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Pirckheimer-Blog

So, 13.01.2019

Eine kleine Kostbarkeit aus China

Die Verlagsphilosophie des in Gossenberg in Oberfranken ansässigen OSTASIEN Verlags „besteht darin, Bücher herauszubringen, die wissenschaftlich fundiert und daher für Spezialisten von Wert, zugleich aber auch für einen allgemeineren Leserkreis von Interesse sind.“ Eine der zehn Reihen, mit denen die promovierten Sinologen und Verleger Martin Hanke und Dorothee Schaab-Hanke diesem Anspruch gerecht zu werden versuchen, ist die Reihe mit dem programmatischen Titel „Phoenixfeder“ (RPF). Man macht nicht viel falsch, wenn man sie eine bibliophile Reihe nennt, denn mit ihr widmen sich die Verleger trotz bescheidener Mittel auf hohem wissenschaftlichem und ästhetischem Niveau der Veröffentlichung von kulturhistorischen Schätzen aus über 3000 Jahren ostasiatischer Schriftgeschichte und der Gegenwart.

Das vorjüngste, 44. Kind der „RPF“ trägt den Namen Fünfzehn Schnüre Käsch. Eine Novelle aus der Ming-Zeit; nacherzählt von Wang Zhaoqi (geboren 1936), mit Illustrationen von He Youzhi (1922–2016), aus dem Chinesischen übertragen von Jessica Aicher unter Mitarbeit von Rupprecht Mayer. (Weitere Angaben kann die Verlagswebseite vermitteln.) Das Aparte an dieser Ausgabe ist ihre Erscheinungsform, denn die kommentierte, nur 9,2 x 12,5 cm große Übersetzung erschien „im Bundle mit dem [gleich großen] chinesischen Original“.

Das selten gewordene, von den Verlegern auf Umwegen in kleiner Stückzahl erworbene Heft war 1979 im Shanghaier Kunstverlag des Volkes erschienen. Die Verlagsangabe „mit Illustrationen“ ist allerdings etwas irreführend, weil es sich bei den 142 ganzseitigen Zeichnungen um eine Art Comic mit Untertiteln handelt. – Mehr sei hier, an dieser Stelle, über die 159 Jahre vor Schillers Kriminalbericht „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ für eine Anthologie mit dem beziehungsreichen Titel „Sentenzen zur Aufrüttlung der Welt“ niedergeschriebene Kriminalerzählung nicht vorweggenommen. Die beiden (inhaltlich) gewichtigen Bände kosten ja nur 14,80 Euro …

(Bernd-Ingo Friedrich)

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