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Jürgen Gottschalk

Pirckheimer-Blog

Jürgen Gottschalk

Fr, 14.04.2017

Jürgen Gottschalk (1950 - 2017)

Tief betroffen musste ich heute erfahren, dass Jürgen Gottschalk am 28. März im Alter von nur 67 Jahren verstorben ist.
Der am 6.3.1950 geborene Historiker Jürgen Gottschalk ist den Pirckheimern nicht nur als Sammler von Judaica zum Thema Musik, Theater, Kabarett, Witz und Humor und durch Aufsätze zu diesem Thema in den Marginalien und anderen Zeitschriften bekannt, wo er u.a. über den Berliner Antiquar, Verleger und Mäzen Louis Lamm publizierte. Seine wissenschaftlich Vorträge vor den Pirckheimern und dem BBA werden den Teilnehmern genauso in Erinnerung bleiben, wie seine musikalischen Kleszmer-Darbietungen am Akkordeon. Seit 2010 stellte Jürgen Gottschalk seine einzigartige Sammlung unter dem Titel Humoristica Judaica im Internet vor und erreichte damit Interessenten an Jüdischen Hochschulen in Deutschland genauso wie auch Bibliotheken und Forschungseinrichtungen in Osteuropa und den USA.
Seine fundierten bibliophilen Recherchen zum Thema Judaica haben das Wissen um dieses Gebiet nicht nur bei den Pirckheimern bereichert - sein Tod hinterlässt eine Lücke.
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Sa, 11.02.2017

ein Exlibris von einem Pirckheimer für einen Pirckheimer

Albrecht von Bodecker, 1984, Exlibris für Jürgen Gottschalk

So, 28.09.2014

Gedanken zum Sinn bibliophilen Wirkens

Aus den Eröffnungsworten des Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft zum Jahrestreffen 2014

Die Pirckheimer-Gesellschaft ist in der DDR gegründet worden zu einer Zeit, die geprägt war von Hoffnungen auf demokratische Erneuerungen und freiheitliche Entwicklungen, von der Hoffnung, dass Kriege Geschichte sein werden und dass das Leben der Menschen von Gemeinschaft und Kultur bestimmt sein wird. Unter dem Dach des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ fanden sich Sammler und Kenner der Kunst und Literatur um Bruno Kaiser, Horst Kunze und andere zusammen, die Bibliophilie noch aus der Vor-Nazizeit kannten. An dieses vergangene, sehr lebendige und auch öffentlich wirksame Geschehen wollten sie anknüpfen, von jenem alten Schwung, der vom Ende des 19. Jahrhunderts, als die Bibliophilen sich erstmals organisierten, bis in die neunzehnhundertzwanziger Jahre die Bewegung beherrschte, wollten sie etwas herübernehmen in ihre Aktivitäten. Die frühen Pirckheimer hatten hohe Ziele: sie wollten die Qualität der Buchproduktion beeinflussen, sie wollten Maßstäbe setzen und Einfluss ausüben, sie rekrutierten Mitglieder in hohen Staatsfunktionen und ernannten sie zu Ehrenmitgliedern, sie waren mit den Institutionen des Staates gut verbunden, sie wollten die gesamte Gesellschaft mit prägen und voranbringen. Und sie taten das erfolgreich. Die Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft machten das Thema Bibliophilie zu einem öffentlichen, sie vergruben sich nicht in ihre vier Wände, hinter ihren Schätzen, sondern gestalteten Ausstellungen, waren beteiligt an der Wahl der Schönsten Bücher, nahmen Einfluss auf Verlagsproduktionen, wirkten in Druckereien, in Bibliotheken und kritisierten Fehlentwicklungen in der staatlichen Kulturpolitik genauso wie das schlecht gemachte und auf schlechtem Papier gedruckte Buch, das auch in der DDR leider noch zu häufig zu finden war. Dass die Bücher aus der DDR international dennoch einen ausgezeichneten Ruf genossen, die sich zunehmend durch qualitativ hochstehende Buchgestaltung, gute handwerkliche Arbeit und hervorragende Illustrationen auszeichneten und häufig zu den schönsten der Welt gekürt wurden, ist somit auch ein Verdienst der Pirckheimer-Gesellschaft.
... welchen Sinn und Zweck hat unser Tun unter den heutigen Umständen?  ...
 

Do, 06.12.2012

Eine doppelt versteckte „versteckte“ Bibliographie

Eine doppelt versteckte „versteckte“ Bibliographie in Edmund Edels „Der Witz der Juden“

Mit seiner Veröffentlichung aus dem Jahr 1909 hat Edmund Edel versucht, eine erste feuilletonistisch angelegte monographische Darstellung über den jüdischen Witz unter Benutzung des jüdischen Witzes in deutscher Sprache vorzulegen. ...

(Jürgen Gottschalk)

weiterlesen auf antiquare.at

Mo, 29.10.2012

Jüdischer Witz und Humor

Seit nunmehr fast 2 Jahren betreibt unser Mitglied, der Berliner Historiker Jürgen Gottschalk, die Webseite Humoristica Judaica, auf welcher er die verschiedensten Dokumente zur jüdischen und "jüdischen" Witz- und Humor-Kultur präsentiert.
Jetzt eröffnete er ergänzend zu dieser Seite einen 
Blog, um Interessenten die Möglichkeit zu geben, sich über Probleme auszutauschen, Forschungsthemen zu formulieren, Beiträge zur Website zu leisten und Unterstützung zu erfragen.

Do, 16.12.2010

Humoristica Judaica

Unser Mitglied Jürgen Gottschalk startet mit seine neue Seite zum Thema "Jüdischer Humor" eine Novität im deutschsprachigen Netz. Bereits nach wenigen Tagen finden sich auf der Seite über einhundert Abbildungen von Titeln seiner Sammlung, sowie wissenschaftliche Untersuchungen, die den Pirckheimern und dem Berliner Bibliophilen Abend teilweise aus Vorträgen bekannt sind. Die Gestaltung und Betreuung der Seite, für die in den nächsten Monaten ein beträchtliches Wachstum geplant ist, übernahm unser Mitglied Abel Doering.

è Humoristica Judaica

Mo, 22.11.2010

Ausstellungen in der Synagoge zu Görlitz

Am 12. November konnte der Besucher anläßlich einer Vernissage in der Synagoge zu Görlitz gleich drei Ausstellungen und ein Konzert an einem Tag erleben.
Obgleich sich unterschiedlichen Themen widmend besteht doch ein tiefer innerer Zusammenhang zwischen den eher nüchternen Displays des Fördervereins der Görlitzer Synagoge, der Ausstellung zur "Neuen Jüdischen Schule" von Jürgen Gottschalk, die dem Beginn des jüdischen Kunstliedes aus dem Klezmer und den jüdischen Komponisten gewidmet ist und der Installation "Jüdische Spurensuche" des Schwarzenberger Holzgestalters Jörg Beier.
Am späten Nachmittag eröffnete Dr. Albrecht Goetze vom MEETINGPOINT MUSIC MESSIAN die Ausstellung und die meisten der Anwesenden waren überrascht, welch schier unglaubliche musikalische Brillanz sie am Abend erwartete, als Jascha Nemtsov am Flügel die Brücke vom Klezmer (כלי זמר) zur jüdischen Kunstmusik schlug.
Begleitet wurde die Vernissage von Dr. Andraš Varga, jüdischer Sänger und ehemals Immunologe am Görlitzer Klinikum, und unserem Berliner Mitglied Jürgen Gottschalk am Akkordeon.

Jüdische Spurensuche, Installation von Jörg Beier
Neue Jüdische Schule, Ausstellung von Jürgen Gottschalk
12. November bis 12. Dezember 2010

Synagoge zu Görlitz
Otto-Müller-Straße 3

è weitere Informationen und Bilder

Di, 15.06.2010

Louis Lamm (1871 - 1943)

Am 14. Juni 2010 referierte unser Mitglied Jürgen Gottschalk vor dem è Berliner Bibliophilen Abend über den Berliner Antiquar, Verleger und Mäzen Louis Lamm. Herr Gottschalk würdigte einen weiteren jüdischen Buchschaffenden, der in den Jahren vor 1933 für Berliner Bücherfreunde bedeutsam war, der 1933 mit 16 Rheinkähnen (!), beladen mit dem wichtigsten Teil seines Buchfundus, nach Amsterdam emigrierte und 1943 gemeinsam mit seiner Tochter von den Nazis ermordet wurde. Als Quellen für seine aufschlussreichen und engagiert vorgetragenen Informationen dienten dem Historiker Gottschalk, der auch beim BBA Mitglied ist, neben den Stücken seiner Sammlung vor allem die Eigendarstellungen von Louis Lamm in den "Neuen jüdischen Monatsheften" 1919 über seine Tätigkeit als Antiquar und Verleger, von Peter M. Manasse: "Louis Lamm (1871-1943) - Antiquar und Verleger in Berlin und Amsterdam." (Amsterdam 2009), sowie ein Zeitschriftenaufsatz von Werner Schroeder "Aus dem Antiquariat", Heft 6/2009, wobei ihm als aufmerksamem Bibliophilen auch Fehler und Lücken nicht verborgen blieben, die er durch seine Recherchen aufdecken und häufig beseitigen konnte. Interessant für die Hörer waren natürlich auch die Darstellungen Gottschalks über das Kreuzen der Lebenslinien des Referenten mit dem Schicksal der Bücher von Louis Lamm, von denen er einige Exemplare vorstellte, die ihm kostbar geworden sind.

Lesung mit Elmar Faber

Trotz des heißen Wetters, der Fußball-WM, der Strandparty, und was sonst noch alles in und um Storkow los war, hatten sich doch immerhin zwanzig Literaturinteressierte am Freitag beim Burg-Salon des Burg-Kultur-Vereins eingefunden. Aus Leipzig war der Verleger Elmar Faber gekommen, um aus seinem Buch „Nürnberger Pakete“ zu lesen. Der Berliner Jürgen Gottschalk mit seinem Akkordeon bot dazu stimmungsvollen Irish Folk, Kleszmer und eine Musette.

„Ich bin kein Schriftsteller, ich bin Verleger“, stellte er gleich am Anfang klar. Entstanden waren die zehn Erzählungen aus der Erlebniswelt seiner Kindheit in Thüringen bei einem Kuraufenthalt. „Es gibt Leute, die man nie wieder vergessen kann, und außerdem wollte ich versuchen, dieser Landschaft ein Denkmal zu setzen“, war sein Schreibantrieb. Zu den unvergesslichen Leuten gehörten der Latein liebende, feingeistige Gymnasiallehrer Dr. Aegidius und dessen Widersacher, der proletarisch geprägte, etwas grobschlächtige Neulehrer Fliederbusch, der Mobbing betreibt, das aus den sozialen Umständen heraus zwar nicht entschuldbar, aber erklärbar ist. „An beiden Figuren hat mich interessiert, wie sie mit dem damaligen gesellschaftlichen Umbruch fertig geworden sind. Es war eine vergleichbare Zeit zu heute“, so Faber.


In diesem kleinen Kreis entwickelte sich auch, einem Salon-Charakter entsprechend, ein Gespräch, das zu Betrachtungen über die Sprache führte, bei der sich der Germanist Faber an der schriftstellerischen Tradition des 19. Jahrhunderts orientiert. Allgemein bedauert wurde, dass mit dem statistisch ermittelten Verfall des Reichtums an Wortschatz in der Sprache der Jugend auch Fantasie und Utopien verloren gehen. In der Politik sei das ebenso. „Klischees wie ‚alternativlos‘ oder ‚historisch‘ können für alles mögliche verwendet werden, so wie ‚cool‘ und ‚geil‘ in der Jugendsprache“, führte Elmar Faber als Beispiele an. Wer gekommen war, hatte es nicht bereut, und auch nach dem offiziellen Teil nutzten viele die Gelegenheit, dem Experten spezielle Fragen zum medialen Literaturbetrieb zu stellen.
 
(Elke Lang)