaßt sind. Ich will sogleich sagen, daß alle diese fünf Sachen, wie auch jeder schon aus den Namen der drei Verfasser und zwei Verfasserinnen folgern wird, durchaus harmloser Natur sind. Es ist nichts dabei, was an das grünste Deutschland, ja nicht einmal etwas, das an Ibsen erinnert, der doch gegenüber den am weitesten auf dem Gebiet des Realismus Vorgeschrittenen bereits als „unbedarwter“ Waisenknabe erscheint. Es ist leichter, anspruchsloser Humor und zum Theil ganz nett sogar. Besonders die Geschichte von O. Justinus, welche sich „Die zerstreute Familie“ betitelt, ist drolliger Art und lustig zu lesen. Allerdings handeln einige dieser Geschichten von Liebe, ich kann aber durchaus nichts Gefährliches darin sehen, daß Kinder, auch wenn sie noch den unteren Schulklassen angehören, dergleichen lesen. Wie früh werden unsere Kinder auf dem Gymnasium schon mit den rührenden Liebschaften des Pyramus und der Thisbe, der Hero und des Leander bekannt gemacht! Ja, früher schon werden sie in die „Verhältnisse“ des Vater Zeus eingeweiht, die denn doch mehr oder weniger bedenklicher Natur sind. Vom moralischen Gesichtspunkte aus also habe ich gegen diesen Literaturvertrieb durch den Automaten, wenn alle anderen Nummern des Verlages ebenso harmlos sind, wie diese Nr. 5, nicht das Geringste einzuwenden. Ja, es erscheint mir in hohem Grade anerkennenswerth, daß für 10 Pfennige eine solche Menge leichten, unschädlichen Humors geliefert wird. Das Eine, was ich nicht begreife, ist unsere heutige Jugend. Wäre es uns in meiner Jugendzeit eingefallen, uns für zehn Pfennige, wenn wir sie gehabt hätten, von Automaten, wenn solche damals vorhanden gewesen wären, humoristische Literatur liefern zu lassen? Nein, gewiß nicht! Wir hätten uns immer nur an diejenigen Automaten gehalten, welche Chokolade oder Bonbons hergaben und nur diese für reell erachtet. Lieber Himmel, was für Genüsse konnte man sich damals schon verschaffen für einen Silbergroschen, wenn man ihn hatte! Man hatte die Wahl zwischen Zuckerkant, Gestenzucker, Reglise, Süßholz, Zündhütchen und Knallgummi. Alle diese Dinge schätzten wir damals höher als geistige Genüsse. Waren wir darum schlechter oder besser als die heutige Jugend ist? Ich fürchte, wir waren sehr viel schlechter. Wir hatten keinen Sinn für Humor und für die Literatur überhaupt. Darum ist auch aus uns nichts Rechtes geworden."
(Johannes Trojan, National-Zeitung, 7. Juni 1891, Morgenausgabe, 1. Beiblatt, S. 2)

2 Kommentare:
 Peter Verheyen hat gesagt …
Tolles Thema, und gibt noch mehr dazu.
Beide (vielleicht) leider auf Englisch...
Eher historische
Künstlerbücher und Kits

07. Februar 2016

 Abel Doering hat gesagt...
In diesem Zusammenhang ist auch diese Idee interessant, ein Automat, der Kurzgeschichten nach Bedarf druckt: sueddeutsche.de/...lesomat
08 Februar, 2016

Mo, 28.12.2015

Offene Wege 2016









... viele gute Wünsche für das Jahr 2016, Gesundheit, Zufriedenheit und Freude an der Arbeit und am Sammeln. ...

(Ulrich Goerdten)

Do, 24.09.2015

Resümee: Pirckheimer-Jahrestreffen und Mitgliederversammlung 2015

Ralph Aepler, Foto: privat
Der 45-jährige Unternehmer Dr. Ralph Aepler aus Mannheim wurde am 18. September durch die Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft gewählt. Er löste damit den Germanisten Ulrich Goerdten ab, der, wie auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Ferdinand Puhe, Prof. Dr. Roland R. Berger und Abel Doering, nicht mehr zur Wahl angetreten waren. Neu in den Vorstand wurden für die Mitgliederbetreuung Jutta Osterhof (Berlin), für die Koordinierung der Regionalgruppen Matthias Haberzettl (Augsburg) und für die Öffentlichkeitsarbeit Ralf Wege (Magdeburg) gewählt, wiedergewählt wurde der bisherige Schriftführer Ernst Reif (Reichertshofen) als Schatzmeister.
Begrüßt wurden die Teilnehmer des Jahrestreffens durch den Landrat des Landkreises Meißen im historischen Ratssaal des Meißener Rathauses, in dem auch die Mitgliederversammlung stattfand. Das zentrale Thema des Jahrestreffen war der Besuch der Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha.
Tagungsmappe
Für die Unterstützung dieses Anliegens bedankte sich der Organisator des Jahrestreffen Prof. Dr. Peter Arlt beim Landrat Arndt Steinbach u.a. mit folgenden Worten: "... herzlichen Dank! Dieses Entgegenkommen von Ihnen ist sicher nicht allein ein Ausdruck, sich der dringlichen Bitte Peter Sodanns zu entledigen, wie Sie scherzhaft gesagt haben, sondern ein Ausdruck Ihrer großen Achtung für Peter Sodann, für den Theatermann, Buchfreund und Verteidiger kultureller Leistungen der DDR ... und für Ihre Bewunderung seiner Bibliothek in Staucha. Uns ist es ein Ausdruck dafür, dass der Landrat damit rechnet, dass wir als Pirckheimer-Gesellschaft den Aufbau und die Arbeit der Bibliothek unterstützen.
Alle unsere Mitglieder mit unterschiedlicher politischer Einstellung könnten in der allmählichen Vollständigkeit des Bibliothekbestandes, die Möglichkeiten und Beschränkungen der DDR erkennen und sich so der historischen Wahrheit annähern."
Foto © Ralf Parkner
Der Pirckheimer Peter Sodann führte die Teilnehmer durch die Bibliothek. Auf großes Interesse stießen ebenso die Ausstellung mit Werken der Dresdener Malerin und Illustratorin Angela Hampel und das Theaterstück „Speer“ von Esther Vilar, aufgeführt durch Peter Sodann und Schauspielkollegen. Den Festvortrag hielt Elmar Faber, Publizist und ehemaliger Cheflektor und Verlagsleiter bei Edition Leipzig, Direktor des Aufbau-Verlags und Verleger von Faber & Faber. Das traditionelle Festessen mit einer Auktion von Graphiken aus Sammlungen der Mitglieder beendete den offiziellen Teil des Treffens in der Winzergenossenschaft Meißen.
Die Teilnehmer einigten sich darauf, dass das Jahrestreffen 2016 Anfang September in München stattfinden wird.
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Mo, 23.03.2015

Das sprechende Bilderbuch

Vor mehr als 130 Jahren schon ist ein Buchobjekt hergestellt worden, das mit einem modernen Ausdruck als Hybridbuch bezeichnet werden könnte. Das „sprechende Bilderbuch“ ist ein als Buch verkleideter Holzkasten im Quartformat, der auf der Oberseite 10 Blätter mit Bildern und Texten enthält, in seinem Inneren jedoch Blasebälge und unter Luftzug tönende Metallzungen, die tierische und menschliche Stimmen nachahmen. Mit Hilfe von seitlich angebrachten Knöpfen, auf die mit Pfeilen von den Buchseiten aus hingewiesen wird, kann der Benutzer über Fäden die innen montierten Blasebälgchen in Aktion setzen und so die zum jeweiligen Bilde passenden Tier- oder Menschenlaute erzeugen. Der Buchhändler Theodor Brand in Sonneberg hat 1879 ein Patent auf dieses Buch beantragt und erhalten und hat es in etwa 20 Auflagen bis zum Ersten Weltkrieg hergestellt und vertrieben. Einige Exemplare sind in Bibliotheken und Sammlungen erhalten geblieben, eines wird zu einem guten Preis derzeit über ein Internetportal angeboten (Antiquariat Kiefer, Pforzheim). Ein Exemplar der 19. Auflage, das die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin besitzt (Signatur 53 BB 500584 R), diente als Vorlage für die hier wiedergegebenen Fotos. Das Buch muss sehr beliebt gewesen sein, denn es hat auch englische, französische und spanische Ausgaben gegeben. Der Künstler, der die Bilder geschaffen hat, wird nicht genannt, die Texte, meist Gedichte, stammen von Frida und Pauline Schanz, Paul Arndt, Elise Winckelmann und Johannes Trojan. Letzterer hat, ohne sich als Beteiligten zu nennen, in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1880 einen lobenden Aufsatz über dieses Buchobjekt in der „National-Zeitung“ veröffentlicht, der dem Objekt vermutlich zu einem „schlanken Absatz“ (wie man damals in Berlin bei hohen Verkauszahlen sagte,) verholfen hat. Trojan schreibt: " . . bei näherem Zusehen aber entdeckt man, daß den größeren Theil dieses Buches der Kasten bildet, in welchem die „Stimmen“ sich befinden. Diesem Kasten sind die acht auf starkes Papier gezogenen bunten Bilder des Buches angefügt. Aus der seitlichen Fläche des anscheinenden Goldschnitts ragen neun kleine Knöpfe heraus, die mit ebenso vielen Schnürchen in Verbindung stehen. Durch Anziehen dieser Letzteren mittelst der Knöpfchen werden die Stimmen hervorgerufen, von denen je eine zu je einem Bilde gehört: ausgenommen das letzte Bild, zu dem zwei Stimmen gehören. Die acht Bilder stellen den Hahn, den Esel, das Lamm, das Vogelnest, die Kuh, den Kuckuck, den Ziegenbock und endlich ein „Kinderpärchen am Ufer“ dar, im Augenblick, da es der in einer Gondel über den See herannahenden Eltern ansichtig wird. Diese beiden Kinder auf dem letzten Bilde gebieten über zwei Schnürchen, indem sie abwechselnd oder auch zugleich „Papa“ und „Mama“ rufen. Ich will es wohl glauben, was mir in Sonneberg versichert wurde, daß die Herstellung der Stimmen sehr viel Mühe und Sorge gekostet hat. Diese Mühe ist aber nicht unbelohnt geblieben, denn ohne Ausnahme sind die Stimmen wohlgelungen. Als besonders trefflich der Natur abgelauscht erschien mir die des Kuckucks, der Kuh und der kleinen Nestvögel. Aber auch „Papa“ und „Mama“ klingen nicht übel . . .
Noch heute werden „sprechende Bilderbücher“ produziert und verkauft. Sie sind mit modernster Soundtechnik ausgestattet und liefern weitaus mehr als das schlichte „Muh“ und „Mäh“ des alten Urproduktes aus Sonneberg.
(Ulrich Goerdten)

Fr, 20.03.2015

Marginalien 217

Heute wird das erste Heft des Jahres 2015 der von der Pirckheimer-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie ausgeliefert.
Die Gestaltung und den Satz übernahm mit diesem Heft Matthias Gubig und das zeigt sich nicht nur in einem moderneren, jungen Titel, sondern auch bei der Satzgestaltung, wobei neben einer neuen Darstellung der Überschriften insbesondere die graphisch ansprechende Anordnung der Angaben zu den Abbildungen hervorzuheben ist. Aber überzeugen Sie sich selbst! Auch die Zusammensetzung des Redaktionskollegium hat sich leicht geändert. Ihm gehören jetzt neben Carsten Wurm als Chefredakteur an: Ulrich Goerdten, Herbert Kästner, Wolfram Körner, Wolfgang Schmitz und Hans-Georg Sehrt.
Neben bewegenden Worten des Abschieds von Heinz Hellmis durch Gotthard Erler, Richard Pietraß und Hans-Jürgen Willuhn und einem Text von Wolfgang Schmitz In memoriam Friedhilde Krause berichtet Jürgen Engler über 30 Jahre Die Andere Bibliothek und Hans-Rudolf Landbecker findet Worte der Würdigung zum 70. Geburtstag von Giesela Klostermann. Weitere Themen sind Paul Burghardt und der Schieferstich (Sebastian Hennig), Der Buchbinder Theophil Zwang und Die Gurke (Ute Maria Etzold) und Dieter Gleisberg schreibt Zu meinen Briefen von Karl-Georg Hirsch. Selbstverständlich fehlen die bekannten Rubriken Rezensionen und Nachrichten nicht.
Die von Matthias Gubig gestaltete typografische Beilage widmet sich unter dem Titel Schall und Rauch dem Lob der Buchstaben mit Gedichten von Arthur Rimbaud (dtsch. Stefan George), Josef Weinheber und Karl Kraus.
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Sa, 21.02.2015

VDA-Handbuch

Seit 3 Wochen ist die Ausgabe 2015/16 des Handbuchs des Verbandes Deutscher Antiquare erhältlich.
Schwerpunkttheman dieses alle zwei Jahre erscheinenden Handbuchs waren in den vergangenen Ausgaben z.B. "Bibliotheken" und "Sammler und ihre Sammlungen". In der neuen Ausgabe werden diesmal neben einem aktuellen Verzeichnis mit den Namen und Adressen der Mitglieds-Antiquare in Deutschland, Österreich und der Schweiz die "bibliophilen Gesellschaften in Deutschland" vorgestellt. Reinhard Wittmann schreibt über die 1899 gegründete Gesellschaft der Bibliophilen, bereichert durch Auszüge aus einem „bibliophilen Drama“ aus dem Jahr 1913, Wulf D. v. Lucius stellt mit der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst die heute größte Vereinigung ihrer Art im deutschsprachigen Raum vor, Ulrich Goerdten und Abel Doering informieren über die 1956 in der DDR gegründete Pirckheimer-Gesellschaft, Bernt Ture von zur Mühlen beschäftigt sich in seinem Beitrag mit Regionalen Bibliophilen-Gesellschaften in Deutschland und Bettina Wagner stellt die Association Internationale de Bibliophilie (AIB) und ihrer Aktivitäten vor.
Die Gestaltung des Tafelteils und des Umschlags haben die Buchkünstler der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle, unter der Leitung von Frau Professor Sabine Golde übernommen.
Das Handbuch ist auch in seiner neuen Ausgabe 2015/2016 kostenlos auf den Antiquariatsmessen, über die Mitglieder des Verbands Deutscher Antiquare und über die Geschäftsstelle des VDA erhältlich.

Mi, 14.01.2015

Herzlichen Glückwunsch zum 80sten

Aus Anlaß seines Jubiläums sei an dieser Stelle dem Vorsitzende der Pirckheimer-Gesellschaft Ulrich Goerdten für sein Wirken um das Buch gedankt, sicher auch im Namen aller Pirckheimer, BBA-Mitglieder, Freunden des Werkes von Arno Schmidt und anderer Bibliophilen.
Schon immer stand das Buch im Mittelpunkt seiner Tätigkeit, anfangs u.a. in der Universitätsbibliothek der FU Berlin als Fachreferent für Germanistik. Noch nach dem Eintritt in das Rentenalter betreute er die dortige, von ihm mitbegründete und Ende 2012 leider eingestellte Germanistische Linksammlung. Daneben war Ulrich Goerdten schon immer publizistisch tätig, in letzter Zeit auch hier im Bibliophilen-Blog und in den aktuellen MARGINALIEN (Heft 216) kann man »Die Träume des Bibliothekars« von ihm lesen. Zuletzt beschäftigt sich Ulrich Goerdten vorrangig mit der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts, insbesondere mit unterschätzten und vergessenen Autoren, es konnten die Berliner Bibliophilen wie auch Freunde von Arno Schmidt aber auch seiner intensive Auseinandersetzung mit dem Werk dieses Literaten kennenlernen. In Bargfeld bei Celle, wo Arno Schmidt lebte, ist folgerichtig der Verlag »Luttertaler Händedruck« ansässig, in dem Ulrich Goerdten »sich solcher Kulturdokumente annimmt, die derzeit niemand für wichtig hält«, so z.B. zu Julius Stinde und dem Gründungsmitglied des BBA Gotthilf Weisstein oder eine verdienstvolle Sammlung mit verstreuten und weitgehend unbekannten Texten von Johannes Trojan »Berliner Bilder«.
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Mo, 15.12.2014

Die Zukunft des Lesens

Unter dem Betreff „AS-Groß-Biographie“ hat Fred Vigneres, ein Teilnehmer der Arno-Schmidt-Mailing-Liste (ASML) am 11.12. einen bedenkenswerten Vorschlag gemacht, der in seinem innovativen Drive vorbildhaft für vieles und viele erscheint. Ich referiere hier, mit Fred Vigneres freundlicher Erlaubnis, die wichtigsten Passagen. (Ulrich Goerdten) Der Beitrag beginnt mit einem Arno-Schmidt-Zitat: Die meisten Klassiker der Weltliteratur werden erst verständlich und genießbar, wenn man sowohl ihre Bio als auch die Lektüre dahinterblendet.
Das wendet Fred Vigneres auf Arno Schmidt selbst an. Er beklagt zunächst das Fehlen einer umfassenden Arno-Schmidt-Biographie und bekundet dann sein Mitgefühl für den armen Biographen. Wenn ich aber das ganze Material sehe, das hier (d.h. in der ASML U.G.) zusammengetragen wird, da ist mir vor Mitleid mit dem armen Bio-Autor, der das alles verarbeiten muss, ganz schwummerig.
Dann erörtert er die methodischen Aspekte, die zu berücksichtigen sind: Früher war das meist 'Leben und Werk' (akademisch) oder 'Autor und seine Zeit' als Romanbiographie wie etwa Friedenthals Goethe. Dann wurde es dekonstruierter, so wie 'Autor in seinem Werk', oder auch hinter, aus, über. Und dann kam Wikipedia. Aber für Arno Schmidt ginge das nicht.
Dann kommt Vignere zum Wesentlichen: Wie sollte denn die AS-Groß-Biographie daherkommen? Natürlich dreispaltig, im Tri-Format. Also neben dem aufgeschlagenen Buch ein an der Rückseite angeschweißter aufklappbarer E-Reader (Na ja, zwei Seiten sind ja keine Spalten! Oder doch?) Für Vorzugsausgaben auch ein edler Doppel-Schuber. Papierene Lesefreude und digitale Geek-Lust endlich friedlich vereint. (Lust= amerikanisch auszusprechen!)
Und was gäbe es dann im E-book in digitaler Form gebündelt? Natürlich alles: Fotos, Bargfelder Ausgabe, Stiftungs-Facebook, gasl (
=Gesellschaft der Arno Schmidt-Leser), ASML, immer WiFi geupdated, Rezitations-Cds, le coeur dans la tête (=die Arte-Produktion 'Mein Herz gehört dem Kopf'
) etc. 'Lesen (hören sehen) überhaupt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.'
Aber wer sollte denn das alles machen? Für die Papierform ist die Frage schon gelöst, aber wer soll digitalisieren? Da muss eine Start-up her, die AS-Tri-Bio-Start-up.
Finanzierung? Crowdfunding geht wohl nicht, wenn ich die Ressourcen der Stiftung und der Listenteilnehmer nicht unterschätze? Wie also das Risiko-Kapital anlocken? Durch die technologische Innovation der nanomagnetischen Druckerschwärze, mit der die Performance des Scan(Blei)stifts für den Buchtext bei erhöhter Blauzahneffizienz zum E-reader optimiert wird. Als Businessmodell die Lizenzvergabe des 'AS-Try-Bio-Systems'.
Bei der Entwicklung des AS-E-Readers wird die PRChina-AS-Bio-Try-Joint-Venture beteiligt, die auch Kapital der vor allem nach Frankreich geflüchteten chinesischen Milliardäre anzieht. (Die zahlen dann in China wieder Steuern und müssen nicht mehr so sehr den Rücktransport über den chinesischen Flughafen Toulouse-Blagnac fürchten.)
Die neue AS-Bio-Try-System-Group nimmt ihren Sitz in der Opel-Industriebrache Bochum, die sie mit Finanzierung durch fixe Immobilien-Investment-Fonds ganz schnell aufkauft und viel besser designt als die Fiat-Mall in Turin.
HG singt rauh seinen Bochumer Zettel-Rock 'Zettel, ich komm aus dir, AS, ich träum mit dir.'
In diesem Stadium sind alle Ideen realisierbar. Zu Weihnachten etwa das grosse AS-Zettel-Game für Touchscreenfans. Niveau 1: Aus drei Zetteln einen Satz bilden. Niveau 10: Kongruenz mit der AS-Buchausgabe erreichen.
Auch eine Forschungsabteilung (für Bankgeschäfte seriöser) kann sich die AS-Bio-Try-System-Group leisten. Reservierte Kaffe-Bier-Ecke sowie Fahrservice für Listenteilnehmer, die Liste ist inzwischen arg verjüngt, also auch Kiff-Kabäuschen.
Forschungsziel: die Erstellung aller verlorenen Zettelkästen durch elektronischen Schriftabgleich.
Jährliches Kolloquium zum Problem der Einsortierung bzw. Verwerfung eines Zettels als kreativer Neuronalstream. (Unter Berücksichtigung des semiotischen 10- (bzw 27-) Zeichenklassenteilverbands).

So, 28.09.2014

Gedanken zum Sinn bibliophilen Wirkens

Aus den Eröffnungsworten des Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft zum Jahrestreffen 2014

Die Pirckheimer-Gesellschaft ist in der DDR gegründet worden zu einer Zeit, die geprägt war von Hoffnungen auf demokratische Erneuerungen und freiheitliche Entwicklungen, von der Hoffnung, dass Kriege Geschichte sein werden und dass das Leben der Menschen von Gemeinschaft und Kultur bestimmt sein wird. Unter dem Dach des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ fanden sich Sammler und Kenner der Kunst und Literatur um Bruno Kaiser, Horst Kunze und andere zusammen, die Bibliophilie noch aus der Vor-Nazizeit kannten. An dieses vergangene, sehr lebendige und auch öffentlich wirksame Geschehen wollten sie anknüpfen, von jenem alten Schwung, der vom Ende des 19. Jahrhunderts, als die Bibliophilen sich erstmals organisierten, bis in die neunzehnhundertzwanziger Jahre die Bewegung beherrschte, wollten sie etwas herübernehmen in ihre Aktivitäten. Die frühen Pirckheimer hatten hohe Ziele: sie wollten die Qualität der Buchproduktion beeinflussen, sie wollten Maßstäbe setzen und Einfluss ausüben, sie rekrutierten Mitglieder in hohen Staatsfunktionen und ernannten sie zu Ehrenmitgliedern, sie waren mit den Institutionen des Staates gut verbunden, sie wollten die gesamte Gesellschaft mit prägen und voranbringen. Und sie taten das erfolgreich. Die Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft machten das Thema Bibliophilie zu einem öffentlichen, sie vergruben sich nicht in ihre vier Wände, hinter ihren Schätzen, sondern gestalteten Ausstellungen, waren beteiligt an der Wahl der Schönsten Bücher, nahmen Einfluss auf Verlagsproduktionen, wirkten in Druckereien, in Bibliotheken und kritisierten Fehlentwicklungen in der staatlichen Kulturpolitik genauso wie das schlecht gemachte und auf schlechtem Papier gedruckte Buch, das auch in der DDR leider noch zu häufig zu finden war. Dass die Bücher aus der DDR international dennoch einen ausgezeichneten Ruf genossen, die sich zunehmend durch qualitativ hochstehende Buchgestaltung, gute handwerkliche Arbeit und hervorragende Illustrationen auszeichneten und häufig zu den schönsten der Welt gekürt wurden, ist somit auch ein Verdienst der Pirckheimer-Gesellschaft.
... welchen Sinn und Zweck hat unser Tun unter den heutigen Umständen?  ...
 

So, 07.09.2014

Ein unbekannter Brief Felix Mendelssohn Bartholdys

Im Jahre 2013 erschien der achte und vorerst letzte Band der „Sämtlichen Briefe“ Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847), der die Briefe von 1841 bis Ende August 1842 enthält. Im Band 6 sind Briefe von 1836 bis 1838 abgedruckt. Diesen Band habe ich mir im Rara-Lesessal der Staatsbibliothek Unter den Linden angesehen, um zu prüfen, ob ein Brief, den Mendelssohn am 3. Dezember 1838 an den Schriftsteller Theodor Winkler gerichtet hat, dort enthalten ist. Diesen Brief hatte ich nebenher bei bibliographischen Recherchen in der „Täglichen Rundschau“ von 1882 gefunden. Mein Sammlerherz schlug höher, als ich bemerken musste, dass der Brief unwahrgenommen im Orkus des Vergessens verschwunden war. Dort soll er nicht bleiben. Er, oder vielmehr der ganze Rundschau-Artikel, in dem er enthalten ist, wird der Mit- und Nachwelt wiedergegeben, zunächst in dieser Form des Blog-Beitrages, aber nicht ohne die begründete Hoffnung, dass er dereinst in einen Schluss- oder Nachtragsband der Mendelssohn-Briefausgabe aufgenommen wird.
Wiederum lasse ich bei dieser Gelegenheit das Wehgeschrei über die schlimmen Zustände in der bibliographischen Welt erschallen und weise darauf hin, dass die Inhaltserschließung der Zeitungen des 19. Jahrhunderts eine dringendst zu erledigende Aufgabe ist, zu der sich Wissenschaftler, bibliographische Fachleute, öffentliche Hände aller Art und eigentlich die gesamte Kulturwelt zusammentun müssten. Der unbekannte Mendelssohn-Brief ist nur ein Beispiel unter Dutzenden, mit denen belegt werden kann, wie nachlässig mit den kulturellen Erbschaften umgegangen wird. Um 1900 schon haben Heinrich Hubert Houben, Max Herrmann und andere das Projekt der Zeitungserschließung angemahnt und Vorschläge zu seiner Realisierung gemacht. Houbens Musterbibliographie der Feuilletonbeiträge der Vossischen Zeitung ist auf diesem Gebiet bis heute eine einmalige bibliographische Pionierleistung geblieben. Um 1980 ist unter Befürwortung des unvergessenen Paul Raabe ein erneuter Versuch unternommen worden, Bewegung in die Sache zu bringen. Leider aber hat auch dieser Vorstoß zu nichts geführt.
Genug gewehklagt! Es folgt hier der Text des Zeitungsartikels aus der „Täglichen Rundschau“ von 1882, S. 1065.
(Ulrich Goerdten)