Pirckheimer-Blog

Di, 23.04.2024

Bücher und Whisky ... passt das?

Whisky und Buch, passt das zusammen? Eindeutig ja. Dies konnte ich vor einiger Zeit bei den Berliner Pirckheimern bei einem Vortrag zum Thema unter Beweis stellen (der Blog berichtete). Im Sommer 2020 (ausnahmsweise etwas Positives zu Corona-Zeiten) haben sich zwei Verrückte über die sozialen Medien angefreundet: Meine Wenigkeit (Robert Grieger, Pirckheimer, Mitglied des Vorstands der Pirckheimer-Gesellschaft und Herausgeber der Berliner Whisky Depesche) sowie Matthias Hartinger (mittlerweile durch mich auch Pirckheimer-Freund und Chef von Whisky & Talk). Uns vereinte die Leidenschaft für das „Wasser des Lebens“, das Buch und das Sammeln von Büchern zum Thema. Aber wir wollten auch mehr und Gleichgesinnten eine Plattform geben. Somit gründeten wir am Welttag des Buches (23.04.2021) eine Facebook-Gruppe Bücher rund um Whisk(e)y & Co. Mittlerweile mehr als 200 Mitglieder tauschen sich dort über Bücher rund um Whisky und andere Spirituosen und auch Bücher, die irgendwie in diese Richtung zielen, aus. Egal, ob alte Ausgaben, Neuerscheinungen, Bibliophiles und Seltenes, Bücher über Holzarten, Fasshandwerk, Historisches zum Thema Whisky etc. – nichts ist unmöglich und wird präsentiert. Natürlich führten wir auch bereits viele Interviews mit Autoren und Jounalisten aus der Szene oder präsentierten diese online und luden auch zu Diskussionsrunden ein. Daran kann man sehen, was zwei verrückte Pirckheimer mit dem Hang zum guten Tropfen anstellen können. Nun, und diese Verrücktheit treibt uns jetzt schon genau drei Jahre um. Die Aktivitäten der Gruppe kann man unter diesem Link verfolgen und auch sich an unserer Kommunikation beteiligen und mitmischen. Die im Abbildungsteil beigefügten Logos der Berliner Whisky Depesche und unserer FB-Gruppe Whisky und Buch stammen vom Brandenburger Künstler und Autor Jörg Ugowski.

(Robert Grieger)

Am 23. April jedes Jahres ist Welttag des Buches.

23. April: Welttag des Buches 2024

Am 23. April ist es wieder so weit: Deutschlandweit feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und alle Lesebegeisterten am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest. Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und nicht zuletzt die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Und über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare (1564–1616) und Miguel de Cervantes (1564–1616), zwei der größten Autoren in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends. Auf der Welttag-Webseite können sich alle Interessierten und Lesebegeisterten über die umfangreichen Aktionen der Welttag-des-Buches-Partner: Stiftung Buchkultur & Leseförderung des Börsenvereins, Stiftung Lesen, cbj-Verlag, Deutsche Post DHL, ZDF und die avj, informieren.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Mo, 22.04.2024

Jule Claudia Mahn stellt bei "Druck & Buch" in Wien aus. Die Exposition ist vom 06. bis 29.05. zu sehen.

„Zeitgebunden“: Ausstellung mit Jule Claudia Mahn in Wien

Zur Eröffnung der Ausstellung Zeitgebunden am Montag, den 06. Mai um 19 Uhr lädt die Galerie Druck & Buch (Ort: Berggasse 21/2, A-1090 Wien) von Susanne Padberg in die österreichische Hauptstadt ein. Gezeigt werden in der Exposition von Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr die Bücher von Jule Claudia Mahn. Die Künstlerin wird eigens aus Leipzig zur Vernissage anreisen. In ihren Künstlerbüchern geht es Jule Claudia Mahn um das Erinnern ebenso wie um das Vergessen. Die Arbeiten sind gleichzeitig präzise, poetisch und subtil. Alles kommt aus einer Hand: Texte, Grafiken, Drucke, Gestaltung und Ausführung bis hin zu verschiedenen, thematisch immer passenden Einbänden. Das jüngste Buch Ich bin hier erlaubt es, eine politisch konfliktreiche Geschichte aus zwei Perspektiven zu lesen. In ihrer Ausstellung zeigt Jule Claudia Mahn alle Publikationen ihrer Edition Verwandte Objekte. Die Schau ist bis zum 29. Mai in Wien zu sehen. Alle Informationen und alle Bücher zum Bestaunen und Blättern gibt es auf der Webseite der Galerie Druck & Buch.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Zum 80. Geburtstag von Christoph Hein sind sechs seiner Romane als Jubiläumsedition erschienen.

Christoph Hein zum 80.: Sechs der Guldenberg-/Bad-Düben-Romane

Ein Autor wie Christoph Hein, der am 08. April seinen 80. Geburtstag feierte und zu den großen Erzählern des Landes gehört, hätte an sich eine gesammelte und vollständige Ausgabe verdient, und mithin wäre das nochmal als Sichtung eines zudem überaus umfänglichen Outputs dieses Autors – den Romanen, derer zwei weitere in Arbeit sein sollen, wären Novellen, Erzählungen, Essays, etwa zwanzig Stücke und auch Lieder beizugesellen – Maßstäbe setzend. Immerhin legt Suhrkamp zum Jubiläum sechs seiner wichtigsten Texte in einer Sonderausgabe vor: Es handelt sich um die sich in der Stadt seiner Kindheit bewegenden Bücher, darunter so bahnbrechende Romane wie Horns Ende und Landnahme. Den Abgleich mit seiner Adoleszenz-Stadt Bad Düben mag der Germanist zurückweisen, allein, er möge, auch wenn es sich in der Nennung um Guldenberg/-burg handelt, mit einem der Bücher durch den kleinen kursächsischen Flecken, der eine erstaunliche Anzahl Künstler hervorbrachte, wandeln – und er wird so manche Schramme an manchem Hoftor wiedererkennen ... Als Einführung in das große Metier der Kunst Christoph Heins oder wenn man etwas darüber erfahren möchte, wie sich Zeit-Geschichte, in Literatur verbracht, anfühlt, der ideale Einstieg. Und: Die limitierte Edition in sechs Bänden ist ungemein preiswert. (Christoph Hein Jubiläumsedition, Berlin: Suhrkamp 2024, 6 Bände in Kassette, br., 1.830 Seiten, ISBN 978-3-518-00599-6, 58 Euro.)

(André Schinkel)

So, 21.04.2024

"Die schönsten deutschen Bücher 2023" können vom 04.04. bis zum 11.05. in der LBO (Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) noch begutachtet werden.

LBO: „Schönste deutsche Bücher“

Noch bis zum 11. Mai 2024 werden in der Landesbibliothek Oldenburg Die schönsten deutschen Bücher 2023 gezeigt. Die Stiftung Buchkunst hat die schönsten und innovativsten Bücher des Jahres aus über 600 Einsendungen gekürt. Die 25 ausgewählten Bücher sind „vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt sowohl das leisere, solide gemachte Lesebuch als auch wichtige neue Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.“ In fünf Kategorien gibt es je fünf Preisträgerbücher, die in der LBO begutachtet werden können. Zu den ausgezeichneten Werken gehören unter anderem Der lange Arm der Stasi von Gabriele Stötzer und Shell Reader mit Installationen von Nina Canell, das den Preis der Stiftung gewann. Die Bücher können von 10 bis 19, samstags von 9 bis 12 Uhr besichtigt werden. Alle weiteren Infos auf der Website der LBO.

(André Schinkel/LBO/Pressemitteilung)

Sa, 20.04.2024

Logo zum FISAE-Kongress Palma de Mallorca 2024.

Marginalien im FISAE-Newsletter

Klaus Rödel, der in regelmäßiger Folge seinen FISAE-Newsletter von Dänemark aus in die Welt versendet, hat auf die neue Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft (Heft 252, 2024/1), verwiesen. In zehn Sprachen übersetzt, nimmt dabei das Editorial des Chefredakteurs des PG-Journals, Till Schröder, eine Auswahl aus den vielen Abbildungen aus dem Heft begleitend, einen schönen Raum ein und spricht auf diese Weise mit den Kunst- und Grafikliebhabern in der Welt. Die FISAE, die sich global mit dem Exlibris befasst und, vermittelt in ihrem Newsletter Wissen zu Exlibristen aus verschiedenen Ländern, erinnert an Jubiläen und Todesfälle, gibt Infos zu den anstehenden Jahrestagungen, das Exlibris betreffend, so zum Beispiel in Neustadt an der Orla ... wo die Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft vom 24. bis 28. April 2024 stattfindet; und Palma de Mallorca: Auf der Balearen-Insel ist indes im Herbst die FISAE-Jahrestagung anberaumt. Das erste Drittel des FISAE-Newsletters Nr. 374 aber ist den Marginalien vorbehalten, die Übersetzungen des Eingangstextes Schröders sind schön flankiert von Fotografien und Abbildungen aus dem Heft-Gesamt. Sehr schön der Eröffnungssatz von Klaus Rödel zur neuen Ausgabe: „Nun liegt die Nummer 252 der Marginalien vor uns mit einer Fülle von interessantem Lesestoff und vielen Illustrationen zur Freude aller Literatur- und Grafikliebhaber.“ Das freut doch wiederum das Redaktoren-Herze ... Zu den weiteren Themen des Newsletters wurde und wird auch im Folgenden in diesem Blog berichtet. Und natürlich und hinwiederum sicher auch in den Marginalien, zumal es da immer wieder einiges Aufsehenerregendes ums Eck von Neustadt (Orla) zu berichten gibt, von Schloss Burgk etwa, das inzwischen der Hauptort des europäischen Exlibris-Sammelwesens ist und seit jeher ein „Inner Sanctum“ der Pirckheimer-Gesellschaft zumal.

(André Schinkel)

Fr, 19.04.2024

Logo Brandenburgisches Literaturbüro in Potsdam.
Es residiert in der "Villa Quandt" auf dem Potsdamer Pfingstberg. | © by Steffen Prößdorf (CC BY-SA 4.0)
Zur Arbeit des Brandenburger Literaturbüros gehört auch die Herausgabe von Büchern und Hörbüchern.

Vorgestellt: Brandenburgisches Literaturbüro in Potsdam

Wir stellen vor: Das Brandenburgische Literaturbüro. Dieses setzt bei seiner Arbeit folgende Akzente: Organisation und Betreuung von Lesungen und Lesereihen, Popularisierung regionaler Literaturgeschichte in Ausstellungen, Büchern und im Internet sowie Beratung und Auskunft für Literaturinteressierte. Die Mitarbeiter des Brandenburgischen Literaturbüros planen mit Autoren und Schauspielern über 60 Lesungen jährlich, die in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Theatern, Verlagen, Buchhandlungen, Galerien und Museen im Land Brandenburg stattfinden. Besonders die Veranstaltungsreihen in Cottbus/Lübbenau (Lausitzer Lesart), die Premnitzer und Luckenwalder Literaturgespräche sowie die Textlandschaften Zossen-Wünsdorf finden großen Zuspruch.

Seit 2001 organisiert das Brandenburgische Literaturbüro in Potsdam zudem die Veranstaltungen-Reihe Tafelrunde Sanssouci im Schloss Neue Kammern, zu der es prominente Gäste einlädt, um über Grundfragen der Zeit zu diskutieren. Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit des Büros ist die Popularisierung der regionalen Literaturgeschichte. In Ausstellungen zu Schriftstellern wie Peter Huchel (1903–1981, Günter Eich (1907–1972) oder auch über einzelne Epochen und Themen der Literaturgeschichte, in begleitenden Publikationen über die Literaturgedenkstätten des Landes wird die literarische Tradition der Region thematisiert. Seit Sommer 2006 betreibt das Literaturbüro gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin e. V. (LCB) das Portal Literaturport im Internet, das Informationen zu verschiedenen Aspekten der Literaturgeschichte und literarischen Gegenwart in Berlin und Brandenburg (und darüber hinaus) sowie Veröffentlichungen anbietet.

Das seit Februar 2010 vom in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam ansässigen Literaturbüro betriebene Portal www.zeitstimmen.de versteht sich als Archiv des Alltags für die Region Berlin-Brandenburg. Hier werden – neben literarischen Texten und literaturgeschichtlichen Informationen zu mehr als 3.000 Schriftstellern und deren Beziehung zu Orten in der Groß-Region – auch private Zeugnisse präsentiert: Tagebücher, Erinnerungen, Fotos sowie (in Kooperation mit dem rbb) alle Folgen des Landschleichers (über 1.200 Kurzporträts kleinerer Orte im Land Brandenburg seit 1993). Die Inhalte beziehen sich mittlerweile auf über 2.000 Orte in Brandenburg und Berlin.

Träger des Literaturbüros ist der Verein Brandenburgische Literaturlandschaft e. V. Gemäß seiner Satzung will der Verein das Literaturschaffen im Land Brandenburg in seinen verschiedenen Formen durch vielfältige Aktivitäten unterstützen. Er ist damit ein Förderverein für Literatur, kein Interessenverband von Autorinnen und Autoren ... – alle relevanten Infos gibt es unter diesem Link.

(Robert Grieger)

Do, 18.04.2024

Der Dichter Wilhelm Bartsch lebt in Halle. Seinem Debüt "Übungen im Joch" folgten eine Reihe Bände: Gedichte, Erzählungen, Romane, Nachdichtungen und Essays. Er wurde u. a. mit dem Brüder-Grimm-Preis sowie mit dem Wilhelm-Müller-Preis geehrt.
"Hohe See und niemands Land", bei Wallstein 2024.
In seinem neuen Buch spricht Bartsch mit einigen der großen Vorausgänger: St. Brendan, Shakespeare, den mitteldeutschen Dichtern Novalis und Hilbig.
Unser Rezensent Axel Helbig war viele Jahre Geist und Seele der Zeitschrift "Ostragehege". Er lebt als Autor, Kritiker, Publizist, Herausgeber in Dresden.

Buch des Monats II: „Wir selbst im Honiglicht sind Trauermücken“

Eine Paraphrase auf William Shakespeares 87. Sonett eröffnet Wilhelm Bartschs opulenten Gedichtband Hohe See und niemands Land. Aus Shakespeares ironischem Abrechnungsgedicht an einen Freund wird bei Bartsch ein Abrechnungsgedicht an „Frau Welt“, die doppelgesichtige Begierde, die den Menschen blind macht: „Soll ich mit dir im Sturm wie Lear noch tanzen, / Bis du mein Werk und mich zerbrichst zuletzt? / Schon hast Du mir den Virus der Bilanzen / Als Krone der Erschöpfung aufgesetzt. / Hoch fuhr ich aus dem Traumreich der Aufmotzer / Als König zwar, doch König der Schmarotzer.“ (Aus: Mein Eigentum.) 

Ehrlicher kann ein Gedichtband nicht ansetzen. Und dieser Ouvertüre folgen noch weitere Texte mit geradezu philosophischen Selbsteinsichten und Selbstermunterungen. „In Form zu bleiben“, erprobt sich Wilhelm Bartsch an Skakespeares Sonettform und vertreibt „mit solchem Sturm die Zeitgeisttricks“. Das Ziel ist klar: „Zur hohen See, zu niemands Reede hin, / Da liegen Shakespeare – Dante – Hölderlin –“ (Aus: Shakespeares Form.) Aber der Band ist mehr, er ist ein Fahrten- und Welten-Buch, in dem sich das lyrische Ich auf gefährliche Reisen zu Wasser und zu Land und durch Raum und Zeit begibt ... Der Wanderer kommt nach Auschwitz-Birkenau und nach Palmyra. Der Seefahrer bis ans Nordmeer. Mit St. Brendan „the Navigator“ nach „Anderswelt“ segelnd, „pinselt er seefahrende Gedanken (ins) Logbuchpalimpsest.“

In den angefügten Anmerkungen zu den Gedichten schreibt Bartsch, dass es dieser Anmerkungen nicht bedürfe. Das stimmt. Bartschs Gedichte sind ein Fest der Sprache und der Sinne, das keiner weiteren Erklärung bedarf, um den Leser in diesem Sprachstrom mitzureißen. Vor manchen Gedichten steht man wie vor einem Naturereignis, einem Nordlicht, einem Blick ins Alpental. Dennoch lohnt es sich, den Anmerkungen nachzugehen. Man erfährt nicht nur, dass der in Irland verehrte Heilige Brendan möglicherweise 900 Jahre vor Kolumbus in Amerika war, oder dass Arno Schmidt, das Urbild für seine Franziska (Hauptfigur in Zettels Traum) dem Unterwäsche-Katalog Mona entnommen hat. In Summa staunt man, welche Welt- und Querbezüge in ein Gedicht hineinreichen können. Diesen Hinweisen des lyrischen Enzyklopädisten Bartsch nachzugehen, macht Spaß, führt zu höherer Bildung und ist allemal besser, als den Zeitgeisttricks zu folgen. 

Ein anderer Heiliger von Wilhelm Bartsch ist Wolfgang Hilbig (1941–2007), sein Freund und Anreger: „Zwar zeitenkrank, doch sicher reist Sankt Hilbig / Auf seinem Rettungsfloß ,Misere‘. / Sein Unstern führt ihn sicher übers Meer / Von Katastrophe hin zu Katastrophe … // Er folgt so einzig seinem reziproken / Gesetz des Widerstands: je hässlicher / Die Fahrt wird, desto schöner, wird erniedrigt / Sankt Hilbig, kriegt er Größe, und je mehr / Die Nacht der Irrfahrt steigt, wächst auch die Klarheit, / Nur aussichtslose Fahrt führt hin zur Lösung …“ (Aus: Rettungsfloß „Misere“.)

Ein anderer Bezugspunkt ist Gottfried Benn (1886–1956), dessen Intentionen und Sprachgefühl Bartsch in mehreren Gedichten nachgeht. Benns und Bartschs Melancholie sind sich verwandt. Da ist ein Wissen um Schönheit, eine Trauer um ein Menschsein, welches das Wunderbare und Schöne zerstört: „Wir selbst im Honiglicht sind Trauermücken / mit dieser ewig großen zähen Geste, / in diesem Ballkleid nur aus Todesschlieren / und bald schon tief im schwarzen Flöz der Zeit.“ (Aus: Trauermücken.) – „Kann sein, wir wissen kaum was von der Welt, / Nur wie wir, Wüsten bergend, uns ermorden / Und nur, was für uns zählt, auch zählen: Geld. / Wir sind, die schießen, prellen und umhauen, / So prellt und schleudert uns nun selbst das Grauen.“ (Aus: Vulpus volatus.)

Den fünf Abschnitten des Bandes sind jeweils Motti vorangestellt, die den Grundton der Gedichte vorgeben. Vor dem zweiten Abschnitt steht ein Gedanke von Novalis (1772–1801): „Die Natur ist Feindin ewiger Besitzungen. Sie zerstört nach festen Gesetzen alle Formen des Eigentums ...“ Der letzte Text des Bandes ist einer Frau gewidmet, ihr verdankt sich – neben Shakespeare – auch das Buch. Sie ist das Du in vielen Gedichte, oft Gefährtin auf See und zu Land. An sie – die alte neue Liebe – richtet Wilhelm Bartsch manch zarte Zeile und Sonett in diesem Buch:

Du hörtest, dass ich’s war, an meinem Schritt
Noch hinter dir und nach so vielen Jahren.
Auch Du gingst ja für immer mit mir mit,
Ich wusste es auf einmal mit den Haaren.
Waren wir denn so unlösbar verknüpft,
Als hätte nicht die Zeit das Band zerrissen?
Ein Kind der Zeit war ich, das springt und hüpft,
Es fiel mir sogar leicht, dich zu vermissen,
Ich nahm dich tief in mir wohl nicht mehr wahr.
Glück, blinder Passagier dort im Versteck,
Auf hoher See erst wird es offenbar: 
Dein Steuerrad, mein Schritt an Deck.
Doch wer zur See fährt, hofft auch, dass er landet, 
Dass Liebe Liebe bleibt, noch wenn sie strandet.

(Du hörtest, dass ich’s war.)

Wilhelm Bartschs Sonette lesen sich, als hätte er diese lyrische Form soeben erschaffen, kein Staub klebt an den Versen, sie lesen sich geschmeidig und rhythmisch. Diese Gedichte regen den Geist an wie ein Gang durch die Natur. (Wilhelm Bartsch: Hohe See und niemands Land, Gedichte, Göttingen: Wallstein Verlag 2024, 140 Seiten, geb., ISBN 978-3-83535-393-0, 22 Euro.)

(Axel Helbig)

Mi, 17.04.2024

Die "Buchkunst Trier" lädt von 26. bis 28.04.2024 ein.

26. bis 28. April: „Buchkunst Trier“

Mit Messen ist in diesem Frühling das bibliophile Wesen reich beschenkt: Vom 26. bis zum 28. April findet in der ehrwürdigen Augusta Treverorum wieder die Buchkunst Trier statt. In der Kunsthalle (Aachener Straße 63, 54294 Trier) präsentieren sich nach aktuellem Stand 29 Ausstellerinnen und Aussteller aus Deutschland, Luxemburg und der Schweiz. Mit dabei ist unter anderem Désirée Wickler, John Gerard, Christine Fausten, Konstantin Feig, Barbara Beisinghoff und Sylvie Karier; Ehrengäste der diesjährigen Buchkunst sind – jeweils auch mit einem eigenen Stand vertreten – die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier und die Graphische Sammlung der Universität Trier, deren Fakultät für Kommunikationsdesign ebenso zu den Gästen der Messe gehört. Mit den jeweiligen Metiers Künstlerbücher, Druckgrafik und Einband wird ein umfänglicher Bereich der Interessen aller Bücher- und Grafikfreunde abgedeckt. In der Einladung der Veranstalter heißt es dazu: „Liebe Freunde des künstlerischen Buches und der Graphik, vom 26. bis 28. April 2024 gibt es (...) die 3. Ausgabe der Buchkunst Trier in der Kunsthalle Trier zu entdecken. Im einzigartigen Ambiente der Europäischen Kunstakademie zeigen professionelle Künstler und Künstlerinnen sowie Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen ihre originären Arbeiten. Aus den Bereichen Holzschnitt, Radierung, Kalligraphie, Graphik und Illustration, Papier und Bucheinband sind vielfältige künstlerische und haptische Werke zu sehen. (...) Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Ihre Buchkunst Trier.“ Die Buchkunst ist Freitag von 18 bis 21 Uhr, Samstag von 11 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 5 Euro. Zum gleichen Preis ist auch der Katalog, der zur Messe erscheint, erhältlich – alle Infos gibt es auf der Webseite der Buchkunst

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 16.04.2024

"Musashimaru" heißt der Held dieses Büchels – ein Nashornkäfer ... der mit den Kräften des Yokozuna, nach dem er benannt ist, vier Monate im Leben des Schreiberpaares rumwirtschaftet und dessen Tod, der unweigerlich kommt, dann große Trauer auslöst.

Buch des Monats I: „Musashimaru“

In memoriam Akebono Tarō

Wer ist Musashimaru? Musashimaru Kōyō ist ein ehemaliger Sumōtori, der zweite Ausländer, der in der höchsten Sumōklasse, der Makuuchi, je den Rang eines Yokozuna, eines Großmeisters der Kultsportart, erreichte. Seine kraftvolle Wucht in seiner aktiven Zeit war legendär. Seit 1996 ist der Samoaner japanischer Staatsbürger. Aber um ihn geht es in diesem Buch nur indirekt. Musashimaru ist der Name des Nashornkäfers, der der stille und zugleich vorwitzige Held dieses kleinen Buches von Choukitsu (oder auch: Chōkitsu) Kurumatani (1945–2015) ist. Über seine Kleinheit soll man sich nicht täuschen: Er hat Kräfte wie der Ringer, nach dem er benannt ist, und er schiebt Nacht für Nacht seinen Korb durch das neubezogene Haus, das der Erzähler, der mit dem Verfasser des Buchs quasi deckungsgleich ist, nach langer Durststrecke und plötzlichem Wohlstand, da ihn der literarische Ruhm und Erfolg spät, aber grad noch traf, mit seiner Frau, einer Dichterin, seit kurzem bewohnt. Frisst ferner beherzt Melone und strullt hernach ordentlich die Bude voll, vergeht sich im Hormonrausch am Finger des Erzählers und misst sich aus der Ferne mit einem Hirschkäfer, der, obwohl ihm ein viel längeres Leben prophezeit ist, lange vor ihm das Zeitliche segnet. Nun, aber einmal trifft es auch Musashimaru, aber da ist schon Winter und sein Überleben ein Wunder. Der Tod ist Kurumatanis, der selbst nach vielen Entbehrungen erst berühmt und (in Japan ist das wohl noch möglich) wohlhabend wird, großes Thema, es zieht sich durch sein ganzes unter erheblichen Schwierigkeiten erworbenes Werk; und eine sarkastische Volte seines Lebens ist, dass er 2015 an einem Bissen Essen erstickte. Dieses Büchlein hat die Grazie der Sumōtori, denn es ist behende und schwerwiegend zugleich. Es erschien in der schönen Übersetzung von Katja Cassing 2016 in der Edition des Cass Verlags in Bad Berka (64 Seiten, geb., Halbleinen, Fadenheftung, 11,5 x 18,5 cm, ISBN 978-3-944751-11-5); und die Zierde des Buches neben der schönen Verarbeitung sind sieben ganzseitige Illustrationen von Inka Grebner, die den Gang durch Musahimarus Leben zeigen, der Beinglied um Beinglied verliert und eines Morgens mit seinem Tod für große Trauer sorgt. Ein zart-seltsames Buch, das der Bibliophile gern im Herzen trägt und in seinen Beständen sicher weiß.

(André Schinkel)

Mo, 15.04.2024

"How to co-create with nature" im Mai in München.

„Munich Creative Business Week“

Für eine Woche stellt die kreative Szene wieder alles in ihr Schaufenster, was sie hat: Vom 11. bis 19. Mai finden in München an mehr als 100 Orten Events, Workshops, Diskussionen, Vorträge, Filme, Podien, TypeWalks u. v. m. im Rahmen der 13. mcbw statt. Dieses Jahr unter dem Titel How to co-create with nature. Auch die Typographische Gesellschaft München e. V.  bietet drei Veranstaltungen an. Als einer der größten Vereine für Typografie und Gestaltung in Europa sowie Veranstalter für Fort- und Weiterbildung in der Kreativbranche bietet sie einen Workshop, Expertenvortrag und Typewalk an. Zunächst: Unsere Handschrift – unser Ausdruck am 14. Mai von 15 bis 17 Uhr in der Designschule München. Dann: Typewalk – ein typografischer Spaziergang durch München am 15. Mai von 16.30 bis 18 Uhr. Und schließlich der Expertenvortrag: Custom Type am 16. Mai von 18.30 bis 20 Uhr in der Designschule München. Anmeldungen sind unter der Webseite der tgm möglich.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 14.04.2024

"Ein Buch ist ein Ort" – Ausstellung in Köln ab 12.04.

Seit 12.04.: „Ein Buch ist ein Ort – Wallrafs Bibliothek für Köln“

Ein Buch ist ein Ort, in dem Ereignisse und Taten, Worte und Geschichten dingfest gemacht sind. Überdauern setzt Verdinglichung voraus, und nur das Überdauern sichert die Erinnerung. Die Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824), Sammler, Priester, Gelehrter und zeitweise Rektor der alten Kölner Universität, war und ist der zentrale Ort seiner Sammlungen. Er sammelte und rettete Bücher, um das in ihnen gespeicherte Wissen weiterzugeben. Wallrafs Bibliothek zu bewahren und darin die Orte wieder zugänglich zu machen, bleibt eine fortwährende Aufgabe, die den besitzenden Institutionen und der Gesellschaft gestellt ist. Ein Buch ist ein Ort wird aus Anlass des 200. Todestages Wallrafs seit dem 12. April und bis zum 09. Juni 2024 im Historischen Archiv mit Rheinischem Bildarchiv (Eifelwall 5, 50674 Köln) gezeigt. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags 9 bis 16.30 Uhr, Mittwoch von 9 bis 19.30 Uhr geöffnet. Führungen durch die Exposition in der Rheinstadt finden immer mittwochs, 16 bis 17 Uhr, im Zeitraum vom 17.04. bis 05.06. statt. 

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Sa, 13.04.2024

Patricia F. Blumes neueste Studie "Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR" ist erschienen im März bei De Gruyter Saur und dürfte sich in der Bearbeitung der Materie als Standardwerk erweisen.

Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR

Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR – das 772 Seiten fassende Kompendium von Patricia F. Blume könnte ein neues Standardwerk in der Geschichte der geteilten deutschen Kulturpolitik vor der Wiedervereinigung werden. „Literaturtransfer, Buchhandel und Kulturpolitik in deutsch-deutscher Dimension“ lautet denn das Motto auch, das den Untertitel des Bands, der bei De Gruyter Saur im März 2024 gebunden (ISBN 978-3-11131-596-6, für 69,95 Euro) und als E-Book (der Digital-Download ist direkt auf der Webseite des Verlags möglich) an exponierter Stelle erschien. Der Verlag schreibt zur Publikation: „Die Studie fächert erstmals die Entwicklung der Leipziger Buchmesse von 1945 bis 1990 auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Messe ihre Rolle im planwirtschaftlichen Literaturbetrieb. Die DDR nutzte sie als Leistungsschau, um Bücher und Kultur vor internationaler Kulisse in Szene zu setzen. Dabei diente das Frankfurter Pendant als Maßstab. Für die Lesenden in der Diktatur bot die Messe einzigartigen Zugang zu westlichen Medieninhalten und war Ort des legendären Messeklaus. (...) Durch die Messe wurde Leipzig zu einem Knotenpunkt des deutsch-deutschen Kulturaustauschs. Die Verlage der Bundesrepublik suchten den Kontakt und wirkten als Schrittmacher des innerdeutschen Literaturtransfers. Mit Blick auf die konfliktreiche Beziehung beider Börsenvereine leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Entspannung zwischen Ost und West. Auf einer breiten Quellenbasis rekonstruiert Patricia F. Blume die Entstehung der Leipziger Buchmesse, ihre Funktionen und ihren Wandel. Dabei verbindet sie Buchhandelsgeschichte mit Wirtschafts-, Alltags-, Kultur- und Rezeptionsgeschichte.“ Das Werk stammt aus berufener Feder: Die Autorin ist promovierte Buch- und Medienwissenschaftlerin und arbeitet an der Unibibliothek Leipzig in diversen Funktionen, neben anderem leitet sie dort den Fachinformationsdienst für Medien- und Kommunikationswissenschaft – und betreut zudem die beiden Rundfunkarchive der Einrichtung. 2020 bis 2023 war sie als Projektkoordinatorin an der halleschen Burg“ tätig. Ihr Buch stellt einen elementaren Beitrag zur Geschichte der Messe dar.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 12.04.2024

3. "artGrafik" in Ahrenshoop vom 09. bis 12.05.2024.

Mai 2024: ArtGrafik Ahrenshoop

Vom 09. bis 12. Mai 2024 findet in Ahrenshoop die artGrafik 2024 des mondänen Ostsee-Ortes in der Strandhalle (Dorfstraße 16b, 18346 Ahrenshoop) statt. Die dritte Messe dieser Art am Schmal-Übergang des Fischlands in den Darß öffnet ihre Pforten Donnerstag bis Sonnabend von 11 bis 18 und am Sonntag des Wochenendes von 11 bis 17 Uhr. Organisiert und realisiert wird die artGrafik wie auch in den Jahren zuvor von Pirckheimer-Freund Henry Günther aus Ribnitz-Damgarten – neben ihm stellen in der Strandhalle direkt hinter den seeseitigen Dünen des Kultbades eine kleine und feine Auswahl Buchkünstlerinnen und Buchkünstler, Grafikerinnen und Grafiker aus: Susann Hoch, Urte von Maltzahn-Lietz und Hans Bote aus Leipzig sind dabei, Linde Kauert und Tina Flau aus Potsdam, Pirckheimer-Freund Rainer Ehrt aus Kleinmachnow, Ute Hausfeld und Katja Lang aus Berlin, Gudrun Illert aus Weimar, Katrin Magens aus Dannenberg im Wendländischen, Britta Matthies aus Hohen Viecheln und Klaus Raasch aus Hamburg. Aus Münster (Westfalen) kommt Josef Kleinheinrich, und den jeweils kürzesten und weitesten Weg haben Hans Götze (Ahrenshoop) und Antje Wichtrey (Granada in Spanien). Das Ostseebad Ahrenshoop, auf einer Landenge zwischen offenem Meer und Bodden gelegen, ist seit jeher ein Ort der Kunst, hier haben bereits im vergangenen Jahrhundert zahlreiche Künstler Station gemacht oder sind geblieben und haben den Platz mir ihrer Arbeit geprägt und ihm ein Denkmal gesetzt. Das Künstlerhaus Lukas in der Nähe des zentralen Strandübergangs beherbergt Monat für Monat Stipendiaten aus allen künstlerischen Sparten aus diversen Ostseeanrainerstaaten. Und mit der artGrafik dürften Henry Günther und das Organisationsbüro eine neue und segensreiche Tradition in der an künstlerischen Traditionen reichen Gemeinde mit ihrem typischen, mondänen Gepräge begründet haben. Willkommen zur 3. Messe für zeitgenössische Druckgrafik, Fotografie, Zeichnung & Künstlerbücher in Ahrenshoop!

(André Schinkel)

Do, 11.04.2024

Bestände im Historischen Archiv und der Bibliothek des Deutschen Technikmuseums. | © DTM Berlin
Impressionen zum HTW-Inventarisierungs-Projekt.

HTW-Studierende inventarisieren Staromat-Schriften in Berlin

Das Historische Archiv und die Bibliothek des Deutschen Technikmuseums in Berlin verwahren in ihren Magazinen verschiedene Archivbestände mit Bezug zur H. Berthold AG. Dies sind neben Unterlagen aus dem Firmenarchiv zu Entwurf und Fertigung verschiedener Schriftschnitte für Blei- und Fotosatz neben vielem anderem die Nachlässe von Günther Gerhard Lange (1921–2008) und Bernd Möllenstädt (1943–2013). Ebenfalls vorhanden sind eine umfangreiche Dia-Sammlung sowie zahlreiche Schriftmusterbücher der Firma Berthold und anderer assoziierter Firmen. 

Bei einer Übernahme von Archivalien und Objekten im Jahr 1995 gelangten zahlreiche Schränke mit Diatype-Mutterscheiben („Muttern“) sowie Handzeichnungen mit Schriftzeichen für den Fotosatz in den Besitz des Museums. Die Nachinventarisierung der roten Kassetten mit den Musterzeichnungen für Diatype-Schriften erfolgte 2023 museumsintern. Im Anschluss konnte nun im Februar 2024 der Bestand mit den blauen Kassetten, welche Entwurfsfolien für das Staromat-Fotosatzgerät enthalten, im Rahmen eines Praxisprojektes mit vier Museologie-Studierenden der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) verzeichnet werden. Arbeitsfotos von beiden Kassettenarten in ihren Schränken sowie die Listen aller Schriften stehen online bereit.

Erste fotomechanische Satztechniken waren bereits in den 1930ern in Japan, der Schweiz und den USA im Einsatz. In den Jahrzehnten nach 1945 erfolgte schließlich nach und nach die Ablösung fast aller kommerziell betriebenen Bleisatztechniken. Vom Ende der 1950er bis in die frühen 1990er Jahre vertrieb die nun Westberliner Firma H. Berthold AG mindestens 14 verschiedene Fotosatz-Geräte. Für diese technischen Innovationen war es seitens der Firma erforderlich, Tausende von Satzschriften für diese Technik vorzubereiten und anzupassen. Für die bekanntesten dieser frühen Fotosatz-Geräte – Diatype und Staromat – wurden unterschiedliche Zeichnungen auf Fotopapier oder Film angefertigt, die als „Original-Handzeichnungen“ bezeichnet wurden. Sie dienten als Vorlagen für spätere Geräte ihrer Satzschriften – bis hin zur digitalen Speicherung von Computer-Fonts. Die Buchstaben-Vorlagen für die Staromat-Schriftstreifen archivierte die H. Berthold AG – auf Film gezeichnet – in blauen Kassetten. Nachdem die H. Berthold AG die Film-Klischee GmbH in Bayern übernommen hatte, vertrieb diese Firma seit der Mitte der 1960er Jahre das Staromat

Es ist schwer, vorherzusehen, welche Interessen zukünftige Generationen von Forschenden, Lehrenden, Kuratorinnen und Kuratoren, Studierenden und Kreativen in Bezug auf vorhandene Sammlungen in Museen haben werden. Eine der wichtigsten Aufgaben von Museen liegt daher darin, Zugänge für alle diese Nutzer zu ermöglichen. Im Rahmen des Praxisprojektes mit der HTW Berlin konnte nun der gesamte Restbestand zum Fotosatz, der neben den sechs Schränken mit blauen Kassetten auch diverse Schränke mit Schriftstreifen-Negativen und Mutterscheiben umfasste, im Depot des Museums grunderfasst werden. In der zweiten Woche lernten die Studierenden das Historische Archiv und die Bibliothek des Technikmuseums kennen. Sie hatten die Aufgabe, zu ausgewählten Schriften zu recherchieren und verschiedene Quellen in den Beständen zu ermitteln. Hierfür wurden die bereits verzeichneten Archivalien und Bestände der Bibliothek mittels Datenbanken durchsucht. Die nur durch eine Liste grob aufgenommenen Auftragstaschen der Abteilung Schriftträgerfertigung standen ebenfalls zur Verfügung und boten den vier Untersuchenden interessante Einblicke in die Arbeitsweise der H. Berthold AG

Insgesamt standen zehn Schriften im Fokus. Acht davon beinhalteten neugezeichnete Buchstaben von Bleisatzlettern, die sowohl ursprünglich von der Firma Berthold als auch von einigen anderen Schriftgießereien gefertigt waren – darunter Schriften der ersten Schriftgestalterinnen der BRD, Ilse Schüle und Gudrun Zapf von Hesse. Zwei Kassetten beinhalten die Reinzeichnungen von neuen Schriften, die Berthold erstmals für den Fotosatz angefertigt hatte. Die Entwürfe dafür stammen von Gestaltern aus Neuseeland sowie der Tschechoslowakei. Im weiteren Verlauf der Woche wurden die Folien aus zwei Schriftkassetten digitalisiert – die der Herkules und die der Fanfare schmal.

Vor einiger Zeit wurden Interviews mit drei ehemaligen Mitarbeitern der H. Berthold AG in Berlin sowie ein längeres Interview mit Alexander Nagel über Berthold Fototype vom Deutschen Technikmuseum gefilmt und im Netz veröffentlicht. Im Rahmen eines von der Senatsverwaltung Berlin und digiS geförderten Digitalisierungsprojektes wird 2024 eine Auswahl von knapp 80 Akten aus der Abteilung Schriftschneiderei der H. Berthold AG mit Korrespondenz, Entwürfen und internem Schriftgut digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie werden sicher einen Beitrag leisten können für Forschungen zu Typografie sowie Design- und Industriegeschichte.

(Dan Reynolds)

Mi, 10.04.2024

Vortrag mit Frido Mann am 13.06.2024 in Augsburg.

Augsburger Zauberberg-Vortrag mit Frido Mann am 13. Juni 2024

Um der Güte und Liebe willen heißt der Vortrag, den Frido Mann am Donnerstag, den 13. Juni 2024 im Rahmen der Augsburger Zauberberg-Vorträge 2024 (Beginn: 19 Uhr) im Rokokosaal der Regierung von Schwaben (Fronhof 10, 86152 Augsburg) hält. Mann ist Psychologe und seit 1981 auch als Schriftsteller in die Öffentlichkeit getreten – nach eigener Aussage traf ihn der „gefährliche Keim der literarischen Ambitionen“ spät, aber (im Angesicht der Familie, aus der er stammt, wohl kein Wunder) unausweichlich. Und: Er ist zudem selbst zur literarischen Gestalt geworden, in dem er als erklärter Lieblingsenkel des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann (1875–1955) in dessen Roman Doktor Faustus (1947) in der Gestalt des „Nepomuk Schneidewein“ („Echo“) ein Denkmal gesetzt bekam. Der Eintritt für den Vortrag, der von der Zauberberg-Stiftung in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur der Universität Augsburg und der Augsburger Universitätsbibliothek initiiert und realisiert wird, ist frei – die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt. Ausgehend und Bezug nehmend auf das 1924 erschienene Jahrhundertwerk Manns, den Romankoloss Der Zauberberg, findet die Reihe seit 2012 statt und ist den Veranstaltern mit der Einladung Frido Manns in diesem Jahr ein ganz besonderer Coup gelungen. Der Titel seines Vortrag zitiert denn eine überaus elementare Stelle aus dem Buch: „Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“ Frido Mann, der Musik, Theologie und Psychologie studierte, im klinischen wie akademischen Bereich tätig war und dessen Werk als Autor sich u. a. mit dem Leben seiner Urgroßmutter befasst, dürfte mithin als eine der letzten allseitig gebildeten Gestalten der Gegenwart gelten. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Gelegenheit, in einen Austausch zu treten. Alle Informationen dazu finden sich unter diesem Link.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 09.04.2024

Die "Bücherkinder" in Brandenburg an der Havel. Die Gruppe wird von den Pirckheimern unterstützt, ihr Mentor ist der Pirckheimer-Freund Armin Schubert.
Die "Bücherkinder" publizierten mehrere Bücher. Sie sind zahlreichen Künstlern und Werken gewidmet.
Auch Olaf Scholz schätzt die Arbeit der Domschüler.
Der "Phönix von Aschersleben" von Sven Großkreutz.
Der "Letzte Tanz" von Altmeister Karl-Georg Hirsch.
Claudia Berg: "Haus bei Burano". Die Meisterin der Kaltnadel wurde u. a. mit dem Meid-Preis geehrt.

Blatt für Blatt: „Bücherkinder“ und die „Edition Pirckheimer“

Die Gesellschaft trägt die Lust auf Buchkunst ins Land. Ein Blick auf zwei ihrer Initiativen

Ein hehres Anliegen besitzt zuweilen einen etwas drögen Sound. In der Satzung der Pirckheimer-Gesellschaft heißt es denn auch sachlich: „Der Verein hat den Zweck, das Sammeln von schönen und wertvollen Büchern, von Grafik und Exlibris zu fördern und zu unterstützen, Kenntnisse über Geschichte und Gegenwart des Buches zu verbreiten, Mitglieder und Öffentlichkeit mit Werken der Buchkunst und Grafik vertraut zu machen, zur Entwicklung der grafischen Künste beizutragen und das Exlibris zu pflegen.“ Das klingt nach mächtig viel bibliothekarischer Emphase, ist vielleicht auch der Reeducation-Stimmung der 1950er Jahre geschuldet, in der die Gesellschaft gegründet wurde. Was ist schön? Was ist wertvoll? Welche Werte vermitteln wir? 

Bei solch fluiden Kategorien ist die Bandbreite der Perspektiven groß: Antiquare, Buchhändler, Verleger, Künstler, Drucker, Sammler, Leser gehören zu uns, auch Institutionen wie die Bayerische Staatsbibliothek, das Literaturarchiv Marbach, die Deutsche Nationalbibliothek, die Büchergilde Gutenberg bis hin zu Verlagen wie die burgart presse, die Edition Mückenschwarm oder The Bear Press. Buch und Grafik als Kulturgut, Wissensträger, Kunstobjekt, Geschichtsquelle, Unterhaltungsmedium sind unser Thema, sich widerspiegelnd in den Marginalien, unserer Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, in Jahresgaben, Grafikeditionen und Buchförderungen. Aber wir wären nicht solch eine lebendige, 600 Mitglieder umfassende bibliophile Gesellschaft in Deutschland, wenn wir das so trocken handhaben würden, wie es klingen mag. Zwei Initiativen unserer Gesellschaft, die Bücherkinder und die Edition Pirckheimer, sollen dafür Beispiel sein. 

Wie bekommen wir Kinder zum Lesen und Erwachsene zum Sammeln? An diesen beiden Herausforderungen arbeiten wir verstärkt seit einigen Jahren. Der Kunstpädagoge Armin Schubert, seit Jahrzehnten Pirckheimer, ist der Kopf hinter den Bücherkindern Brandenburg. Seine Idee: Kinder beschäftigen sich ein Jahr lang mit einem Thema und machen am Ende ein eigenes Buch. In der kreativen Auseinandersetzung mit Originaltexten und -illustrationen wächst Verständnis für Literatur, für Geschichten, Bilder. In den Räumen der Evangelischen Grundschule am Dom zu Brandenburg entstehen so Jahr um Jahr Kleinode. Die Kinder recherchieren, diskutieren, zeichnen, dichten, probieren sich in originalgrafischen Drucktechniken von Linolschnitt über Radierung bis Siebdruck. Am Ende mündet es in einer von Sven Märkisch und Dietmar Block in der Galerie Sonnensegel gedruckten und von Henry Günther in der Edition BuchKunstBalance gebundenen kleinen Auflage. So entstanden schon elf Titel, u. a. zu Theodor Hosemann, Christa Wolf, Werner Klemke, Arno Mohr, Jurek Becker, Harald und Robert Metzkes, Egbert Herfurth, Franz Fühmann.

Zum Thema Schriftstellerkindheiten tauchten die Kinder ein in die Erinnerungen von Günter Grass, Franz Fühmann, Christa Wolf und Jurek Becker. Neben den eigenen Illustrationen der Kinder steuerten erstmals auch bekannte Künstler Originalgrafiken zum Buch Die Farben der Kindheit bei: Rainer Ehrt, Katrin Stangl, Sven Großkreutz, Klaus Süß, Moritz Götze. Das jüngste Buch erschien im Dezember 2023 zum Thema Frieden: Pax questuosa. Aktueller denn je, Hommage jeweils an die einzigartige Künstlerin Núria Quevedo und die große Erzählerin Anna Seghers.

Die Pirckheimer unterstützen finanziell, materiell und mit Kontakten, denn oft genug treffen sich die Kinder mit den Künstlern oder mit Personen, die sie kannten. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kam zu Besuch, schrieb ihnen auch eine Postkarte für das Buchprojekt über Jurek Beckers Karten an dessen Sohn, was die Kinder zu eigenen Karten anregte; es entstand ein langes Filminterview zwischen Klaus Ensikat und Denis Scheck, das die Kinder mit eigenen Texten zu Ensikat-Bildern flankierten; die amerikanische Leseforscherin Maryanne Wolf wurde auf sie aufmerksam u. v. m. Immer geht es den Kindern dabei um den produktiven Austausch mit dem Vorgefundenen. Und auch Bundeskanzler Olaf Scholz ließ es sich nicht nehmen, sie zu besuchen.

Im Falle unserer Edition Pirckheimer denken wir an eine ältere Zielgruppe. Unserer Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophile Marginalien liegt pro Ausgabe für jedes Mitglied eine Originalgrafik bei. War dies in der Vergangenheit nur in vereinzelten Heften der Fall, so etablierten wir vor sieben Jahren die regelmäßige Beilage mit jeder Ausgabe. Auch ein Grund für unser Mitgliederwachstum. Wir freuen uns, mit den preiswerten Blättern namhafter Künstler wie Max Uhlig, Dieter Goltzsche, ATAK, Volker Pfüller, Ottographic, Strawalde, Frank Eißner, Thomas Ranft, augen:falter, b.a.c.H. und vielen weiteren vor allem jüngeren Lesern den Aufbau einer eigenen Grafiksammlung zu ermöglichen. Trotzdemergibt sich daraus ein paradoxes Problem: Je erfolgreicher die Zeitschrift, je höher ihre Auflage, desto mehr steigen die Kosten und sinkt der Sammlerwert der Grafiken.

Vor einigen Jahren haben wir auf dieses Problem mit der Herausgabe einer exklusiven Edition Pirckheimer geantwortet: einer Grafikmappe in kleiner Auflage, die den Sammlern etwas Besonderes bietet und deren Ertrag dabei hilft, die Finanzierungslücke für qualitätsvolle Grafik-Beilagen der Marginalien auszugleichen. Kuratiert von Jens-Fietje Dwars, u. a. Herausgeber der literarischen Edition Ornament im quartus-Verlag, starteten wir mit sieben A3-Blättern in 35er Auflage von den Künstlern Susanne Theumer, Hans Ticha, Klaus Süß, Moritz Götze, Kay Voigtmann, Strawalde und Baldwin Zettl. Obwohl die Subskribenten jenseits des Auftaktblatts von Zettl die Motive nicht kannten, war die Auflage schnell verkauft, und die Besteller freuten sich alle zwei Monate über ein neues Blatt. Ein schöner Erfolg, der auch auf dem Vertrauen der Käufer fußte. Mit der 2022 lancierten zweiten Mappe der Edition passten wir das Konzept leicht an: Auflage 50 Exemplare, alle sieben Blätter liegen bereits vor. Somit weiß jeder, was ihn erwartet, wenn er die Edition abonniert.

Karl-Georg Hirschs Holzschnitt Letzter Tanz krönt darin eine ganze Reihe oft skurriler Paare des Altmeisters, die weniger harmlos tänzeln, als vielmehr ihre Kräfte messen. Dieter Goltzsche trägt eine kleine Radierung namens Schaukelpferd bei. Max Uhlig gab uns für die Mappe eine radierte Frauenkopf-Studie aus dem Jahr 1978, von der bislang noch keine Auflage gedruckt wurde. Seine Malerkollegin im Geiste, Gerda Lepke, zeichnete in ihrer Algrafie mit bekannt freiem Strich ein geheimnisvolles Paar. Der Grafiker und Maler Gerd Mackensen zeigt mit seiner handkolorierten Radierung Nur Narr! Nur Dichter! einen Nietzsche jenseits verklärender Heroisierung. Als Vertreter nachwachsender Generationen konnten wir Sven Großkreutz gewinnen. Sein rätselhaftes Blatt Phönix aus Aschersleben ist aufwändig in Ätzradierung, Aquatinta, Kaltnadel und Aussprengtechnik gearbeitet. Und Claudia Berg beschließt die Mappe mit einem Blatt aus ihrem jüngsten Venedig-Zyklus: Haus bei Burano ist ein weiteres Zeugnis ihrer atmosphärisch dichten Radierkunst. 

Die Mappe wurde erneut von Silke Steinhagen in Weimar gebunden, ein Beiblatt in Bleisatz von der Pavillon-Presse Weimar gedruckt. Sieben Blätter für 1.600 Euro, die in ihrer Zusammenstellung mit hoher künstlerischer Varianz verzaubern. Wofür beim Kind Interesse geweckt wurde, das kann echte Sammlerleidenschaft im Erwachsenenalter zeitigen. So, hoffen wir, geht der Samen auf.

(Till Schröder, Text ist erstveröffentlicht im Begleitbuch der BuchDruckKunst, Hamburg 2024)

Plakat zur Kabinettpräsentation „Josef Váchal: Der Blutige Roman” der BSB. | © Studio 6.15, Zlín, 2024

Josef Váchal: „Der blutige Roman“

Der Blutige Roman von Josef Váchal – seit Anfang Januar und noch bis einschließlich des 28. Juni 2024 ist dieses Werk Gegenstand in der Kabinettpräsentation im Foyer des Ostlesesaals der Bayerischen Staatsbibliothek (Ludwigstraße 16, 80539 München). Der Grafiker, Maler, Autor und Buchdrucker Josef Váchal (1884–1969) gehört zu den originellsten tschechischen Künstlern der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine bekanntesten Werke sind Bücher, von ihm selbst verfasst, illustriert, mit eigenhändig hergestellten Lettern gesetzt, in kleinen Auflagen von zehn bis zwanzig Exemplaren gedruckt und meist auch vom Künstler selbst autark und exclusiv gebunden.

Die Kabinettpräsentation im Foyer vor dem Ostlesesaal ist in der Zeit vom 08. Januar bis Ende Juni einem seiner bekanntesten Künstlerbücher gewidmet: dem Blutigen Roman – einer „kultur- und literaturhistorischen Studie”‚ die er 1924 in einer Auflage von ganzen siebzehn Exemplaren herstellte. Provokant, persiflierend und parodierend erweist er mit dem Konstrukt dem sogenannten Blutigen Roman eine Reverenz – einer im Tschechischen gängigen Bezeichnung für eine auf Gewalt, Gefühl und Spannung aufgebaute Spielart der Trivial- beziehungsweise der Schundliteratur.

Als eine der wenigen Bibliotheken außerhalb Tschechiens besitzt die Bayerische Staatsbibliothek die Originale von zwei großformatigen Künstlerbüchern Váchals: Ďáblova zahrádka, aneb přírodopis strašidel (zu deutsch: Des Teufels Gärtlein, oder die Naturkunde der Gespenster) aus dem Jahr 1924 und Šumava umírající a romantická (deutsch: Sterbender und romantischer Böhmerwald) von 1931. Die beiden beeindruckenden, in Leder gebundenen Folianten sind von Josef Váchal mit farbenprächtigen Farbholzstichen illustriert und zählen neben dem Objekt der Schau, dem Blutigen Roman des Künstlers, zu den absoluten Spitzenwerken der tschechischen Zwischenkriegsmoderne. 

Eine deutsche Übersetzung des Blutigen Romans ist überdies 2019 erschienen ... und auch diese Übertragung befindet sich in den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Ausstellung im Foyer vor dem Ostlesesaal befindet sich im dritten Obergeschoss der Bibliothek und ist von Montag bis Freitag 09 bis 19 Uhr (feiertags geschlossen) geöffnet. Der Eintritt in die Exposition ist frei. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 08.04.2024

Die "Meister der Einbandkunst" (hier ein Einblick ins MDE-Archiv Münster) tagen Anfang Mai in Weimar.

MDE-Jahrestagung in Weimar

Die internationale Vereinigung Meister der Einbandkunst e. V. (MDE), die Anfang 2023 ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Reihe Ausstellungen in Leipzig, Oldenburg und Hamburg (der Blog berichtete jeweils) feierte, hält 2024 ihre Jahrestagung vom 03. bis zum 05. Mai in Weimar ab. Im Rahmen des Programms der Tagung wird es u. a. am Sonnabend von 10 bis 13 Uhr eine Führung in der Anna Amalia Bibliothek und abends eine Reihe Fachvorträge (Matthias Hageböck, Marcus Janssens) geben. Am Sonntag steht ein Besuch im Buchwerk (Otto Dorfner Besucherwerkstatt) im Museum Neues Weimar, wiederum begleitet von Vorträgen (Jacek Tylkowski, Benjamin Eibel) an. Mitglieder der MDE (Tagungsgebühr Mitglied und je eine Begleitung: je 100 Euro) sind bei der Tagung willkommen wie auch am Genre interessierte Gäste (130 Euro). Eine Anmeldung ist noch heute möglich, bitte melden unter: nicole.remarque@kh-aachen.de oder (0241) 9 49 82 28.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 07.04.2024

Peter Sodann in seiner Bibliothek – der bundesweit bekannte Künstler und Sammler starb am 05. April 87-jährig in Halle. | © by Jörg Blobelt (CC BY-SA 4.0)

Halle: Trauer um Peter Sodann

Der national bekannte Schauspieler, Film- und Theatermann Peter Sodann ist tot. Er starb am 05. April 2024 im Alter von 87 Jahren in Halle, der Stadt, die ihm lange ambivalent geliebte Wahlheimat war und die ihm, Ehrenbürger der Stadt seit 2005, in ebensolcher Liebe verbunden war und blieb. Sodann, der in den 1980er Jahren in der Saalestadt die Kulturinsel mit ihrem Kern, dem neuen theater, ausgehend von einem besetzten Kinosaal in der Innenstadt, aufbaute und jahrzehntelang deren Intendant war, wurde auch berühmt als Tatort-Kommissar in der Rolle des Bruno Ehrlicher, der an der Seite von Bernd Michael Lade in Dresden und Leipzig ermittelte. Und: Der gebürtige Sachse Sodann war auch ein Mann des Buches. Seit 1990 sammelte er die Buchbestände aus DDR-Produktion, um sie nach eigener Aussage der Nachwelt zu erhalten. Zuletzt war die auf über zwei Millionen Exemplare Bestand angewachsene Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha in der Nähe seiner Geburtsstadt Meißen, wo er nach seiner Abberufung als nt-Intendant auch lebte, beheimatet; eine Genossenschaft soll den Fortbestand der Sammlung sichern. Mit Peter Sodann verliert die Welt einen streitbaren und unbequemen Geist, der, aus der Arbeiterschaft stammend, für die Kunst brannte und auch politisch, wo er durchaus hart anzuecken wusste (für seine Haltung saß er in der DDR zehn Monate in Haft; seine Kandidaturen für den Bundestag und das Bundespräsidenten-Amt waren nicht unumstritten), aktiv war ... Zuletzt war Sodann als Schauspieler in Andreas Dresens Biopic Gundermann zu sehen. Er hinterlässt vier erwachsene Kinder. Als Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft dürfte er wohl mithin das größte Sammelgebiet samt riesigem Bestand besessen haben.

(André Schinkel)