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Exkursion von Halle nach Quedlinburg

Das Geburtshaus des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 - 1803) wurde etwa um 1560, in der Blütezeit des niedersächsischen Fachwerkstils gebaut. Seit 1899 ist es Museum. Es war der erste Anlaufpunkt für die Exkursion der Halleschen Pirckheimer.
Das Geburtshaus des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 - 1803) wurde etwa um 1560, in der Blütezeit des niedersächsischen Fachwerkstils gebaut. Seit 1899 ist es Museum. Es war der erste Anlaufpunkt für die Sommerexkursion der Halleschen Pirckheimer. | © Ralf Wege
Brigitte Meixner (l.) führte die Pirckheimer durch das Klostock-Haus. Als langjährige ehemalige Direktorin des Hauses schöpfte sie aus einem großen Fundus an Fachwissen über den Dichter und dessen Werk. | © Ralf Wege
Während des Rundgangs durch das Klopstock-Haus. | © Ralf Wege
Mit Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte der Feininger-Sammlung startete Michael Freitag im Hof des Museums seine Führung, bevor es in die Galerie-Räume ging. | © Ralf Wege
Mit Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte der Feininger-Sammlung startete Michael Freitag im Hof des Museums seine Führung, bevor es in die Galerie-Räume ging. | © Ralf Wege
Eine »Cleveland« von 1898 im Originalzustand konnten die Pirckheimer zu Beginn ihres Rundganges durch die Galerie bewundern. Der begeisterte Radfahrer Feininger war mit diesem Radtyp über Jahrzehnte in Thüringen, im Harz, in Brandenburg und an der Ostseek
Eine »Cleveland« von 1898 im Originalzustand konnten die Pirckheimer zu Beginn ihres Rundganges durch die Galerie bewundern. Der begeisterte Radfahrer Feininger war mit diesem Radtyp über Jahrzehnte in Thüringen, im Harz, in Brandenburg und an der Ostseeküste unterwegs. | © Ralf Wege
Das Segelschiff als Motiv spielt in Feiningers Werk eine zentrale Rolle. So hat dieses Schiffsmodell in der Dauerausstellung seinen Platz bekommen. | © Ralf Wege
Das Segelschiff als Motiv spielt in Feiningers Werk eine zentrale Rolle. So hat dieses Schiffsmodell in der Dauerausstellung seinen Platz bekommen. | © Ralf Wege
In dieser Vitrine sahen die Pirckheimer eine kleine Sensation: Das jüngst aufgefundene Skizzenbuch Feiningers aus dem Jahr 1905. Es wird in dieser Dauerausstellung erstmals dem Publikum zugänglich gemacht. | © Ralf Wege
In dieser Vitrine sahen die Pirckheimer eine kleine Sensation: Das jüngst aufgefundene Skizzenbuch Feiningers aus dem Jahr 1905. Es wird in dieser Dauerausstellung erstmals dem Publikum zugänglich gemacht. | © Ralf Wege
Anfassen erwünscht: In dem Grafikschrank liegen kleinformatige Arbeiten von Feininger, die sich der Besucher selbst erschließen kann, indem er die oberen vier Schubladen öffnen darf. Die Blätter sind durch spezielles Glas geschützt. | © Ralf Wege
Anfassen erwünscht: In dem Grafikschrank liegen kleinformatige Arbeiten von Feininger, die sich der Besucher selbst erschließen kann, indem er die oberen vier Schubladen öffnen darf. Die Blätter sind durch spezielles Glas geschützt. | © Ralf Wege
Als letzte Station seiner Führung durch die Galerie machte Michael Freitag im »Projektraum« halt, der für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genutzt wird. Aktuell waren dort Arbeiten von Schülern zum Thema »Abenteuer Comic - Das Superhelden Special«
Als letzte Station seiner Führung durch die Galerie machte Michael Freitag im »Projektraum« halt, der für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genutzt wird. Aktuell waren dort Arbeiten von Schülern zum Thema »Abenteuer Comic - Das Superhelden Special« zu sehen. | © Ralf Wege
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Tipp

Zu Besuch bei Friedrich Gottlieb Klopstock und Lyonel Feininger

Die diesjährige Sommerexkursion führte die halleschen Pirckheimerfreunde am 17. Juni 2017 nach Quedlinburg, genauer – auf den Schlossberg der Stadt. Doch nicht die geschichtsträchtige Stadt und ihr Wahrzeichen, die weithin sichtbare romanische Stiftskirche St. Servatii, waren das Ziel, sondern die eher neuzeitlichen Gedenkstätten der Literatur- und Kunstgeschichte, das Klopstockhaus am Schlossplatz und die Lyonel-Feininger-Galerie am Finkenherd.

Die kleine Gruppe aus Halle, der sich auch einige Freunde aus Magdeburg angeschlossen hatten, ließ sich, der Chronologie folgend, zunächst durch das den Platz beherrschende Patrizierhaus führen, wo Friedrich Gottlieb Klopstock am 2. Juli 1724 geboren wurde. Brigitte Meixner, langjährige Direktorin des Museums und inzwischen im Ruhestand, sorgte mit ihrer kennntnisreichen und lebendigen Führung dafür, dass vor den aufmerksamen Besuchern ein Dichter lebendig wurde, der keineswegs nur langatmige Oden verfasste.

Zunächst aber ging Brigitte Meixner auf die Geschichte des Hauses ein. Bereits im 16. Jahrhundert im Fachwerkstil erbaut und im 17. Jahrhundert erweitert, wechselte das Haus die Besitzer und Nutzer, bis die Stadt 1899 hier ein Museum zur Erinnerung an ihren großen und bedeutenden Sohn einrichtete. Die Exponate – Briefe, frühe Werkausgaben und Bilddokumente – verdeutlichten die Biografie und den dichterischen Werdegang Klopstocks. Sein zwanzig Gesänge umfassendes Epos »Der Messias«, das ihn bald berühmt machte, zeigt noch heute in seiner undogmatischen und persönlichen Ausrichtung seine große dichterische Kraft, die ihn zum Wegbereiter der Klassik werden ließ. Seine Lebensstationen führten ihn allerdings von Quedlinburg weg. Fast zwanzig Jahre lebte er am Hofe des dänischen Königs Friedrich V. in Kopenhagen, bis er 1770 in Hamburg sesshaft wurde, wo er am 14. März 1803 verstarb und auch begraben ist.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass sich im Klopstockhaus auch Gedenkräume für andere bedeutende Persönlichkeiten der Stadt befinden. So wird auch an die erste deutsche Ärztin Dorothea Christiane Erxleben (1715–1762) und an den ebenfalls in Quedlinburg geborenen Carl Ritter (1779–1859) erinnert, der neben Alexander von Humboldt als der Begründer der modernen Geographie gilt.

Nach der Mittagspause war die Kunst des 20. Jahrhunderts angesagt und der Besuch der nahe gelegenen Lyonel-Feininger-Galerie. Dass Lyonel Feininger (1871–1956), bekanntermaßen kein Sohn der Stadt, hier in Form einer Galerie ein Denkmal gesetzt worden ist, bleibt dennoch mit seiner Biographie verbunden. Als Feininger 1937 Deutschland verlassen musste und mit seiner Familie in die USA übersiedelte, übergab er eine Vielzahl seiner Werke seinem Quedlinburger Freund Dr. Hermann Klumpp (1902–1987) in Obhut. Klumpp, ein promovierter Jurist, der sich später der Kunst zugewandt und am Dessauer Bauhaus Architektur studiert hatte, bewahrte also die als »entartet« geltenden Bilder Feiningers vor der Vernichtung. Nach dem Tod Feiningers und der Klärung der Eigentumsverhältnisse der Bilder mit den Erben verblieben rund 40 Werke, vorwiegend Druckgraphiken und Papierarbeiten, aber auch einige Gemälde und von Feininger gebasteltes Spielzeug in Quedlinburg und führten im Januar 1986 zur Gründung der Lyonel-Feininger-Galerie.

Anfangs in einem 1901 errichteten Museumsbau am Schlossberg untergebracht, erfuhr die Galerie im Laufe ihres nunmehr dreißigjährigen Bestehens mehrere Erweiterungen und Modernisierungen und präsentiert sich heute als ein Museum für graphische Künste, das über den einzigartigen Feininger-Bestand hinaus über hundert Werke von Künstlern der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst umfasst und ständig seinen Bestand erweitert. Das alles erfuhren die Besucher von Michael Freitag, dem Direktor der Galerie, durch seine engagierten Ausführungen. Auch Probleme blieben nicht ungenannt. Da die Empfindlichkeit der Papierarbeiten eine alles umfassende und ständige Ausstellung nicht zulässt, werden im jährlichen Wechsel die unterschiedlichen Schaffensschwerpunkte Feiningers demonstriert. Sonderausstellungen anderer Künstler, die sich besonders mit der »Kunst auf Papier« befassen, bereichern außerdem das Ausstellungsprogramm der Galerie, so auch die zur Zeit laufende wunderbare und vielfältige Ausstellung von Walter Libuda »Magische Areale«. Beim Gang durch die Galerieräume, seit dem letzten Jahr noch um einen neuen Museumsshop mit Café erweitert, beeindruckten die Besucher auch die großzügigen Räume für museumspädagogische Aktivitäten und Bildungsarbeit, für Sommerakademien und Ferienkurse. Sogar eine kleine Druckerei war hier angeschlossen. Ein sehr lebendiges Museum also!

Ute Willer 

Diese Veranstaltung war
Samstag, 17. Juni 2017 - 8:30
Lyonel-Feininger-Galerie
Klopstock-Haus
06484 Quedlinburg

Freunde der Pirckheimer-Gesellschaft sind herzlich eingeladen, an der Exkursion teilzunehmen. Je nach Anzahl der Teilnehmer werden für die Bahnfahrt Gruppentickets gelöst. Also bitte vorher keine Einzelfahrkarte kaufen. Das gilt auch für den Eintritt in die Galerie und das Klopstock-Haus.

Zuständige Regionalgruppe: 
Halle (Saale) und Umgebung