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Nachruf

Pirckheimer-Blog

Nachruf

Do, 07.07.2016

Werner Schinko (1929 - 2016)

Der Maler und Grafiker Werner Schinko, geboren 1929 in Böhmen, ist tot. Wie der Berliner Aufbau-Verlag mitteilte, starb er in seiner Heimatstadt Röbel im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Schinko wurde 86 Jahre alt.
Schinko gehörte zu den namhaftesten Künstlern in der DDR. Bekannt geworden ist er in den 50er-Jahren mit seinen Illustrationen zum Werk Fritz Reuters: seine Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee stellten mehrere Holzschnitte zu Reuters Verserzählung "Kein Hüsung" dar.
Werner Schinko, Rotkäppchen, 1976
Aber auch zahlreichen weiteren Büchern gab er ein Gesicht. Er entwarf allein für den Hinstorff-Verlag mehr als 100 Buchtitel, etwa für den Roman "Ole Bienkopp" von Erwin Strittmatter. Bekannt sind auch seine Märchenfiguren und Fabeltiere.
(nach einer Meldung auf ndr.de)

2011 führte Werner Schinko gemeinsam mit Hans-Joachim Behrendt und Hans Koch die Berlin-Brandenburger Pirckheimer anläßlich einer Jahresexkursion durch das Druckkunstmuseum Alte Schule in Krakow am See.

Di, 24.05.2016

Adolf Born (1930 - 2016)

Gestern verstarb der in Prag lebende und arbeitende Buchillustrator und Grafiker Adolf Born, vielen Bücherfreunden hierzulande bekannt durch die bei Eulenspiegel erschienene Bilderbücher der Verführungskunst und ... der Reisekunst, beide mit einigen Empfehlungen für angehende Liebhaber, bzw. für an- und abgehende Reisende von Lothar Kusche. "Seine zahlreichen Farblithografien verknüpften und verknüpfen die Ansprüche der bildenden Kunst mit denen der humoristischen Unterhaltung. Es sind die Phantasmagorien einer imaginären Vergangenheit, deren jüngste Ausläufer bis kurz vor die Zeit seiner Geburt reichen, die Adolf Born in die Nähe des Phantastischen Realismus rücken. Lustige Fabelwesen und Spukgestalten bevölkern seine nicht selten auch unaufdringlich erotischen Bilder." (Wikipedia)
Eine Vielzahl von Preisen begleiteten sein Schaffensprozess, so aus Italien, Frankreich, Spanien, Finnland, Belgien, der BRD, der DDR, der Türkei, dem Iran, Kanada und Australien.

Sa, 23.04.2016

Hans Heidler (1943 - 2016)

Am heutigen „Welttag des Buches“ hatte sich eine große Trauergemeinde in der Pfarrkirche von Bobingen bei Augsburg versammelt, um Abschied zu nehmen von unserem früheren Mitglied Hans Heidler.
Heidler, gebürtig aus dem Sudetenland, und in den Nachkriegswirren ins Lechfeld gekommen, studierte Geschichte und Anglistik – und der Literatur, speziell der englischen, gehörte seine lebenslange Liebe und Bewunderung. Seit 1976 bereiste er als Angestellter des Goethe-Instituts die Welt. Jeweils im Wechsel mit Inlandstätigkeiten hielt er sich etwa Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger viele Jahre in Ägypten auf, zusammen mit der schnell wachsenden Familie. In den Neunzigern verbrachte er ein volles Jahrzehnt in Australien, um Deutschlehrer fortzubilden. Auch in der Fremde ging er auf Bücherjagd; voller Begeisterung erzählte er mir erst letztes Jahr auf der gemeinsamen Autofahrt zum Jahrestreffen nach Meißen von den ganz speziellen, unvergleichlichen Antiquariaten in Kairo.
Zwischenzeitlich in Rothenburg o.d.T. und Würzburg wohnhaft, danach in Berlin und vier Jahre in Lissabon, zog es die Familie im Jahr 2008 wieder nach Bobingen. So konnte er zusammen mit Ehefrau Irmgard, die seit dem letzten Jahr seine Mitgliedschaft weiterführt, die „Pirckheimer in Bayern“ bereichern.
Hans Heidler wies zwar die Benennung als „Bibliophiler“ von sich – zweifelte gar ein bisschen, ob er ein „richtiger“ Pirckheimer sei, da er ja seine Bücher ausschließlich wegen des Inhalts auswählte – aber ich glaube, da konnte ich ihn beruhigen: er war ein wahrlich großer Bücherfreund!
(Matthias Haberzettl)

Sa, 12.03.2016

Otto Rohse (1925 - 2016)

Der Buchgestalter und Illustrator Otto Rohse ist am 5. März im Alter von 90 Jahren gestorben.
Otto Rohse wurde am 2. Juli 1925 im ostpreußischen Insterburg geboren und lebte nach dem Krieg in Hamburg und kurzzeitig in Offenbach. 
Mappenwerk mit 25 Kupferstichen
Otto Rohse Presse, numm.Aufl., 20 Expl.
In der Otto-Rohse-Presse wurden bibliophile Buchausgaben von hohem Anspruch verlegt, die nicht nur von Freunden der Buchkunst gesammelt werden, sondern auch in museale Sammlungen Eingang gefunden haben. Zwischen 1962 und 2002 veröffentlichte die Otto-Rohse-Presse über 50 Pressedrucke, dazu Mappen- und Kassettenwerke, unter anderem Andreas Gryphius, Heinrich von Kleist, Goethe, Schiller, Hölderlin, Novalis und Melville, aber auch Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Johannes Bobrowski und Siegfried Lenz, die in Zusammenarbeit mit dem Buchbinder Christian Zwang entstanden.
1969 erschien bei Otto Rohse das erste Heft von Sigill – Blätter für Buch und Kunst, einer Zeitschrift, die er mit dem Ziel gründete, „exemplarische typographische Arbeiten, Illustrationen in Originalverfahren und originalgetreue Farb-Reproduktionen zu veröffentlichen“. Bis 1999 erscheinen 42 Ausgaben, die mit einer großen Anzahl von Originalgraphiken gedruckt werden und in Typographie und Handheftung den Charakter von Pressen tragen. 
Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Otto Rohse erhielt, zählte im Jahr 2000 die Ehrenurkunde der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst.

Mi, 02.12.2015

Ruth Sackner

Anfang der 1990er Jahre lag in meinem wackeligen Briefkasten im zweiten Hinterhof in der Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg ein Brief mit gedruckten kyrillischen Zeichen und dem Absender „The Ruth & Marvin Sackner Archive of Visual and Concrete Poetry, Miami Beach“. Der Brief selbst war handschriftlich von Marvin Sackner geschrieben worden. Er erkundigte sich nach der Möglichkeit, die Zeitschrift „teraz mowie - Hefte für visuelle Poesie“ komplett zu erwerben. Den Tipp muss er aus Russland von den inzwischen verstorbenen Neofuturisten Serge Segay und Rea Nikonova bekommen haben. Und natürlich gab es die Möglichkeit, diese Hefte und noch viel mehr zu beziehen. Bei unseren weiteren Korrespondenzen wurde schnell deutlich, dass die Sackners das weltgrösste Archiv für Künstlerbücher und -editionen angesammelt hatten – voller leidenschaftlicher Hingabe an die erworbenen Werke, mit denen sie ihr Haus gestalteten, Gäste aus aller Welt empfingen oder externe Ausstellungen konzipierten. Unter den Sammlern von Künstlerbüchern sind sie die Superstars.
Ruth & Marvin Sackner
(...) Gelegentlich rief ich bei den Sackners an und einmal sprach ich mit Ruth über Menschen in öffentlichen Institutionen, die in herausragender Position sind, aber überhaupt keine Impulse für die Sammlung haben. Warum die ausgerechnet mit Kunst zu tun haben, weiß niemand. Beim Finanzamt wären sie vermutlich viel effektiver. Für Ruth waren das Menschen ohne langen Atem, ohne Leidenschaft für die Kunst, ohne Ausdauer.
(...) Kurz bevor die Sackners als aktive Sammler aufhörten, besuchten sie mich noch einmal in Berlin. Wir verbrachten einen sehr entspannten Tag am Potsdamer Platz und in meinem 12 Quadratmeter großen Zimmer in Schöneberg, zu dritt auf wackeligen Stühlen, wobei einer zusammenkrachte. Ruth ist mir als eine attraktive, warmherzige Frau in Erinnerung geblieben. Heute schrieb mir Marvin, daß sie am 11. Oktober 2015 im Schlaf gestorben ist. 
(Hartmut Andryczuk)

... kompletten Artikel lesen in Der Daten-Messie

1 Kommentar:
 Peter Verheyen hat gesagt …

Hier auf Englisch die Todesanzeige mit Video über die sehr beeindruckende Sammlung. Ihr Tod hat hier in den USA ein sehr großes Loch in die Buchkunst Szene gerissen.
02. Dezember 2015

So, 15.11.2015

H. Stefan Bartkowiak (1939 - 2015)

Stefan Bartkowiak ist am 5. November im Alter von 75 Jahren in Hamburg gestorben.
Heinz Stefan Bartkowiak wurde am 19. Dezember 1939 in Stuttgart geboren. Nach einer Lehre als Verlagskaufmann studierte er in Berlin Grafikdesign mit Schwerpunkt Illustration. Sein beruflicher Werdegang begann in Werbeagenturen und Filmproduktionen in Berlin, München, Frankfurt, Lugano und Hamburg. 1971 machte er sich als Filmdesigner und Filmproduzent selbständig.
Bei Freunden zeitgenössischer Buchkunst und allen Bibliophilen ist Heinz Stefan Bartowiak bekannt durch »Bartkowiaks forum book art« dessen Inhaber er seit 2007 war. Dieses Forum wurde 1988 als private Initiative von ihm mitgegründet und widmete sich bis 2005 in gedruckter Form, danach ausschließlich im Internet, der Veröffentlichung von Arbeiten gegenwärtiger Pressendrucker und Buchkünstler.
Bartkowiaks umfangreiche private Sammlung von Pressendrucken, Künstlerbüchern und Plakaten sowie seine Handbibliothek mit wichtigen Nachschlagewerken, Werkverzeichnissen und Katalogen wurde 2010 von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg übernommen. 

è Traueranzeige der Familie im Hamburger Abendblatt

Di, 14.04.2015

Abschied von Günter Grass

"Wir werden ihn sehr vermissen"
Nobelpreisträger Günter Grass hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die deutsche Literatur geprägt wie kaum ein zweiter. Jetzt ist er mit 87 Jahren gestorben. Auf boersenblatt.net einige Stimmen aus der Buchbranche – zum Abschied.
Günter Grass beim Signieren im Foyer des Berliner Ensembles (Foto: Dagmar Parkner)
Auch Pirckheimer drücken ihre Trauer über diesen großen Verlust aus, so u.a. Ralf Parkner in einer Erinnerung auf facebook.

Mi, 01.04.2015

Roland Links (1931 - 2015)

© privat
Roland Links, der vielen Pirckheimern persönlich bekannte und geschätzte Verleger, ist am 31. März im Alter von 84 Jahren in Leipzig verstorben. Roland Links, 1931 im deutschen Siedlungsgebiet Rumäniens geboren, gehörte zu den prägenden Figuren der ostdeutschen Verlagslandschaft und war maßgeblich an der Edition internationaler Literatur in der DDR beteiligt.
Er arbeitete er von 1954 bis 1978 als Lektor im Verlag Volk und Welt, wo er etwa den ersten Roman von Klaus Schlesinger (Michael) oder mit Fritz J. Raddatz die Werkausgabe von Kurt Tucholsky betreute. Als Herausgeber war er für Bände zur internationalen Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere aus Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich, woraus unter anderem eine lebenslange Freundschaft mit Max Frisch erwuchs. 1964 veröffentlichte er eine Alfred-Döblin-Biografie (1981 bei C.H. Beck Verlag). Von 1978 bis 1979 war er freiberuflich tätig. Danach leitete er bis 1990 die Verlagsgruppe Kiepenheuer in Leipzig, zu der der Gustav Kiepenheuer Verlag, der Insel-Verlag Anton Kippenberg, der Paul List Verlag und die Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung gehörten. Von 1990 bis 1992 war Roland Links Geschäftsführer des Insel-Verlages Leipzig.

Do, 13.11.2014

Hannes Hegen (1925 - 2014)

Johannes Hegenbarth, 1958
Foto: Wolfgang G. Schrödter
© Lehmstedt Verlag
Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen ist im Alter von 89 Jahren am 8. November 2014 in Berlin gestorben.
Johannes Hegenbarth wurde am 16. Mai 1925 in Böhmisch-Kamnitz (heute Česká Kamenice) als Sohn eines Glasgraveurs geboren. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus dem Sudentenland siedelte sich die Familie zunächst in Ilmenau an. Von 1948 bis 1951 studierte Hegenbarth an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, schloss das Studium jedoch nie ab, weil er schon als Student freier, dann fester Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift „Frischer Wind“ / „Eulenspiegel“ in Berlin wurde, für die er Hunderte Karikaturen anfertigte. 1955 gründete er unter seinem Künstlernamen „Hannes Hegen“ die Comic-Zeitschrift „Das Mosaik“ mit den drei Hauptfiguren Dig, Dag und Digedag. Mit zunächst zwei, später mehr als zehn Mitarbeitern schuf er in seinem Atelier in Berlin-Karlshorst die bedeutendsten Comic-Serien der DDR. Gemeinsam mit dem Textautor Lothar Dräger entwickelte er 1964 das einzigartige Konzept des „großen humoristischen Bildromans“, einer über viele Jahre hinweg laufenden Comic-Geschichte. Mehrere Generationen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Osten Deutschlands sind von den Geschichten um die drei Digedags und ihre Gefährten wie den liebenswert-tollpatschigen Ritter Runkel von Rübenstein geprägt worden. Obwohl die Auflage mehr als 600.000 Stück betrug, konnte die Nachfrage nie befriedigt werden. 1975 kündigte Hegenbarth die Zusammenarbeit mit dem Verlag und zog sich vollständig ins Privatleben zurück. Nach 1990 erlebten die alten Hefte mit den Digedags in Gestalt von Nachdrucken, Buchausgaben und Sammlereditionen eine unerhörte Renaissance.
Johannes Hegenbarth, dessen Werk so außerordentlich populär war und ist, hat immer die Öffentlichkeit gescheut. Jetzt ist er in aller Stille gegangen. Die Trauerfeier findet am 18. November, 11 Uhr, auf dem Friedhof in Berlin-Karlshorst, Robert-Siewert-Straße 76, statt.

Mo, 13.10.2014

Renate Gollmitz (1932 - 2014)

Am 8. Oktober, eine Woche nach ihrem 82. Geburtstag, starb nach langer schwerer Krankheit die Berliner Bibliothekarin Renate Gollmitz, die der bibliophilen Öffentlichkeit durch Mitarbeit an etlichen Publikationen bekannt ist. So war ihre Bibliographie der illustrierten Bücher von Werner Klemke in Heft 13 der MARGINALIEN (1963) für viele Sammler Anlass, die Arbeiten dieses überaus produktiven Buchkünstlers zu sammeln. Renate Gollmitz war seit 1962 Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und begleitete diese lange Zeit aktiv und als Mitstreiterin von Horst Kunze. Sie engagierte sich bei den Pirckheimern in verschiedenen Funktionen, ab 2000 als Vorstandsmitglied der Berlin-Brandenburger Regionalgruppe.

Hartmut Erlemann (1948 - 2014)

Foto © Christian Höflich
Es war mir nicht mehr vergönnt, den Eutiner Antiquar Hartmut Erlemann, mit dem mich in den letzten Jahren ein intensiver brieflicher Kontakt verband, persönlich näher kennenzulernen. Seine Sammlung und Untersuchungen zum Wirken jüdischer Bibliophilen in den Vereinigungen in Deutschland teilweise bis 1941, insbesondere beim Berliner Bibliophilen Abend, als Bibliophilen Freunde und in der Soncino-Gesellschaft für Freunde des jüdischen Buches waren Anlass für manigfaltigen Austausch und gaben mir unter anderem diverse Impulse zum Aufbau der Webseite des BBA. Sein letztes Schreiben enthielt noch die Einladung, ihn nach seinem Krankenhausaufenthalt zu besuchen - Hartmut Erlemann ist am 7. Oktober im Alter von 66 Jahren verstorben.
Hartmut Erlemann wurde am 2. August 1948 in Bockum-Hövel (heute Stadtteil von Hamm) geboren, war langjähriger Leiter des Erasmus Antiquariaats in Amsterdam, machte sich 1985 mit einem eigenen Antiquariat selbständig, er engagierte sich in der der Genossenschaft der Internet-Antiquare und war Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft. Auf boersenblatt.net liest man über ihn: "Das Hauptarbeitsgebiet seines Antiquariats, in einer Reihe von sorgfältig bearbeiteten Antiquariatskatalogen dokumentiert, waren Literatur und Buchkunst des 20. Jahrhunderts, also illustrierte Bücher, Pressendrucke, Autographen, Widmungsexemplare und vieles mehr. Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch das 1989 gemeinsam mit der Hamburger Kollegin Susanne Koppel unternommene Katalogprojekt "Heinrich Heine in seiner Zeit zu unserer Zeit", durchgeführt in Kooperation mit dem Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut." In Ausgabe 6/2014 der Zeitschrift Aus dem Antiquariat wird ein ausführlicher Nachruf erscheinen.
Ein Trauergottesdienst für Hartmut Erlemann und die Beisetzung findet am 16. Oktober um 12:30 Uhr in der Kapelle der Ev.-Luth.-Kirchengemeinde Eutin, Plöner Straße statt.
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Mi, 24.09.2014

Victor Günthert (1928 - 2014)

Links: Saxifraga granulata.
Rechts: Saxifraga paniculata
Für die deutsche Buchkunstszene war er einer der großen Sammler, der sich auf dem Gebiet der bibliophilen Bücher des 20. Jahrhunderts spezialisiert hatte.
Er selbst eine äusserst distinguierte Erscheinung, groß gewachsen, buschige Augenbrauen, ein neugieriges und waches Wesen.
Zu jeder Frankfurter Buchmesse gehörte er zu der kleinen Schar von Privatsammlern, zu denen die Künstlerbuch-Verleger eine familiäre Beziehung aufbauten. Vor einigen Jahren verabschiedete er sich dann, zog sich mehr und mehr von der Szene zurück.
Ich erinnere mich gut an einen privaten Besuch bei ihm in München-Schwabing. Er zeigte mir einen Teil seiner Sammlung: die heute wertvollen Bücher der Cranach-Presse von Harry Graf Kessler und der Bremer Presse von Willy Wiegand. Sowohl die Cranach- wie auch die Bremer Presse gehören heute zu den herausragenden bibliophilen Erzeugnissen, die sich am Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die industrielle Buchproduktion wendeten.
Victor Günthert war aber nicht nur ein Spezialist der Bibliophilie; er sammelte auch zeitgenössische Künstlerbücher, die andere Präferenzen als Satz, Druck, Typografie, Einbandgestaltung oder Papierauswahl hatten. Zu ihnen gehörten auch die Künstler der Burgart-Presse von Jens Henkel, Felix Martin Furtwängler oder Ottfried Zielke.
Zu einem Privatsammler kommt man nicht mit leeren Händen. Also hatte auch ich Künstlerbücher dabei. Nach Kaffee, Kuchen und Gesprächen über alpine Gärten packte ich meinen Bauchladen aus. Er schaute sich alles aufmerksam an, fand es großartig und meinte dann: „Hätte ich Sie einige Jahre vorher kennen gelernt, hätte ich alles von Ihnen gekauft. Nun bin ich aber zu alt, um dort noch einzusteigen.“ Das Fatale daran war, dass er einfach die Wahrheit sagte. Es war keine Strategie von ihm, keine Entschuldigung oder ein fragwürdiger Trost für mein misslungenes Geschäft.
In den letzten Jahren war er mit der Katalogisierung seiner Sammlung beschäftigt. Leider ist das etwas, was viele Privatsammler immer tun wollen, es hinausschieben und dann vorher sterben.
Auf der Buchkunst Weimar im letzten Jahr erschien Victor Günthert überraschend, sprach lange mit vielen Herausgebern und erwarb hier und da etwas. Ich sollte ihm in Mai besuchen, wenn ich in München sein würde. Also rief ich ihn im Mai diesen Jahres an. Da war er zu dem angegebenen Termin in Hamburg. Jetzt fahre ich im November wieder nach München und dachte daran, ihn zu besuchen, bis Cornelia Göbel, die Frau des Privatsammlers Reinhard Grüner anrief und mir mitteilte, dass Victor Günthert am 17. September gestorben ist.

Mo, 22.09.2014

Friedhilde Krause ist gestorben

Friedhilde Krause, die erste Direktorin der Berliner Staatsbibliothek und bedeutende Buchhistorikerin, ist gestorben.
Ein Nachruf von Nikolaus Bernau.

Unter vielen Bibliothekaren ist Friedhilde Krause, die vergangene Woche in Rostock kurz nach ihrem 86. Geburtstag verstarb, eine Legende. Kraftvoll, nach aller Überlieferung extrem fleißig war sie seit 1969 Stellvertreterin von Horst Kunze, dem Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek. 1977 bis 1988 wurde Krause seine Nachfolgerin. Sie war damit die erste Frau auf dem Posten einer deutschen Nationalbibliothek – die Deutsche Staatsbibliothek erfüllte für die DDR diese Funktion. ...

(weiterlesen: Berliner Zeitung)

Memoiren: Friedhilde Krause. Erlebt und geprägt, Olms-Verlag, 2009, 12,90 Euro.

So, 21.09.2014

Mi, 27.08.2014

Heinz Hellmis (1935 - 2014)

Gestern, am 26. August, verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit das Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, der Graphiker und Typograph Heinz Hellmis.
Vor 50 Jahren entstand seine erste Arbeit für die Pirckheimer-Gesellschaft, die im Bleisatz mit Holländisch Antiqua gedruckte Beilage für die MARGINALIENDas Wandbild“ mit chinesischen Geister- und Liebesgeschichten, der Titel geschmückt mit drei chinesische Schriftzeichen in der Form eines asiatischen Schriftbandes. Den MARGINALIEN blieb Heinz Helmis treu und er gestaltete darüber hinaus, nicht nur für die Pirckheimer-Gesellschaft, eine Vielzahl weiterer Bücher.
Der Ausspruch Willibald Pirckheimers „Sibi et amicis“ (Für sich und Freunde) ist auch das Motto einer Buchreihe, die Heinz Hellmis herausgab. Seine Lieblingsschrift war die Breitkopf  Fraktur. Die von ihm herausgegeben Reihe Edition Zwiefach vereint jedoch viele typographischen Kostbarkeiten. Ein Heft ist Sebastian Windprecht, dem blinden Antiquar zu Augsburg gewidmet, ein anderes ist Jean Pauls „Durst nach Büchern in geistiger Saharawüste“. Hans Fallada, Anna Seghers, Bertolt Brecht, Peter Rühmkorf – für jeden Autor fand der Grafiker eine zeitgemäße Typographie. Ursprünglich als Beigabe zu den MARGINALIEN gedacht, gab sie Heinz Hellmis später gebunden selbst heraus.
Heinz Hellmis widmete sein Leben den Büchern, erst als Buchgestalter und Typograph bei Das Neue Berlin, später als Künstlerischer Leiter und Cheflektor des Aufbau-Verlages und bei Rütten & Loening, zuletzt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Verlegerin und Malerin Linde Kauert, im Atelier der Edition Zwiefach. In dieser Edition erschien in den letzten Jahren eine stattliche Sammlung von Büchern, die sich alle durch ausgefallene Typographie zu behaupten wissen.
Viele Bücherfreunde konnten Heinz Helmis auf der Leipziger Buchmesse kennenlernen, das letzte Mal traf man ihn dort im März am Stand seiner Edition Zwiefach. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Buchwelt.
Am 18. September um 13.00 Uhr haben Freunde Gelegenheit, sich in der Kapelle des Friedhofes Heerstraße, Trakehner Allee 1, 14053 Berlin, von Heinz Hellmis zu verabschieden. Anstelle von Blumengebinden und Kränzen wird um eine Spende für den Grabstein gebeten.