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Klingspor-Museum

Pirckheimer-Blog

Klingspor-Museum

Mi, 30.07.2014

Entgrenzt - Veronika Schäpers

Veronika Schäpers gehört zu den Protagonistinnen des zeitgenössischen Künstlerbuches. Ihre Arbeiten sprechen in gleichem Maße den Intellekt und die Sinne an. Keines ihrer Bücher gleicht dem anderen, gemeinsam ist ihnen nur die perfekte handwerkliche Verarbeitung raffinierter Materialien. Nach Abschluss einer Buchbinderlehre studierte sie an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle an der Saale Buch und Einband bei Ingrid Schultheiß. 1997 erhielt sie ein Stipendium bei dem Papierschöpfer Naoaki Sakamoto in Tokyo, danach verlegte sie bis 2012 ihren Lebensmittelpunkt nach Japan.
Die Materialien für Veronika Schäpers Bücher sind äußerst vielfältig, sie reichen von modernen Kunststoffen, mit Deskjetdrucker bedruckt, hin zu traditionellen japanischen Materialien wie Lack oder handgeschöpften Papieren, die zum Teil eigens für die Bücher angefertigt werden. Auch bei den Buchformen schöpft Schäpers aus einer großen Bandbreite, von der klassischen Codexform über die Buchrolle, dem Leporello bis hin zum Objekt. Immer nimmt die Auswahl der Materialien und die gesamte Buchgestaltung Bezug auf das Thema des Buches.
Veronika Schäpers hat sich folgendermaßen über ihre Arbeit geäußert: „Die Texte meiner Bücher liefern eine zentrale Idee, ein Konzept, auf das die gesamte Gestaltung und Materialauswahl aufgebaut wird. Sie werden jedoch nie von mir, sondern immer von einem Schriftsteller verfasst, mit dem ich einen Dialog über das Thema führe und als Ergebnis den dem Buch zugrundeliegenden Text erhalte. Das Buch soll nicht nur den Text spürbar machen, sondern das beschriebene Thema erweitern und erläutern. Diese erreiche ich nicht durch dem Wort gegenübergestellte Illustrationen, sondern durch eine Verflechtung des Textes mit der visuellen Gestaltung und den verwendeten Materialien. Zeitgenössische bzw. aktuelle Themen sind mir wichtig, ebenso wie der ständige Brückenschlag zwischen der östlichen und westlichen Kultur. Ich betrachte meine Position als die einer Vermittlerin zweier Kulturen. – Jedes Projekt bietet dabei einen neuen Blickwinkel auf meine Mittlerrolle und zwingt mich, immer wieder neu zu beginnen. Der Text ist dabei nur das auslösende Moment für einen Prozess des Sichtbarmachens, des Visualisierens von einem Thema, das mich beschäftigt. Daher nehmen die Bücher in ihrer endgültigen Form auch oft ein objekthaften Charakter an, indem ich ihnen eine besondere Hülle oder Verpackung geben, die das Sujet widerspiegelt“.
 
Eröffnung: Mittwoch 30. Juli, 19 Uhr
Ausstellung: 30. Juli bis 14. September 2014
Eintritt: 2,50 €


è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Japan auf Reisen

Vor unseren Augen vollzieht sich langsam eine Entwicklung, die entweder nicht wahr- oder zumindest fast stillschweigend hingenommen und von den betroffenen Interessengruppen kaum öffentlich beklagt wird: Der Untergang des Buches! Alteingesessene, große, gut sortierte Buchhandlungen müssen einander ähnelnden Kettengeschäften mit immer gleichem Angebot weichen, das E-Book verdrängt das gedruckte Buch und die Universitäten beklagen nicht zu übersehende Lese- und Schreibschwierigkeiten vieler Studienanfänger, die auf die Entfremdung vom geschriebenen Wort zurückzuführen sind.
Das Klingspor-Museum Offenbach bietet in Zusammenarbeit mit der Japanologie der Universität Frankfurt und dem Museum Angewandte Kunst Frankfurt in der Ausstellung “Japan auf Reisen” eine Annäherung an die einzigartige Kunst des Buches und des Farbdruckes in der japanischen Frühmoderne. Ein faszinierendes Spiegelbild einer Welt, die angesichts der weitgehenden Abschließung Japans der Außenwelt lange verborgen blieb, entfaltet sich. Als eines der wichtigsten Kulturgüter, das in dieser Zeit zur Blüte gelangte, ist der Blockdruck anzusehen, der mitunter in enger Verbindung zum Reisen steht. Das Reisen und die berühmten Orte entlang der Routen lieferten den Stoff und die Motive für Bücher und Einzelblattdrucke. Diese wiederum regten das Reisen an, indem sie die inländischen Sehenswürdigkeiten thematisierten und in Form der Reiseführer und der Reiseliteratur den Weg zu ihnen ebneten.
“Japan auf Reisen” – das ist also nicht nur im Sinne einer Beschäftigung mit den faszinierenden Einzelheiten der Reisekultur und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung zu verstehen. Es geht symbolisch auch um die Entwicklung zum Buch; zu einer lesenden Gesellschaft, in der das Buch in all seinen Variationen einen ungleich höheren Stellenwert im Leben weiter Kreise der Bevölkerung einnahm als sonst irgendwo auf der Welt.

Eröffnung: Mittwoch 30. Juli, 19 Uhr
Ausstellung: 30. Juli bis 14. September 2014
Eintritt: 2,50 €


è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Seelenbilder. Kalligraphien von Eva Aschoff

Eva Aschoffs (1900 – 1969) Kompositionen aus Malerei und Schrift sind gleichsam auf Papier gebannte Meditationen. Ihre Arbeiten, die den Einfluss japanischer Kalligraphie zeigen, sind stilistisch einzigartig. Die renommierte Buchbinderin betrieb von 1928 – 1964 eine Werkstatt für Handbeinbände in Freiburg. Neben ihrer buchbinderischen Ausbildung, unter anderem bei Franz Weiße in Hamburg und Frieda Thiersch in München, studierte sie auch einige Semester Schrift bei Ernst Schneidler an der Akademie in Stuttgart. Den Schwerpunkt ihres Einbandschaffens legte sie auf Pappbände, die sie mit unikaten Buntpapieren versah. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts widmete sie sich intensiv freien schriftkünstlerischen Arbeiten. An ihnen wird deutlich, wie sehr sie von Ernst Schneidler, dem sie zeitlebens verbunden blieb, beeinflusst wurde.
Verhalten farbige Blätter, oftmals Monotypien, die zum Teil mit Pastellkreiden überarbeitet sind, bilden zumeist auch den Fond ihrer Schriftkunst. Charakteristisch für ihre Arbeiten ist die höchst eigenwillige Verbindung zwischen schriftlichen und bildlichen Elementen: In Auflösung begriffene Flächen aus verschwimmenden Farbfeldern, die mit fragmentarischen Textstücken beschrieben sind. Teilweise scheint sich der Text aufzulösen während einzelne Schlüsselwörter akzentuiert geschrieben sind. In zahlreichen Arbeiten überschreitet sie die Grenzen des Lesbaren und lässt die Tusche nur noch als scripturale Linie erscheinen.
Neben freien kalligraphischen Arbeiten zeigt die Ausstellung Einbände mit feinfühlig gestalteten Papieren, die kongenial die Handschriften des befreundeten Schriftkünstlers Rudo Spemann umhüllen. Aus wirtschaftlichen Gründen arbeitete sie auch für Verlage, so schuf sie Einbandpapiere für die Insel-Bücherei und gestaltete Broschuren für Anthologien asiatischer Gedichte des S. Fischer Verlages.

Eröffnung: Mittwoch 30. Juli, 19 Uhr
Ausstellung: 30. Juli bis 14. September 2014
 
è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Mi, 28.05.2014

California Dreamin‘

Grabhorn Press
James Phillips Jr. 1935
Unter dem Thema "Buch des Monats" steht im Juni der Vortrag von Hans Eckert, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main „Fine printing in California 1920 – 1980“.
Seit den 1920er Jahren gilt Kalifornien als „Book State“. Zahlreiche Drucker und Privatpressen, wie z. B. die Grabhorn, Arion-, Plantin-, Allen-, Colt- und Greenwood-Press sind hier beheimatet.

Freitag, 6. Juni 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

So, 18.05.2014

... von der Straße her ...

Graphische Kunst aus dem Besitz der Mitglieder der NaturFreunde in Offenbach

Kunst gehört auf die Straße - forderten neben Bertolt Brecht und HAP Grieshaber auch viele andere Künstler. Zum 100. Geburtstag der Offenbacher NaturFreunde zeigt das Klingspor-Museum in der Ausstellung ...von der Straße her ... in einer exemplarischen Auswahl über 200 Plakate, Grafiken und illustrierte Künstlerbücher. Seit 1914 - also in über 100 Jahren - haben Mitglieder der Offenbacher NaturFreunde diese Objekte gesammelt und einen großen und in dieser Form unentdeckten Schatz neben dem bürgerlichen Mainstream verborgen. Diesen Schatz zu zeigen ist Ziel der Ausstellung - als Teil der kulturellen Aktivitäten der Offenbacher NaturFreunde seit ihrer Gründung 1914.
Illustration von E. Herfurth zu
Bertolt Brechts Hauspostille, Büchergilde Gutenberg 2006
Mitglieder der NaturFreunde gehören seit Anfang an zur „Straße". Da sind die Handwerksburschen, die auf der „Walz" nach Offenbach kommen. Ihre Schule, ihre Erfahrungen und Neugierde sind die „Straße". Sie lernten und brachten mit, was arbeitende Menschen an Können und Fertigkeiten in verschiedenen Regionen beherrschten, aber auch deren soziale Not und Unfreiheit.So lernten sie vielerorts Kunst als Form der Auseinandersetzung und ihre Ausdrucksformen kennen. Da sind auch die jungen Sozialisten, die auf der Straße Freiheit und Rechte einforderten. Ihnen wurde bescheinigt, dass sie auch Zeit und Geschmack an Kunst und Kultur fanden. Sie werden Teil der erstarkenden Arbeiterbewegung. Sich Wissen anzueignen und selbst zu organisieren ist ein Baustein ihrer Emanzipation. Dazu gehörte auch, Lieder und bildende Kunst als Chance der eigenen Entwicklung zu ergreifen, aber auch als Form der Auseinandersetzung und des gesellschaftlichen Kampfes.
1914 gegründet, unterbricht der 1. Weltkrieg sofort jede kulturelle Entwicklung und erstickt alle Möglichkeiten. Aufgrund dieser Erfahrung wird Bestandteil der Aktivitäten der Ortsgruppe der Kampf um den Frieden und eine demokratische und soziale Gerechtigkeit-und überdauert auch die Zeit des Faschismus. Die gesammelten Objekte der Mitglieder der Offenbacher NaturFreunde dokumentieren dies. Die Lage der arbeitenden Menschen, die Nöte Einzelner oder der,randständigen' Gruppen gehen nicht verloren.
Zufällig ist das Gezeigte in aller Unterschiedlichkeit der Sichtweisen dennoch nicht - zeigt aber die verschiedenen finanziellen Möglichkeiten der Sammler, die es sich häufig vom Munde absparen mussten. Es ist ein Mosaik einer Sehnsucht nach Gerechtigkeit und einer anderen Welt ohne Unterdrückung und Not. Aber auch Liebe, Fröhlichkeit und Schönheit haben darin Platz.

Eröffnung: Mittwoch, 21. Mai, 19 Uhr
Ausstellung: 22. Mai bis 13. Juli 2014

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
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Fr, 02.05.2014

Feuerwerk der Kalligraphie

Ein kalligraphisches Potpourri vorgestellt und erläutert von Dr. Stefan Soltek.
Zum 100. Geburtstag von Karlgeorg Hoefer (1914 – 2000) zeigt das Klingspor-Museum eine Retrospektive seines Werks. Hoefers breitgefächertes Œuvre umfasst sowohl freie kalligraphische Arbeiten als auch angewandte Arbeiten, u.a. Typedesign und Entwürfe für Tapisserien. An dieser Stelle soll der Bogen etwas weiter gespannt werden als Hoefersche Œuvre umfasst - ins schwungvoll-überraschende Reich der Schriftkunst hinein sozusagen.

Freitag, 2. Mai 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Mi, 02.04.2014

Frans Masereel. Der Schrecken des Krieges

Vor 125 Jahren wurde Frans Masereel (1889 – 1972) im belgischen Blankenberghe geboren. Vor allem sein expressionistisches Frühwerk machte ihn zu einem der bedeutendsten Graphiker des 20. Jahrhunderts. Sein immenses graphisches Werk ist durch die Sammlung Paul Ritter beinah vollständig im Klingspor-Museum vertreten. Masereel blieb die Einberufung im Ersten Weltkrieg erspart. 1916 ging er nach Genf, um beim Internationalen Roten Kreuz mitzuarbeiten. Dort traf er Romain Rolland, über den er sich der pazifistischen Bewegung anschloss. Er arbeitete für die Zeitschrift „Les Tablettes“, in der er mit Holzschnitten Stellung gegen Krieg und Militarismus bezog. 1917 gründete er mit Claude L. Maguet die Tageszeitung „La Feuille“. Aus dieser Zeit stammen auch seine ersten Holzschnitt-Alben „Debout les Morts„ und „Les Morts parlent“. Der Humanist und Sozialist setzte sich zeitlebens für Frieden und Völkerverständigung ein. Martina Weiß beleuchtet das Engagement des Künstlers und zeigt Bücher und Graphiken, die mit leidenschaftlichen Anklagen die Grausamkeit von Kriegen schonungslos offenlegen.

Freitag, 4. April 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €

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So, 02.03.2014

3 Ausstellungen im Klingspor-Museum

Schwungvoll. Karlgeorg Hoefer zum 100. Geburtstag
Glanzvoll. Werke von Rudolf Koch und Alfred Kubin
Kriegszeit


Buchumschlag: Karlgeorg Hoefer
Zum 100. Geburtstag von Karlgeorg Hoefer zeigt das Klingspor-Museum eine Retrospektive seines Werks. Hoefers breitgefächertes Oeuvre umfasst sowohl freie kalligraphische Arbeiten als auch angewandte Arbeiten.
Frisch restauriert präsentieren sich besondere Kostbarkeiten aus dem Museumsbesitz: Die großformatigen Schrift-Tapisserien des renommierten Schriftkünstlers Rudolf Koch und seiner Werkstatt mit biblischen Texten und eine Folge von Original-Federzeichnungen zu „Der Prophet Daniel“ von Alfred Kubin aus dem Jahr 1913. Sie konnte mit Hilfe eines Spendenaufrufs des Magazins „ Ars pro toto“ der Kulturstiftung der Länder restauriert werden.
Aus Anlass des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zeigt das Klingspor Museum aus seinen Beständen ausgewählte Grafiken, in denen der Blick des Künstlers auf Themen des Kriegs gerichtet ist.

Ausstellungseöffnungen: 15. März 2014 15.30 Uhr

è Klingspor-Museum

Fr, 28.02.2014

E.G. Craig – die Bühne im Buch

Craig steht als einer der innovativsten und radikalsten Theaterreformer zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zentrum der Veranstaltung "Buch des Monats" des Klingspor-Museums im März. Sein Streit mit Max Reinhardt, seine Liebe zur Tänzerin Isadora Duncan und seine Freundschaft zu Harry Graf Kessler sind legendär, seine buchkünstlerische Arbeit ist dagegen wenig beachtet, die das Buch zur Bühne werden lässt. Dr. Dorothee Ader lädt ein zu einer Reise in das Theater um 1900, das in den Worten und Holzschnitten von E.G. Craig auch im Klingspor Museum beheimatet ist.

Freitag, 7. März 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €

Fr, 27.12.2013

Just my Type

oder wie unterhaltsam kann Typographie-Geschichte sein?

„Typographie begleitet unser Leben, ob wir es wollen oder nicht – dem gedruckten Wort entkommt keiner. In seinem wunderbaren Buch erzählt Simon Garfield die Geschichte(n) der Typographie: von Gutenberg über die Frage, welche Schrift zu welchem Fußballtrikot passt, bis zu der Schrift, die durch Obamas „Yes we can“-Kampagne weltberühmt wurde.“ So ist es auf dem Klappentext von „Just my Type. Ein Buch über Schriften“ (Berlin, Ullstein Verlag 2011) zu lesen. In 22 Kapiteln erzählt der britische Journalist Simon Garfield von den Geschichten hinter bekannten Fonts wie Frutiger, Helvetica oder Gotham und bringt mit vielen kleinen Histörchen und amüsantem Hintergrundwissen Farbe in das sonst nicht immer so unterhaltsame Thema. Helga Horschig stellt das Buch vor und liest zum vergnüglichen Jahreseingang aus einer Auswahl der „Font-Stories“.

3. Januar 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro, Mitglieder: 1,50 Euro


è Klingspor-Museum
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63065 Offenbach

Fr, 29.11.2013

Kinderwelten

58. internationale Kinderbuchausstellung
 
Trotz des Aufkommens zahlreicher neuer Medien ist die Faszination des Bilderbuchs ungebrochen. Neuerscheinungen aus zahlreichen Ländern laden zum Schauen und Blättern ein. Die Bücher sind nicht nur ein optischer Genuss, sondern spiegeln darüber hinaus die Bildsprache der Gegenwart wider und fungieren anhand ihrer Themenstellungen gleichsam als Indikator gesellschaftlicher Prozesse.
Zu sehen sind die neuesten Kinderbücher aus aller Welt, Comics, Literatur für Kinder.
Sonderschau: Arbeiten der Illustratorin Tatjana Hauptmann.

Eröffnung: 6. Dezember 2013, 19 Uhr
Musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung: TAGWA unter der Leitung von Lothar Bader
Ausstellung: 7. Dezember 2013 bis 2. März 2014

è Klingspor-Museum
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Fr, 15.11.2013

Wege zu Büchner

Der Schriftsteller, Mediziner und Revolutionär Georg Büchner (1813 – 1837) gilt als einer der bedeutendsten Autoren des Vormärz. Zu seinem 200. Geburtstag zeigt das Klingspor-Museum zeitgenössische Inszenierungen seiner Werke.
Barbara Fahrner und Robert Schwarz zählen zu den Protagonisten im Feld des Künstlerbuchs. Beide haben sich auf höchst unterschiedliche Weise mit Büchner auseinandergesetzt. In ihren Werken verdeutlichen sie den Anspruch dieser Kunstgattung, literarische Texte nicht zu reproduzieren, sondern zu inszenieren. Sie setzen jedoch nicht nur markante Akzente in der Buchkunst, sondern schaffen darüber hinaus Laut- und Klangbilder, die der Eindringlichkeit der Sprache Büchners neue Begegnung öffnen.
Das Buch „Leuchte“ ist eine Novelle, die die Künstlerin aus der Übertragung von Büchners „Lenz“ in der sogenannten Oulipo-Manier abgeleitet hat. Das Akronym Oulipo kommt von L' Ouvroir de Littérature Potentielle (franz. „Werkstatt für Potentielle Literatur“) und fußt auf Experimenten, die ab 1960 von Francois Le Lionnais und Raymond Quenneau entwickelt wurden. Im Sinne des erweiterten Kunstwerks ist eine Art des erweiterten Lesens intendiert, das Umdeutungen als Metamorphose des Urtextes würdigt. Fahrners malerische Einbettung des Textes auf neuen großen Bögen entwirft eine autonome Interpretation zu Büchners Erörterung von Dichtung als Darstellungsmembran der Wirklichkeit.
Robert Schwarz‘ opulentes Unikat-Buch ist eine malerische Begegnung mit Woyzek. Seine Bilder treten mit ihrer farblichen und gestischen Intensität in Dialog mit der tragischen Entwicklung des literarischen Stoffes. Er animierte Schwarz, der schon viele Jahre das großformatige Buch, das raumgreifende Bild auf Stoffbahnen und Rauminstallationen mit seinen Drucken erstellt, nun auch den Film als Medium zu nutzen. Tilmann Schwarz sorgte für die Vertonung der Bilder.
An den Revolutionär Büchner und seinen Kampf für eine demokratische Gesellschaft knüpft das Kunstprojekt „Länderboten“ an. Es wurde im Auftrag des Amts für Kulturmanagement von den Offenbacher Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk und Heiner Blum, Professor an der HfG Offenbach, entwickelt, in Anlehnung an Büchners Hessischen Landboten.
Mit ihrem Projekt wollen die drei Künstler jeweils einem Menschen aus jeder der 156 in Offenbach vertretenen Nationen eine Stimme geben und somit ein imaginäres Parlament schaffen. Auf der Basis von Gesprächen und Interviews, in denen Bürgerinnen und Bürger Forderungen und Utopien formulieren, schaffen die Künstler Portraits in Form von Grafiken und illustrierten Textbotschaften.
 
Ausstellung: 3. Dezember 2013 bis 2. Februar 2014
 
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63065 Offenbach

Do, 31.10.2013

Das Weiterdenken des Buches als Abenteuer im Kopf

Buchkünstler/innen und Künstlerbücher im Spiegel persönlichen Erlebens und Erfahrens
Das Künstlerbuch in einer gleichnamigen Ausstellung des Halleschen Kunstvereins 2011
Aus heutiger Sicht gehört zum Schaffen von Kunstwerken das Überschreiten und Erweitern von durch Konventionen bestimmten Grenzen. Diese Qualität des intellektuellen und handwerklichen Schöpfens und Gestaltens ist bei Künstlerbüchern in besonderem Maße nachvollziehbar und trägt zum Reiz dieser vielfältigen Gruppe von Werken, die in unterschiedlichster Weise dem Prinzip „Buch“ verhaftet sind, bei. Ist ein handelsübliches Buch schon ein sehr komplexes Gebilde, so verkörpern Künstlerbücher auf hohem Niveau überraschende, manchmal befremdliche, immer aber anregende Varianten des Mediums. Bei erster Begegnung erscheinen sie nicht selten sperrig und unverständlich, ebenso aber hinreißend in ihrem Ideenreichtum und ihrer Schönheit. Eva-Maria Hanebutt-Benz war Kuratorin der Abteilung für Buch- und Schriftkunst am Museum für Kunsthandwerk in Frankfurt am Main, später langjährige Direktorin des Gutenberg-Museums Mainz. Durch zahlreiche persönliche Kontakte zu Buchkünstlerinnen und Buchkünstlern, erfuhr sie so aus erster Hand Beweggründe und Zusammenhänge, die das Schaffen von Künstlerbüchern beleuchten und verständlicher machen können.

1. November 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro, Mitglieder: 1,50 Euro


è Klingspor-Museum
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63065 Offenbach

Do, 15.08.2013

Tierisch menschlich

Burgi Kühnemann Fabeln von La Fontaine
Seit vielen Jahren hat sich Burgi Kühnemann dem Unikatbuch verschrieben. Malend, schreibend und collagierend verleiht sie literarischen Vorlagen eine neue Deutungsebene. Ihre Bücher sind Übermalungen und Überschreibungen antiquarischer Bücher, deren vorhandenes Bildmaterial sie raffiniert in ihre Arbeiten integriert, dabei lässt sie sich in der Gestaltung ihrer Bücher von dem vorgefundenen Material inspirieren. Die Ausstellung widmet sich ihrer Auseinandersetzung mit den Fabeln La Fontaines. In ihren opulenten Malerbüchern verbindet sie die pointierten Texte aus dem 17. Jahrhundert mit treffsicheren bissigen Tierdarstellungen, die allzu Menschliches aufweisen. Die literarische Form der der Fabel ist seit dem Altertum beliebt. Fabeln sind belehrende Erzählungen, in denen oftmals Tiere mit menschlichen Eigenschaften die Protagonisten sind. Meist endet die Fabel mit einer Moral. Neben Aesop gehört der französische Schriftsteller Jean de la Fontaine (1621 - 1695) zu den bekanntesten Fabeldichtern. In Frankreich gilt er als einer der größten Klassiker, aber auch hierzulande erfreuen sich viele seiner Fabeln noch großer Beliebtheit.
Seit über zehn Jahren beschäftigt sich Burgi Kühnemann mit La Fontaines Fabeln, die sie, wie sie sagt, wegen ihrer lebendigen und grotesken Bildhaftigkeit fesseln.
Mehr als fünfzig Bücher zu La Fontaine sind bisher entstanden, darunter befinden sich so bekannte Fabeln wie der „Der Esel und das Hündchen“ oder „Der Fuchs und die Trauben“. Burgi Kühnemanns kraftvolle Handschrift voller Verve verbindet sich mit Bildern des prallen Lebens, die nicht immer ganz frei von herrlicher Boshaftigkeit sind, in ihren ausdruckstarken Künstlerbüchern. Burgi Kühnemann, geboren 1935, studierte an der Werkkunstschule Düsseldorf Aktzeichnen und Metallbildnerei. Seit 1983 entstand ein Oeuvre von mehr als 200 Unikatbüchern, die Kühnemanns Rang in der Buchkunst seit den achtziger Jahren ausmachen. Weitere Schwerpunkte in ihrem Schaffen bilden Märchen sowie das Werk Heinrich Heines. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt.

Ausstellung: 13. Oktober bis 24. November 2013
Eröffnung: 13. Oktober 2013, 11:30 Uhr
Zur Eröffnung liest Burgi Kühnemann ausgewählte Fabeln


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Di, 06.08.2013

Herzlichen Glückwunsch! Ein Meer von Blumen

Das Klingspor-Museum feiert seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß zeigen wir einen bunten Strauß von Büchern mit Pflanzendarstellungen. Die Motive umfassen ein Spektrum von floraler Ornamentik bei William Morris über die als Bestimmungsbücher gedachten Blumenbücher von Rudolf Koch und Josef Weisz, den zarten Blumenmotiven bei Henri Matisse bis hin zur höchst symbolischen Blütendarstellung im zeitgenössischen Künstlerbuch. 
Floraler Schmuck war äußerst beliebt um die vorige Jahrhundertwende. Als schönstes Beispiel wird die berühmte monumentale Chaucer-Ausgabe der Kelmscott Press präsentiert. Es wurden jedoch nicht nur Ausgaben von Schöner Literatur mit Blumenornamenten geschmückt, sondern auch wissenschaftliche Werke und Ausstellungskataloge. Ein beliebtes Sujet von Kinderbüchern waren personifizierte Blumendarstellungen als handelnde Figuren. In der Ausstellung sind Beispiele des englischen Künstlers Walter Crane und des Schweizer Grafikers Ernst Kreidolf zu sehen.
Pflanzenbücher haben eine lange Tradition. Die ersten Bücher über Pflanzen waren medizinische Bücher, die sich mit der Heilkraft von Pflanzen beschäftigten. Schon in der Antike beschrieb der griechische Arzt Pedacius Dioscorides die ihm bekannten Heilpflanzen. Der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli (1501 – 1577) übersetzte und kommentierte Dioscorides Werk. Eine reich illustrierte Ausgabe von 1565 ist als ältestes Buch der Ausstellung zu sehen. Rudolf Kochs berühmtes Blumenbuch sollte kein botanisches Werk, sondern ein wirklich volkstümliches Buch sein. Es entstand aus Zeichnungen, die Koch fertigte, um für seine Kinder Pflanzen bestimmen zu können. Peter Heckwolf schuf mit seinem „Herbariusum“ ein opulentes Werk im Naturselbstdruck.
Die Symbolik der Blumen findet ihren Niederschlag im Künstlerbuch, wie zum Beispiel in Barbara Fahrners beinah schwerelos wirkendem Unikatbuch „Diese Welt aus Tau“. Den Haikus von Issa stellt sie botanische Zeichnungen von Blüten und Fruchtständen gegenüber und zeigt so die Parallelität von Werden und Vergehen in der Natur mit der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens auf. In kräftigen Farben präsentiert sich Oskar Kokoschkas Frühwerk „Die träumenden Knaben“ Die frühexpressionistische Dichtung beinhaltet Träume von Gewaltphantasien und von der pubertären Liebe zu dem Mädchen Li. Sie sind in den Hintergrund einer von Blumen und Pflanzen bewachsenen, sexuell aufgeladenen Natur eingebettet. Die großflächigen Lithographien lassen zahlreiche florale Motive zum Ornament verschmelzen. In V. O. Stomps Eremiten-Presse erschien 1964 Horst Antes „Stierstädter Gartenbuch“. Die Pflanzen- und Gartengedichte von Dieter Hoffmann, sind auf einen Fond von zarten Pflanzenabdrucken gedruckt und mit Antes‘ Schablonendrucken illustriert. Pablo Picasso schuf mit seinen Lithographien zu Tristan Tzaras Gedicht „De mémoire d’homme“ spielerisch leichte Bilder von Tieren und Pflanzen. Einen weiteren Höhepunkt bilden die von Henri Matisse handschriftlich geschriebenen und mit Lithographien versehenen Gedichte von Charles d’Orléans, die 1950 bei Tériade in Paris erschienen. Die zarten Illustrationen werden stets von freien Interpretationen der königlichen Lilie, dem Wappenzeichen der Bourbonen, begleitet. aaa „Not a rose“ heißt das provokante Werk der deutschen Konzeptkünstlerin Heide Hatry, die in New lebt. Es spielt gekonnt mit der Wahrnehmung zwischen Ästhetik und Ekel. Die abgebildeten „Blumen“ sehen auf den ersten Blick filigran und exotisch aus. Erst auf den zweiten Blick hin wird offenbar, dass die ästhetischen Gebilde aus Tierorganen gefertigt sind.
Zum ersten Mal gezeigt werden farbige Zeichnungen von Else Klingspor aus Privatbesitz.
 
Ausstellung: 27. September bis 24. November 2013
Eröffnung: Sonntag, 27. September 2013, 19 Uhr

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