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Pirckheimer-Blog

So, 04.02.2018
Fotos © SHMH/Elke Schneider

150 Jahre Das Kapital in Hamburg

(eine Anmerkung aus DIE ZEIT zum Beitrag "Sammler auf Reisen: Hamburg" am 3.2.2018)

"Die Ausstellung ‚Karl Marx, Das Kapital’ im Museum der Arbeit in Hamburg [...] ist eine ungeheure’ Ansammlung von lockeren Zugriffen auf Aspekte und Wörter aus dem ‚Kapital’, ohne sie mit Anschaulichkeit und Sinn zu klären, ohne sie für die Gegenwart des Besuchers hilfreich zu übersetzen – z.B.:

- ‚Ware’ wird nicht - wie Marx es so gut nachvollziehbar im Zusammenhang von Naturprodukt, Tauschobjekt, Tauschwert, innewohnender Arbeit ... bis hin zu ihrem Fetischcharakter und Geld entwickelt - verständlich macht, sondern in verklebten Dosen in einer Schießbudenpräsentation verrätselt.
- die Seereise Marxens von London nach Hamburg wird mit Liegestühlen und flüsternden Kopfhörern wie auf einem Kreuzfahrtschiff heute nachgestellt, es rauscht irgendwie.
- überhaupt: Lebensumstände, Industrie und Arbeitswelt …nichts wird sinnlich anschaulich erfahrbar gemacht. Ein trauriger Höhepunktder Ausstellung ist das melancholische Zusammentreffen von sieben biedermeierlichen Nähmaschinen zum gemythlichen Beisammensein.(Dabei sind im 1.Stock des Museums so eindrucksvolle Maschinen u.a.aus der Druckindustrie ausgestellt.)
- und wirklich niederträchtig ist es, Dialogansätze zwischen Marx und Engels auf kleine Zetteln in Kleinstauszügen weiter zu verzetteln und zerteilen und an Schnüren in den Raum zu verspannen, unleserlich schwankend, ohne jeden Sinnzusammenhang. Das zerreißt Sinn, behindert Reflexion, nimmt jede Motivation, noch verstehen zu wollen.
- und wenn schließlich die Besucher, nachdem sie so hilflos zurückgelassen wurden, mit der Frage nach ihrer Meinung zum Kapitalismus zum Mittun aufgefordert werden, wird nicht nur das Thema ( K.Marx, Das Kapital) verfehlt, sondern auch der Gutwilligste überfordert. Er bringt es auf den Punkt, wenn er an die Pinnwand endlich ‚TRUMP !’ schreiben darf.

[...] Schade – also: GEWINNWARNUNG !"

(Klaus Waschk)

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