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Klingspor-Museum

Pirckheimer-Blog

Klingspor-Museum

Fr, 26.07.2013

Mut zur Lücke

Mit diesem eher etwas lockeren Ausdruck ist häufig etwas ganz anderes gemeint, hier aber durchaus ernsthaft zu verstehen.
Der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer, bekannt auch als begeisterter Vegetarier oder Hollywood-Drehbuchautor, hat mit seinem Buch Tree of Codes das Gebiet der Buchgestaltung für sich entdeckt. Das Buch ist eine Art interaktive Papier-Skulptur: Foer und seine Mitarbeiter nahmen die Seiten eines anderen Buchs und formten daraus durch Ausstanzungen von Textpassagen eine brandneue Geschichte. Für lange Zeit wurde dieses Projekt von jedem angefragten Drucker mit der Bemerkung abgelehnt, dass es nicht herstellbar sei; die belgische Druckerei Keure bewies das Gegenteil. Das Künstlerbuch wird gezeigt von Helga Horschig; sie schildert seine Vorgeschichte und berichtet vom Multitalent Jonathan Safran Foer, der auch der Herausgeber von The New American Haggadah ist.

Freitag, 2. August 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Fr, 19.07.2013

Fern und nah im Gegenüber

Max Huber
Mit Takashi Kono (1906 – 1999) und Max Huber (1919 - 1992) würdigt das Klingspor-Museum zwei herausragende Grafikdesigner, die ihre Zeit auf höchst unterschiedliche Weise geprägt haben und internationale Beachtung fanden. Die Protagonisten aus Japan und der Schweiz stammen aus Ländern, die maßgebliche Impulse für künstlerisches Plakat und Grafikdesign gaben. Gezeigt werden außerdem Arbeiten der japanisch-schweizerischen Künstlerin Aoi Kono.
Takashi Konos Schaffen übte großen Einfluss auf das japanische Grafikdesign aus. Nach einem Studium an der Schule für Bildende Künste in Tokyo gründete er 1936 sein eigenes Studio. 1937 und 1939 gestaltete er für die Weltausstellungen in Paris und San Francisco Foto-Installationen. Zeigen seine frühen Arbeiten, vor allem für die Zeitschriften „Roningyo“ und „Nippon“, Einflüsse des Art deco, denen er jedoch eine typisch japanische Anmutung gibt, so wirkt seine spätere reduzierte Formensprache piktogrammartig und greift die große japanische Tradition des kunstvollen Zeichens auf. Kono machte sich vor allem in den vierziger bis siebziger Jahren um das Plakat in Japan verdient. Er war mit Mitbegründer der Alliance Graphique Internationale (AGI) in Japan und errang internationale Anerkennung. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Max Huber ist ein herausragender Vertreter des schweizerischen Grafikdesigns. Seine Plakate greifen Gestaltungsprinzipien der Elementaren Typographie auf und entwickeln sie zu einer zeitgemäßen Formensprache der Nachkriegszeit. Klare Typografie verbunden mit Fotografie und raffinierten Farbakzenten kennzeichnet sein Plakatschaffen. Er studierte an der Züricher Kunstgewerbeschule, unter anderem bei Alfred Willimann. Viele Jahre arbeitete und lehrte er in Mailand. Seine Arbeiten für das Studio Boggeri sind wegweisend für das moderne italienische Grafikdesign. 1970 zog er ins Tessin, von 1978 bis 1984 lehrte er am Centro Scolastico Industrie Artistiche in Lugano. Seit 1958 war Huber Mitglied der AGI. Aoi Kono (geb. 1936), Tochter von Takashi Kono, wurde früh von ihrem Vater künstlerisch beeinflusst. Nach einem Studium an der Universität für Kunst und Musik in Tokyo ging sie auf Anraten ihres Vaters nach Europa. In Mailand arbeitete sie mit Max Huber zusammen, den sie 1962 heiratete. Aoi Kono schuf Illustrationen für verschiedene Verlage. 1976 hatte sie ihre erste Personalausstellung in Zürich. Kono leitete die Gründung des m.a.x.museo in Chiasso in der Schweiz ein, das den Nachlass ihres Mannes beherbergt.

Ausstellung: 20. Juli bis 8. September 2013
 

Do, 04.07.2013

Ins Besondere

Schrift- und Buchkunst Gestern und Heute
 
Das Klingspor Museum wird 60. Buch- und Schriftkunst haben im Zuge des Wandels in Gesellschaft und ihrer Medienlandschaft gravierende Änderungen erfahren. Die Resonanz auf das Museum, auch die Erwartungen an seine Inhalte und sein Programm, sind heute nicht mehr identisch mit den Gegebenheiten der Gründungszeit.
Das Symposium möchte aus Anlass des Geburtstages keinen klassischen Rückblick unternehmen. Vielmehr zielt es darauf, die Aktualität des Themenkreises Schrift und Buch im Kontext von Kunst und Gestaltung hervor zu heben. Es können nur einzelne Aspekte sein, die das Symposium beleuchtet; diese indes werden von Fachleuten vorgetragen, die damit aufzeigen, dass das Klingspor Museum ein international relevanter Ort ist, an dem über die Dinge von Schrift- und Buchkunst zu reden ist.
Zu Wort kommen überwiegend Spezialisten aus den Bereichen Kunst und Gestaltung, Verantwortliche für Sammlungen von Kunst im Buch an Bibliotheken und Museen, und auch die Verlagstätigkeit ist einbezogen.
Ein Fest für das Klingspor Museum, ein Zusammensein, das eingerahmt wird von einer Lesung durch Barbara Auer, die als renommierte Schauspielerin das Potential des Textlichen in den Beständen des Museums aufscheinen lässt; und von einem Vortrag des viel beachteten Verlegers Gerhard Steidl, der unverkennbare, markante Akzente in die Welt von Buch und Kultur gesetzt hat.
Interessierte Menschen aus verschiedenen Bereichen des Schaffens und Lesens von Schrifterzeugnissen und Kunstwerken in Buchform – ihnen allen möchte das Symposium Momente der Erinnerung und des Ausblicks und jedenfalls neue Anregungen mitgeben.
 
Symposium zum 60. Geburtstag des Klingspor Museums Offenbach
7./8. November 2013

Mo, 17.06.2013

Harry Graf Kessler. Kosmopolit, Dandy, Kunstmäzen, Diplomat, Zeitzeuge und Pressendrucker

Edvard Munch.
Harry Graf Kessler. 1906
Harry Graf Kessler gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten des deutschen Kunst- und Kulturlebens vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Als Kosmopolit verkehrte er mit zahllosen bedeutenden Persönlichkeiten in Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik im Europa seiner Zeit - sein Adressbuch soll 10.000 Einträge umfasst haben. Seine berühmten Tagebücher geben Zeugnis vom Geistesleben einer Epoche und unterstreichen Kesslers große Bedeutung als Zeitzeuge. Maßgeblich förderte er die Kunst der Moderne als Mäzen und Ausstellungskurator. Als einer der Entrepreneure der Buchkunst setzte er mit den Künstlerbüchern seiner Cranachpresse Maßstäbe. Martina Weiß beleuchtet das Leben Graf Kesslers und zeigt sein buchkünstlerisches Wirken.
 

Freitag, 5. Juli 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Sa, 01.06.2013

Hans Hillmann im Gespräch

twen, Frankfurter Allgemeine Magazin, Capital, Fliegenpapier, ABC-Geschichten… Sein Zeichnen, gestern wie heute, durchdringt Zeit und Raum – imaginär, spektakulär, überraschend. Illustration des Illustren. Unvergessen. Unerschöpflich. Moderation: Dr. Stefan Soltek.
 
Freitag, 7. Juni 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Di, 07.05.2013

... nur für eines Augenblickes Dauer ...

Vier Künstlerinnen, die sich im Bereich der Schriftkunst und Installation, oder im Künstlerbuch hervorgetan haben, schufen eigens für diese Ausstellung Inszenierungen, die betitelt wurde nach einer Zeile aus Hermann Hesses Gedicht „Was der Wind in den Sand geschrieben“.
Tanja Leonhardt, Groß Gerau, lotet die vielfältigen Möglichkeiten von Schrift aus. Ausgebildet bei Pamela Stokes, hat sie die angestammten Felder der Kalligraphie verlassen und beschäftigt sich mit Bestand und Veränderlichkeit von Schrift, sie experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien und Schreibwerkzeugen. Ihr neuester Werkzyklus thematisiert die Veränderbarkeit von beschriebenen Seidenfahnen, die in der Natur installiert, den Einflüssen von Wind und Wetter ausgesetzt sind.
Gabrielle Hattesen, Wiesbaden, hat sich an dem Gedicht „Time past long“ des englischen Lyrikers Percy Bysshe Shelley (1792-1822) orientiert. Scherenschnitte dieser Verse hat sie mit der Hand geschrieben. Sie liegen eingebettet in transparenten Ebenen, die wellenförmig einen Turm bilden. Auf diese Weise wird das Gedicht „durchsichtig“. Die damit verbundene Auflösung des ursprünglich allein an die Sprache gebundenen Sinnzusammenhangs führt zu verschiedenartigen, jeweils vom Standort des Betrachters abhängigen, Deutungen.
Ingrid Heuser, Wiesbaden, füllt ihren Raum in der Ausstellung – eng abgestimmt mit der Arbeit von Gabrielle Hattesen - mit lauter amorphen Flugkörpern aus transparenter Folie über Draht. An ihnen schweben Buchstaben und Wörter, entliehen der Geschichte von Christoph Meckel „Brennesseln“. „Sprache ist für mich ein Ort, wo Zeit kristallisiert und in Wortbildungen eine Materialisation entsteht“, erläutert die Künstlerin.
Nora Schattauer schafft Künstlerbücher, deren Seiten eine Dehnung von Raum und Zeit bewirken. Farbflächen von unerschöpflichen Valeurs, die Stille sich sanft bewegender Linien und Muster spannen sich zwischen den Deckeln der Bücher aus. „Das Blatt wird zum Doppelblatt, es beansprucht Raum. Ich lege Doppelblätter ineinander. Oder aneinander. Es gibt einen bestimmten Augenblick, wo ich empfinde: nun wird es“.
 
Ausstellung: 17. Mai bis 7. Juli 2013

Mi, 24.04.2013

Vor hundert Jahren …

… erschien Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“ als eleganter Pressendruck in der englischen Doves Press. Der in Paris lebende Dichter und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire versuchte, mit seinen Kalligrammen eine Verbindung von Poesie und bildender Kunst herzustellen. In Offenbach brachte die Schriftgießerei Klingspor Rudolf Kochs halbfette Deutsche Schrift heraus und arbeitete an der Behrens-Mediäval. Was tat sich 1913 noch in der Buchkunst und im Literatur- und Kunstbetrieb? Stephanie Ehret-Pohl beleuchtet ein spannendes Jahr.
 
Freitag, 3. Mai 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Mo, 25.03.2013

Mann und Frau

Eine Schriftpoesie von Gerhard Rühm, 1972
Betrachtungen mit Dr. Stefan Soltek
 
 
1930 in Wien geboren, ist Gerhard Rühm Mitbegründer der einflussreichen Wiener Gruppe, die sich Mitte der 50er Jahre um Friedrich Achleitner formierte. Sprache in ihrer Wahrnehmung als textgrafische ebenso wie phonetische Erscheinung zu begreifen, zeichnet die experimentelle Welt dieser Autoren aus. Schrift untermalt das Lesen und erweitert das Wortverständnis. Eine Nähe zur musikalischen Notation ergibt sich für Rühm aus seiner Arbeit als Komponist und Musiker.
Ein Beispiel für die Interpretation von Inhalten über das Sagbare ins Beobachtete hinaus veranschaulicht das Buch MANN UND FRAU, das Mitte der 60er Jahre erarbeitet, 1972 erschien. Im Prozess über und durch die semitransparenten Seiten werden die Worte MANN UND FRAU in linearen Grafiken visuell inszeniert und ausgedeutet. Diesem Buch der Sammlung des Klingspor Museums wird Rühms szenenreiche Text-Bild-Montage AUS DEM LEBEN GEGRIFFEN (1959) gegenübergestellt, die soeben erstmals im Museum of Modern Art New York gezeigt wird.
 
Freitag, 5. April 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

So, 03.03.2013

Buch, Kunst, Schrift. F. H. Ernst Schneidler

In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zeigt das Klingspor-Museum eine Retrospektive des Werkes von Ernst Schneidler (1882 – 1956). Er gehörte zu den bekanntesten Schriftdesignern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und übte großen Einfluss als Begründer der sogenannten Stuttgarter Schule auf die Typographie aus.
Nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bei Peter Behrens und Fritz Helmuth Ehmcke, arbeitete er als Buchgestalter für den Eugen Diederichs Verlag, seine Illustrationen zeigen eine strenge, ornamentale Auffassung des Jugendstils.
1919 erfolgte seine Berufung an die Württembergische Kunstgewerbeschule Stuttgart, der heutigen Staatlichen Akademie der bildenden Künste, als Leiter der graphischen Abteilung. Von seinen Schülern gleichermaßen gefürchtet und verehrt, gelang es ihm, die Stuttgarter Akademie zu einer der maßgeblichen Ausbildungsstätten der Buch und Schriftgestaltung auszubauen. Aus ihr ging eine ganze Generation von Protagonisten der Typographie hervor. Zu seinen Schülern zählen unter anderen HAP Grieshaber, Imre Reiner und Georg Trump.
Seine als großes typographisches Lehrwerk angelegte Sammlung „Der Wassermann“ ist legendär. Bekannt wurde Schneidler vor allem für sein Schriftschaffen. Weniger bekannt sind seine freien Schriftarbeiten und Zeichnungen, da sich Schneidler scheute, mit diesen Arbeiten an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Spektrum dieses umfangreichen Oeuvres ist breitgefächert und zeigt die Einflüsse der verschiedensten Kunstrichtungen von der Jahrhundertwende bis in die fünfziger Jahre. Besonders seine im Fragmentarischen bleibenden Schriftkompositionen sind eine Entdeckung, zeigen sie doch keinerlei Parallelen mit der Kalligraphie seiner Zeit.
Die Ausstellung zeigt Werke aus allen Perioden und Schaffensbereichen des Künstlers. Die Exponate, die aus der reichhaltigen Schneidler-Sammlung des Museums stammen, werden durch Arbeiten aus dem Besitz der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ergänzt. Die Kooperation mit der Akademie geschieht vor dem Hintergrund der dort zuvor erarbeiten und präsentierten Ausstellung. Angela Zieger, die zur Eröffnung sprechen wird, bereitet ihre Dissertation über Schneidler vor, mit dem Schwerpunkt auf seiner bildkünstlerischen Arbeit.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
 
Ausstellung: 10. März bis 5. Mai 2013

Sa, 16.02.2013

Leporello


Ein Leporello ist, laut Wikipedia, ein faltbares Heft in Form eines langen Papier- oder Kartonstreifens, das ziehharmonikaartig zusammengelegt ist. Der Name kommt von Mozarts Opernfigur Leporello, dem Diener Don Giovannis, der die Liebschaften seines Herrn in einem gefalteten Heft, eben einem Leporello, verzeichnete.
Hans Eckert, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, wird anhand ausgewählter Beispiele die Geschichte und gestalterische Vielfalt des Leporellos darstellen. Neben chinesischen Faltbüchern, Rheinlaufkarten und Alpenpanoramen werden buchkünstlerische Arbeiten u.a. von Martin Thönen, Susanne Levy, Ines von Ketelhodt und Clemens-Tobias Lange gezeigt.
Auch der Codex Dresdensis, eine 800 Jahre alte Maya-Handschrift, die kurz vor Weihnachten 2012 durch die angebliche Vorhersage des Weltuntergangs für Aufregung sorgte, ist ein Leporello. Aber allem Anschein nach kann die Veranstaltung „Buch des Monats“ auch im März 2013 im Klingspor-Museum Offenbach ungehindert stattfinden …
 
Freitag, 1. März 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

So, 27.01.2013

WasserFalten

Leporello-Objekte

Buchbinder haben zunächst die Aufgabe, einzelne Blätter in eine handliche und kompakte Form zu bringen. Doch die Meister ihres Faches haben einen viel höheren Anspruch: Sie streben danach, durch ihre Arbeit die Besonderheit ihres Auftragswerkes nach Außen sichtbar zu machen. Eine besonders innovative Gemeinschaft von Kunsthandbuchbindern ist die Schweizer "Kreativgruppe "Buch und Form". Auf Einladung des Hafenmuseums, Bremen zeigten drei Mitglieder der Gruppe und ihre Bremer Kollegin Lore Hübotter, dass sie auf Wunsch sogar Wasser falten können.
Für die aktuelle Ausstellung haben sich drei renommierte Kunsthandbuchbinder aus der Schweiz und ihre Bremer Kollegin Lore Hübotter mit Phantasie, Originalität und bewundernswerter Kunstfertigkeit der Aufgabe angenommen, das unfassbare Element auf ästhetische Weise greifbar zu machen. Ihre Resultate sind ganz unterschiedliche Liebeserklärungen an das Buch.
Als formale Klammer hatten sich die Buchkünstler für das Leporello entschieden: Das traditionelle Faltbuch, das sich, wie es heißt, der gleichnamige Diener des Frauenhelden Don Juan ausgedacht habe, um die schier endlose Liste der Eroberungen seines Dienstherren zu katalogisieren. Für ihr gemeinsames Thema haben die vier Buchhandbinder ganz verschiedene Ausdrucksformen gefunden. Da werden weiche Wellen durch eine ebenso flexible wir robuste Struktur aus Papierstreifen simuliert, eine holzschnittartige Oberfläche assoziiert die undurchdringliche Tiefe des Meeresgrundes, Licht wird in transparenten, flexiblen Kunststofffolien eingefangen, das Spiel der Farben auf dem Wasser durch Digitaldrucke wiedergegeben. Manche der Objekte der Ausstellung sind Bücher im klassischen Sinne – sie geben sich als edle kleine Gedichtbände zu erkennen, als Alben, in denen Schätze wie Briefe oder Fotografien gehütet werden könnten, Kladden aus feinem Bütten, die auf Skizzen oder Tagebucheintragungen warten. Bei anderen ist die Funktion zweitrangig – sie könnten als selbstbewusste Kunstwerke für sich stehen.
Edwin Heim und seinen Kollegen geht es in ihren spektakulären Arbeiten auch darum, Aufmerksamkeit zu schaffen für die wichtige Arbeit der Buchbinder: "Denn ohne uns gäbe es keine Literatur", sagt der vielfach ausgezeichnete "Meister der Einbandkunst". Um die Zukunft des Buches mache er sich zwar keine Sorgen. Auch wenn manche Gattungen – wie Nachschlagewerke – mit der Schnelligkeit und Informationsfülle des Internets nicht konkurrieren könnten, steige die Gesamtzahl der Publikationen weiterhin. Doch in den meisten Fällen seien die Titel nicht darauf angelegt, gehütet zu werden, um wie einst Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte zu überdauern: Dann tut es auch optische Uniformität. "Das ist eigentlich schade, denn unsere Arbeit wird als erstes wahrgenommen, wenn man eine Buchhandlung betritt", bedauert der Fachmann. Dennoch fürchtet er nicht um die Zukunft seines Berufsstands: "In einem schönen Bildband oder einer Gedichtsammlung zu blättern, das Papier zu fühlen und zu riechen, ist ein Genuss, der viele Sinne anspricht.", sagt Edwin Heim. " So etwas können die neuen Medien eben nicht."
 
Ausstellung: noch bis 5. Mai 2013
 

Do, 20.12.2012

Bücher von Peter Heckwolf

In Peter Heckwolfs Büchern sind Pflanzen, Spinnweben und Borkenkäfer die Protagonisten. Tätig als Leiter der Werkstatt für künstlerische Drucktechniken an der Bauhaus-Universität Weimar, schafft er in seinen Büchern ein Abbild der Natur und gibt ihm durch seine aufwändigen Druck-Techniken andere Erscheinungsformen. Das übernimmt in seinen Büchern die tragende Rolle; damit schlägt er, der Künstler, die Brücke zwischen Biologie und Buchwissenschaft.
Helga Horschig stellt aus diesem Kontext drei seiner Künstlerbücher aus der Sammlung vor.
 
Freitag, 4. Januar 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Mi, 21.11.2012

Schöpfungen

Was war am Anfang? Schöpfungsgeschichten versuchen, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Buch des Monats“ steht diesmal das farbenprächtige Unikat-Malerbuch „Schöpfungen“ von Ottfried Zielke mit Texten aus der Bibel, dem Koran, dem Heiligen Buch der Quiché sowie Texten von Uwe Warnke und Gerhild Ebel. Die Textauswahl lässt Parallelen zwischen den Mythen verschiedener Kulturen aufscheinen; die visuelle Umsetzung ist grandios: Mit dem ihm eigenen, fast krakeligen Schreibstil und knalligen, cartoonhaften Bildern verblüfft und fasziniert Zielke den Betrachter. Drucke aus der Sammlung des Museums ergänzen die Präsentation, u.a. mit einem hebräischen Schöpfungsalphabet und einem Mythos der Aborigines.
 
Freitag, 7. Dezember 2012, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Di, 20.11.2012

Schrift in Form

Musik liegt in der Schrift

Die von TYPOSITION kuratierte Ausstellungsreihe „Schrift in Form“ möchte zum dritten Mal ein konzentriertes Augenmerk auf aktuelle Schriftengestaltung richten.
Die Ausstellung wird Schriftdesign der Gegenwart unter das Thema »Musik liegt in der Schrift« stellen. Musik begleitet uns in unserem Leben, sei es der Radiowecker am Morgen, das Autoradio, die Musik im Kaufhaus oder das Live-Konzert. Es gibt wohl kaum jemand, der Musik nicht genießt, sei es als Hörer oder gar als aktiver Musizierender. Durch die große Fülle an Musikstilen findet jeder etwas, das für seine Ohren angenehm ist.
Eine ebensolche Vielfalt wie in der Musik findet sich auch bei Schriften und der Typografie. Führende internationale Schriftdesigner sind der Einladung gefolgt und präsentieren musikalische Themen, gestaltet in ihren neuesten Schriftschöpfungen. Die grafische und typografische Umsetzung von Musik in Form von CDs oder Schallplattenverpackungen, Konzertplakaten, Bandlogos oder Konzerttickets schafft eine Verbindung von optischer und akustischer Ästhetik.

Ausstellung: 24. November 2012 bis 6. Januar 2013
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Fr, 26.10.2012

Die Insel-Bücherei

Vortrag von Dorothea Held
 

1912 erschien mit Rilkes Cornet der erste Band der Insel-Bücherei. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Anspruchsvolle Inhalte, Klassisches und Zeitgenössisches gleichermaßen umfassend, wie gut gestaltet zum wohlfeilen Preis, sind das Rezept des Erfolges. Seit 100 Jahren sind die kleinen Bände mit den farbigen Einbandpapieren ein überaus geschätztes Sammelobjekt, dessen Faszination bis heute ungebrochen ist. Einbezogen ist die Sammlung Julia Vermes, Basel, mit Bänden, die von namhaften Künstlerinnen und Künstlern als Unikat übermalt wurden.

Freitag, 2. November 2012, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €