Pirckheimer-Blog

Ausstellung

Sa, 01.07.2023

Chris Ware: "Paper Life" im Cartoonmuseum Basel.

Chris Ware im Cartoonmuseum

Die in enger Zusammenarbeit mit Chris Ware entwickelte Retrospektive Paper Life zeigt vom 1. Juli bis zum 29. Oktober im Cartoonmuseum Basel (St.-Alban-Vorstadt 28, CH– 4052 Basel) erstmals im deutschsprachigen Raum den ganzen Reichtum des Werks des aktuell bedeutendsten US-amerikanischen Comicautors und -zeichners. Der 1967 in Omaha in Nebraska geborene Künstler veröffentlichte schon sehr früh im Avantgarde-Magazin Raw von Art Spiegelman und Françoise Mouly. In den frühen 1990er Jahren startete er seine ACME-Novelty-Library-Serie, in der er seine wichtigsten Charaktere etablierte. Ware zeichnet mit perfektionistischer Akribie und technischer Präzision, seine Bücher sind erzählerische und formale Gesamtkunstwerke, in denen von der Typografie bis zum Einband alles aus einer Hand kommt. In der Ausstellung wird nachvollziehbar, wie er über suchende Vorskizzen zu seinen durchkomponierten, an Konstruktions-Zeichnungen erinnernden Bildsequenzen gelangt. Besonders eindrücklich ist dabei die aufwendig produzierte Comic-Sammlung Building Stories von 2012, die 14 Bücher in den verschiedensten Formaten und eine ohne vorgegebene Reihenfolge vereint. Neben seinen großen Graphic Novels wie Jimmy Corrigan (2000) und Rusty Brown (2019) arbeitet Chris Ware für die Presse und hat diverse Animationsfilme realisiert. Die Schau zeigt Originale des u. a. 2021 mit dem Grand Prix de la Ville d’Angoulême ausgezeichneten Künstlers, seine Filme sowie Objekte (Modelle, Puppen), die seine Geschichten in der dritten Dimension ergänzen. Das Cartoonmuseum ist von Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 12 (ermäßigt 7) Schweizer Franken. Alle weiteren Informationen zum Künstler, zur Schau und zum umfangreichen Beiprogramm finden sich hier.

(Cartoonmuseum Basel/André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 24.06.2023

Ottilie von Goethe (1796–1872), Gattin Augusts, Schwiegertochter und "Muse" J. W. von Goethes, Vertreterin der deutschen Romantik. | © Klassik Stiftung Weimar / Goethe- und Schiller-Archiv

Mut zum Chaos: Ottilie von Goethe

Sie war die Gattin August von Goethes, mehr aber noch die Schwiegertochter von Großdichter Johann Wolfgang von Goethe und das von ihm eindeutig so benannte „Lieblingskind“: Ottilie von Goethe (1796–1872). Der Tod Augusts 1830 wird denn auch weit mehr vom Tod des Meisters zwei Jahre später überschattet – und die quirlige Romantikerin sah denn da auch das „Licht ihres Lebens“ erloschen. Die Mut zum Chaos betitelte Ausstellung, die anlässlich ihres 150. Todestages 2022 in der Goethe-Stadt Weimar gezeigt wurde, ist nun bis zum 6. September in der Goethe-Stadt Frankfurt am Main zu sehen. Man taucht ein in die Welt einer Freiheitsgeistin und künstlerischen Verkleidungs-Künstlerin, die schon zu Lebzeiten Begeisterung und Widerspruch erntete. Die Schau ist im Deutschen Romantik-Museum ist täglich von 10 bis 18 Uhr, an den Donnerstagen sogar von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Lediglich am Goethe-Geburtstag (dem 28.08.) schließt das Haus bereits um 17 Uhr. Die nächste Führung durch die Ausstellung findet am 27. Juni um 16.30 Uhr statt. Tipp für den Bibliophilen: das Album Allerlei, in dem Ottilie von Goethe eine Vielzahl von Gestalten annimmt, und die Zeitschrift Chaos, deren Erscheinen (1829 bis 1832) sie erheblich anstieß und nach der die Ausstellung zu Leben und Werk, die eine Vielzahl weiterer Schätze birgt, benannt ist

(André Schinkel)

Mo, 19.06.2023

Jorinde Voigt: "Red Rhythm (6)", Graphit auf Papier auf Holz, 2022, 207 x 207 x 16 cm. | © Jorinde Voigt/ VG Bild-Kunst & König Galerie Berlin
Astrid Busch: "I remember birds and stones", Foto-/ Pigment-Print, Projektion. | © Astrid Busch 2023

Papier und Klang in Berlin

Für Janko zum Geburtstag

Vom 07. Juli bis zum 03. September 2023 bietet das Kunstfestival papier & klang aufregende zeitgenössische Kunst aus Papier an unerwarteten Orten in Berlin. Neun Wochen lang lassen das Museum Haus des Papiers und seine Veranstaltungspartner aus der Berliner Kulturszene Papier und innere Klänge durch die Stadt schwingen. Papier ist vielseitig, wandelbar und allgegenwärtig. Es ist ein Werkstoff, der Emotionen empfangen, abbilden und auslösen kann – und der etwas in uns zum Klingen bringt. Der Werkstoff besitzt die Kraft, Menschen zu berühren, zusammenzuführen. 

In Ausstellungen, Performances und Installationen des papier & klang-Festivals entfesseln insgesamt 54 Kunstschaffende der bildenden und darstellenden Kunst diese hochgradig emotionale Kraft und erarbeiten ortsspezifische Konzepte, die Papier in Verbindung zu innerem Klang setzen. Das Haus des Papiers bietet das Dach für das konzeptionelle Bundle des Festivals, unter dem sich der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V., das Museum für Kommunikation Berlin und der Art Space Die Möglichkeit einer Insel als Veranstaltungspartner versammeln.

Die Auftaktveranstaltung findet am 06. Juli im Kunst- und Kulturort Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. statt, der über den gesamten Zeitraum von neun Wochen Hauptveranstaltungsort ist. Die Eröffnung im Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. wird durch ein feierliches Rahmen-Programm im Atrium des Willy-Brandt-Hauses begleitet. Die Ausstellungen im Museum für Kommunikation Berlin und im Art Space Die Möglichkeit einer Insel werden am 20. Juli bzw. am 03. August des Jahres im tieferen Sommer folgen und für je einen Monat Teil des Festivals sein. 

Das Haus des Papiers wird ab dem 10. August Veranstaltungen und Positionen im Rahmen des Festivals präsentieren, darunter u. a. die Vielfalt handgeschöpfter Papiere sowie des traditionellen Kunsthandwerks in Kooperation mit der Kulturabteilung Taipeh, Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland. Das Festival wird nicht nur in öffentliche Kulturstätten, sondern auch in Schulen oder geschlossene Räume wie Berliner Gefängnisse und Hospize getragen, denen der Zugang zu Kunst bisher häufig verwehrt bleibt. Künftig soll es im Zweijahres-Rhythmus stattfinden.

papier und klang möchte möglichst viele unterschiedliche Interessenten einladen zu erforschen, auf welche Art und Weise Papier zum Klingen bringt. Begleitende öffentliche Workshops sollen die aktive Wahrnehmung von Kunst aus Papier und den bewussten und nachhaltigen Umgang mit dem Material erreichen. Künftig möchte das Haus des Papiers damit eine Reihe anstoßen, die den Ausbau einer aktiven Papier- bzw. Papierkunst-Community fördert ... Alle weiterführenden Informationen zum Festival selbst, den beteiligten Einrichtungen und Projekten finden sich hier.

(Haus des Papiers/André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 17.06.2023

Auch Petra Kaltwaßers "Kalabrische Festplatte", eine Assemblage aus Fundstücken, wird gezeigt.
Eine Arbeit Norbert Kaltwaßers heißt "Caritas" und zeugt von Skurrilität und Abgründigkeit zugleich.

Halle: Kaltwaszer & Kaltwaszer

„Nichts wissen wir, und Phantasie ist alles. Umkränz mit Rosen dich und trink und liebe. Und schweig. Der Rest ist nichts.“ Mit diesem Pessoa-Zitat beendete Mitte Mai Helmut Brade seine wunderbare Rede zur Doppelausstellung mit neuen Assemblagen und Fotografien von Petra und Norbert Kaltwaßer, die noch bis zum 1. Juli in der halleschen Galerie Zaglmaier in der Großen Steinstraße 57, 06108 Halle an der Saale zu sehen ist. Seit einer Reihe von Jahren nun stellt Thomas Zaglmaier in seinem kleinen, feinen Ausstellungshaus etablierte wie neue Künstler aus, flankiert von einer kleinen Schar Veranstaltungen für jede Kampagne. So waren denn auch zum 75. Geburtstag Uwe Pfeifers neueste Arbeiten des bekannten Malers und Grafikers aus der Saalestadt zu sehen.

Es ist das Credo dieses so beeindruckenden wie gleichsam wundersamen Künstlerpaars, dessen Arbeiten einem leidenschaftlichen Leben in Aufmerksamkeit und ausdrücklicher Sammelgabe entspringen. Petra Kaltwaßer war viele Jahre in Halle als Oberärztin tätig und hat auf dem Gebiet der Gynäkologie Medizingeschichte geschrieben. Ihre Assemblagen, arrangiert aus Fundstücken aus aller Welt, sind mittlerweile weithin gerühmt und bewundert. Bei Norbert Kaltwaßer wurde der Beruf schließlich zur künstlerischen Passion. Arrangiert mit Sinnlichkeit und Verve, blicken den Besucher die Arbeiten der zwei in der Galerie unterhalb des halleschen Steintors an: das Vitale wie das Morbide, das Stille und das Schöne, auch Skurrile hat darin seinen Platz, lässt immer wieder staunen ob der Vielfalt der Kaltwaßer’schen Blicke. Aber wie konnte es zu diesen kommen?

Lauschen wir dazu noch einmal Helmut Brade, dem renommierten Plakatkünstler, europaweit gefeierten Bühnenbildner: „Amulette des Anthropozäns, Menschwerdung nachgespielt. Festplatten sind Speichermedien, wie sie – was auch immer – speichern, bleibt unsichtbar. Anders nun bei den hier ausgestellten etwas größeren Festplatten, sie legen etwas offen: die burgundische, die sizilianische, die katalanische, die japanische Vergangenheit in einer noch heute überlieferten sichtbaren Form. Es sind also nicht etwa nur schöne Assemblagen, sie strotzen von Inhalten. Festgetretene und korrodierte vergangene Wirklichkeiten öffnen sich zu Schönheiten der Gegenwart.“ Oder hinwiederum mit Blick auf die arrangierten Fotografien Norbert Kaltwaßers: 

„Was schweben soll, muss mühsam an Fäden ins Bild gehängt werden. Wichtig ist auch das Licht, unerklärbar die Wirkungen. Naturalistische Bilder, die wirklich naturalistisch sind. Was man für raffiniert gemalt hält, ist Wirklichkeit, die Wirklichkeit aber fremd und neuartig. So etwas hat man noch nie gesehen. Dass die fotografische Bildwerdung perfekt ist, kommt dazu. Kollagen, wo nichts kollagiert aussieht, nirgends eine Naht, nirgends ein verräterischer Schatten. Nicht alles ist heiter (...) bedrückende Stimmungen, Räume der Angst und des Erschreckens. Zwangsvorstellungen, Obsessionen. Surrealität, die nicht auflösbar ist, durchaus gespeist aus erfahrener Todesdrohung.

So ist das Lichte mit dem sorgsam arrangierten Ernst in eins verbunden. Die Galerie Zaglmaier am Ostrand der halleschen Innenstadt öffnet ihre Räume immer von Mittwoch bis Sonnabend von 13.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Den bereits stattgefundenen literarischen Abenden innerhalb der Schau folgt das Gespräch mit den Künstlern am Abend des 17. Juni (18 Uhr) und endlich, kurz vor der Finissage, am 24. Juni eine Lesung mit einer, nun, der Redaktionsleitung des Pirckheimer-Blogs bestens bekannten Person unter dem Titel Vor der Mondbucht. Die Veranstaltung zu Ehren von Petra und Norbert Kaltwaßer beginnt um 18.30 Uhr und beinhaltet eine Auswahl neuer Texte.

(André Schinkel)

Mi, 14.06.2023

Grafische Mappen aus der DDR

Das Museum Utopie und Alltag und das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) zeigen in einer Ausstellung an drei Orten – Eisenhüttenstadt, Cottbus, Frankfurt (Oder) – grafische Mappenwerke aus der DDR. Ausgangsbasis für das gemeinsame Projekt sind die Bestände von über 320 Mappen des Kunstarchivs Beeskow und des BLMK. In Eisenhüttenstadt stehen die Revolutionen im Fokus der Schau, in Cottbus das Thema bzw. das Motiv der Literatur, und Frankfurt (Oder) erkundet die Vielgestaltigkeit der Landschaftssichten. Zu den Revolutionen, die Künstler*innen im Rahmen von Grafikmappen-Projekten thematisiert haben, gehörten nicht nur die Oktoberrevolution und der Bauernkrieg, sondern auch die November- und die Französische wie die Friedliche Revolution von 1989. Die ausgewählten Radierungen, Lithografien, Holzschnitte und Siebdrucke vermitteln einen vielschichtigen, zum Teil kritischen Umgang mit den historischen Ereignissen, der nach wie vor aktuell sein kann. Die Ausstellungen werden wie folgt an den drei Orten gezeigt: Revolutionen! im Museum Utopie und Alltag Eisenhüttenstadt noch bis zum 08.10., Prometheus und Co. im BLMK Cottbus und Zwischen Arkadien und Wohngebiet im BLMK in der Stadt an der Oder, beide sind jeweils bis zum 20.08. des Jahres zu sehen. Alle Informationen zur Dreifach-Ausstellung finden sich gesammelt unter dem Weblink des Eisenhüttenstädter Museums.

(Museum Utopie und Alltag/Pressemitteilung)

Di, 13.06.2023

Noch bis zum 2. Juli bei Achim Freyer im Kunsthaus zu sehen: ausgewählte Arbeiten von Walter Weiße.

Walter Weisse bei Achim Freyer

Noch bis zum 2. Juli kann man im Kunsthaus von Achim Freyer in Berlin-Lichterfelde in einer Sonderausstellung Arbeiten des Freyburger Malers, Lehrers und Grafikers Walter Weiße (1923–2021) sehen. In einer der wohl ungewöhnlichsten Privatsammlungen Berlins werden Werke eines so vergnügten wie unerschrocken-unbeirrbaren Künstlers gezeigt, der in diesem Jahr (und um ein Haar hätte er das auch geschafft) hundert Jahre alt geworden wäre und dessen Nimbus weit über die ‚Naumburger Toskana‘ hinaus zu reichen hat. Freyer und auch Dieter Goltzsche waren eng mit Walter Weiße befreundet, der, seinen Lebensunterhalt als Kunsterzieher bestreitend, in der Kunst auch zu DDR-Zeiten ein Freigeist blieb und zahlreichen literarischen Größen, darunter der ebenfalls aus dem mitteldeutschen Burgenland stammende Friedrich Nietzsche (1844–1900), arbeitete. Die Finissage für die Weiße-Schau findet am 02.07. um 17 Uhr statt. Führungen durch den Freyer’schen Kosmos finden immer sonntags ab 15 Uhr statt. Für einen anderen Termin, das bis an die Decke mit Kunst erfüllte Haus zu entdecken, melde man sich bitte per Mail an: team@achimfreyer.com.

(André Schinkel)

Mo, 12.06.2023

Am 18. Juni 2023 geht die "Palmbaum"-Ausstellung auf Schloss Burgk bei Schleiz mit Goethe-Erotica-Lesung, einem Künstlergespräch und Musik zu Ende.
Dr. Jens-Fietje Dwars | © Sylwia Mierzynska

Palmbaum und Erotica: Finale der Ausstellung auf Schloss Burgk

Am Sonntag, den 18. Juni 2023, geht die Palmbaum-Ausstellung auf Schloss Burgk zu Ende. „Wahre Wunderkammern“, nennt sie Volker Braun. Gemeint sind die Ausgaben der Zeitschrift Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. 1993 von Detlef Ignasiak gegründet, übernahm 2005 der Jenaer Autor Jens-Fietje Dwars die Redaktion. Seitdem werden die Einbände von Künstlern gestaltet. Die Spannweite reicht von Gerhard Altenbourg, Angela Hampel über Moritz Götze, Gerda Lepke und Gerd Mackensen bis zu Uwe Pfeifer, Max Uhlig und Baldwin Zettl

Das 30-jährige Bestehen begeht die Zeitschrift mit einer Ausstellung im Schloss bei Schleiz. Sie zeigt 300 Objekte in fünf Räumen, alle Einbände und ihre originalgrafischen Vorlagen, dazu sämtliche Hefte, Künstlerbriefe von Karl-Georg Hirsch, Hans Ticha und Strawalde, Manuskripte von Volker Braun, Reiner Kunze und Wulf Kirsten sowie erstpublizierte, exklusive Autografen von Gottfried Benn und anderen. Im Pirckheimer-Kabinett sind Grafik-Mappen und Beilagen der Marginalien zu sehen, und ein erotisches Kabinett präsentiert Zeichnungen von Gerd Mackensen.

Zum prickelnden Vergnügen wird das Finale der Ausstellung am 18. Juni: 70 Jahre und einen Tag nach dem DDR-Arbeiteraufstand wird der „Aufstand der Leiber“ gefeiert – in der Kunst. Ab 15 Uhr lesen die Schauspielerin Romy Gehrke und Ausstellungsmacher Jens-Fietje Dwars aus Goethes Erotica, die 150 Jahre lang zensiert, unterdrückt und verstümmelt wurden. Auf den „kastrierten Klassiker“ folgt ein Gespräch mit Gerd Mackensen über erotische Kunst heute. Dazu passend spielt Matthias von Hintzenstern Klavier und Cello. Sein Bruder Michael von Hintzenstern gibt bereits ab 14 Uhr ein kleines Konzert auf der Silbermann-Orgel in der Schlosskapelle von Burgk.

Ein Porträt des Malers Gerd Mackensen findet sich auf dem Cover des Buchs zur Ausstellung: Ateliergespräche. Porträts ostdeutscher Bildermacher, erschienen in der Edition Ornament, quartus-Verlag Bucha bei Jena. Im Übrigen ist Schloss Burgk immer eine Reise wert: Hoch über der Saale-Talsperre, rings von Wäldern umgeben, lädt es zu Wanderungen ein und verkörpert Baugeschichte von der Mittelalter-Burg bis zur Kleinststaaten-Residenzkultur des 19. Jahrhunderts ... Und auch das jüngste Heft des Palmbaum ist noch lieferbar: Gewidmet der großen Frage, worin denn (wahrer) Reichtum besteht, lohnt sich die Lektüre der Zeitschrift auf jeden Fall. Willkommen in Burgk!

(Pressemitteilung/Jens-Fietje Dwars)

Sa, 10.06.2023

Der Katalog zur Ausstellung, auf dem Cover Werner Klemkes "Der Affe und die Kokosnuß", erschien, hrsg. von Olaf Thormann, bei Faber & Faber in Leipzig.

Grassi: Von Bonnard bis Klemke

Noch bis zum 24.09.2023 wird im Leipziger Grassi Museum die Ausstellung Von Bonnard bis Klemke. Illustrierte Bücher und Mappenwerke aus der Sammlung Wieland Schütz, Berlin gezeigt. Die Liste moderner Künstler, die sich dem Buch gewidmet haben, lässt keine Größe aus: Sie reicht von Manet, Picasso und Matisse über Slevogt, Kirchner und Barlach bis hin zu Grieshaber, Heisig und Baselitz. Sie alle sind Teil einer Schenkung des Sammlers Wieland Schütz an das Grassi Museum für Angewandte Kunst, die das Herzstück dieser Ausstellung bildet. Diverse neue Drucktechniken führen im 19. Jahrhundert zu einem Comeback der Buchkunst. Künstler und Drucker erwecken gemeinsam die Illustration zu neuem Leben – von der untergeordneten Rolle als Buchschmuck entwickelt sie sich zur seitenfüllenden Protagonistin. Die künstlerischen Mittel der Illustrationen sind dabei vielfältig. Kontrastreiche Farben und feine Graustufen stehen sich ebenso gegenüber wie zarte, fließende Linien kräftigen, kantigen Flächen oder erzählerische Szenen abstrakten Stimmungsbildern. Mit Werner Klemke (1917–1994), dessen Druck Der Affe und die Kokosnuß das Plakat wie auch den Katalog ziert, ist auch einer der renommiertesten Pirckheimer in der illustren Runde. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, herausgegeben von Olaf Thormann, mit Beiträgen von Julia Blume, Karoline Schliemann, Bernd Schultz und Olaf Thormann selbst, der neben Karoline Schliemann die Schau kuratierte. Das Buch erschien bei Faber & Faber, Leipzig 2023, 300 Seiten stark als Hardcover, ISBN 978-3-86730-256-2, und ist für 40 Euro im Shop des Museums wie im guten Buchhandel erhältlich. Es findet ein umfängliches Rahmenprogramm statt.

(Grassi Museum/André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 09.06.2023

Albrecht Dürers berühmtes Bildnis seiner Mutter kurz vor ihrem Tod, Kohlezeichnung von 1514.

Dürer im Kupferstichkabinett

Albrecht Dürer: Eine Spurensuche im Kupferstichkabinett – seit dem 12. Mai und noch bis zum 27. August führt das Berliner Kupferstichkabinett anhand von 130 Meisterwerken Dürers gesamtes Schaffen exemplarisch vor Augen. Dabei wird erstmals auch die facettenreiche Geschichte des Bestands selbst sichtbar gemacht. Das Berliner Kupferstichkabinett besitzt heute eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Handzeichnungen und Druckgrafiken Dürers. Anhand der Dürersammlung lässt sich die Bedeutung von Albrecht Dürers Kunst für Berlin und die Herausbildung nationaler Kulturidentitäten vor wechselnden gesellschaftspolitischen Rahmen und Bedingungen aufzeigen. Dieser Komplex ist – selbst vor dem Hintergrund zahlreicher Dürer-Ausstellungen der letzten Jahre – ein geradezu geborenes Thema für das Kupferstichkabinett, das nicht nur die didaktische Erschließung sammlungshistorischer Zusammenhänge vor Ort und im Katalog ermöglicht, sondern auch zahlreiche Meisterwerke im Original erfahrbar macht. So werden neben Dürers Meisterstichen hochberühmte Holzschnittfolgen wie die Apokalypse, das Marienleben oder das Rhinozeros in hervorragenden Zuständen gezeigt. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem zeichnerischen Œuvre, aus dem Werke wie Dürers Mutter, die Drahtziehmühle und Vorstudien für das Rosenkranzfest sowie zahlreiche Blätter aus dem berühmten Skizzenbuch der Niederländischen Reise des Meisters ausgestellt werden. Sicherlich eine der beeindruckendsten Ausstellungen des 2023er Kunstsommers. Zur Schau erschien ein Katalog im Hatje Cantz Verlag (Hardcover, 384 Seiten, ISBN 978-3-7757-5475-0, 48 Euro). Hingehn, ansehn und staunen!

(Kupferstichkabinett/André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 07.06.2023

Udjat- oder Horus-Auge samt Freimaurer-Insignien.
Im Museum ausgestellt: Johann Joachim Kändlers "Zwei Freimaurer am Globus", Porzellan, etwa 1744. | © Deutsches Freimaurermuseum e. V., Bayreuth

Freimaurer-Ausstellung in Gotha

Seit dem 23. April und noch bis zum 15. Oktober wird im Gothaer Herzoglichen Museum die Sonderausstellung Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha gezeigt. Geheimbünde wie die Freimaurer umgibt ein mythischer Schleier, sie liefern den Stoff für Bestseller und Blockbuster. Die große Ausstellung lüpft diesen Schleier ein wenig und widmet sich der Freimaurerei und dem Illuminatenorden in Gotha während der Regentschaft Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Darüber hinaus nimmt sie die Mysterienkultur des Alten Ägyptens in den Blick. In der Schau sind eine Vielzahl originaler Objekte aus dem Umkreis der Freimaurerei zu sehen, die in ihrer Faszination für das Altägyptische sowohl Aufklärung als auch die Beschäftigung mit geheimem Wissen betrieb. Herzog Ernst II. war seit 1774 Mitglied der Freimaurerloge „Zum Rautenkranz“ und von 1775 bis 1777 Landes-Großmeister der Großen Landesloge von Deutschland. Die Ausstellung gibt Einblicke in die bedeutungsvolle frühe Phase der Freimaurerei in Thüringen: Bereits 1741 wurde sie von der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ begründet, der Ort der ersten freimaurerischen Arbeit war Schloss Molsdorf. Die Ausstellung, die auch noch zu sehen sein wird, wenn vom 22. bis 24. September 2023 das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft in der Residenzstadt stattfindet, ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 8 (ermäßigt 4) Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Pirckheimer-Freund und der Organisator des Jahrestreffens vor Ort, Peter Arlt, hat zur Schau einen so aufschlussreichen wie tief schauenden Artikel veröffentlicht, er ist auf der Webseite des Neuen Deutschland einzusehen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 06.06.2023

"Overseas · Übersee · Outremer" – vom 15.06. bis zum 07.07.2023 zeigt der Radierverein Arbeiten von Ute Haring, Melissa MayerGalbraith und Lex Braes.

Overseas · Übersee · Outremer

Der Verein für Original-Radierung München e. V. (Ludwigstraße 7, 80539 München) zeigt in seinen Galerieräumen vom 15. Juni bis zum 7. Juli die Ausstellung Overseas · Übersee · Outremer mit Arbeiten von Ute Haring (London), Melissa MayerGalbraith (München) und Lex Braes (New York) gezeigt, die „in einem grenzüberschreitenden Austausch entstanden“ sind. Die Vernissage findet am 15.06. um 19 Uhr in Anwesenheit der Ausstellenden statt. Anschließend ist die Exhibition jeweils von Montag bis Mittwoch von 15 bis 19 Uhr und am Samstag, den 01.07., von 11 bis 14 Uhr zu sehen. Auch ein Beiprogramm wird geboten: Am 21.06. liest die Romanistin Barbara Vinken in der Schau, und am 06.07. lädt Marc Parisotto zu einem akustischen Erlebnis ein. Die Veranstaltungen beginnen jeweils 19 Uhr. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Radiervereins. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 04.06.2023

Zwei Buchbinderinnen bei der Arbeit, Berlin 1928.
J. W. von Goethes „Walpurgisnacht“, Einband von Ulrich Widmann. Hamburg, 2018. | © Loek de la Haije
„Chansons d’amour“, Einband: Esther Everding, Sammlung Feenders, 2015. | © Frauke Proschek
Der Sammler und Bibliophile Dr. Onno Feenders in seiner Privatbibliothek. | © T. Klinkow Photography

Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst in Oldenburg

Die Ausstellung Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst gibt Einblick in die Entwicklung des zeitgenössischen künstlerischen Bucheinbands in Deutschland – von den Anfängen in den Handbindeabteilungen der Leipziger Buchbindereien im frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Handgebundene Bücher, Buntpapiere, Gestaltungskonzepte, Werkzeuge, Materialien und Werkstattimpressionen dokumentieren die kontinuierliche Entwicklung der Einbandkunst, Wandel und Innovationen in Gestaltung und Handwerkstechniken sowie Einflüsse aus den europäischen Nachbarschaft an Beispielen der internationalen Vereinigung Meister der Einbandkunst.

Die Jubiläumsausstellung zum 100. Jahrestag der Gründung des MDE, die zunächst in Leipzig gezeigt wurde, wird in der Landesbibliothek Oldenburg, in der die Schau vom 8. Juni bis zum 19. August zu sehen ist, ergänzt durch Meistereinbände aus der Sammlung Onno Feenders, die sich seit 2022 in der Landesbibliothek befindet. Die Ausstellung spiegelt dabei die Wechselwirkung von Einbandkunst und Sammelkultur und zeigt, dass der handgebundene, der unikale Einband seinen Reiz, seine Faszination auch bis heute nicht verloren hat.

Das „schöne Buch“ ist ein sinnliches Vergnügen. Es lädt uns ein, den Text, die Typographie, die Grafik und die Haptik der verarbeiteten Materialien zu erleben. Der Einband verbindet diese verschiedenen Ebenen und gibt dem Buch seine Form. Die Meister der Einbandkunst widmen sich der Aufgabe, die Kultur der zeitgenössischen Einbandkunst auf handwerklich und künstlerisch hohem Niveau zu pflegen, zu fördern und fortzusetzen. Die internationale Vereinigung bildet heute ein Forum für die moderne Einbandkunst und verbindet Buchbinder, Einbandkünstler, Sammler, Fachleute und am Einband interessierte Menschen.

Seitdem es Bücher gibt, gibt es auch Menschen, die Bücher sammeln und wertschätzen. In einem gesteigerten Maße trifft dieser Umstand auf einen Bibliophilen, einen Bücherliebhaber zu. Mit der Sammlung Feenders befindet sich in der Landesbibliothek ein kostbarer Bücherschatz eines derartigen Bibliophilen. Einige prachtvolle Stücke daraus werden in der Ausstellung präsentiert. Die Sammlung Feenders besticht durch ihre Dichte und Geschlossenheit und durch die konsequente Auswahl nach strengen Kriterien wie exzellenter Einbandkunst, Illustration und Typographie. Sie umfasst Einbände berühmter Meisterinnen und Meister, darunter Frieda Thiersch und Ignatz Wiemeler, und experimentelle Arbeiten zeitgenössischer Einbandkünstler.

Die Vernissage zur Ausstellung Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst, findet am 7. Juni um 19 Uhr in der Landesbibliothek (Pferdemarkt 15, in 26121 Oldenburg) stattZur Einführung spricht Ingela Dierick, Vorsitzende der Internationalen Vereinigung Meister der Einbandkunst (MDE). Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr und am Samstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet, der Eintritt in die Exhibition ist frei. Und: Zur Ausstellung erscheint, herausgeben von der Vereinigung, ein umfänglicher Katalog mitsamt historischem Abriss, Verzeichnis der Objekte, mit Spezialthemen und vollständiger MDE-Bibliographie von 1923 bis 2023: Meisterhafte Unikate. 100 Jahre Einbandkunst. Aachen: MDE – Meister der Einbandkunst 2022, 22 x 28 cm, 122 Seiten mit AusklappteilWeichbroschur mit Klappen, Fadenheftung, über 150 Abbildungen, davon über 100 in Farbe, ISBN 978-3-92174-370-2. Der Preis für ein reguläres Exemplar beträgt 45 Euro.

Alle weiteren Informationen findet man auf der Webseite der Internationalen Vereinigung Meister der Einbandkunst (MDE) sowie der Seite der Landesbibliothek Oldenburg. Ansprechpartnerin vor Ort ist Michaela Klinkow, Telefon: (0441) 50 50 18 80, Mail: klinkow@lb-oldenburg.de

(Landesbibliothek Oldenburg/Pressemitteilung)

Sa, 03.06.2023

"Das Unikat als Buch": noch bis 11. Juni in Neukölln.

Das Unikat im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit

Noch bis zum 11. Juni ist der zweite Teil der von Deborah S. Philipps kuratierten Ausstellung Das Unikat im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit im Kunstverein Neukölln zu sehen. Part II geht wie der erste Teil dem Thema „Drucktechniken und Unikat“ nach, einem in der Technik des Druckens enthaltener Widerspruch: Ist die makellose Wiederholung des Gleichen das Ziel oder der Moment des Entstehens inklusive aller möglichen Zufälle? Sechs Künstler*innen aus dem Berliner Raum versuchen darauf Antwort zu geben. Christine Guth trägt ihre Überlegungen zur Wohnungsnot in Rot-Schwarz vor. Ihre Plakate kommen zwar als gerahmte und gebundene Unikate daher, sind aber von der Intention als eine Auflage zu denken. Esther Horn stellt ihre Arbeiten in Glasvitrinen dem Besucher in den Weg. Ihre Leporellos mit zarten Zeichnungen zeigen urbane Plätze im Vergleich. Christoph Damm stellt neben seinem ersten Buch Siebdrucke vor, James Edmonds lädt in seiner Installation zum Blättern in Notiz- und Skizzenbüchern ein. Und: Wie eine Art Spange verbinden die räumlichen Arbeiten von Constanze Kreiser die Ausstellungsräume. Ein Leporello im Siebdruck begleitet in die Ausstellung und lenkt den Blick auf ein fragiles Faltwerk im Nebenraum und gleichsam auf ein Konvolut Papierkugeln, aus eingesumpften Büchern hergestellt. Zur Finissage ist es möglich, die Ausstellenden ab 19 Uhr zu Künstlergesprächen zu treffen. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 29.05.2023

Claudia Berg: “Canal Grande" (am Ca’ d’Oro, Venedig), Kaltnadelradierung, entstanden 2021 und 2022.
Claudia Berg: “Blick zu Santa Maria della Salute" (am Canal Grande, Venedig), Kaltnadel, 2021/2022.
Claudia Berg: "Blick zum Palazzo Balbi" (Venedig, am Canal Grande), Kaltnadelradierung 2021/2022.

Claudia Berg: Reise nach Venedig

Reise nach Venedig: Sie darf mit Fug und Recht als eine der bedeutendsten Grafikerinnen gelten, die der kulturellen Großlandschaft Mitteldeutschland entstammt: Claudia Berg, deren Werk mittlerweils weit über den deutschsprachigen Raum hinaus wirkt. Die vielfach – so 2022 mit dem renommierten Hans-Meid-Preis – Geehrte stellt noch bis zum 15. Juni in der halleschen Galerie Erik Bausmann (Martha-Brautzsch-Straße 13, 06108 Halle an der Saale) aus. Zu sehen sind venezianische Blicke in Zeichnung, Öl und ihrer Meistertechnik, der Kaltnadelradierung

Das Ausstellungshaus, 1990 in Mainz gegründet, residiert seit 2019 in der Saalestadt und widmet sich den Großen in der Bildenden Kunst der Moderne bis den Weitblickenden der Gegenwart. Im Kanon Bausmanns ist Claudia Berg eine der Stammkünstlerinnen – das Gros ihrer jüngeren, sich technisch erheblich aufweitenden Arbeiten wurde erstmals hier gezeigt, wie eine beeindruckende Reihung an Exhibitionen im Archiv beweist. Der jüngste Katalog der Galerie vereint ihre Bilder in Öl, einer wie auch die übermalten Radierungen noch recht jungen Werkstrecke in ihrem Œuvre.

Darin finden sich wiederum zahlreiche der Venedig-Motive, die ihre Arbeit an- und umtreiben. In der Schau kombinieren sie sich mit den Sepiatuschzeichnungen und Radierungen der Hallenserin, die nach dem Studium und der Meisterschülerzeit an der Burg Giebichenstein (die Künstlerin studierte bei Thomas Rug, sicher eines der bedeutendsten Grafik-Lehrer der letzten Jahrzehnte, aus dessen Lehre weitere bedeutende Künstlerinnen wie Claudia Bergs Schwester Susanne Theumer, Franca Bartholomäi, Andrea Ackermann oder Sara Möbius hervorgingen) mit zahlreichen Zyklen, Mappen und originalgrafischen Büchern sowie Buchcovern an die Öffentlichkeit trat. 

Immer wieder gibt es darin Bezüge zu ihrer Herkunft und zur Literatur. Beeindruckend sind ihre Folgen zum Mansfeld etwa oder zu Lessing. Seit einigen Jahren nun hat Claudia Berg den Süden entdeckt, ist Italien ihre künstlerische Herzensheimat geworden. Und das ihr ganz eigene Prinzip „Verdichtung durch Reduktion“ wechselte auch in andere Genres: Aquarelle entstanden, übermalte Drucke, seit etwa drei Jahren auch Gemälde. Eben die letztere Transformation sieht Helmut Brade, der große hallesche Plakatkünstler und Freund, in seiner Laudatio zur Schau als folgerichtig an:

„Sie hatte einen Punkt erreicht, wo eine Steigerung nicht mehr ohne weiteres möglich war. Die Steigerung war eben Italien und die Farbe. Das führte unausweichlich zur Malerei. [] Und nun noch Venedig, eine Stadt der Nebel und Spiegel, eine Stadt aufgelöster Bildwelten, das Gläserne und das Spitzenhafte, eine Stadt des magischen Lichts und der Unschärfe, wo die Konturen im Licht der Farbe untergehen. Für sie war das“, so Brade, „ein Geschenk im richtigen Augenblick.“

Nun, auch einen Eindruck von ihren meisterlichen Kaltnadelradierungen (vgl. den Bildteil) muss man sich verschaffen. Die Ausstellung in Halle ist noch bis zur Mitte des kommenden Monats von Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 14 Uhr zu sehen. Und im Übrigen ist Claudia Bergs Kunst zudem Teil der Edition Pirckheimer – in der zweiten Folge der bibliophilen Publikation der Pirckheimer-Gesellschaft, die auf der Leipziger Buchmesse im April 2023 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, ist die Grafikerin mit einem Blatt vertreten. 

(André Schinkel)

Sa, 27.05.2023

Neue Illustrationen und Malerei von Michael Sowa werden ab dem 31.05.2023 bei Weilensee in Berlin-Kreuzberg gezeigt und als Print-Edition angeboten.

Michael Sowa bei Weilensee

Der Grafikladen Weilensee lädt zur Ausstellungseröffnung mit einer Auswahl Illustrationen und Malerei mit dem „Meister der komischen Kunst“: Michael Sowa. „Sowas Universum verheißt dem Betrachter nicht nur ein eigentümliches Paradies, sondern auch eine alternative Hölle“, schrieb einst Hans Magnus Enzensberger, einer der vielen großen Geister, mit denen der Meister arbeitete – ebenso wie für Titanic und New Yorker. In den altmeisterlichen Bildern und Blättern hängt das Idyll immer ein wenig schief, dass einem gern leis blümerant wird. Die Dinge geraten durcheinander ... aber es bleibt immer auch Hoffnung und Wundersames: das Wasser, die Wolken, der Wald. Die kleine Exposition im Laden in Berlin-Kreuzberg (Bergmannstraße 9, geöffnet Dienstag bis Samstag 12 bis 18 Uhr) wird am 31. Mai um 19.30 Uhr eröffnet. „Es wird um zahlungsfreudiges Erscheinen gebeten. Alle ausgestellten Arbeiten können als signierte Print-Edition erworben werden, die als hochwertige Pigmentdrucke auf Kunstdruckpapier ausgeführt sind.“ Klingt doch verlockend!

(André Schinkel/Pressemitteilung)