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Nachruf

Pirckheimer-Blog

Nachruf

Mo, 14.01.2013

Wilfried M. Bonsack (7.3.1951 - 15.12.2012)

Foto: © Hinrich Peters
Ich lernte Wilfried 1990 kennen, nachdem die Mauer fiel und er bei der Neuen Gesellschaft für Literatur auftauchte. Auf eigener Faust stellte er eine Anthologie zusammen mit Berliner Autoren aus Ost und West; der Titel war absichtlich so gedruckt, sagte er, daß man ihn als „Zug in der Luft“ aber auch als „Luftzug“ lesen konnte. Ein frischer Wind kann sich anfühlen, wie an die Luft gesetzt zu werden. Wie voll war Wilfrieds Wohnung bei der Premiere dieser Anthologie! Wie viele Autoren lasen ihre Texte daraus, 30? Wie schwer fiel es ihnen, angesichts ihrer Zahl sich jeweils kurz zu fassen.
Ich erinnere mich an den Band von Celan-Gedichten, „Atem“ der Titel, den Wilfried – wieder auf eigene Faust – schon zu DDR-Zeiten zusammengestellt hatte. Celan war nicht gerade ein von der Staatsmacht gern gesehener Autor. Ob Wilfried damit seine Arbeitsstelle beim offiziellen Verlag riskiert hat, weiß ich nicht.

Der Büchernarr gründete seinen Bonsai-TypArt Verlag und machte bibliophile Bücher in kleiner Auflage. Enge Kollaboration zwischen Autor und Verleger -- das klassische literarische Leben, wie es im Buche steht, aber heutzutage selten anderswo. Im Westen war die Problemkonstellation eine andere, nämlich die Frage von Finanzierung, von davon-nicht-leben-können und zu guter Letzt von steuerlicher Erlaubnis. Wilfried sagte mir vor ein paar Jahre, das Finanzamt habe Beamten geschickt, um seine „Druckmaschinen“ zu konfiszieren. Er hatte aber keine, nur einen Computer-Drucker. So machte man seinen Verlag kaputt, weil er kein „Geschäft“ betreiben durfte, ohne Steuer zu zahlen. Aber hat der Verlag je mehr abgeworfen, als er verschluckte? Wilfried war eben kein Geschäftsmann, sondern leidenschaftlicher Literat.

Wilfrieds Wohnung war, wie eine Bekannte vor etwa zehn Tage es formulierte, ein Gesamtkunstwerk. Wer Bücher liebt war geliefert. Manch ein Band lockte, weil er ein Exemplar Buchkunst war; manch einer mit seinem Thema. Dazu die großartige originale Kunst, einschließlich 2 Porträts von Wilfried, an den Wänden, in Petersburger Hängung, d.h. mit kaum einem Fingerbreit zwischen den Bilderrahmen. Jedenfalls an den Wänden, die nicht schon von Bücherregalen besetzt waren.

Und trotzdem sah man von den Bildern und den Büchern weg bei dem Jour Fixe. Jahrzehnte lang, in DDR-Zeiten und nach der Wiedervereinigung meist monatlich und auch noch bis zuletzt mehrmals im Jahr ein höchst stimulierender Vortrag, jeweils von jemandem, der sein Thema wirklich beherrschte, weil es ihm Herzenssache war. Und was für eine Bandbreite an Themen! Stimulierend war auch immer die anschließende Diskussion. Eigentlich konnte man sich über die Jahre das Äquivalent einer Uni-Ausbildung in Kulturwissenschaften, Literaturwissenschaft und Geschichte aneignen, alleine beim Jour Fixe. Dabei bewegte sich die Diskussion viel weiter und freier als an einer Uni, weil niemand um eine Note bangte. Und jede Sitzung war wie eine Fete – man sprach mit Freunden und Bekannten und lernte neue Leute und ihre Ideen kennen. Ich persönlich weiß nicht, was in dieser Stadt diesen Jour Fixe ersetzen könnte.

Und Wilfried selber war stimulierend, im Gespräch über alle möglichen Themen, denn er liebte es, auf neue Gedanken zu kommen und alte neu zu kombinieren. Ob es um Geschichte, Philosophie, vergleichende Religion, fremde Kulturen, Kunst, Literatur, Büchermachen oder Typographie ging. Ideenreichtum – aber mit Humor und Witz, ohne intellektuelle Arroganz. Wilfried wollte immer SPASS mit Ideen haben, und er war an den Ideen anderer interessiert. Er war kritisch, und wenn er meinte, jemand verhalte sich unethisch oder schäbig, könnte er mit dem hart ins Gericht gehen. Aber er hatte Mitgefühl, das nicht erst „eingeschaltet“ werden musste und von dem es ihm nie einfiel, es abzustellen. Nie sollte irgendjemand gekränkt oder verletzt werden. Er hatte nicht nur einen offenen Geist, sondern auch ein offenes Herz. Wenn man bei ihm unten an der Haustür klingelte, musste man nicht noch einmal an der Wohnungstür klingeln, auch nicht wenn die Bude voll war. Wilfried stand schon mit einem freudigen Lächeln in der offenen Tür.

Wir werden ihn vermissen.

(Mitch Cohen)

Mo, 10.12.2012

Gerhard Lahr (1938 - 2012)

Am 23. November verstarb wenige Wochen vor Vollendung seines 75. Lebensjahres der Maler und Graphiker Gerhard Lahr. Als vielseitiger Illustrator für Kinder- und Jugendbücher wurde er in den sechziger Jahren mit stimmungsvollen Bildern rasch bekannt. Seine fantasievollen Zeichnungen schmückten jahrzehntelang die Bücher des Kinderbuchverlags Berlin und anderer Jugendbuchverlag der DDR, Benno Pludras Tambari und Insel der Schwäne, Hannes Hüttners Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt oder Kater Willi, viele Folgen von Herbert Friedrichs Krawitter, Krawatter, Falladas Mäuseken Wackelohr, abenteuerliche Indianer- und ungezählte Tierbücher, die Märchen von Hauff, Musäus und den Brüder Grimm und Werke der Weltliteratur. Mit seinen künstlerisch anspruchsvollen Arbeiten und der Poesie seiner Bilder hatte er Anteil an der Buchkultur der DDR, die auch über deren Grenzen hinaus Anerkennung fand. Lahrs schönste Zeichnungen nahm die Staatsbibliothek in ihre Sammlung von Originalillustrationen auf. Ein Mauerbild an der EastSideGallery und einige Minibücher von der Bordsteinkante, die er mit Straßenkindern vom Zoo gestaltete, zeugen auch von seinem politischen und sozialen Engagement. Die Trauerfeier fand am Freitag, dem 7. Dezember, auf dem Evangelischen Kirchhof in Altglienicke statt. Die Rede von Hans-Eberhard Ernst wird im März-Heft der MARGINALIEN gedruckt werden. Im Heft 168, 2002 wurde bereits eine umfangreiche Würdigung von Annemarie Verweyen mit einer Bibliographie sämtlicher illustrierten Bücher von Heinz Gittig abgedruckt. Zu empfehlen ist auch der in seiner Heimatstadt Reichenbach im Vogtland herausgegebene Katalog Bilder in Büchern – Gerhard Lahr. Herausgegeben vom Neuberin-Museum. Texte von Marion Schulz, Horst Kunze, Carola Pohlmann, Hans Baltzer, Katrin Pieper, Annemarie Verweyen. Mit zahlreichen Farbtafeln. 1. Aufl. Reichenbach/Vogtland: Neuberin-Museum, 2003.
(Hans-Eberhard Ernst)
 
"Wer in der DDR aufgewachsen ist, kennt Gerhard Lahr. Vielleicht nicht dem Namen nach, seine Bilder aber kennt man. „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“, so hieß eins der Bücher, die er illustriert hat. Man erinnert sich an das Huhn, das gerade noch vor dem Feuerwehrauto zur Seite flattert, die Oma mit der roten Nase, die besorgt durch ihre große runde Brille schaut. ..."
...
weiterlesen im im Tagespiegel
(Tatjana Wulfert)
 
 

Fr, 03.08.2012

Wolfgang Rasch (1934 - 2012)

Wolfgang Rasch, langjähriger Geschäftsführer der Stiftung Buchkunst, ist tot. Er starb am Sonntag, dem 29.Juli, im Alter von 78 Jahren. Als Wolfgang Rasch 2000 in den Ruhestand ging, übergaben ihm Freunde und Kollegen eine Festschrift mit dem Titel „Rasch-Hour“.
Einen besseren Titel hätte man für den umtriebigen geborenen Hallenser nicht finden können. Legendär sind seine witzig-schlagfertigen Moderationen von insgesamt neunzehn Wettbewerben „Die schönsten deutschen Bücher“ sowie etlichen Wettbewerben „Schönste Bücher aus aller Welt“.

Ruhestand war für ihn keineswegs Ruhestand: Er nahm einen Lehrauftrag an der Mainzer Gutenberg-Universität an, blieb gern gesehener Gast bei Podiumsrunden, z.B. im Forum Verlagsherstellung zur Frankfurter Buchmesse. Seine Karriere begann er als Hersteller bei S. Fischer. Bekannt war Rasch auch als Sammler von Kochbüchern und Buchkuriositäten.
(Quelle:
buchmarkt)

Nachruf von Uta Schneider

Di, 24.07.2012

Armin Abmeier (1940 - 2012)

Armin Abmeier, geboren am 7. Januar 1940 in Göttingen, arbeitete seit 1966 als Buchhändler und in der Verlagswerbung bei Suhrkamp und S. Fischer, danach mehr als 25 Jahre als Verlagsvertreter für literarische und Kunstbuchverlage, u. a. für Greno, Hanser, Schirmer/Mosel, Steidl, Kunstmann und Wagenbach.
Armin Abmeier war Viel-Leser und Sammler (Erstausgaben, Bilderbücher, Comics) und gab ab 1991 selbst illustrierter Bücher heraus, vor allem Die Tollen Hefte, worüber er mehrfach vor der Pirckheimer-Gesellschaft referierte. Er hielt darüber hinaus auch Vorträge über Illustration in Hochschulen und veranstaltete Ausstellungen mit Illustratoren. Seit 2006 war er Kurator der Stiftung Illustration. 2010 gründete er Die Tolle Galerie. Armin Abmeier lebte mit seiner Frau, der Illustratorin Rotraut Susanne Berner, in München. Er verstarb am 24.Juli 2012.

Di, 13.12.2011

Werner Greve (1952 - 2011)

Lieber Werner,

wo auch immer Du jetzt sein mögest, ich danke Dir für schöne gemeinsame Begegnungen, vor allem Deinen unvergesslichen Katalog-Beitrag zu Max von Boehns "Der Tanz". Dein Antiquars-Leben war die Musik. Ich wünsche Dir, daß Du all den Gesellen, deren Werken Du Dich im Hier gewidmet hat, im Drüben begegnest. Da hättest Du bestimmt viel Freude. Und wenn, grüß' den Bach und den Mozart. Bis irgendwann, wenn.

Dein Freund und Kollege Roman Heuberger

Do, 17.11.2011

Günter Lott-Stolz (1936 - 2011)

Unser Schweizer Mitglied Günter Lott-Stolz wurde am 11. November nach kurzerer Krankheit kurz vor Vollendung seines 75. Lenbensjahres aus unserer Mitte und aus einem aktiven Leben gerissen.
Die Abdankung findet am 18. November 2011 um 11.00 Uhr in der katholischen Kirche Stäfa statt. Im Sinne des Verstorbenen bitten die Angehörigen statt Blumenspenden der SBS Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte zu gedenken. Schweizer Postcheckkonto 80-1514-1.

Mo, 09.08.2010

Carlos Kühn (1928 - 2010)

Unser Mitglied, der Berliner Antiquar Carlos Kühn, ist am 3. August nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben.
Nach einem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft (an der jungen Freien Universität in Berlin-Dahlem) und ersten Berufsstationen bei Gerd Rosen und der Galerie Bassenge in Berlin sowie beim Antiquariat Stern-Verlag in Düsseldorf wurde der am 2. Juli 1928 geborene Carlos Kühn Ende der 1960er Jahre Teilhaber des Antiquariats Carl Wegner im Berliner Bezirk Schöneberg. Nach Wegners Tod im März 1972 wurde Kühn Inhaber dieses Antiquariats, das er erst 2001 an Mathias Proksch verkaufte. Zu den von Carlos Kühn besonderen gepflegten Gebieten zählte etwa die Theaterliteratur; auch zahlreiche Verkaufskataloge zu verschiedenen Themen wurden erstellt.
Carlos Kühn, der sich auch im Rahmen des Berliner Bibliophilen Abends engagierte, hat seit den 1950er Jahren eine Reihe von Beiträgen für 'Aus dem Antiquariat' und für die MARGINALIEN verfasst (Auktionsberichte, Nachrufe auf Berliner Kollegen, aber auch einen sorgfältig illustrierten Beitrag über Buchhändlermarken). Der 2007 erschienene Band "Bücher, Kunst und Kataloge. Dokumentation zum 40jährigen Bestehen des Antiquariats Jürgen Holstein" enthält ebenfalls einen sehr lesenswerten Aufsatz aus Kühns Feder.
Die Beisetzung findet auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen im engsten Familienkreis statt. Im Antiquariat Carl Wegner in der Martin-Luther-Straße 113 liegt ein Kondolenzbuch aus.

Quelle: è Boersenblatt.net

So, 14.03.2010

Leinwände bleiben leer

Zum Tod des Berliner Malers und Zeichners Peter Hoppe

Jetzt ist das E-Mail-Gespräch, in dem wir uns stritten und verständigten, abgebrochen, wie ein Brief, mitten durchgerissen, ohne je zu wissen, was im unteren Teil geschrieben sein soll. Über dem Riss steht noch seine frohe Kunde, mit seinen »Gefühlten Landschaften« im »Intermezzo« der Galerie am Gendarmenmarkt zwischen Skulpturen und Bildern von Theo Balden bis Ursula Strozynski präsent zu sein.
Wie ein Sisyphos ging Peter Hoppe jeden Morgen an sein Tagewerk. Doch kein Gott zwang ihn dazu und kontrollierte sein Steinerollen, den Werdegang des Bildes. Die Stechuhr tickte in seinem Gewissen. Selbstbestimmt schuf er sein Werk. Die leeren Leinwände umstellten ihn fordernd. Graue Flächen, die erst Form, Farbe und Leben gewinnen wollten. Im Kunstwerk durchspielte er Formen des Wahrscheinlichen wie Möglichen. Stiltendenzen trennten sich in eigene Bildserien oder Suiten, als konkrete Kunst in »Geometries« und als gestische und figürliche Malerei. In den Stilkontrasten lebte er gegensätzliche Denk- und Fühlaspekte aus, die in der Persönlichkeit ihr Kontrastprogramm austrugen.
So durchlebte der Künstler Metamorphosen und seine Katharsis. Eine Reinigung, in der der Künstler einen Abstand gewann von vorherigen Bildformulierungen.
»Und immer die metamorphosen im sinn / die versuchung / neuzubeginnen wenn das leben vorbeitaumelt«, schrieb Peter Hoppe, ein Dichter, in seinen »Frühstückstischtexten«. Doch in den Gegensätzen und Wandlungen blieb Peter Hoppe erkennbar. Es war ein Wandel in der Identität, eine »Kontinuität in der Ambivalenz«. Abwechslungsreich pendelt seine Kunst zwischen Farbbrillanz und strenger Farbreduktion, die ihre stilistischen Endpunkte in den Grisaillen wie in den konstruktiven Formen aus Kreisen, Ellipsen, Rechtecken gefunden haben. In den Serien, wie »ATELIER«, 2008, oder »oktoberlandschaften«, 2000, gibt es formale und gedankliche Zusammenhänge, klingen die Variationen wie in einer Satzfolge zusammen.
Ein Wandel in der Kontinuität zeigte sich auch in der Vita des Künstlers: Peter Hoppe wurde im November 1938 in Chemnitz geboren, erlernte den Beruf eines Baumalers, studierte 1956-59 an der Fachschule für Angewandte Kunst Berlin/Potsdam und im Anschluss an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bei den Professoren Ernst Rudolf Vogenauer, Fritz Dähn, Arno Mohr und Walter Womacka. Das Diplom für Malerei erhielt er 1965, und es folgte eine einjährige Aspirantur. Seit 1967 war Hoppe freiberuflich in Berlin tätig. Vielseitig kreativ war er als Grafiker und am Theater, wo er für Schauspiel und Ballett Ausstattungen schuf. Vor allem aber war Peter Hoppe mit Leib und Seele ein exzellenter Zeichner und Maler.
Bekannt geworden ist Peter Hoppe Mitte der 70er Jahre mit eher veristischen Bildern des Nature morte und den herausragenden Porträts von Herbert Sandberg. Einen künstlerischen Übergang von diesen zu einer malerischeren Bildform bezeichnet sein »autoritratto quattro« von 1985. Höhepunkte seines Schaffens sind Wandbilder in Berlin, namentlich das Mosaik »Der Mensch im Kreislauf der Natur«, 1979/80, am Helene-Weigel-Platz, das 2007 bei der Wärmedämmung des Hauses überkleidet wurde. Unter der Dämmung: Ikarus. Sein Marzahner Plafond von 1991 markiert eine Zäsur, denn hier entwickelte er die betont malerische Bildform mit schwelgenden Farbräumen, in denen er die innere Geste und psychische Verfassung umsetzte. An seinem Sommersitz Wölsickendorf schuf er 1993 in der Dorfkirche die Altarwandbemalung im Selbstauftrag.
In Hoppes Bildern besitzt Nonfiguratives eine gleichnishafte Figurbezogenheit, Zeitgeschichte ist ins Leibhaftige und Zeichenhafte übersetzt, so 1990 in den Zeichnungen und Gouachen zur »Schönen Neuen Welt«, Aldous Huxleys satirischem Buch »Brave New World« entlehnt. In freier poetischer Weise überhöhte er seine Gestalten metaphorisch zu Topoi und verankerte sie mythisch in Orpheus, Apollon, Dionysos. Der Künstler führte als Parisurteil-Meister unterschiedliche Aspekte der Geschlechterbeziehungen voll Erotik, Eitelkeiten, Sehnsüchten, Leidenschaften und Spannungen in einer reichen, formelhaften Ausdrucksskala vor Augen. Impulsive Sinnlichkeit und artifizielles Vermögen gewannen hier Gestalt .
Auf meine Mail vom 3. März mit der Bitte, an der Merseburger Kassandra-Ausstellung teilzunehmen, blieb die Antwort weg. Leinwände bleiben leer. An diesem Mittwoch voriger Woche ist Peter Hoppe auf einer Straße in Berlin tot zusammengebrochen.
(Peter Arlt)

© Neues Deutschland

Mi, 10.03.2010

Deutsche Bücher

Nachruf von Klaus Hillenbrand in der taz

Die Buchhandlung "Landsberger Books" in Tel Aviv gibt es nicht mehr. ... Es war das Reich von Ernst Laske, dem Antiquar. So wie Esther Parnas' Eltern einst mit ihren Eltern aus Deutschland nach Tel Aviv gekommen waren, so war auch Herr Laske ein ehemaliger deutscher Jude, geboren 1915 in Berlin. Aber Laske, schon damals längst im Rentenalter und mit nur noch wenigen grauen Haaren auf dem Kopf, war nicht irgendein Antiquar. ... Schon sein Vater Gotthard hatte leidenschaftlich Bücher gesammelt und gründete den Berliner "Fontane-Abend". ...

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zum Artikel

Sa, 16.01.2010

Konrad Reich (1928 – 2010)

Der Verleger Konrad Reich verstarb am 13. Januar 2010 in einem Güstrower Krankenhaus.

Konrad Reich leitete von 1959 bis 1977 den Hinstorff Verlag, entdeckte und förderte in dieser Zeit namhafte Autoren wie Ulrich Plenzdorf, Jurek Becker, Franz Fühmann und Klaus Schlesinger. Unter seiner Ägide entwickelte der Verlag die legendäre maritime »Blaue Reihe«, wurde das Belletristikprogramm mit skandinavischen Dichtern erweitert.

Ab 2006 erschien das Programm des renommierten Konrad Reich Verlages, den er 1990 gründete, unter dem Label »Edition Konrad Reich« bei Hinstorff.

Wir trauern um einen herausragenden Verleger, einen engen Berater und besonderen Menschen.

»Noch vor Weihnachten haben wir uns getroffen, und mit dem ihm eigenen Optimismus hat er die Schwere seiner Erkrankung in den Hintergrund gestellt. Stattdessen war all sein Streben darauf gerichtet, die zahlreichen Projekte und Bücher, die er für die Edition Konrad Reich noch umsetzen wollte, in die richtigen Bahnen zu lenken, mit all der Erfahrung und Souveränität, die sein außergewöhnliches Verlegerleben mit sich gebracht hat. Sein Tod hat mich zutiefst betroffen - der Hinstorff Verlag verliert einen Mentor, ich selbst einen Menschen, dem ich mich freundschaftlich tief verbunden fühlte.«
(Eva Maria Buchholz)

Sa, 28.11.2009

Fritz Treu (1908 - 2009)

Unser Ehrenmitglied Fritz Treu, Bibliothekar, Mitglied unserer Gesellschaft seit 1960, ist am 5. November im Alter von 101 Jahren verstorben.

Noch vor wenigen Jahren konnte ich ihm gelegentlich morgens auf der Hauptstraße in Radebeul-Ost begegnen und ehe ich ihn fragen konnte, war er es, der den viel Jüngeren fragte, wie es ihm gehe. Bei der Gegenfrage sagte er nur „Ach weißt du, die Beine wollen nicht mehr so recht". Als er seinen Hundertsten feierte, durfte ich ihn auf seine Bitte hin zeichnen. Darauf bin ich stolz. Wir gedenken eines Menschen, der Wissen und Weisheit verband, der ein einfacher Mensch war und Bildung niemals als Privileg der Betuchten verstand. Ein Dresdenkenner, ein Kunstkenner, ein Kunstförderer allererster Güte! Der Mitbegründer des Radebeuler Grafikmarktes, dieser hochsensible Mann, gibt uns ein Erbe weiter, Kunst und Menschlichkeit in Sorgfalt zu vereinen. Wir Radebeuler Bürger, vor allem die Bildenden Künstler, gedenken in Ehrfurcht eines großen Menschenfreundes!
(Dieter Beirich)

Mo, 21.09.2009

Gerhard Hentrich (1924 - 2009)

Am 6. Mai 1924 geboren und in Berlin aufgewachsen, wollte Gerhard Hentrich Jura studieren. Das war ihm verwehrt, weil seine Mutter im seinerzeitigen Jargon eine „Halbjüdin“ war. Sein Vater mußte Zwangsarbeit leisten. Er selbst wurde nach dem Abitur zum Militär einberufen und ein Jahr vor Kriegsende schwer verwundet; er hatte deshalb lebenslang unter Phantomschmerzen zu leiden.
Nach Kriegsende eröffnete er gemeinsam mit seinem Vater in Steglitz eine kleine Druckerei, die Mitte der fünfziger Jahre erweitert werden konnte und in die Westberliner Albrechtstraße umzog. 1981 wurde dort die Edition Hentrich geboren, die er Anfang der neunziger Jahre verkaufen mußte. Im Herbst 1998 gründet er gemeinsam mit seinem Sohn Harald Hentrich den Verlag Hentrich & Hentrich, heute im Brandenburgischen Teetz ansässig. Gerhard Hentrich, dessen Engagment man bereits seit 1982 als Verleger der Reihe Bücher gegen Vergessen und Verdrängen kannte, widmete sich nunmehr mit einem kleinen Stab engagierter Mitarbeiter in seiner verlegerischen Tätigkeit verstärkt dem Thema der nationalsozialistische Verfolgung und dem Schicksal deutscher Juden. Es entstanden unter seiner Federführung die Reihen Jüdische Miniaturen mit Biographien von Albert Einstein, Max Liebermann, Victor Klemperer und Friedrich Wolf sowie Jüdische Memoiren, und er verlegte die Schriftenreihe des Centrum Judaicum. Die von ihm herausgebrachten Erinnerungen des KZ-Häftlings Adolf Burger Des Teufels Werkstatt über die Geldfälscherwerkstatt der Nazis im KZ Sachsenhausen wurde in Österreich von Stefan Ruzowitzky unter dem Titel Die Fälscher verfilmt.
Obwohl Gerhard Hentrich häufig feststellen mußte, daß in der heutigen Gesellschaft sein Engagement allzu oft ins Leere lief, gab er nie auf. Nun wird er das Erscheinen des 100. Bands der Jüdischen Miniaturen nicht mehr erleben. Gerhard Hentrich starb am 19. September 2009 im Alter von 85 Jahren in Berlin. Den Kennern seines Verlags und allen, die seinen Einsatz gegen das Verschweigen erlebten, wird Gerhard Hentrich in Erinnerung bleiben.
(A.D.)

è 50 Jüdische Miniaturen beim BBA
è Jüdische Miniaturen: Friedrich Wolf

Mi, 05.08.2009

Wolfgang Jörg (1934 – 2009)

Am 27. Juli 2009 verstarb der Maler und Graphiker Wolfgang Jörg. 1934 in Köln geboren, studierte er von 1955 bis 1958 an der Kölner Werkkunstschule in der Klasse für freie Malerei bei Professor Vordemberge. 1958 übersiedelte er nach Westberlin und war bis 1963 Meisterschüler bei Professor Hartmann an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Dort lernte er Erich Schönig, ebenfalls Meisterschüler bei Hartmann, kennen und gründete mit ihm noch während seines Studiums 1961 als „künstlerische Arbeitsgemeinschaft“ die Berliner Handpresse, die sich mit der Herausgabe alter und neuer Texte in Verbindung mit Original-Graphiken einen Namen machte. Ab 1965 folgte eine verdienstvolle Edition von Kinderbüchern mit Original-Handdrucken und seit 1973 die "Reihe Werkdruck" und "Satyren und Launen", sowie "Bücher mit Originallinolschnitten". In den kommenden Jahrzehnten konnte die Berliner Handpresse unter der Leitung von Wolfgang und Ingrid Jörg Autoren wie Ernst Jandl, Sarah Kirsch, Peter Hacks, Günter Kunert, Fritz Rudolf Fries, Helga Königsdorf und Illustratoren wie Klaus Ensikat, Manfred Bofinger, Eva Johanna Rubin, Albrecht v. Bodecker, Ralf Bergner, um nur eine kleine Auswahl von Namen bedeutender Künstler zu nennen, gewinnen. Nicht nur durch die über 250 bibliophilen Kostbarkeiten der Berliner Handpresse, die seinem Wirken zu verdanken sind, wird Wolfgang Jörg allen Buchliebhabern und Freunden des Drucks und der Graphik in ehrender Erinnerung bleiben.
(A.D.)

Mo, 06.10.2008

Walter Schiller zum Gedenken



Liebe Freunde,

am 7. August starb im Alter von 88 Jahren Walter Schiller. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir an den ebenso zurückhaltenden wie eindrucksvollen Menschen, den wunderbaren Typografen und Hochschullehrer erinnern. Und ihn ehren.

Am besten nähert man sich Walter Schiller über die vielen von ihm gestalteten Bücher. Einige davon werden an diesem Nachmittag präsentiert werden.
Wenn auch Sie ein von Walter Schiller gestaltetes Buch, ein Plakat, ein typografisches Blatt besonders schätzen, würden wir uns freuen, wenn Sie es mitbringen und vorstellen würden. Eingeladen, etwas zu dem Gespräch bei einem Glas Wein beizutragen, sind auch alle, die mit Walter Schiller an einem Buch gearbeitet haben und über ihre Erfahrungen aus der Kooperation berichten können.

Wir laden Sie herzlich ein, am Sonntag, dem 19. Oktober, 15 Uhr, an diesem Gespräch über Walter Schiller, Literatur und Buchgestaltung im Lindenau-Museum teilzunehmen oder einfach als Zuhörer zu kommen.

Die Solocellistin des MDR-Sinfonieorchesters Sybille Hesselbarth wird gemeinsam mit der Pianistin Konstanze Hollitzer musizieren.

Jutta Penndorf
è Lindenau-Museum Altenburg
Gabelentzstr. 5
04600 Altenburg/Thüringen
Telefon: 03447 89553
Telefax: 03447 895544

Sa, 05.01.2008

Hedwig Bartkowiak (1910 - 2007)

Hedwig Bartkowiak, Jahrgang 1910, siedelte 1985 von Berlin nach Hamburg über und begann sich gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter um die Förderung der zeitgenössischen Buchkunst zu engagieren. Bei der Herausgabe des »Kompendiums zeitgenössischer Buchkunst« war sie federführend. Diese Publikation, in der Buchkünstler und Buchkünstlerinnen aus aller Welt ihre Werke vorstellen konnten, erschien von 1988 bis 2005 in 27 umfangreichen Bänden. Um die in dieser Publikation veröffentlichten Werke möglichst vielen Menschen nahe zu bringen, organisierte das Familienunternehmen Bartkowiak über 100 Buchkunst-Präsentationen in Deutschland, dem Europäischen Ausland und in den USA.

Ein weiterer Unternehmenszweig war die Ausrichtung kleiner und größerer Buchkunst-Messen, wie zum Beispiel der Norddeutschen Handpressenmesse, die alle zwei Jahre im Museum der Arbeit in Hamburg statt findet. Als 1998 der gemeinnützige Verein BuchDruckKunst e.V. Hamburg gegründet wurde, war Hedwig Bartkowiak das erste Gründungsmitglied. An allen Projekten des Familienunternehmens und auch an denen des Vereins wirkte sie bis zu ihrem zweiundneunzigsten Lebensjahr aktiv mit. Dabei konnte sie ihre vielfältigen organisatorischen Fähigkeiten, ihren ausgebildeten Sinn für Ästhetik, ihr immenses Wissen um die Geschichte der Typografie und der Buchkunst ganz in den Dienst der Sache stellen.

Dank ihrer unermüdlichen Arbeit im letzten Viertel ihres Lebens genießt »Bartkowiaks forum book art« in Fachkreisen heute den Ruf einer kulturell weltoffenen, von immer neuen, zukunftsorientierten Ideen beseelten Institution. Als jüngstes Kind aus dem Hause Bartkowiak erlebte die Seniorchefin noch die Entwicklung der Ersten internationalen Online-Datenbank zeitgenössischer Buchkunst (
www.b-art1.net), die seit kurzem als globales Schaufenster der zeitgenössischen Buchkunst im Internet zu finden ist. Die Familie und der Verein BuchDruckKunst e.V. sorgen dafür, dass Hedwig Bartkowiaks Initiative weiter lebt und sich immer wieder auf neue Art entfaltet.

(Heinz Stefan Bartkowiak)